Nach dem iPhone SE: Kommen Mini-Smartphones wieder in Mode?

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Das iPhone SE
Das iPhone SE(© 2016 Apple)

Apple hat mit dem iPhone SE einen beherzten Schritt hin zur die Mini-Smartphone-Zielgruppe gemacht. Dabei haben sich die meisten Hersteller den Phablets verschrieben. Doch was passiert jetzt, wenn die wertvollste Marke der Welt diesen Sektor betritt?

Bis zum iPhone 6 waren alle Apple-Smartphones maximal vier Zoll groß. Ein Blick auf die Verkaufszahlen aus den Geschäftsjahren 2013 und 2014, welche die Periode von iPhone 5, 5c und 5s abdecken, zeigt, dass Apple in der Zeit mehr als 300 Millionen iPhones verkauft hat. Allein am ersten Wochenende nach der Vorstellung des iPhone 5c und 5s wurden neun Millionen Geräte unter die Menschen gebracht. Doch angeblich verlangten viele Kunden etwas Größeres. Es war der Siegeszug der Phablets.

Mit der iPhone-6-Reihe vergrößerte auch Apple den Bildschirm. Und dennoch: Die Kunden greifen lieber zum kleineren iPhone 6s als zum iPhone 6s Plus. Und dann das: 30 Millionen der verkauften iPhones im Jahr 2015 waren ebenfalls 4-Zoll-Modelle. Kein Wunder also, dass es nun ein iPhone SE gibt. CEO Tim Cook nennt es "das stärkste 4-Zoll-Smartphone aller Zeiten".

Und damit hat er Recht: Statt die Leistung parallel zur Bauform zu schmälern, spendiert der Hersteller seinem iPhone SE bis auf die Bildschirmauflösung die Technik der großen Brüder. So kommt im iPhone SE der A9-Chipsatz aus dem iPhone 6s zum Einsatz. Ebenfalls an Bord: der M9-Chip, der das "Hey Siri"-Feature ermöglicht. Die Kamera löst rückseitig wie beim iPhone 6s mit 12 Megapixeln auf, vorderseitig allerdings nur mit 1,2 Megapixeln wie beim iPhone 6. Dafür ist die Selfie-Flash-Funktion des iPhone 6s integriert. Der vier Zoll kleine Bildschirm hat zwar nur eine Auflösung von 1136 x 640 Pixeln, erreicht mit 326 ppi allerdings die gleiche Pixeldichte wie die größeren iPhones mit 1334 x 750 Pixeln auf 4,7 Zoll.

Die Mini-Androiden sind zu schwach - und nicht "mini"

Werfen wir einen Blick auf die Android-Geräte, die im kleinen Sektor verkauft wurden. Ab 2012 schienen sie sich noch gut zu halten, ab 2014 ging es dann steil bergab. Vor allem, weil ihr Preis-Leistungsverhältnis nicht konkurrenzfähig war. Wer kauft schon ein kleines Handy mit schlechterer Technik? Die Käufer mussten in den meisten Fällen deutliche Abstriche im Funktionsumfang hinnehmen. Mal hatte die Kamera weniger Megapixel als das größere Modell, mal war der Prozessor schwächer. Verständlich, dass die Kunden dann einen Kompromiss eingehen und lieber zu einem größeren Modell griffen.

Der Misserfolg war hausgemacht. Die Folge: Aktuell ist der Markt der Mini-Smartphones im Android-Bereich sehr überschaubar. 4-Zoll-Geräte gibt es so gut wie gar nicht und wenn, dann sind sie zumindest 4-komma-irgendwas Zoll groß.

Sony hat mit dem Xperia Z5 Compact (4,6 Zoll) ein interessantes Mini-Smartphone im Angebot. Denn Sony ist der einzige Hersteller, der bei seinen kleinen Smartphones im Vergleich zu den größeren Brüdern hauptsächlich nur die Größe und nicht die technische Ausstattung verändert: wasserdicht, Achtkern-Prozessor, 23-Megapixel-Kamera und ein Bildschirm mit  HD-Auflösung (1.280 x 720 Pixel). Technisch gesehen liegt das Z5 Compact zwar auch weit hinter Apples neuem iPhone SE, bietet seiner Zielgruppe aber durchaus eine Alternative zu den großen Brüdern. Doch auch bei dieser Smartphone-Reihe wird deutlich: Seit Sony mit den Compact-Handys angefangen hat, sind sie größer geworden. Das Z1 Compact war noch 4,3 Zoll groß. Und mit einem Nachfolger brauchen wir hier nicht mehr zu rechnen: Die große Z-Reihe läuft aus, und bei den aktuellen X-Smartphones konnten wir noch keinen kleinen Ableger entdecken.

Aus dem Hause Samsung gibt es derzeit keine 4-Zoll-Handys. Noch bis vor Kurzem brachte man ergänzend zum großen Galaxy-Flaggschiff auch einen Mini-Ableger. Das ist vorbei. Die kleinsten Smartphones des Herstellers sind das Galaxy 5 mini mit 4,5 Zoll oder das aktuelle Galaxy A3 mit 4,7 Zoll. Mini ist das nicht.

Auch bei LG sieht es im Kleingeräte-Bereich mau aus. Zum letzten Flaggschiff G4 gab es ein kleineres Schwesternmodell, das LG G4s, welches trotzdem noch 5,2 Zoll groß war. Außerdem reihte es sich ein in die Riege der Android-Geräte, die so ähnlich heißen wie ihr großer Bruder, technisch gesehen aber radikal gestutzt wurden. So hatte das G4s weniger Power, weniger Pixel und weniger Akku. Für das aktuelle LG G5 ist bisher keine kleinere Version in Sicht. Stattdessen setzt LG lieber auf eine zusätzliche Einsteiger-Serie, die - Ihr könnt es Euch denken - technisch weniger gut ausgestattet ist. Das K4 ist beispielsweise 4,5 Zoll groß, löst aber nur mit 854 x 480 Pixeln auf, der Mediatek-Prozessor taktet nur mit einem Gigahertz und kann auch nur auf ein Gigabyte Arbeitsspeicher zugreifen.

Wie geht es weiter mit den kleinen Smartphones?

Während die Androiden-Hersteller die Mini-Smartphones immer mehr aus den Augen verlieren, geht Apple einen anderen Weg und steigt mit dem SE wieder in den 4-Zoll-Sektor ein.

Sollte Apple mit seinem leistungsstarken iPhone SE erfolgreich sein, können wir darauf warten, dass andere Hersteller doch wieder auf den Zug aufspringen. Momentan ist das 4-Zoll-iPhone durch seine Leistung in der Größenordnung noch konkurrenzlos. Der Release könnte schon fast als globaler Trendmesser zählen - denn vielleicht ist die Zielgruppe für handliche, aber technisch gut ausgestattete Smartphones doch nicht so klein?

Schreibt uns in den Kommentaren was Ihr von 4-Zoll-Smartphones haltet! Sind sie zu klein? Oder sehnt Ihr Euch nach den handlichen Modellen, die unter der Haube trotzdem einiges an Power stecken haben?


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