iPhone 6-Boom: Warum Apples Superzyklus weiterläuft

Was war das für ein Quartal! 18 Milliarden Dollar hat Apple in den letzten drei Monaten 2014 verdient, 9 iPhones pro Sekunde verkauft. Keine Frage: Der iKonzern steht auf dem Zenit seiner 39-jährigen Firmenhistorie. Aber kann das Wachstum so weitergehen? 

Es gibt Dinge, die sind so gut, dass sie am Ende vielleicht doch schlecht sind. Das ist die gern gehörte Logik hinter Apples Monsterquartalsbilanz in der vergangenen Woche. Das Zahlenwerk ist so beeindruckend, dass selbst zehn unglaubliche Fakten das historische Ausmaß kaum fassen.

9 iPhones pro Sekunde verkauft, 2295 Dollar daran  pro Sekunde, 18 Milliarden Dollar im drei Monaten verdient – Rekord, Rekord, Rekord. Allein: Die entscheidende Kennziffer, die wirklich alles verändert, sind die iPhone-Absätze. Aus 51,3 Millionen Einheiten im Vorjahr wurden im Dreimonatszeitraum zwischen Oktober und Dezember nunmehr 74,5 Millionen – ein in dieser Form selbst vom optimistischsten Analysten nicht erwarteter Absatzsprung von 45 Prozent.

Aus geschätzten 60 Millionen werden 74,5 Millionen verkaufte iPhones

Es sind die Dimensionen, mit denen die Prognosen pulverisiert wurden, die überraschen. In den iPhone 6-Launch hinein lagen die Konsensschätzungen der Analysten bei etwa 60 Millionen verkauften Einheiten – ein an sich schon ordentliches Plus von 17 Prozent, das beschleunigtes Absatzwachstum bedeutet hätte. Doch nach dem ersten Verkaufswochenende wurde deutlich, dass der aufgestaute Hunger nach endlich großen iPhones doch noch größer war – wesentlich größer.

Könnte Apple gar 65 Millionen Einheiten verkaufen? Bei dann schon 66 Millionen Einheiten lagen die sogenannten Konsensschätzungen. Ganz optimistische Analysten flirteten dann sogar mit der nächsten runden Millionen-Marke, die unrealistisch luftig aussah: wären gar 70 Millionen teure iPhones  möglich?

Die Rückkehr des Earnings Blowouts

Die 74,5 Millionen, die Tim Cook dann vermeldete, stehen in Tradition der alten Apple-Ära von Steve Jobs, in der sogenannte Earnings Blowouts – das regelrechte Wegblasen der Analystenerwartungen – zum Alltag gehörten. Das letzte Mal krachend "Booooom!" machte es vor genau drei Jahren, als Apple ein Quartal für die Ewigkeit vermeldete: Im Weihnachtsquartal 2011/12 explodierten die Gewinne nach der Umstellung auf den iPhone-Launchtermin auf Herbst  gar um 117 Prozent.

Dieses Weihnachtsquartal ist in der Dynamik und der Deutlichkeit, mit der Gewinnerwartungen übertroffen wurden, ohne jede Frage das beste, das Apple seit eben jenen drei Jahren vorgelegt hat – all das Gerede von einem "realistischeren Ausblick", das der damalige Apple-Finanzchef Peter Oppenheimer vor zwei Jahren gebraucht hatte, erweist sich nachträglich als Floskeln aus Krisenzeiten. Das diebische Vergnügen, es der Wall Street bei Bekanntgabe der Quartalsbilanz so richtig zu zeigen, ist auch in der Tim Cook-Ära ungebrochen.

Erinnerung an 2012 drängt sich auf 

Keine Frage: Die Weihnachtsbilanz beweist, dass Apple nach einem Krisenjahr 2013 und einem Comebackjahr 2014,  das doch in erster Linie durch Aktienrückkäufe und den Hoffnungsträger iPhone 6 geprägt war, nun krachend zurück ist. Die Frage, die sich nach dem  Rekordquartal stellt, lautet indes: Wie lange kann der neue, alte iPhone-Boom anhalten?

Wieder scheint die Geschichte die passende  Blaupause zu liefern:  Vor drei Jahren konnte Apple nach dem traumhaften Weihnachtsquartal im ersten Kalenderquartal 2012 gleich nochmals nachlegen und erneut die Erwartungen der Wall Street mit einer nochmaligen Gewinnverdopplung pulverisieren. Der Treiber seinerzeit ist der gleiche, der Apple anhaltend starke Absatzzahlen in den kommenden Monaten bescheren dürfte: Das boomende Chinageschäft.

Joker iPhone 6 Plus: Nächstes Rekordquartal dank China winkt 

2015 allerdings besitzt Apple einen zusätzlichen Hebel: Das margenträchtigere iPhone 6 Plus, das sich im Reich der Mitte besser verkauft – und den Vertragsabschluss mit China Mobile, der gerade erst seine wahre Wirkung entfaltet. Ergo: Die Chancen stehen gut, dass Apple im laufenden Quartal einen ähnlichen Homerun schlägt wie mit der gerade erst vorgelegten Bilanz.

Doch es kommt noch besser: Mit der nächsten Bilanzverkündung Ende April geht der Apple Watch-Launch einher – auf den einen Treiber folgt der nächste. Verbucht Apple einen annehmbaren Verkaufsstart – und für den dürften allein die loyalen Apple-Fans sorgen, die fünf Jahre nach dem iPad endlich wieder ein neues Produkt in der Hand halten wollen – kann Apple seine Erfolgsstory mit voller Dynamik bis zum Sommer weiterspinnen.

Ampeln stehen für Apple bis Sommer auf knallgrün

Die nächste echte Bewährungsprobe für Apple folgt erst im Juli, wenn geklärt werden muss, ob die iPhone 6–Nachfrage auch sechs bis neun Monate nach dem Launch anhaltend groß bleibt und wie sich die Apple Watch nun in den ersten Monaten verkauft. Für das erste Halbjahr 2015 stehen die Ampeln für Apple indes auf knallgrün.

Warum Apple indes auch in den Folgequartalen die Argumente auf seiner Seite haben dürfte und der iPhone-Superzyklus auch mittelfristig nicht  ausgereizt  sein muss, habe ich im Gespräch mit Gerd Blank erörtert, das vergangene Woche kurz nach der Quartalsbilanz entstanden ist.


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