AirPods Pro im Test: Mehr Komfort bietet derzeit kein In-Ear-Kopfhörer

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Die AirPods Pro bieten ein klasse Noise Cancelling.
Die AirPods Pro bieten ein klasse Noise Cancelling.(© 2019 CURVED)

Lange wurde wild spekuliert, still und heimlich kamen sie dann raus: die neuen AirPods Pro. Apple verpasst seinen beliebten Bluetooth In-Ear-Kopfhörern ein neues Design und Noise Cancelling. Und wie das klingt? Verdammt gut.

Seit die ersten AirPods auf dem Markt sind, sehe ich die weißen Stifte auf dem Arbeitsweg aus gefühlt jedem zweiten Gehörgang ragen. Mit meinen heißgebliebten Over-Ear-Kopfhörern fühle ich mich fast schon so, als würde ich ein subkulturelles Statement gegen die weiße Audiomasse setzen. Jetzt habe ich mich aus aktuellem Anlass – dem Release der Air Pods Pro – mittragen lassen. Und ganz ehrlich: Ich bin fast dabei, weiter mitzuschwimmen.

In einer Instagram-Story haben wir euch gefragt, was ihr gern zu den neuen AirPods wissen wollt. Am Ende des Artikels greifen wir eure Fragen auf.

Die Sache mit dem Design – doch das hat seine Gründe

Klar, schon das Auspacken ist bei Apple-Produkten immer ein Erlebnis. So auch bei den AirPods Pro, und das hört nach dem Herausnehmen auch noch nicht auf. Ja, das Design ist gewöhnungsbedürftig. Allerdings scheint das tatsächlich zugunsten der Ergonomie entwickelt worden sein, denn ich hatte erst nach einer Bahnfahrt von fünf Stunden das Gefühl, die Stöpsel mal rausnehmen zu müssen.

Da hat Apple was Feines entwickelt: Laut Herstellerangaben haben die AirPods Pro eine integrierte Belüftung, die den Druck in eurem Ohr ausgleicht, sodass ihr eben nicht dieses bekannte, unangenehme Gefühl von In-Ears spürt. Das ist allerdings "nur" ein passives Belüftungssystem. Allerdings hat Apple schon ein Patent für ein aktives System angemeldet, das dann nicht nur den Druck aktiv regeln kann, sondern auch erkennt, wann ihr die Kopfhörer tragt oder nicht.

Das Beste: Ich habe nie befürchtet, dass mir die AirPods Pro aus den Ohren fallen könnten. Mir hat der Silikonaufsatz, mit dem die Kopfhörer ausgeliefert wurden, direkt gepasst. Diese Aufsätze sind übrigens Sonderanfertigungen und passen auf keine anderen Kopfhörer. Das Verbinden der AirPods Pro klappt sowohl unter Android und iOS ziemlich einfach. Doch im Gebrauch gibt es einige Unterschiede.

Das Koppeln der AirPods Pro unter iOS und Android

Ladecase öffnen – dabei müssen sich die AirPods Pro allerdings in der Hülle befinden –, den Knopf hinten am Ladecase so lange drücken, bis die Leuchte vorne am Case weiß blinkt und dann in den Smartphone-Einstellungen verbinden. Beim iPhone geht das ohne den Umweg: Hier öffnet sich direkt ein kleines Fenster, das die AirPods zeigt und fragt, ob ihr die Kopfhörer koppeln wollt. Über die Bluetooth-Einstellungen könnt ihr auch weitere Einstellungen vornehmen. Allerdings braucht ihr damit mindestens iOS 13.2!

Dann kann es schon losgehen. Seid ihr mit einem iPhone oder Mac verbunden, könnt ihr über das integrierte Mikrofon Siri nutzen, auch eine Anwendung zum Akkustand-Ablesen liefert das iPhone von allein. Bei Android ist das nicht der Fall – hier habe ich mir "AirDroid" heruntergeladen, die fast genauso aussieht wie das Fenster des iPhones und auch die gleichen Werte anzeigt.

