LG K4 und LG K10 im Test: Gutes Smartphone, schlechtes Smartphone

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LG K10: Besser als gedacht.
LG K10: Besser als gedacht.(© 2016 CURVED)

So nicht! Einsteiger-Smartphones für den kleinen Geldbeutel sollen das LG K4 und das LG K10 sein. Für 119 und 199 Euro darf man keine Top-Ausstattung erwarten, aber was der koreanische Hersteller hier macht ist nicht nur frech, sondern auch eine überflüssige Aufblähung seines Lineups.

Stylus 2, X Cam, X Screen, K7 – LG bekommt gerade nicht genug. Neben dem Flaggschiff LG G5 hat das Unternehmen in den letzten Wochen gefühlt eine halbe Armee an neuen Smartphones vorgestellt, zu denen auch das K4 und das K10 gehören. Statt den Nutzern mit einem überschaubaren Portfolio das passende Gerät zu vermitteln, scheint es als solle jeder sein persönlich passendes Modell erhalten. Dabei gibt es Sparpotenzial, denn von den zwei Testgeräten ist mindestens eins völlig überflüssig.

LG K4: Kein Einsteiger-Smartphone

Beim LG K4 nehme ich das Fazit vorweg: Von dem Smartphone halte ich nichts. Selbst 119 Euro sind für das Smartphone, das wirkt wie ein Gimmick aus dem Kaugummiautomaten, noch zu viel. Da hättet Ihr sogar mit dem Leagoo Alfa 1 mehr Freude - und gebt nur 66 Euro aus. Oder investiert ein paar Euro mehr und erhaltet mit dem ZTE Blade A452 kein perfektes, aber immer noch deutlich besseres Einsteiger-Smartphone.

Eigentlich ist das LG K4 mit seinem 4,5 Zoll großen Display recht handlich und liegt mit seinem Kunststoff gut in der Hand, aber optisch wirkt es wie ein Smartphone aus längst vergangener Zeit. Zu diesem antiquierten Eindruck passt die niedrige Bildschirmauflösung von 854 x 480 Pixeln, die nicht ausreichen, um die Inhalte gestochen scharf darzustellen. Wenn man nicht genau im 90-Grad-Winkel auf das Display schaut, kommt noch ein Grauschleier, der die Farben blass wirken lässt, dazu.

Auch das Innenleben des K4 kann nicht überzeugen. Der Quadcore-Prozessor MT6735M von Mediatek ist nur mit einem Gigahertz getaktet und kann lediglich auf einen ein Gigabyte großen Arbeitsspeicher zurückgreifen. Das macht sich bei der Nutzung des Smartphones durch eine träge Nutzeroberfläche und lange Ladezeiten bemerkbar. Die müsst Ihr auch bei Spielen einplanen und bei Titeln wie Asphalt 8 auf die höchste Grafikqualität verzichten, um sie spielen zu können. Die Benchmarkergebnisse fallen erwartungsgemäß niedrig aus: Im Antutu reicht es zu knapp unter 16.000 Punkten und im Geekbench 3 schafft das K4 473 und 1311 Punkte im Single- und Multi-Core-Test.

Vom acht Gigabyte großen internen Speicher stehen nur rund 3,78 Gigabyte für Eure Daten zur Verfügung, aber immerhin könnt Ihr die Speicherkapazität noch mit einer microSD-Karte erhöhen. Bei den Kameras erwarten Euch hinten fünf Megapixel und vorne zwei. Daraus ergeben sich nicht nur kleine Bilder, sondern vor allem Fotos, die man sich nicht gerne anschaut. Die Detailgenauigkeit lässt deutlich zu wünschen übrig, die Farben wirken blass und mit starken Kontrasten hat die Kamera Probleme. Die Selfies sehen nach einem verwaschenen Pixelbrei aus und sobald es etwas dunkler wird, beginnen die Aufnahmen stark zu rauschen.

LG K10: Ein Einsteiger-Smartphone

Das LG K10 ist mit seinem 5,3 Zoll großem Display nicht nur größer als das K4, sondern wirkt trotz der identisch gemusterten Kunststoff-Rückseite insgesamt besser verarbeitet und optisch zeitgemäßer. Die Tasten befinden sich wie beim LG G3 und LG G4 auf der Rückseite, was mir persönlich ja sehr gut gefällt. Die Ränder sind wesentlich schmaler und durch das 2,5D-Glas, das etwas hervorsteht und über abgerundete Kanten verfügt, erinnert es ein wenig an das Samsung Galaxy S7 Edge. Ebenfalls zum positiveren Eindruck trägt der Bildschirm mit HD-Auflösung bei, der nicht nur ein schärferes Bild als sein kleines Schwestermodell bietet, sondern auch deutlich kräftigere und schönere Farben hat – und das obwohl die Blickwinkelstabilität auch hier gering ist.

Unter der Haube verrichtet der Snapdragon 410, dessen vier Rechenkerne mit 1,2 Gigahertz getaktet sind, seine Arbeit. Ihm stehen 1,5 Gigabyte zur Seite und zusammen erreichen sie zwar keine Spitzenwerte in Benchmark-Tests – ca. 22.500 im Antutu und 469 / 1415 im Geekbench 3 – aber insgesamt läuft alles schneller und flüssiger als beim K4. Das K10 kann man durchaus benutzen und sogar auch das eine oder andere Spiel auf ihm zocken. Asphalt 8 wählt zum Beispiel selber die mittlere Grafikqualität aus und lässt sich mit ihr flüssig spielen. Vom 16 Gigabyte großen internen Speicher stehen noch etwas mehr als zehn für Eure Daten zur Verfügung und bei Bedarf könnt Ihr die Speicherkapazität mit einer microSD-Karte erhöhen.

Die Kameras des K10 liefern Fotos mit 13 und Selfies mit fünf Megapixeln Auflösung und die gefallen mir deutlich besser als die Bilder vom K4. Die Aufnahmen des größeren Einsteiger-Smartphones erreichen eine durchschnittliche Bildqualität und sind vorzeigbar. Starke Kontraste bereiten zwar auch hier Probleme und bei wenig Licht bleibt das Bildrauschen nicht aus, aber in Sachen kräftigen Farben und Detailgenauigkeit bietet das K10 gute Standard-Kost.

Fazit: Schlechtes Smartphone, gutes Smartphone

Das K4 hätte sich LG sparen können. 119 Euro sind für die Ausstattung zu teuer und selbst wenn der Preis unter 100 Euro fallen sollte: Richtige Freude wird man als Nutzer an dem LG K4 nicht haben. Dafür wirkt es zu billig, hat zu wenig Leistung, sowie schlechte Kameras und ein fast unbrauchbares Display.

Besser gefällt mir das LG K10. Das ist ein Einsteiger-Smartphone, wie es sein soll: Design, Display und Verarbeitung sind gut und die Hardware sowie die Kameras sind nicht herausragend, aber ausreichend. Der angesetzte Verkaufspreis ist mit 199 Euro mir jedoch für ein Einsteiger-Modell zu hoch angesetzt, aber bei 150 Euro kann man da fast bedenkenlos zugreifen.


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