10 unglaubliche Fakten zum unfassbaren Apple-Quartal

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Auf dem Gipfel: Tim Cook hat die Erwartungen der Wall Street pulverisiert
Auf dem Gipfel: Tim Cook hat die Erwartungen der Wall Street pulverisiert(© 2014 Apple)

Historisch, phänomenal, jenseits der Vorstellungskraft – diese Superlative fallen heute reflexartig bei Betrachtung des jüngsten Apple-Quartals, das alle Rekorde sprengte. Immer noch nicht überzeugt? Wir haben zehn unglaubliche Fakten gesammelt.

1. Apple verdient 2295 Dollar in der Sekunde

18,04 Milliarden Dollar! So viel verdiente Apple tatsächlich im Weihnachtsquartal, dem ersten von Apples Fiskaljahr 2015.  18 Milliarden Dollar Gewinn in den 91 Tagen vom 28. September bis zum 27. Dezember – das ist der höchste Gewinn, den ein Unternehmen in einem Quartal jemals eingefahren hat. Aber wie viel ist das eigentlich? Die Gelddruckmaschine in Cupertino spuckte aus:

6 Milliarden Dollar pro Monat
200 Millionen Dollar pro Tag
8,26 Millionen Dollar pro Stunde
136.667 Dollar pro Minute
2295 Dollar pro Sekunde!

2. Apple verdient in einem Quartal mehr als Google in 15 Monaten

Wie außergewöhnlich ist Apples Rekordgewinn nun? Ein Blick auf die Konkurrenz öffnet die Augen. Google, nach dem Kurssturz Microsofts nach dem Börsenwert wieder die Nummer zwei der Branche, verdiente im September-Quartal 2,8 Milliarden Dollar. (Die Zahlen für das  Weihnachtsquartal folgen morgen nach Handelsschluss.)

Im Dreimonatszeitraum davor waren es 3,43 Milliarden Dollar. In den letzten fünf Quartalen waren es zusammenaddiert 16 Milliarden Dollar. In anderen Worten: Apple verdient in 91 Tagen mehr als Google in 15 Monaten.

3. Apple verkauft 9 iPhones pro Sekunde

Selbst die optimistischsten Analystenschätzungen im Vorfeld griffen noch zu kurz. Würde Apple nach 51 Millionen Einheiten im Vorjahresquartal nunmehr die 60 Millionen-Marke knacken können? Das war die Vorgabe in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres.

Dann wurden iPhone 6 und iPhone 6 Plus Ende September auf die Käufer losgelassen, und schon nach dem Startwochenende war klar: da geht mehr. 65 Millionen? 66 Millionen, meinte der Analystendurchschnitt vor den Quartalszahlen. Zu wenig, fand Brian Millunvich von UBS und wagte sich an eine Prognose von 69 Millionen verkauften Einheiten. Wirklich weit streckte dann der gewöhnlich treffsichere KGI-Analyst Ming-Chi Kuo den Hals raus und nannte das ambitionierte Ziel von 73 Millionen abgesetzten iPhones.

Seit gestern wissen wir: Apple kann selbst die luftigsten Prognosen pulverisieren und vermeldete die Fabelverkaufszahlen von 74,5 Millionen Stück. Wie viel Apple wie schnell verkauft,  veranschaulicht der Breakdown:

24,833 Millionen pro Monat
819.000 Stück pro Tag
34.100 Stück pro Stunde
568 Stück pro Minute
9,45 iPhones pro Sekunde

Im Kontext: Es ist durchaus möglich, dass Apple Samsung damit nach verkauften Einheiten erstmals seit 2011  wieder eingeholt hat – der koreanische Techpionier vermeldet morgen sein endgültiges Zahlenwerk, in dem ein erneut schwerer Einbruch in der Mobilsparte erwartet wird. Die von Bloomberg befragten Analysten gingen zuletzt von einem Rückgang auf 75 Millionen verkaufte Smartphones zwischen Anfang Oktober und Ende Dezember aus.

4. Das iPhone ist profitabler als jedes andere Unternehmen der Welt

Kein Vertipper: Unternehmen, nicht nur Produkt. 74,6 Milliarden Dollar setzte Apple in den drei Monaten von Anfang Oktober bis Ende Dezember um – unglaubliche 51,2 Milliarden davon mit dem iPhone. In anderen Worten: 69 Prozent der Erlöse bestreitet Apple inzwischen mit  seinem Kultsmartphone – mehr iPhone Company war Apple nie.

