Bragi The Headphone im Test: Wenn weniger mehr ist

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Bragi The Headphone
Bragi The Headphone(© 2017 CURVED)

The Headphone von Bragi sind die Light-Version von The Dash. Heißt: Weniger Technik, kleinerer Preis. Lohnt sich der Kauf? Wir machen den Test.

Tschüss, Kabel. Nicht nur Apple verzichtet bei den aktuellen Modellen iPhone 7 und iPhone 7 Plus auf einen Kopfhöreranschluss, auch Lenovo und HTC haben sich teilweise von der Klinke losgesagt. Es gibt ja schließlich Bluetooth-Kopfhörer. Aber darf es nicht auch etwas weniger sein? Sogenannte "Truly Wireless", also echte kabellose Kopfhörer, sind mittlerweile voll im Kommen. Losgetreten hat den Trend das Münchener Start-up Bragi. Dessen Erstlingswerk, The Dash, ist Kopfhörer, Fitnesstracker und persönlicher Assistent in einem. Kostenpunkt: 299 Euro. Ganz schön teuer. Günstiger ist das zweite Bragi-Produkt: The Headphone.

Buttons mit hartem Druckpunkt

Optisch sind die In-Ears dem Top-Modell nachempfunden. Ganz genau so wie The Dash sehen die Ohrstöpsel aber nicht aus. Denn wer sparen will, der muss Abstriche machen. So kommen bei The Headphone keine Touchpads für die Bedienung zum Einsatz. Stattdessen gibt es am rechten Ohr drei Buttons. Einen zum Ein- und Ausschalten, die beiden anderen für die Lautstärke. Ihr könnt aber noch mehr damit machen: Mit einem kurzen Druck auf die Power-Taste startet und pausiert Ihr die Wiedergabe oder nehmt einen Anruf an. Zweimal drücken bringt Euch zum nächsten ein dritter Druck zum vorherigen Track. Haltet Ihr die Taste eine Sekunde gedrückt, aktiviert Ihr je nach Smartphone Siri oder Google Now.

Schade: Eigentlich sind die In-Ears bequem zu tragen. Dadurch, dass die Tasten einen sehr festen Druckpunkt haben, drückt man sich aber den rechten Stöpsel zu sehr ins Ohr. Das ist unangenehm. Alternativ könnt Ihr zur Kontrolle von Musik und Co. natürlich zum Smartphone greifen. Darüber lässt sich wiederum nicht der "Audio Transparency"-Modus aktivieren. Über den lassen The Headphone Geräusche von außen durch Mikrofone durch. Denn die Ohrhöhrer bieten passives Noise Cancelling, dichten das Ohr also sehr gut ab. Am Straßenverkehr sollte man so nicht teilnehmen. Zum Einschalten des Modus genügt ein langer Druck auf den Lauter-Button. Außerdem ist The Headphone nicht wasserdicht, sondern lediglich spritwassergeschützt.

Eine App zur Verbindung mit Euren Geräten braucht Ihr übrigens nicht. Denn auch in Sachen Funktionsumfang müssen The Headphone zurückstecken. Weder Fitnesstracker noch Speicher oder das Betriebssytem Bragi OS sind an Bord. Ihr könnt ausschließlich Medieninhalte von Bluetooth-fähigen Geräten streamen. Das finde ich gar nicht so verkehrt. Bei The Dash musste man immer kurz überlegen, welcher Wisch in welche Richtung nun welche Aktion auslöst. Bei The Headphone bleibt das erspart. Gut so!

Die Knöpfe zu drücken ist nicht immer angenehm.(© 2017 CURVED)

Nicht ganz auf Augenhöhe mit Apple

Verbessert hat Bragi im Vergleich zu The Dash die Bluetooth-Verbindung. Traten in unserem Test des Top-Modells noch vermehrt Störungen auf, wenn man das Telefon in der Hosentasche bei sich trug, merkt man bei The Headphone davon gar nichts mehr. Tatsächlich ist die Verbindung sogar so gut, dass man sich gut zehn Meter vom Telefon entfernen und immer noch Musik hören kann. Die Verbindung erfolgt wie bei jedem anderen Bluetooth-Gerät auch: Kopfhörer einschalten, Einstellungen öffnen, Gerät koppeln. Habt Ihr das einmal gemacht, sollten die In-Ears sich künftig automatisch mit dem Smartphone, Tablet oder Notebook verbinden.

Einzig bei den Apple AirPods habt Ihr es dank des W1-Chips leichter. Klappe auf, koppeln, fertig. Damit können die Bragis nicht dienen. Auch das Pause-Feature, bei dem die Musik anhält, wenn Ihr einen AirPod aus dem Ohr nehmt, gibt es bei Bragi in der Form nicht. Zwar schaltet die Wiedergabe auf stumm, aber auch nur, wenn Ihr den rechten Stöpsel entfernt, beim linken hat das keine Konsequenzen.

Der größte Nachteil von The Headphone: Das Case hat keinen Akku!(© 2017 CURVED)

Dafür kann The Headphone musikalisch überzuegen: Der Klang ist sehr detailreich und ausgewogen. Bei Madonnas "Beautiful Stranger" lassen sich etwa auch die verstecktesten Hintergrundgeräusche hören. Einzig in die Bässe könnten noch etwas kräftiger sein. "Party up" von DMX klingt auf den The Headphones doch eher blass. HipHop- und Rap-Fans waren aber ohnehin mit einem Over-Ear-Modell von Beats und Co. besser. Ganz ohne Musik übertragen die In-Ears Stimmen, etwa von Podcasts, sehr sauber.

Ein Case ohne Akku verdirbt den Spaß

Es bleibt noch das Thema Akkulaufzeit. Und das sorgt durchaus für gemischte Gefühle. Bragi gibt eine Laufzeit von sechs Stunden an. Das ist kein ausgedachter Wert, sondern mit The Headphone ohne Probleme zu erreichen. Super! Aufladen könnt Ihr die Stöpsel mit dem mitgelieferten Case – nur nicht unterwegs.

Denn anders als bei The Dash enthält die Box keinen Akku, sondern lediglich einen Mikro-USB-Anschluss zum Aufladen am PC oder der Steckdose. Das nervt. Denn echte Freiheit ist Euch so bei längeren Ausflügen nicht gegeben. Außerdem müsst Ihr darauf achten, The Headphone selbst auszuschalten. Denn das erledigen die Stöpsel auch nicht selbstständig, wenn Ihr sie zur Aufbewahrung in die Ladeschale legt. Schade! Immerhin sind die Akkus aber schnell wieder aufgeladen.

Fazit: Da fehlt noch was

The Headphone gefallen mir eigentlich ganz gut. Schließlich sind sie klein, bequem und bieten einen guten Sound. Aber: Sämtliche Mitkonkurrenten bieten ein Case, das die Kopfhörer mehrfach lädt. Bei Bragi gibt es das nicht. Legt der Hersteller bei der nächsten Version ein Akku-Case bei, gibt es aber keine Gründe mehr, die gegen einen Kauf sprechen.

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