Das Huawei P10 Plus im Test

Unfassbar !15
Das Huawei P10 Plus in Dazzling Blue mit Hyper-Diamond-Cut-Rückseite
Das Huawei P10 Plus in Dazzling Blue mit Hyper-Diamond-Cut-Rückseite(© 2017 CURVED)

Größer ist besser? Trifft auf das Huawei P10 Plus in jedem Fall zu, wie unser Test zeigt.

So viel vorweg: Wir werden in diesem Test nicht jeden Punkt eingehen, in dem sich das P10 Plus mit dem kleineren Bruder Huawei P10 ähnelt. Vielmehr geht es um die Frage: Lohnen die Unterschiede, um den höheren Preis auch zu rechtfertigen?

Das Design

Unser Testgerät kam in "Dazzling Blue" und mit einer speziell behandelten Rückseite. Hyper-Diamond-Cut nennt Huawei das, was sich ein bisschen wie die Hologramm-Bildchen, die es früher am Kiosk gab, anfühlt – und auch so anhört, wenn man mit dem Finger darüber fährt. Anfangs kann man gar nicht damit aufhören, mit dem Fingernagel drüberzuribbeln. Zum Leidwesen der Kollegen.

Auch wenn mich dieses Design nicht vollends überzeugt, bekommt es bei mir Pluspunkte. Alleine schon, weil sich Huawei hier etwas traut und sich nicht scheut, neue Fertigungstechniken auszuprobieren. Zudem sorgt die in unterschiedlichen Winkel lasergravierte Rückseite für nette Reflexionen, die alles andere als billig aussehen. Weiterer Pluspunkt: Man sieht keine Fingerabdrücke. Allerdings wäre es ein Trugschluss zu glauben, dass diese Rückseite das Smartphone griffiger macht. Denn tatsächlich ist nur das Rückteil lasergraviert, die Kanten bestehen aus äußerst glatt poliertem Aluminium. Glatter auch als etwa die Rückseite der Graphite-Black-Ausführung.

Um die Rückseite clean zu halten, ist auf die Vorderseite der Fingerprintsensor gewandert. Hier ist Huawei meiner Meinung nach nicht ganz konsequent. Denn eigentlich war die Erklärung für die Designentscheidung beim "kleinen" P10 einleuchtend: Kleinere Smartphones wollen Nutzer frontal entsperren, bei großen Smartphones sei es hingegen handlicher, sie von hinten zu stützen, während man sie mit dem Fingerabdruck entsperrt. Nun ist das P10 Plus mit seinen 5,5 Zoll deutlich größer, dennoch entsperrt man es über die Front.

Die Hardware

Das Display

Nichts zu beanstanden gibt es beim Display des P10 Plus. Huawei verbaut nicht nur einen größeren Bildschirm, sondern spendiert ihm zudem eine WQHD-Auflösung von 1440 x 2560 Pixeln. Die daraus resultierende Pixeldichte von 540 ppi sorgt für ein brillantes Bild. Weil es sich um ein IPS- und kein AMOLED-Display handelt, sind die Schwarzwerte nicht überragend, die Farben dennoch knackig. Auch die Helligkeit geht absolut in Ordnung. Schade nur, dass Huawei im Nachfolger der P9-Reihe nicht mehr sein PressTouch-Feature verbaut.

Die Performance

Die sonstige Hardware gleicht der Ausstattung des kleinen Bruders: Kirin-960-Chipsatz (4 x 2,4 GHz (Cortex A73), 4 x 1,8 GHz (Cortex A53)) und Mali-G71-GPU. Allerdings gibt es das Plus zudem in einer 128-GB-Ausführung, die zudem auf sechs anstatt nur vier Gigabyte RAM zurückgreifen kann. Das sorgt bei Antutu in den ersten Durchläufen für maximal 126.000 Punkte (nach insgesamt sechs Durchläufen, bei Geekbench für 1860 Punkte im Single- und 5273 Punkte im Multicore-Test. Zum Vergleich: Das P10 kommt auf rund 130.000 Punkte im Antutu (Mittelwert nach drei Durchgängen), 5431 (Multicore) bzw. 1922 (Single-Core) Punkte bei Geekbench 4. Den Spitzenwert von 131.850 Antutu-Punkten wollte das P10 Plus nur einmal erreichen. Das ist nur logisch: Denn mehr Pixel bedeuten mehr Daten, die der Chipsatz Richtung Display schicken muss. Das mindert die Performance, wie wir immer wieder bei Smartphones mit extrem hochauflösenden Bildschirmen beobachten. Aber wie immer sei an dieser Stelle erwähnt: Das sind theoretische Maximalwerte. Auswirkungen in der Praxis hat das nicht. Das P10 Plus ist genauso pfeilschnell in der Bedienung wie das P10. Das liegt an Huaweis Benutzeroberfläche EMUI 5.1. Vorinstalliert ist Android 7.0.

