Mehr als Musik: Wie sich Spotify, Deezer, Apple Music und Co. unterscheiden

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Spotify
Spotify(© 2016 CURVED)

Die Größe des Musikkatalogs ist nicht mehr wichtig. Stattdessen werben Spotify, Deezer, Apple Music und Co. mit besonderen Diensten um neue Nutzer. Wie sich die Streamingdienste voneinander unterscheiden, lest Ihr in der Übersicht.

Playlisten, Radio-Sender und Charts gehören zur Standard-Ausstattung eines guten Musik-Streaming-Dienstes, aber neue Kunden gewinnt man nicht mehr nur mit einer großen Auswahl an Songs. Bei den zusätzlichen Angeboten sind die Unterschiede zwischen den Konkurrenten deutlicher.

Spotify: auf dem Weg zum Multimedia-Dienst

Spotify arbeitet momentan nicht nur an zwölf eigenen Serienformaten, dessen Folgen jeweils nur 15 Minuten lang sein sollen, sondern bietet bereits Video-Shows an und hat damit schon jetzt mehr als nur Musik im Angebot. In Deutschland handelt es sich bisher vor allem um Clips von öffentlich-rechtlichen Sendern und Youtube-Kanälen. Mit "Fest & Flauschig" von Jan Böhmermann und Olli Schulz hat sich der Musikdienst ein deutsches Aushängeschild für seinen Podcast-Bereich geholt.

Darüber hinaus erfreut sich die Rubrik "Dein Mix der Woche" großer Beliebtheit. Anhand der in der Vergangenheit gehörten Musik erstellt Spotify jeden Montag eine knapp zweistündige Playlist mit rund 30 Songs, die Euch ebenfalls gefallen könnten. Playlists fürs Workout oder zum Joggen finden sich eigentlich bei jedem Streaming-Anbieter, aber mit Spotify Running erwartet die Jogger unter Euch eine Besonderheit: Ihr gebt ein, wie viele Schritte in der Minute Ihr machen wollt und Spotify sucht – auch genrebasiert – passende Songs aus. Spotify kann zwar nicht Musikdateien direkt am Smartphone abspielen, aber über die App auf dem Computer könnt ihr von dort lokale Dateien zur Wiedergabe auf das Smartphone synchronisieren.

Deezer: viele Podcasts im Angebot

Schaut man sich die "Sonderangebote" an, ist Deezer der härteste Konkurrent von Spotify. Nach eigenen Angaben stehen bei dem Dienst 40.000 Podcasts zur Auswahl. Mit Flow steht eine Playlist bereit, deren Inhalt auf Eurer Bewertung anderer Songs basiert. Ihr könnt sie mit "Daumen hoch" gut oder mit "Daumen runter" schlecht bewerten. Deezer ist zudem neben Tidal der einzige Streaming-Dienst, der unkomprimierte Dateien im Flac-Format anbietet.

Im App-Studio findet Ihr Plugins für die Deezer-App, die zum Beispiel Hörbücher als eigene Kategorie auflisten, die sich bei anderen Diensten im großen allgemeinen Song-Angebot verstecken. In der Fußballwelt könnt Ihr alle Spiele der ersten und zweiten Bundesliga im Radio-Livestream hören – dank einer Kooperation von Deezer mit Sport1.fm.

Apple Music: Musiker im Fokus

Einige Musiker – vor allem Taylor Swift und Drake – sind von Apple Music begeistert und machen nicht nur Werbung für den Streamingdienst, sondern stellen Ihre Alben dort exklusiv ein. Mit Connect – einer Art sozialen Netzwerk innerhalb des Musikdienstes, über das Musiker direkt mit ihren Fans kommunizieren können – stellt Apple die Künstler mehr in den Fokus. Dazu gibt es mit Beats 1 eine eigene Radiostation, die nicht nur eine Playlist ist, sondern 24 Stunden am Tag von wechselnden DJs bespielt wird. Darüber hinaus bindet Apple als einziger der hier aufgezählten Dienste Musikvideos in den Suchergebnissen ein und spielt sie auch direkt in der App ab. Über iTunes könnt Ihr zudem lokale Dateien zur Wiedergabe in Apple Music von Eurem Computer auf das Smartphone übertragen. Bereits auf dem Gerät vorhandene Dateien kann die App aber nicht abspielen.