Eine iPhone Company wäre für sich genommen nicht nur eines der größten  und umsatzstärksten Unternehmen der Welt – sondern auch das profitabelste. Auch wenn Apple die Gewinne seiner Sparten nicht einzeln ausweist, ist klar, dass der Anteil am Gesamtgewinn sogar noch größer als 69 Prozent sein dürfte, da Apple beim iPhone höhere Gewinnmargen als beim Mac und vor allem iPad einfährt –  es dürften um die 50 Prozent vor Steuern sein.

Bedeutet:  Einen Profit von mindestens 13 Milliarden Gewinn hat das iPhone im letzten Quartal eingebracht – tatsächlich dürften es eher 14 bis 15 Milliarden gewesen sein.  Allein damit hätte das iPhone einen der fünftgrößten Quartalsgewinne der Unternehmensgeschichte aufgestellt – und im abgelaufenen Weihnachtsquartal doppelt so viel eingefahren wie der nächstprofitabelste Konzern, vermutlich Exxon Mobil. Und noch ein Vergleich im Branchenkontext: Apple dürfte pro verkauftem Smartphone etwa zehnmal mehr verdient haben als Samsung.

5. Apple hat 200 Milliarden Dollar im Kalenderjahr 2014 erlöst

Traditionell endet Apples Fiskaljahr per Ende September. 182,8 Milliarden Dollar setzte der Konzern bis zum 27.9. 2014 um. Auf Sicht eines Kalenderjahres hat Apple jedoch bereits eine neue Schallgrenze durchstoßen: Die 200 Milliarden Dollar-Umsatzmarke.

Vor allem beeindruckt das in diesen Dimensionen höchst beachtliche Umsatzwachstum von 30 Prozent: Nach 57,6 Milliarden Dollar konnte Apple im Jahresvergleich nun 74,6 Milliarden Dollar im Weihnachtsquartal erlösen – 17 Milliarden Dollar mehr also! Das ist deutlich mehr als Facebook im Gesamtjahr 2014 erlöst haben dürfte.

6. Apples Geschäfte wachsen in China um 157 Prozent 

Der Treiber der enormen Zuwächse ist schnell ausgemacht: Dank der China Mobile-Kooperation verkauft sich das iPhone im Reich der Mitte  wie verrückt. Lohn des iPhone 6 und vor allem 6 Plus-Booms: der Spitzenplatz im asiatischen Riesenreich, dem Apple Xiaomi entriss.

Wie enorm ist das Ausmaß des China-Booms nun? Apple selbst brach den iPhone-Absatz nach Einheiten geografisch nicht herunter, dürfte aber deutlich über 20 Millionen Einheiten  im Reich der Mitte verkauft haben.

Fakten schaffte Apple beim Gesamtumsatz: Nun schon  16,1 Milliarden Dollar erlöste Apple zwischen Oktober und Dezember in China – das entspricht einem unfassbaren Zuwachs von 157 Prozent zum Vorquartal bzw. 90 Prozent zum Vorjahresquartal. Das Geheimnis von Apples neuem Wachstumsschub ist also gefunden: er wird im Reich der  gezündet – durch China Mobile.

7. Das iPad setzt in einem Quartal mehr um als Alibaba und Facebook in einem Halbjahr

Es ist bekanntermaßen Apples Problemsparte: Das iPad schwächelt beständig und verkaufte in vier der letzten fünf Quartale weniger Einheiten als im Vergleichszeitraum des Vorjahres – im Weihnachtsquartal betrug das Absatzminus wieder happige 18 Prozent.

Allein: Was für ein Luxusproblem das iPad für Apple tatsächlich ist, beweist ein Blick auf die Umsatzrelationen von zwei hoch gewetteten Internet-Unternehmen. Alibaba und Facebook, mit einem Börsenwert von über 250 bzw. 200 Milliarden Dollar die Nummer zwei und drei der Branche, haben in den vergangenen sechs Monaten keine 8 Milliarden Dollar umgesetzt – mit allen Konzernteilen.

8. Apple besitzt mehr Bargeld als Amazon, IBM oder jeder Dax-Konzern wert ist

178 Milliarden Dollar: So viel ist nicht Apple wert, sondern es sind einzig und allein die Barbestände, die der wertvollste Konzern der Welt in seinen Geldspeichern in Cupertino hortet. Allein im vergangenen Quartal blähte sich der Barmittelzuwachs aus dem laufenden Geschäft um enorme 33,7 Milliarden Dollar.

