Apple-Ausblick 2015: Was kommt nach dem iPhone 6-Boom?

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Ausblick 2015 Apple
Ausblick 2015 Apple(© 2014 CURVED)

Es ist vorbei: Das Jahr, in dem Apple krachend zurückkam, Kritiker mit iPhone 6 und 6 Plus Lügen strafte und an der Börse immer neue Bestmarken aufstellte. Bleibt nur eine Frage: Und was kommt jetzt 2015?

Apple-Fans kennen nur die Extreme. Für Fanboys und -girls sind die Kultprodukte aus Cupertino schlicht „insanely great“, wie Guru Steve Jobs es im jahrzehntelangen Mantra eingetrichtert hat – für Gegner des Apfel-Konzerns indes kaum zu fassen. Wie die Produkte, so der Kursverlauf an der Börse: Nachdem Apple vor rund zwei Jahren mit dem iPhone 5 als großes Update doch nur marginale Neuerungen präsentiert hatte, reagierten Aktionäre vollkommen verstört und halbierten den Wert des lange Zeit wertvollsten Konzerns der Welt mal eben in 9 Monaten.

2013 ging folglich als veritable Enttäuschung in die Apple-Annalen ein – es war ein Jahr des Übergangs, in dem Tim Cook mit dem iPhone 5s und 5c buchstäblich nur kleine Neuerungen präsentieren konnte. Kritiker, die das Ende der iÄra für gekommen hielten, sahen sich bestätigt: Das Beste schien hinter Apple zu liegen.

Apple blickt auf ein Rekordjahr zurück…

Doch was für einen Unterschied ein Jahr machen kann: 2014 wurde, wie hinreichend dokumentiert, zum größten Jahr Cupertinos. Tim Cook lieferte mit iPhone 6 und iPhone 6 Plus, überraschte mit der Beats-Übernahme und einer noch aktionärsfreundlicheren Haltung – und nicht zuletzt mit der Ankündigung eines neuen Produkts in Form der Apple Watch.

Fast folgerichtig schwang sich die Apple-Aktie in neue Höhen auf und stellte in den letzten Monaten des Jahres immer neue Rekorde auf – enorme 700 Milliarden Dollar war Apple Ende November schon wert. Die fast vergessene Diskussion um die Schallmauer einer Marktkapitalisierung von 1 Billion Dollar wurde neu entfacht. Was kann 2015 also schiefgehen?

…aber lässt sich die iPhone-Erfolgsstory mit einem einfachen 6s-Upgrade fortschreiben?

Wenn sich die Geschichte wiederholt, dürfte 2015 allerdings kein Selbstläufer für Apple sein: Es ist schließlich aller Voraussicht nach nur das Jahr des kleinen Upgrades – nach dem iPhone 6 kommt im September aller Voraussicht nach eben nicht das iPhone 7, sondern „nur“ das iPhone 6s, das optisch mit den jüngsten Modellen identisch sein und nur unter der Oberfläche verbessert werden dürfte.

Was können die begeisterungsfähigen Kunden also vom iPhone 6s erwarten? Das Killerfeature dürfte sicher eine verbesserte Kamera sein – schon beim iPhone 4s und 5s war die deutlich höhere Bildqualität das Hauptkaufargument. Ausgestattet mit dem A9-Prozessor, der von Samsung und TSCM gefertigt werden wird, dürften die iPhone 6-Nachfolger entsprechend schneller takten. Auch über eine 4 Zoll-Mini-Variante im iPhone 6-Look wurde als Nachfolger des iPhone 5s jüngst spekuliert.

Ist das iPhone 6 Apples letzter großer Upgrade-Zyklus?

Doch spätestens an dieser Stelle dürfte selbst beim geneigten Fanboy ein bisschen Langeweile aufkommen: Brauchen iPhone 6 oder 6 Plus-Besitzer im Extremfall wirklich im September ein 1000 Dollar / Euro teures Upgrade?

Das ist ebenfalls die große Frage, die auch die Wall Street umtreibt: Lässt sich der enorme iPhone-Boom auch linear nach der 6er-Serie fortschreiben? Wenn Apple in rund drei Wochen sein Zahlenwerk für das abgelaufene Weihnachtsgeschäft vorstellt, dürfte Tim Cook dabei nicht nur die beste Geschäftsbilanz in 39 Jahren präsentieren, sondern möglicherweise sogar in der Wirtschaftsgeschichte.

Geht das iPhone-Wachstum nächstes Weihnachten zu Ende?

Damit jedoch hängen die Trauben für die Folgequartale hoch: Im April vergangenen Jahres leitete Apple bekanntlich mit wieder steigenden Gewinnen sein beeindruckendes Comeback ein, das bis zum September-Quartal noch ohne iPhone 6 angetrieben wurde. Bedeutet: Im abgelaufenen Dezember-, im März- und im Juni-Quartal 2015 dürfte Tim Cook dank der iPhone 6-Nachfrage Rekordzahlen verkünden können.

Doch was kommt dann? Die Unterstellung des letzten großen Upgrade-Zyklus formulierten zahlreiche Branchen- und Wall Street-Experten, allen voran der Hedgefondsmanager Doug Kass, in den vergangenen Monaten immer wieder. Achteinhalb Jahre nach dem iPhone-Debüt könnte im nächsten Weihnachtsgeschäft durchaus das Undenkbare eintreten – und Apple mit iPhone 6s, 6s Plus und 6s mini möglicherweise weniger Einheiten verkaufen als im jüngsten Dreimonatszeitraum, zumal angesichts der immer stärkeren Konkurrent aus Fernost – allen voran Xiaomi. Das ist die eigentliche (Luxus-)Sorge, die über dem Apple-Jahr 2015 aus wirtschaftlicher Betrachtung schwebt.