Napster: Mit eigener Song-Erkennung

Napster lockt mit TrackMatch. Dabei handelt es sich um eine Funktion, die ähnlich wie Shazam einen Song der gerade zu hören ist erkennt und ihn aus dem 40 Millionen Titel umfassenden Katalog des Dienstes raus sucht. Allerdings fehlt der entsprechende Eintrag gerade im Menü der App und kommt hoffentlich mit dem nächsten Update zurück. Darüber hinaus wirbt Napster damit im Audi A6, A7 und TT sowie über „BMW Apps“ und „MINI Connected" in direkt in die Bordsysteme der Autohersteller eingebunden zu sein und über Set-Top-Boxen und Home-Entertainment-Systeme diverser Hersteller direkt abspielbar zu sein. Damit können aber andere Streaming-Dienste punkten - auch wenn es im Detail Unterschiede bei den unterstützten Geräten gibt.

Andere Anbieter haben allerdings keinen eigenen Auto-Bereich. Bei Napster könnt in diesem Songs und Playlists ablegen, die Ihr im Auto über eine vereinfachte Nutzeroberfläche schneller abrufen könnt. Für die Offline-Wiedergabe könnt Ihr die im Auto-Bereich hinzugefügten Titel automatisch herunterladen und über eine Aux- oder Bluetootch-Verbindung an das Autoradio übertragen. Ähnlich funktioniert der Kids-Bereich, der aber dafür gedacht ist, dass Ihr Euren Kindern Titel auswählt die, sie hören dürfen und Ihnen nicht den Zugriff auf den gesamten Katalog gibt. Zusätzlich gibt es noch Songvorschläge vom Napster-Team und als Nebeneffekt müsst Ihr Euch keine Sorgen machen, dass der Nachwuchs in Eurem Profil ein Chaos anrichtet. Für wechselwillige Nutzer anderer Dienste hält Napster zudem einen Playlist-Converter bereit.

Google Play Musik: Spielt Musik direkt Smartphone ab

Mit besonderen Angeboten lockt Google Play Music bisher nicht. Die App schlägt Euch zwar auch hierzulande passend zur Tageszeit von Kuratoren erstellte Playlisten vor, aber das Podcast-Angebot steht bisher nur Nutzern in den USA zur Verfügung. Mit einem Trick könnt Ihr Euch die Sendungen zwar auch schon in Deutschland anhören, aber bisher gibt es noch keine deutschsprachigen Podcasts bei Play Musik. Falls es soweit ist, werdet Ihr dort garantiert unseren CURVED-Cast finden.

Amazon Prime Music: Zugabe oder Besonderheiten

Amazon Prime Music hat mit rund einer Million Songs die mit Abstand kleinste Song-Auswahl, die so weit von den sonst üblichen 20 bis 35 Millionen Titeln entfernt ist, dass sie erwähnenswert ist. Besondere Dienste lassen sich bei diesem Streaming-Dienst nicht entdecken. Das könnte unter anderem daran liegen, dass er im großen Prime-Angebot bisher nur eine Zugabe und nicht das große Zugpferd ist. Denn die Gründe, ein zahlender Prime-Kunde zu werden, sind vor allem der kostenlose Premiumversand des Online-Händlers und Prime Video. Da kann auch Spotify nicht mithalten. Doch beim Gesamtpaket verkommt das Musikstreaming zur Nebensache.

Amazon Prime Music ist die Zugabe und hat deswegen selber wenig Zugaben im Angebot.(© 2016 CURVED)

Tidal: Lossless braucht die nötige Hardware

Tidal kann für sich vor allem, aber nicht als einzige Dienst reklamieren Musik im lossless-Format Flac – also ohne Komprimierung – zu streamen. Um dessen Qualität im Unterschied zu komprimierten MP3 wirklich hören zu können, benötigt Ihr allerdings auch die passende hochwertige Musikanlage. Die Lautsprecher von Smartphones, reichen trotz allen Fortschritts der letzten Jahre dafür noch nicht aus. Für die mobile Nutzung bietet Tidal also keinen wirklichen Mehrwert. Am Ende bleibt vielleicht noch die Hoffnung ein Album von Beyonce, Jay-Z oder anderen Musikern für einige Zeit exklusiv hören zu können.

Fazit

Derzeit hat Spotify die Nase vorn, ist mit dem aktualisierten Tarifmodell für Familien nochmal attraktiver geworden und punktet mit prominenten deutschen Angebot, wie etwa dem neuen Podcast von Böhmermann und Schulz. Apple Music spricht vor allem mit Beats 1 ein internationales Publikum an. Deezer versucht derweil, sich mit Podcasts und unkomprimierter Musik zu etablieren. Amazon Prime Music und Google Play Musik hingegen bieten am wenigsten an, um neue Hörer für sich zu gewinnen.


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