Amazon Fire TV (2015) im Test: die Prime-Box

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Das neue Fire TV ist schlicht gehalten.
Das neue Fire TV ist schlicht gehalten.(© 2015 CURVED)

Apple TV bietet Zugriff auf iTunes, Netflix und Watchever. Ein großer Dienst fehlt aber bislang: Amazon Prime Video ist noch nicht mit einer eigenen App vertreten. Stattdessen bietet der Versandhändler mit dem Fire TV 2 eine eigene Box für den Fernseher an.

Äußerlich ist das neue Fire TV sehr schlicht gehalten. Auf meinem schwarzen TV-Schrank ist die gleichfarbige Box sogar fast verschwunden. Hinten gibt es je einen HDMI-, einen USB- und einen Stromanschluss sowie einen microSD-Einschub, vorne eine Status-LED. Drin stecken ein Quad-Core-Prozessor, zwei Gigabyte Arbeitsspeicher und acht Gigabyte Flash-Speicher. Letzteren erweitert Ihr per microSD-Karte um bis zu 128 Gigabyte. Neu beim Fire TV 2 ist die 4K-Unterstützung. Damit ist Amazon sogar Apple voraus. Deren Box schafft nur Full-HD. Die 4K-Wiedergabe funktioniert nicht nur mit Prime-Inhalten, sondern auch mit denen von Drittanbietern wie Netflix.

Einfache Einrichtung - wenn der Router mitmacht

Die Einrichtung geht schnell und einfach: Box auspacken, Strom- und HDMI-Kabel anschließen, mit dem Internet verbinden und mit dem Amazon-Konto anmelden. Fertig. Nun müsst Ihr sämtliche Passwörter über die Fernbedienung eingeben. Außerdem gibt es bei der Verbindung von Fire TV mit manchen FritzBox-Modellen Probleme. Ich selbst konnte das mit meiner heimischen FritzBox 3270 nicht nachvollziehen, zwei Kollegen aus der Redaktion hatten aber keine Chance, über den Router mit der Box online zu gehen.

Das Zubehör für das Fire TV hält sich in Grenzen.(© 2015 CURVED)

Schöne Sache für Neulinge: Nach dem Setup gibt es eine kurze Einführung zu den Funktionen von Fire TV. Die braucht es aber eigentlich nicht. Das Interface ist einfach gehalten und selbsterklärend. Durch die Menüs navigiert Ihr mit der Bluetooth-Fernbedienung. Mit einem Druck auf den großen Button wählt Ihr einen Filme, eine Serie oder eine App aus, über den Zurück-Button geht es, klar, ein Menü zurück, die Home-Taste bringt Euch wieder ins Hauptmenü. Wer zusätzlich zur TV-Fernbedienung kein zweites Gerät auf dem Tisch liegen haben möchte, kann bei Fernsehern mit HDMI-CEC-Unterstützung auch nur die des TVs benutzen.

Fernbedienung mit Besonderheiten

Dann geht Euch aber ein praktisches Feature abhanden. Haltet Ihr die Mikrofon-Taste gedrückt, könnt Ihr einfach nach Filmen und Spielen suchen, indem Ihr Titel oder Schauspieler einsprecht. Das funktioniert nicht nur mit deutschen, sondern auch englischen Titeln sehr gut. Kontextsuchen, wie beim neuen Apple TV, sind aber nicht drin. Anfragen wie "Zeige mir Filme mit Arnold Schwarzenegger" sind das höchste der Gefühle. Vielleicht ändert sich das noch, wenn Amazon die Sprachassistentin Alexa auf Deutsch verfügbar macht. In den USA ist sie schon Bestandteil des Betriebssystems.

Die Fernbedienung des Fire(© 2015 CURVED)

Fire TV kann zudem noch nicht alle installierten Streaming-Apps nach Inhalten durchsuchen. Wer nach "House of Cards" sucht, kann die erste Staffel über Prime Video kostenlos ansehen. Staffel 2 und 3 müsst Ihr aber kaufen. Das hat Apple etwas besser gelöst. Nichtsdestoweniger ist die Sprachsuche auf dem Fire TV eine sinnvollere Erweiterung, die die Zeit beim Suchen nach passenden Inhalten erheblich verkürzt. Und laut Amazon soll sie nach und nach ausgebaut werden.

Game-Controller mit berühmten Vorbild

Optional zum Fire TV erhaltet Ihr den Gamecontroller für rund 50 Euro. Habt Ihr vor, auf dem Fire TV exzessiv zu zocken, lohnt sich die Investition durchaus. Denn Rennspiele mit den Richtungstasten der Fernbedienung zu spielen, macht wenig Spaß. Zu sagen, dass sich Amazon beim Design vom Xbox-Controller hat inspirieren lassen, ist noch nett ausgedrückt. Der Tastendruck fühlt sich allerdings nicht so gut an wie beim Original vom Microsoft. Für ein Spielchen zwischendurch reicht es aber. Auch den Controller könnt Ihr als Fernbedienung benutzen.

Der Gamecontroller ist solide verarbeitet, der Druckpunkt der Tasten könnte aber etwas besser sein.(© 2015 CURVED)

Woran es beim Fire TV etwas krankt, ist der Umfang. Ja, es ist gibt Netflix als App. Es gibt auch die Mediathek vom ZDF oder die Anwendung der Bild. Doch Watchever oder Sky Online fehlen. Ebenso mager schaut es bei den Spielen aus. Schon beim ersten Fire TV hat Amazon Konsolen-Grafik anhand von eigenen Titeln versprochen. Die liefert aber nur der von der ersten Generation bekannte Shooter "Sev Zero". Ansonsten beschränkt sich die Auswahl weitesgehend auf Smartphone-Umsetzungen, wie Telltales "Game of Thrones" oder "Asphalt 8: Airborne". Beide sehen auf dem TV gut aus, können aber mit Playstation 4 und Xbox One nicht mithalten. Schade finde ich, dass ich auf dem Fire TV keinen Zugriff auf die Amazon-Underground-Titel habe. Unter den ansonsten kostenpflichtigen Spielen und Apps finden sich regelmäßig tolle Titel.

Fazit: sinnvoller Bonus für Prime-Kunden

Mit dem neuen Fire TV macht Amazon da weiter, wo die aktuelle Generation der Fire-Tablets aufhört. Das Stichwort heißt: Konsum. Klar könnt Ihr auch Netflix & Co. installieren. Im Vordergrund stehen aber die eigenen Angebote namens Prime Video, Prime Music und Prime Foto. Wer die Dienste ohnehin schon nutzt, bekommt mit dem Fire TV die perfekte Erweiterung für den Fernseher. Habt Ihr dagegen schon viele Filme im Play Store oder bei iTunes gekauft, seid Ihr hier falsch. Dann greift Ihr besser zum neuen Chromecast oder der neuen Apple-TV-Box. Mit 99 Euro ist die Box im Vergleich zum neuen Apple TV (ab 179 Euro) auch durchaus erschwinglicher und dank 4K-Unterstützung gewappnet für die hochauflösende Zukunft.


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