Gelingt dem iPad der Turnaround?

Alle anderen Produktsparten besitzen weder die Relevanz noch Menge noch die Marge, um im Falle eines iPhone-Abschwungs in die Bresche springen zu können. Das iPad? Beschleunigte 2014 seine viel beachtete Schwächephase von Quartal zu Quartal: Angesichts des iPhone 6 Plus-Phablets und dem Einsteiger-MacBook Air, das im Einzelhandel bereits unter 900 Euro erhältlich ist, hat es die Produktkategorie des Tablets immer schwerer.

Ob sich 2015 daran etwas  mit der IBM-Kooperation schnell ändert, bleibt unklar, zu marginal waren die jüngsten Upgrades auf das iPad Air 2 und iPad mini 3. Dieses Jahr dürfte sich die Upgrade-Spirale entsprechend weiterdrehen und die iPad-Prototypen unter der Oberfläche weiter hochgerüstet werden – doch mit welchem Erfolg?

Kannibalisiert das iPad Pro das MacBook Air/Pro?

Zum Joker werden dürfte das Business-iPad mit 12 Zoll-Display, das seit mindestens einem Jahr seine Schatten vorauswirft. Doch auch hier stellt sich vom Start weg die Frage: Wer kannibalisiert eigentlich wen – das iPad Pro dann das MacBook Air oder die MacBook-Bestseller das neue Business-iPad?

Fakt ist: Apples Mac-Sparte erlebte 2014 eine bemerkenswerte Renaissance und geht mit viel Rückenwind ins neue Jahr. Nicht zuletzt auch deshalb, weil Tim Cook bei seinen Computer-Klassikern noch weiter nachlegen kann: Der Einstiegs-iMac mit 21-Zoll könnte ebenso ein Retina Display spendiert bekommen wie 2014 die 27 Zoll-Version, und auch das MacBook Air wartet seit Jahren auf einen hochauflösenden Bildschirm.

Zudem halten sich hartnäckig die Gerüchte über eine 12 Zoll-Variante des Einstiegs-MacBooks sowie über eine dünnere Version des MacBook Pro. Eine Überholung der Set-Top-Box Apple TV ist zudem ebenso überfällig wie erste Beats-Kopfhörer unter der Ägide Apples erwartbar – für die Geschäftsbilanz sind beide allerdings kaum relevant.

Wird die Apple Watch ein schneller Erfolg?

Und dann gibt es ja noch die Apple Watch, die als erste neue Produktkategorie „Anfang 2015“ – also vermutlich Ende März – ausgerollt werden dürfte, nach jüngsten Gerüchten schrittweise. Die neue smarte Uhr ist der große Joker des Apple-Jahres – und doch sollten Fanboys, vor allem aber Aktionäre ihre Erwartungen besser nicht zu hoch ansetzen.

Wie sooft in der Produkthistorie Apples weist die erste Generation im Vergleich zu späteren Upgrades erhebliches Verbesserungspotenzial auf, wie etwa die Quantensprünge vom ersten iPhone zum iPhone 3G und vor allem vom ersten zum zweiten iPad beweisen. Bis heute ist weder klar, was die Apple Watch eigentlich sein will, noch, ob das Wearable-Segment überhaupt zum Massenmarkt taugt.

Eine Smartwatch zum Einstiegspreis von 350 Dollar, die Benachrichtigungen von Internet-Diensten abbildet und ein paar Gesundheitsdaten anzeigt – reicht das, um Käufer für einen ähnlichen Upgrade-Zyklus zu begeistern wie bei neuen Apple-Produkten in den vergangenen 15 Jahren? Namhafte Silicon Valley-Experten wie Fred Wilson haben da so ihre Zweifel…

Wird 2015 zum Jahr der Großübernahme?

Fest steht dagegen: Die Apple Watch ist das eine große Produkt, das die Ära von CEO Tim Cook definieren wird. Cook ist inzwischen in seinem vierten Amtsjahr und dürfte, wenn Apple nicht doch bald die lang erwarteten Fernsehpläne verwirklicht, nach dem typischen Innovationsrhythmus von drei bis sechs Jahren erst wieder gegen Ende des Jahrzehnts mit einer neuen Produktkategorie aufwarten.

Vielleicht aber betritt Tim Cook schon 2015 eine andere Art Neuland: Die Beats-Überraschung im vergangenen Jahr könnte der Anfang einer aggressiveren Übernahmepolitik sein – und Apple in den kommenden Monaten eine Großakquisition wagen. Nach Abzug von Verbindlichkeiten für Anleihen sitzt Apple auch nach dem größten Aktienrückkaufprogramm in der Wirtschaftsgeschichte auf Cash-Reserven von 120 Milliarden Dollar.

Greift Tim Cook nach Tesla?

Ausreichend Mittel für einen großen Scheck in zweistelliger Milliardenhöhe sind also ebenso vorhanden wie das Opportunitätsfenster offen steht. Zumindest im ersten Halbjahr dürfte Apple weiter Rekordbilanzen und anhaltendes Wachstum verkünden – ein Zukauf würde aus einer Position der Stärke erfolgen, nicht aus Aktionismus.

Tesla wäre einer der naheliegenden Übernahmekandidaten wie auch Hedgefondsmanager Eric Jackson und Business Insider-Redaktionsleiter Jay Yarow  finden – die Argumente dafür habe ich im vergangenen Jahr mehrfach aufgeführt. So oder so: 2015 wird ein weiteres extrem spannendes Apple-Jahr!


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