Das Moto G4 Plus im ausführlichen Test

"Nie wieder etwas verpassen" ist das Motto der neuen Moto G4-Geräte von Lenovo. Das bezieht sich auf vor allem auf die verbauten Kameras mit schnellem Laser-Autofokus und dem großen Akku mit 3000 mAh. Wir haben das Moto G4 Plus über mehrere Tage getestet. Wie es sich schlägt, lest Ihr hier.

Anfang 2014 hat Lenovo den Smartphone-Hersteller Motorola für 2,91 Milliarden Dollar von Google abgekauft. Auf den Handys geblieben ist das typische "M"-Logo auf der Rückseite. Auch will Lenovo die Smartphone-Reihe unter dem Namen Moto fortführen.

Nicht so griffig wie gedacht

Für ein Gerät mit 5,5 Zoll ist das Moto G4 Plus mit 155 Gramm sehr leicht. Smartphones wie das iPhone 6 Plus wiegen durch ihr Metallgehäuse schon 172 Gramm. Allerdings ist das neue Moto mit 9,8 Millimetern nicht das dünnste Smartphone. Zusätzlich steht die rückseitige Kamera ein bisschen hervor. Durch die Nanobeschichtung der Oberfläche ist das Smartphone spritzwassergeschützt, jedoch in keinster Weise wasserdicht.

Der Kopfhöreranschluss befindet sich oben in der Mitte, an der Seite sind der Power-Knopf und die Lautstärke-Wippe angebracht. Die Rückseite besteht aus Plastik und kann abgenommen werden. Darunter finden wir Slots für eine Micro-SD-Karte und zwei SIM-Karten. Lenovo liefert gleich passende Adapter von Nano- auf Micro-SIM mit, sodass Ihr Euch nicht erst eine neue Karte besorgen müsst, sollte Eure zu klein sein. Beim Hands-on hatte uns die Rückseite noch sehr gut gefallen. Auf den ersten Blick wirkt sie durch eine Struktur recht griffig. Doch im Alltag mussten wir feststellen, dass sich genau darin recht schnell recht viel Staub sammelt. Auch ist die Hülle leider nicht so griffig wie gedacht. Vor allem, wenn Ihr Eure Hände eingecremt habt, gleitet das Smartphone über Eure glatten Fingerspitzen. Schade, weil das Moto G4 Plus mit den bunten Rückseiten in acht Farben sonst optisch viel her macht.

Vorne ist am Smartphone im Gegensatz zum normalen Moto G4 ein Fingerabdrucksensor in einer Art quadratischen Home-Taste untergebracht. Während unseres Hands-ons hatte dieser schnell und zuverlässig das Gerät entsperrt. Im Alltag legt man aber seinen Finger nicht immer perfekt auf das Feld. So kamen wir leider oft in Situationen, wo unsere Finger nicht erkannt wurden oder wir öfter neu auflegen mussten, bis das Smartphone entsperrt war. Außerdem ist zumindest in unserem Testgerät der quadratische Sensor schief verbaut. Das ist zwar nur ein Detail, aber designverliebte Nutzer wird das stören. Auch fühlt es sich befremdlich an, dass der Sensor wie eine Taste hervorsteht, er aber keine Home-Tasten-Funktion hat. Auch sonst gibt es keine Tasten neben dem Display, sondern nur die On-Screen-Bedienfelder.

Kamera ist besser als beim iPhone 6s

Der 5,5 Zoll große IPS-LCD-Bildschirm bietet eine Full-HD-Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln. So kommt das Moto G4 Plus auf eine gute Pixeldichte von 401 ppi. Farblich nehmen wir einen minimalen Blaustich wahr. Der ist aber so gering, dass er nicht wirklich störend auffällt. Das Display ist durch Gorilla Glass 3 vor Kratzern geschützt.

Die Hauptkamera auf der Rückseite löst mit 16 Megapixeln auf, hat eine f/2.0-Blende und bietet neben einem Laser-Autofokus auch einen sogenannten Phasenerkennungs-Autofokus, der schnelleres Scharfstellen ermöglichen soll. Unter der Kamera ist ein zweifarbiger Blitz verbaut. Die Fotos zeigen realistische Farben, sind hochaufgelöst und detailreich. Sogar eine Art Makro-Effekt, bei dem Objekte im Vordergrund scharf sind und der Hintergrund unscharf wird, lässt sich nutzen. Auch im Dunkeln weiß die Kamera zu überzeugen. Vor allem Nahaufnahmen sind scharf und farbecht. Lichtquellen werden allerdings etwas verzerrt dargestellt.

