Huawei Mate 9 im ausführlichen Test [mit Video]

Huawei, was geht? Während sich die meisten anderen Hersteller schon in der Winterpause befinden, drehen die Chinesen nochmal richtig auf. Nach dem Mate 8 und dem P9 ist das Huawei Mate 9 bereits das dritte Top-Gerät 2016. Eine höhere Frequenz bei Flaggschiffen hat kein anderer Hersteller. Aber hat die Masse auch Klasse? Der Test.

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Das gibt es auch nicht so oft: Nur rund zehn Monate nach dem Mate 8 stellt Huawei schon dessen Nachfolger, das Mate 9, vor. Dass es sich hier um eine Weiterentwicklung des Phablets aus dem Januar handelt, wird schon auf den ersten Blick klar: Huawei-typisch besteht das Gehäuse aus Aluminium, die Buttons befinden sich am gewohnten Platz, der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite. Insgesamt liefert Huawei hohe Qualität, nur wasserdicht ist das Gehäuse nicht.

Im Vergleich zum Mate 8 hat sich einiges getan. Statt eines Mikro-USB-Anschlusses setzt Huawei nun auf Typ-C. Die Entwicklung ist logisch. Schließlich setzen mittlerweile die meisten Hersteller bei Neugeräten auf den Anschluss. Außerdem ist das Mate 9 etwas kleiner als der Vorgänger: Das Display misst nun nicht mehr sechs, sondern 5,9 Zoll. Durch die dünnen Ränder wirkt es noch kleiner kompakter. Trotzdem reicht die Größe aus, um das iPad nicht mehr jeden Tag zum Seriengucken mit in den Zug zu nehmen.

Ankreiden muss man Huawei, dass sich an der Auflösung nichts getan hat. Denn wie der Vorgänger löst auch das LC-Display des Mate 9 nur in Full HD auf. Beim Mate 8 schrieb ich, dass das nicht weiter schlimm sei, weil die Pixeldichte immer noch ausreiche, um keine einzelnen Bildpunkte zu erkennen. Beim Mate 9 ändere ich meine Meinung aus zwei Gründen: Zum einen ist Virtual Reality mittlerweile ein größeres Thema und Huawei hatte fürs Mate 9 vollmundig Daydream-Support angekündigt, zum anderen ist das neue Smartphone rund 100 Euro teurer als das Mate 8. In dieser Preisklasse sollte ein messerscharfes Display zum Standard gehören.

Dual-Kamera mit 4K-Aufnahme

Viel mehr Wert als aufs Display legt Huawei ohnehin auf die Kamera des Mate 9. Statt auf eine normale setzen die Chinesen, wie beim P9, auf eine Dual-Kamera. Allerdings kommt im Mate 9 eine überarbeitete Knipse zum Einsatz, bei deren Entwicklung die Chinesen erneut mit dem deutschen Kamera-Hersteller Leica zusammengearbeitet haben. Sie bietet wieder einen Schwarzweiß- und einen RGB-Sensor. Ersterer löst nun mit 20 Megapixeln auf, beim Farbsensor bleibt es bei zwölf Megapixeln.

Die Ergebnisse der überarbeiteten Dual-Kamera können sich bei Tageslicht durchaus sehen lassen. Sie überzeugen durch lebendige und natürliche Farben und einen hohen Schärfegrad. Besonders bei Sonnenlicht sehen die Fotos Klasse aus, aber auch im Dunkeln liefert das Mate 9: Dann steht dem Farb- der Monochrom-Sensor zur Seite und liefert Informationen. Dadurch reduziert sich das Bildrauschen deutlich. Nur bei der Detailgenauigkeit haben die Top-Kameras aus dem Galaxy S7 und dem Google Pixel XL noch die Nase vorn. Besonders gut zu erkennen ist das an den Rändern der Testfotos. Hier reden wir aber von Nuancen.

Wie man es von Huawei kennt, bietet die Kamera-App wieder vielfältige Einstellungsmöglichkeiten für Profis. So lassen sich einfach Lichtwert, ISO und Co. einstellen. Darüber hinaus könnt Ihr wie beim P9 auch nur den Monochrom-Sensor nutzen, um extrem kontrastreiche Schwarzweiß-Fotos aufzunehmen. Der wahre Zauber entfaltet sich aber erst, wenn Ihr die Funktion "Große Blende" aktiviert.

Mit dem Modus "Große Blende" und etwas Nachbearbeitung per App erreicht man sehenswerte Ergebnisse.(© 2016 CURVED)

Dann versieht die Kamera Fotos mit einem Tiefenschärfe-Effekt. Diese Aufnahmen lassen sich im Nachhinein noch verändern. Ihr könnt einen anderen Fokus, eine größere oder eine kleinere Blendenöffnung auswählen. Je nachdem, welche Einstellungen Ihr trefft, sieht der Hintergrund verschwommen oder scharf aus. Damit eignet sich der Modus nicht nur dazu, Objekte besser hervorzuheben, sondern auch für Portraits. Hin und wieder gibt es aber kleine Probleme bei der Objekterkennung. Wie beim P9 produziert das Mate 9 dann Unschärfen an Stellen, an die keine gehören. Im Test kam das aber nur sehr selten vor.