Leider könnt ihr unter Android die Befehle des Kraftsensors, wie Apple ihn nennt, nicht anpassen. Auch das Hören ohne Noise Cancelling oder Transparenzmodus ist nicht möglich. Auf iPhones könnt ihr außerdem einen "Passtest" für die richtigen Ohreinsätze machen – auch das ist unter Android nicht möglich.

Features der AirPods Pro

Auch Telefonieren klappt wunderbar, und auch wenn die Mikrofone am Ohr hängen, hat mich mein Gesprächspartner immer gut verstanden – allerdings scheinen vorbeifahrende Autos ein Störfaktor zu sein, die seien ungewöhnlich stark auf der anderen Seite angekommen.

Die AirPods Pro kommen im Vergleich zum Vorgänger mit zwei neuen Features: Noise Cancelling und dem sogenannten Transparenzmodus. Während ersteres die Umgebungsgeräusche weitestgehend auszublenden versucht, holt zweiteres eure Umgebung wieder zurück – durch einen kurzen Druck werden über die Mikrofone Gespräche direkt an euch weitergegeben.

Steuerung der AirPods Pro via "Kraftsensor"

Eigentlich dämmen In-Ear-Kopfhörer schon einiges eurer Umwelt, da die Silikonaufsätze euren Gehörgang schließen. So könnt ihr allerdings ein Gespräch führen, ohne die AirPods Pro im Ladecase verstauen zu müssen. Und ihr versteht euer Gegenüber glasklar. Logisch: Je weiter entfernt ein Geräusch, desto schlechter wird es von den Mikrofonen aufgenommen und über die Kopfhörer an euch weitergegeben.

Mit dem sogenannten Kraftsensor steuert ihr die Wiedergabe und wechselt die Modi. So nennt Apple einen Druckpunkt an den "Stielen" der AirPods Pro, den ihr etwas fester drücken müsst, um bestimmte Befehle auszulösen. Ein warmes Knack-Geräusch signalisiert euch, dass ihr den Sensor ausgelöst habt.

In den Standardeinstellungen bedeutet ein einfaches Drücken Play oder Pause. Haltet ihr den Sensor länger gedrückt, schaltet ihr zwischen Transparenz- und Noise-Cancelling-Modus um. Die Lautstärke könnt ihr darüber allerdings nicht regeln. Dafür braucht ihr Siri – und ein iPhone.

Und die Akkulaufzeit der AirPods?

Die AirPods Pro können mich auch bei der der Ausdauer überzeugen. Apple gibt eine Laufzeit von 4,5 Stunden für die voll geladenen Kopfhörer an, ich habe allerdings eine viertel Stunde länger geschafft. Aber gut, der Akku-Verschleiß wird auch hier irgendwann ansetzen.

Mit dem Ladecase konnte ich die AirPods dreimal aufladen, insgesamt habe ich fast 22 Stunden Musik gehört, telefoniert und Siri Sprachbefehle gegeben, bis sowohl AirPods Pro als auch Ladecase in die Knie gingen. Apple gibt die Akkulaufzeit fürs bloße Musikhören mit über 24 Stunden an – da ich allerdings auch knapp zwei Stunden telefoniert habe, ist die geringere Laufzeit kein Minuspunkt.

Übrigens spendet das Case den Kopfhörer in wenigen Minuten so viel Energie, dass ihr nur rund zehn Minuten Hörpause machen müsst, um eine weitere Stunde eure Musik genießen zu können. Klarer Pluspunkt!

Welche Punkte nicht für die AirPods Pro sprechen

Es gibt letztlich drei Punkte, die mich persönlich vom Kauf abhalten könnten. Erstens: Der Preis. 279 Euro sind derzeit das höchste, was man für Bluetooth-In-Ear-Kopfhörer ausgeben kann. Selbst die Sony WF-1000XM3 sind mit happigen 249 Euro noch günstiger. Meine Wunsch-Preisklasse wäre eher auf Höhe der Galaxy Buds mit 149 Euro.