Der Akku

Weil das Display nicht nur größer, sondern auch weitaus hochauflösender ist, hat Huawei dem Plus-Smartphone einen Akku mit 3750 mAh spendiert. Zum Vergleich: 3200 mAh sind es beim P10. Wie gut sich die SuperCharge-Schnellladetechnologie der Chinesen im Vergleich zur Konkurrenz von Samsung und LG schlägt, haben unsere Akkuladetests gezeigt. So hat die Batterie nach wenigen Minuten wieder genug Energie für einige Stunden Laufzeit. Doch weil das Display mit so viel Strom versorgt werden muss, kommt Ihr auch mit dem großen Huawei-Flaggschiff nur auf eine Laufzeit, die knapp über einem Tag liegt.

Die Kamera

Wie kein anderer Hersteller hat sich Huawei zusammen mit Leica mit dem Einsatz von Dualkameras in Smartphones einen Namen gemacht. Oder ihn eingekauft. Denn auch dieses Mal fertigt Leica die Linsen nicht selbst. Die Manufaktur in Wetzlar fertigt weiterhin kleiner Serien hochwertiger Objektive und Kameras, unterstützte Huawei aber bei der Vermessung und der Überwachung des Fertigungsprozesses in Fernost.

Die Technik

Neu ist im Vergleich zum P9 bzw. P9 Plus die Aufteilung der Farbsensoren. Nahmen vorher beide Kameras die Fotos mit zwölf Megapixeln auf, zeichnet nun der Monochrom-Sensor ein 20-Megapixel-Foto auf, das mit Hilfe einer farbigen 12-Megapixel-Aufnahme quasi "koloriert" wird. Dieser RGB-Sensor verfügt nun auch über einen optischen Bildstabilisator, der Wackler bei der Videoaufnahme und Unschärfe in der Fotografie minimiert.

Mich hatte schon die Kamerqualität des P10 bei den ersten Tests in Barcelona überzeugt. Unser Hotel für die Messe lag im Gotischen Viertel, dem alten Zentrum der spanischen Metropole. Dort verlaufen zwischen den Häuser enge Gassen. Am Tag bedeutet das: grelles Licht am Himmel und starke Schatten auf den Häuserfassaden und der Straße. Für Smartphone-Kameras eigentlich ein Albtraum. Denn entweder konzentrieren sich die Sensoren automatisch auf den Himmel und lassen dadurch dunkle Bereiche "absaufen" – oder Schatten werden aufgehellt, während der Himmel "ausbrennt". Nicht so beim Huawei P10. Solche Aufnahmen meisterte das Gerät scheinbar problemlos, obgleich sich mit aktiviertem HDR-Modus noch ein paar mehr Details einbringen ließen.

Doch je dunkler es wurde, desto mehr nahm die Bildqualität ab. Das ist der f/2.2er-Blende geschuldet, die auch schon im Vorgänger zum Einsatz kam. Hier kann das P10 Plus mit seiner f/1.8er Blende punkten.

Der Porträtmodus

Abgesehen von diesen Standard-Szenarien legte Huawei bei der Präsentation den Fokus (!) auf die Porträt-Qualitäten der Dualkamera. Bis zu 190 Bildpunkte sollen Hard-und Software in einem Gesicht erkennen können und daran angepasst die Kontrastverhältnisse regeln. Anders formuliert: Will der Fotograf absichtlich einen Schatten auf dem Gesicht des Fotografierten platzieren oder bestimmte Bereiche aufhellen, so soll das P10 Plus das automatisch erkennen – anstatt einfach das gesamte Gesicht abzudunkeln oder aufzuhellen.