Haltet Ihr den Auslöser, also irgendwo auf dem Display, gedrückt, dann entsteht eine Fotoserie. Ihr könnt auch die Taste für "lauter" als physischen Auslöseknopf benutzen. Lediglich bei Bewegungen hatte die Kamera im Test Probleme beim Scharfstellen, wenn sich das Objekt bewegt. Da half auch keine Fotoserie mehr, kein Bild konnte die Bewegung ohne Verwacklungseffekt festhalten.

Action-Testfoto Moto G4 Plus: Kollege Marco springt nach dem Ball, ist dabei unscharf(© 2016 CURVED)

Die Kamera-App ist minimalistisch, bietet aber im "Professionellen Modus" auch feine Einstellungsmöglichkeiten für Weißabgleich, Schärfe, ISO und Belichtungszeit. Videos nimmt die Kamera in Full-HD mit 1080p auf. Auch hier hat uns die Qualität überzeugt. Die Aufnahmen sind scharf, die Kamera passt sich automatisch an wechselnde Lichtbedingungen an. Slowmotion-Aufnahmen sind möglich, haben allerdings eine geringe Qualität und sind stark verrauscht.

Die Hauptkameraim G4 Plus wurde im Vorfeld extrem gelobt. Die Tester bei DxOMark haben sie sogar besser bewertet als die Kamera im mehr als doppelt so teuren iPhone 6s. Könnt Ihr Euch nicht vorstellen? Wir uns auch nicht, also haben wir selber einen Vergleichstest gestartet, der uns schließlich überzeugte. Die Kamera im Moto G4 Plus liefert mehr Kontrastdetails und stellt Farben sowie vorherrschendes Licht realistischer dar.

Die Selfie-Kamera auf der Vorderseite löst mit 5 Megapixeln auf und hat eine f/2.2-Blende. Auch diese Schnappschüsse sind scharf, zeigen realistische Farben und sind beim Heranzoomen nur wenig verrauscht. Im Gegensatz zum Vorgängermodell hat das Smartphone keine eigene Galerie-App mehr. Stattdessen setzt Lenovo auf die "Google Fotos"-App. Im Lieferumfang enthalten ist für diesen Dienst auch ein unbegrenzter Cloud-Speicher für zwei Jahre.

Großer Akku mit Quick Charge 2.0

Unter der Rückseite sitzt der Akku mit 3000 mAh. Diese Kapazität reichte in unserem Test auch bei häufiger Benutzung für etwas mehr als einen Tag. Voll aufgeladen ist der Akku dank Quick Charge 2.0 von Qualcomm, heißt beim Moto G4 Plus "TurboPower", in etwas mehr als eineinhalb Stunden. Der passende Netzadapter liegt dem Smartphone bei. Lenovo wirbt allerdings damit, dass Ihr das Moto G4 Plus nur 15 Minuten an den Strom hängen müsst, damit Ihr das Smartphone wieder für weitere sechs Stunden nutzen könnt. In unserem Test konnten wir in einer Viertelstunde von 6 Prozent auf 27 Prozent aufstocken, doch sechs Stunden hält der Akku dann wohl nur durch, wenn Ihr das Smartphone nicht mehr belastet. Bei uns war nach knapp einer Stunde, die wir mit Surfen, einer Runde im Autorennspiel und Fotos verbrachten, schon wieder jegliche Power aufgebraucht. Aber immerhin: Für digitale Tickets, den Anruf zu Hause oder Chatten und Mailen hält die Schnellladung noch eine Weile durch.

Das Moto G4 Plus(© 2016 CURVED)

Der verbaute Akku ist zwar nicht verklebt, Ihr könnt ihn dennoch nicht alleine austauschen, falls seine Kapazität nachlässt. Lenovo möchte verhindern, dass Kunden diesen durch Billig-Akkus aus dem Internet austauschen, die für sie gefährlich werden könnten. Lieber setzt der Hersteller auf eine Verschraubung, sodass der Akku mit unter die Garantie des Geräts fällt und jederzeit fachmännisch ausgetauscht werden kann.