Zweitens: Die AirPods Pro erkennen nicht, ob ich sie trage oder nicht. Sie düdeln einfach weiter, auch wenn sie nur lose auf meinem Schreibtisch liegen. Mit der Wiedergabe hören sie erst auf, wenn ich sie ins Ladecase stecke – das können andere besser.

Drittens: Meine generelle Aversion gegen Bluetooth-In-Ear-Kopfhörer. Klar, das ist kein Kritikpunkt an den AirPods Pro im Speziellen, allerdings schreckt es mich schon ein wenig ab, wenn es heißt, dass der Akku in den kleinen Ohrstöpseln nach zwei Jahren einfach mal durch ist.

Warum mich die AirPods Pro trotzdem überzeugen

Mich persönlich haben die AirPods Pro echt überzeugt. Ich hatte noch keinen In-Ear-Kopfhörer, der ohne großartige Fummelei direkt sicher und bequem in meinem Ohr saß. Das Noise Cancelling ist ebenfalls absolut überzeugend – konstante Geräusche sind bei laufender Musik nur mit hoher Konzentration noch hörbar. Die Lautstärke müsst ihr dank der guten Geräuschunterdrückung auch nicht so hoch regeln – eure Gehörgänge danken es euch und eure Sitznachbarn in der U-Bahn ebenso.

Was die Klangqualität angeht, hat Apple wie gewohnt ein fein aufeinander abgestimmtes Tuning geliefert. Alles greift sanft ineinander über, es gibt keine Ausreißer – manchmal könnte der Bass meiner Ansicht nach etwas drückender sein, aber das ist wiederum Geschmackssache. Ein Equalizer würde hier helfen.

Insgesamt liefert Apple mit den AirPods Pro ein rundum gelungenes Paket – abgesehen von ein paar Kleinigkeiten, die sie sich von der Konkurrenz abschauen könnten. Auch die restriktive Politik hinsichtlich Android ist bekannt – aber auch wenn ihr kein iPhone habt, könnt ihr mit den Bluetooth-In-Ear-Kopfhörern viel Spaß haben. Mit den Sony WF-1000XM3 habt ihr allerdings mehr Möglichkeiten als Android-Nutzer. Trotzdem: Die AirPods Pro sind tolle Kopfhörer für den Allround-Einsatz – egal ob zum Genießen, beim Sport oder auf Reisen.

Eure Fragen – unsere Antworten

Ihr wolltet wissen, ob sie ihren Preis Wert sind. Was Noise Cancelling angeht, könnt ihr mit den Sony WF-1000XM3 ein wenig sparen – beim Tragekomfort gewinnen allerdings die AirPods, auch zum Sport treiben sind sie besser geeignet. Sie sind leichter, sitzen fester und sind spritzwassergeschützt; also sowohl vor Regen als auch vor eurem Schweiß.

Habt ihr ein iPhone mit mindestens iOS 13.2, um wirklich alle Funktionen der AirPods Pro nutzen zu können, lohnt sich auch der Umstieg von AirPods auf AirPods Pro. Legt sie einfach mal an – sie machen einfach süchtig, nicht nur wegen des starken Noise Cancelling. Aufgrund des Transparenzmodus müsst ihr sie eigentlich gar nicht mehr ablegen.

Vor Weihnachten an die AirPods Pro rankommen? Tja, entweder ihr versucht euer Glück im nächsten Apple Store, ansonsten müsst ihr auf Apple hoffen – die haben zuletzt die Produktion ordentlich angekurbelt.

Und wenn ihr die AirPods Pro nicht aus dem Case bekommt, haben wir einen Tipp für euch: nehmt das Ladecase fest in die Hand, mit der anderen stützt ihr einen der Airpods, mit dem Zeigefinger schiebt ihr ihn von hinten nach vorne in Richtung Daumen aus dem Case.

Jetzt den Zeigefinger zum Daumen bewegen – schon flutschen die AirPods Pro aus dem Case.(© 2019 CURVED)

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