Funktioniert das? Nun ja, unsere Fotografin Katrin hat für einen Test der Porträtqualitäten unseren Volontär Alex ins Studio und vor die Kamera geholt. Weil dieser genauso arbeitet wie im P10, haben wir an dieser Stelle die Fotos aus diesem Shoot eingehängt. Katrins Fazit nach etlichen Shots mit und ohne Sonnen- sowie Kunstlicht: Im manuellen Modus machen die neuen Huawei-Flaggschiffe eine sehr gute Figur, im Automatik-Modus stimmen allerdings die Farben nur selten. Das Motiv wirkt dann insgesamt zu rotstichig, die Hautfarbe changiert ins Orange.

Hingegen die Selfiekamera macht vor allem mit aktiviertem Porträtmodus einen sehr guten Job. Acht Megapixeln und einer f/1.9er Blende sei Dank. Auf die asiastischen Software-Schönheitsfilter können wir hingegen verzichten.

Die Software

Es ist klar, dass das nicht über optische Messpunkte funktionieren kann. Zum Vergleich: Eine digitale Highend-Spiegelreflexkamera kommt auf rund 60 Messpunkte. Somit löst das Smartphone diese Aufgabe softwareseitig. Ohnehin ist Huawei bekannt dafür, seine Hardware auch mit einem umfangreichen Softwareangebot zu unterstützen. So auch beim P10. Präsentiert sich die Kamera-App nach dem Start noch relativ aufgeräumt im Automatik-Modus, genügt ein Wisch von unten nach oben, um den Profi-Modus zu starten. Hier lassen sich ISO, Verschlusszeit, Blende und Auto- bzw. manueller Fokus sowie der Weißabgleich anpassen. Soweit, so bekannt.

Mit einem Wisch nach unten landet man wieder im Automatik-Modus. Neben dem Auslöser-Button befinden sich links ein Shortcut zur Bildergalerie und rechts einer zum Video-Modus. Wischt Ihr aus der rechten Ecke über den Bildschirm nach links, könnt Ihr direkt die Auflösung der Bilder anpassen, die GPS-Vertaggung de- oder aktivieren und Kleinigkeiten wie Wasserzeichen, Kameraraster und Ähnliches einfügen. Praktisch: Wer möchte, kann hier auch einstellen, ob die Kamera per Sprachbefehl oder wenn das Objekt lächelt, auslösen soll. Auch lassen sich hier die Lautstärke-Tasten mit unterschiedlichen Foto-Funktionen belegen und generelle Voreinstellungen (Sättigung, Kontrast, Helligkeit) vornehmen.

Wie umfangreich das Software-Angebot für die Kamera ist, zeigt sich allerdings erst mit einem Wisch von links nach rechts. So bekommt man Zugriff auf die unterschiedlichen Kamera-Modi: Standard, Monochrom, Video, HDR, Panorama, Nachtaufnahme, Lichtmalerei, Zeitraffer und Zeitlupe sowie einen Scanner-Modus für Dokumente. Daumen hoch für so viel Auswahl, ohne dass die Kamera-App überfrachtet wirkt!

Fazit

Für 150 Euro Aufpreis bekommen Nutzer im Vergleich zum Huawei P10 potenziell mehr Speicher, mehr Arbeitsspeicher und eine bessere Kamera. Die macht sich vor allem in Situationen mit wenig Licht bemerkbar und setzt sich klar von der Dualkamera des kleinen Bruders ab. Das Plus an Akkukapazität macht sich aufgrund des Displays nicht in längeren Laufzeiten bemerkbar. Dafür sorgt das Plus an Pixeln für ein überdurchschnittliches gutes Bild. Überrascht hat mich die minimale Verbesserung im Benchmark-Vergleich zum P10. Dennoch: In allen Belangen ist das P10 Plus das bessere P10. Wer die 750 Euro UVP investieren möchte, bezahlt den Aufpreis in erster Linie für das scharfe, große Display und die gute Kamera.

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