Wie ZeroHedge vorgerechnet hat, sind Apples Barmittel damit  mehr wert als der Börsenwert von 483 der 500 größten Unternehmen der USA – inklusive Intel, IBM oder Amazon. (Von deutschen Unternehmen einmal ganz abgesehen. Die nationale Nummer eins, Bayer, bringt es auf eine Marktkapitalisierung von 105 Milliarden Euro, also etwa 119 Milliarden Dollar.)

In anderen Worten: Wenn Apple Appetit auf eine Großübernahme hätte, könnte es mehr denn je "einen Scheck ausstellen", wie Steve Jobs schon 2010 beiläufig erklärte – und sich inzwischen fast alles kaufen, was es will. (Den hoch gewetteten Elektroautobauer Tesla  nach aktuellem Börsenwert theoretisch etwa gleich siebenmal.)  Selbst nach Abzug von Verbindlichkeiten von 35 Milliarden Dollar für zwei lang laufende Anleihen sitzt Apple auf dem enormen Geldberg von 143 Milliarden Dollar.

9.  Apple ist wertvoller als … (bitte setzt ein Unternehmen, Land oder beides ein)

Es ist ein beliebtes Bloggerspiel, das in der vorletzten Phase des Börsenhöhenflugs aufkam, als die Apple-Aktie 2012 binnen acht Monaten um enorme 75 Prozent anzog und der Börsenwert förmlich explodierte. "Things Apple is more worth" lautete der Titel des beliebten Tumblrs, der leider auf dem Gipfel 2012 bei einem Börsenwert von 650 Milliarden Dollar abbrach.

Nach einer veritablen Achterbahnfahrt, in der bis Mitte 2013 unfassbare 300 Milliarden Dollar Börsenwert vernichtet wurden, hat Apple in den vergangenen Monaten nicht nur die alten Hochs wieder erklommen, sondern neue aufgestellt: 700 Milliarden Dollar war Apple Ende November wert, 680 Milliarden Dollar sind es heute nach dem Traumquartal.

680 Milliarden Dollar: Das ist mehr wert, als... Ihr ahnt: Man kann dieses Rechenspiel den ganzen Abend spielen. (Knapp) Mehr als Microsoft und  Google zusammen. Mehr als Alibaba, Facebook und Amazon zusammen. Mehr als Microsoft, IBM und Intel zusammen. Mehr als die acht wertvollsten deutschen Konzerne zusammen: Bayer, Siemens, Daimler, BASF, SAP, Deutsche Telekom, Allianz und BMW.

Und ja: Auch mehr wert als das Bruttoinlandsprodukt vieler Volkswirtschaften. Etwa: Belgien, Norwegen, Polen, Schweden und –  ja – der Schweiz. Nur 19 Volkswirtschaften weisen noch einen höheren Gesamtwert aller Güter (also: Waren und Dienstleistungen) auf, die während eines Jahres innerhalb der Landesgrenzen hergestellt wurden.  Nächste Haltestelle bei etwa 125 Dollar je Aktie: Saudi-Arabien!

10. Apple hätte noch mehr verdienen, wäre der Dollar nicht gewesen

Noch nicht genug der Superlative? Dass noch mehr im erfolgreichsten Quartal der Wirtschaftsgeschichte drin gewesen wäre, macht Apples neuer CFO Luca Maestri in der gestrigen Telefonkonferenz deutlich: Er führte minutenlang an, dass" währungsbedingter Gegenwind" – zu deutsch: der starke Dollar – die Erträge der Auslandsgeschäfte gedrückt  habe.

Da die inzwischen 65 Prozent an Apples Gesamtumsatz ausmachen, wird deutlich, dass mehr als die eine oder anderen Millionen in der Kernschmelze des europäischen Weichgeldes (Euro, Rubel) zerflossen sind.

Bonus: Carl Icahn will Kursziel erhöhen

Wem diese zehn unglaublichen Fakten noch nicht reichen, hört vielleicht auf einen der erfolgreichsten Investoren der vergangenen Jahrzehnte. Carl Icahn, seit August 2013 mit legendären Stockpicker-Qualitäten in Apple nahe der mehrjährigen Tiefstkurse investiert, erneuerte auf CNBC seine Lobpreisung "für  den Selbstläufer" Apple. Eine Aktie wie Apple gebe es "zwei- oder dreimal pro Jahrzehnt". Das Kursziel von 203 Dollar müsse Icahn revidieren  – nach oben, natürlich.

Wohl gemerkt: Aktuell notiert die Apple-Aktie nach einem Kurssprung in Reaktion auf das Traumquartal bei 117 Dollar etwa 75 Prozent unter Icahns Zielmarke. Die Faktensammlung könnte also spätestens in einem Jahr ein Update benötigen...


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