Von den zwei Sensoren profitiert auch der Zoom. Denn das Mate 9 kann einen zweifach optischen Zoom zumindest simulieren. "Hybrid Zoom" nennt Huawei das. Und tatsächlich könnt Ihr entfernte Objekte damit heranholen und ablichten, ohne große Qualitätseinbußen in Kauf nehmen zu müssen. Noch ein Wort zur Frontkamera: Sie löst mit acht Megapixeln auf, schafft Full-HD-Videos, bietet einen optischen Bildstabilisator – und die obligatorischen Schönheitsfilter.

Videos könnt Ihr mit dem Mate 9 in 4K aufnehmen. Damit ist es das erste Huawei-Smartphone mit einem Kirin-Chip, das hochauflösende Clips unterstützt. Beim Huawei nova und Huawei nova Plus setzten die Chinesen noch auf den Snapdragon 625, um 4K zu ermöglichen.

Neuer Prozessor und neue Software

Eben jener neue Prozessor, der Kirin 960, soll laut Huawei nochmal für einen ordentlichen Leistungssprung sorgen, von dem besonders Gamer profitieren. Die einschlägigen Benchmarks zeigen allerdings: Der Chip ist zwar schneller als der Vorgänger, kommt aber im AnTuTu-Benchmark nicht ganz an die Spitzenreiter Snapdragon 820 und 821, Samsung Exynos 8890 und Apple A10 heran. Im Geekbench 4 überflügelt er mit der Ausnahme vom iPhone 7 sowohl im Single- als auch im Multi-Core-Score (1931/5612 Punkte) die Konkurrenz. Das Arbeitstempo ist fix, Apps öffnen sich schnell. Sämtliche Spiele laufen ruckelfrei in den höchsten Details, und laden zügig. Und egal wie viel Action auf dem Bildschirm stattfand: Nennenswert warm wurde das Mate 9 beim Zocken nicht.

Die Ausstattung komplettieren vier Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher und 64 GB Speicher, von denen ab Werk nur noch rund 50 GB zur Verfügung stehen. Wer mehr braucht, kann per microSD-Karte bis zu 128 GB nachrüsten, muss dafür aber den zweiten SIM-Kartenplatz opfern. Eine Version mit mehr oder weniger Speicher gibt es, mit Ausnahme das Luxus-Gerätes Porsche Design Huawei Mate 9, nicht. Damit Euch beim Zocken nicht zu schnell der Strom ausgeht, verbaut Huawei erneut einen Akku mit 4000 mAh. Beim Mate 8 war die gleich große Batterie eines der Killer-Feature. Bis zu zwei Tage Laufzeit waren damit drin.

Das Mate 9 kann da nicht ganz mithalten. Nach einem intensiven Tag, der aus dem Verfolgen der US-Präsidentschaftswahl, Videos schauen und zocken im Zug und einem kompletten Arbeitstag bestand, zeigte das Display abends immerhin noch eine Ladung von 40 Prozent. Das reicht locker, um am nächsten Tag ohne Probleme zur Arbeit zu kommen. Dort könnt Ihr das Mate 9 dann schnell wieder volltanken. Dank SuperCharge-Technik ist das Gerät in rund 100 Minuten wieder bei 100 Prozent. Voraussetzung ist, dass Ihr das passende Netzteil dabei habt. Denn wie beim OnePlus 3 lagert auch Huawei die Ladetechnik ins Netzteil aus.

Android 7.0 Nougat mit EMUI 5.0

Bei der Software macht es Huawei wie beim Vorgänger: Es kommt das neueste Android zum Einsatz. In diesem Fall sind die Chinesen neben LG (LG V20) einer der ersten Anbieter, die ein Smartphone mit vorinstalliertem Android 7.0 Nougat auf den Markt bringen. Ihr könnt alle Vorzüge des Systems ausnutzen. Dazu gehören die anpassbaren Schnelleinstellungen und der Splitscreen-Modus. Meine Lieblingsfunktion ist klein, aber sinnvoll: Tippt Ihr schnell zweimal auf den Button für die App-Übersicht, wechselt Android aus der aktuell geöffneten in die zuletzt geöffnete App. Wiederholt Ihr den Vorgang, springt Ihr zurück. Ideal, um schnell etwas nachzuschlagen.

Von der ursprünglichen Android-Optik sieht man auf dem Mate 9 nicht sehr viel. Denn wie üblich legen die Entwickler die “Emotion UI”-Oberfläche über das System, hier in der Version 5.0. Die meisten Menüs sind nun in Weiß gehalten und wirken aufgeräumter. Außerdem gibt es erstmals die Möglichkeit, einen echten App-Drawer zu aktivieren. Wenn der Euch bisher gefehlt hat, müsst Ihr nicht mehr zwingend auf einen alternativen Launcher umsteigen.

Fazit: Es reicht nicht ganz für die Spitze

Mit dem Huawei Mate 9 hat es Huawei geschafft, die Vorzüge des Mate 8 mit denen des P9 zu vereinen. Die Kamera macht tolle Bilder, das nachträgliche Einstellen der Tiefenschärfe sorgt für einen Wow-Effekt. Der Akku ist langlebig, die Arbeitsgeschwindigkeit hoch. Es sind Nuancen, die dazu führen, dass das Mate 9 nicht unter den Top 3 in der Topliste auftaucht: Das Gehäuse ist nicht wasserdicht, die Bildschirmauflösung könnte, im Hinblick auf Virtual Reality, höher sein. Wer auf die Dual-Kamera verzichten kann, findet im OnePlus 3 eine gute und vor allem günstige Alternative. Wer sich für die Kamera interessiert, aber keine 699 Euro investieren will, greift andersherum zum P9 oder zum Honor 8.


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