Gute Performance

Lenovo setzt im Moto G4 Plus auf den Snapdragon 617. Dieser hat acht Kerne, vier takten mit 1,5 GHz und vier mit 1,2 GHz. Als GPU wird die Adreno 405 verwendet. Der Kombination zur Seite stehen zwei oder vier Gigabyte Arbeitsspeicher, denn das Moto G4 Plus erscheint in zwei Varianten. Der interne Speicher ist deshalb auch entweder 32 oder 64 Gigabyte groß, lässt sich aber in beiden Fällen durch die oben erwähnte Micro-SD-Karte um bis zu 128 Gigabyte erweitern. Unser Gerät verfügt über zwei Gigabyte RAM. Im Test lief hier alles flüssig. Auch aufwändige Spiele wie "Need for Speed" sind kein Problem für das Moto G4 Plus. Ruckler gab es nur bei gerenderten Cutscenes - die Spiele selbst hatten damit nicht zu kämpfen. Beim Benchmark mit AnTuTu schnitt das Moto G4 Plus gegenüber den Konkurrenten in der Preisklasse 200-300 Euro besser ab als das Honor 5X, aber etwas schlechter als das Huawei P9 Lite.

Als Betriebssystem ist das aktuelle Android 6.0.1 Marshmallow im Einsatz. Lenovo hat schon versprochen noch mindestens zwei weitere Versionen, also Android N und Android O, zu unterstützen. Beim G4 Plus finden wir das reine Google-Android vor. Lenovo hat lediglich ein paar zusätzliche Moto-Funktionen hinzugefügt, wie zum Beispiel das "Moto Display", bei dem Benachrichtigungen angezeigt werden ohne den kompletten Bildschirm anzuschalten. Auch cool sind diese Gesten: Wenn Ihr das Smartphone schüttelt (wie beim Holzhacken), schaltet sich die Lampe auf der Rückseite ein bzw. aus. Kippt Ihr es seitlich hin und her, schaltet sich die Kamera an. Oder Ihr legt es auf das Display und schickt es somit in den "Nicht stören"-Modus. Eine weitere Funktion besagt, dass Ihr das Smartphone nur in die Hand nehmen müsst, wenn es auf dem Tisch liegt und klingelt, damit es stumm wird. Leider hat diese Geste im Test gar nicht funktioniert.

Hohe Wärmeentwicklung?

Im Netz häufen sich die Beschwerden über eine hohe Wärmeentwicklung beim Spielen oder Fotografieren und Filmen, wodurch das Smartphone nicht mehr nutzbar sei, bis es wieder abgekühlt ist. Wir haben versucht die Szenarien zu reproduzieren, doch unser Testgerät erreichte beim 30-minütigen Zocken nur 40 Grad, bei intensiver Kamera-Nutzung ca. 35 Grad Celsius. Damit war das Moto G4 Plus zwar deutlich warm, aber noch weit von einer Überhitzung entfernt.

Alternative Betriebssysteme

Über die Webseite von Motorola könnt Ihr den Bootloader des Geräts in wenigen Schritten freischalten und Euch ein alternatives Betriebssystem Eurer Wahl aufspielen. Achtung: Wenn Ihr Euch für diesen Vorgang entscheidet, verliert Ihr die Garantie. Moto stellt Euch zwar ein Factory Image zur Verfügung, sodass Ihr die originale Firmware wieder auf das G4 Plus packen könnt - die Garantie gibt es dadurch aber nicht zurück.

Preise und Verfügbarkeit

Das Moto G4 Plus lässt sich genau wie sein kleiner Bruder, das Moto G4, schon über den Moto Maker bestellen. Wählen könnt Ihr zwischen den Farben Schwarz und Weiß für die Front, die Kameraeinfassung hinten bekommt auch eine Farbe, die austauschbare Rückseite gibt es in acht verschiedenen bunten Varianten. Erhältlich ist das Moto G4 Plus in den Varianten 32 GB interner Speicher und 2 GB Arbeitsspeicher für 299 Euro bzw. 64 GB interner Speicher und 4 GB RAM für 344 Euro.

Fazit: kleine Macken, aber eine Spitzenkamera

Unser Moto G4 Plus Testgerät hatte seine kleinen Macken, wie einen schiefen Fingerabdrucksensor, die doch eher nicht griffige Rückseite oder das Problem, dass eine eigentlich praktische Geste nicht funktioniert. Doch insgesamt ist das Smartphone eine sinnvolle Kombination aus Technik zum kleineren Preis. Vor allem die 16-Megapixel-Kamera hat uns gefallen.

Wenn Ihr ein Mittelklasse-Smartphone haben möchtet, das nicht mehr als 300 Euro kostet, sollte das Moto G4 Plus auf jeden Fall auf Eurer Vergleichsliste landen. Interessant ist bei dem Modell nur, ob sich der Aufpreis von 50 Euro gegenüber dem "normalen" Moto G4 ohne Fingerabdrucksensor und mit 13-Megapixel-Kamera wirklich lohnt. Könnt Ihr auf den Sensor verzichten, reicht Euch wahrscheinlich auch das günstigere Moto G4.


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