Das OnePlus 5T im Test: Rechtfertigt das Upgrade die Anschaffung?

Das OnePlus 5T kommt mit 6-Zoll-Display und Full-HD-Auflösung. Reicht das, um oben mitzuspielen oder stagniert der "Flaggschiffkiller"? Wir machen den Test.

Vor einem halben Jahr stellte der chinesische Entwickler das letzte Flaggschiff OnePlus 5 vor, jetzt kommt schon der Nachfolger. Inzwischen ist es das vierte Gerät innerhalb von zwei Jahren. OnePlus möchte mit dieser Strategie seinen Kunden schneller die bessere Technik anbieten, stellt aus diesem Grund aber nicht mehr so große Margen seiner Geräte her. Das führte dazu, dass das OnePlus 5 schon länger vor der Vorstellung des OnePlus 5T ausverkauft war. Das Konzept scheint sich also auszuzahlen.

Design: Jetzt ist Fullscreen angesagt

Während viele Hersteller in dieser Saison ihre Smartphones mit einer Glasrückseite ausstatten, geht OnePlus einen anderen Weg und bleibt seinem Metallgehäuse treu. Doch in allen anderen Punkten fügt sich der chinesische Hersteller dem aktuellen Trend: Dualkamera, Fullscreen-Display, dünne Ränder. Deshalb wandert der Fingerabdrucksensor von seiner Position unter dem Display nun auf die Rückseite des Geräts. Ich empfinde ihn als gut platziert und hatte beim Testen keine Probleme, das Gerät zuverlässig und schnell zu entsperren.

Insgesamt ist das Gehäuse lediglich in der Höhe um knapp 3,5 Millimeter gewachsen, sonst bleibt es nahezu identisch mit dem OnePlus 5 und kommt auf Maße von 156,1 x 75 x 7,3 Millimeter. Im Vergleich zum Vorgänger hat es fast zehn Gramm zugelegt und bringt jetzt 162 Gramm auf die Waage. Zum Vergleich: Das Apple iPhone X wiegt 174 Gramm. Trotz der Größe liegt das OnePlus 5T gut in der Hand und lässt sich angenehm einhändig bedienen. Das liegt vor allem auch daran, dass ihr die Benachrichtigungsleiste überall auf dem Display, statt nur von der oberen Kante aus, herunterziehen könnt. Ebenfalls lässt sich durch eine Wischgeste auf dem Fingerabdrucksensor auf der Rückseite diese Leiste ausfahren.

Bei den Knöpfen gab es keine Veränderung. Links haben wir nach wie vor den geriffelten Alert-Slider, der das Profil von lautlos über wichtig zu laut einstellt, sowie die Lautstärkewippe. Rechts befindet sich der Powerknopf neben dem Fach für zwei Nano-SIM-Karten.

Das Display: scharf und hell

Das Display erstreckt sich nun zum ersten Mal über die komplette Vorderseite des Geräts. Statt wie bisher 5,5 Zoll hat es nun eine Bildschirmdiagonale von 6 Zoll und löst mit 2160 x 1080 Pixel (etwas mehr als Full-HD) auf. Auch wenn OnePlus hier nicht wie andere Hersteller auf WQHD setzt, ist das Display gestochen scharf und stellt durch seine AMOLED-Technologie die Farben sehr satt und leuchtend dar. Schwarz ist tatsächlich Schwarz. Außerdem ist es hell genug, um auch bei direkter Sonneneinstrahlung - zumindest bei der aktuellen Herbstsonne - alles erkennen zu können.

In den Optionen könnt ihr das Display zusätzlich kalibrieren und zwischen verschiedenen Modi, wie Standard, sRGB, DCI-P3 oder adaptiv wählen. Wollt ihr das Display lieber mit warmen oder kalten Farben gestalten, ist das mit der benutzerdefinierten Einstellung möglich. Außerdem gibt es einen Nachtmodus, den Ihr automatisch oder nach Uhrzeit aktivieren könnt. Das ist im Dunkeln sehr viel angenehmer für die Augen und dämpft zudem die blauen Lichtanteile aus der Darstellung. Gut gefällt mir auch der Lesemodus, den wir schon vom Vorgänger-Smartphone kennen und der das Display in Graustufen darstellt, damit sich Texte angenehmer lesen lassen.

Performance: schnell und präzise

Zum Einsatz kommt, wie schon im OnePlus 5, Qualcomms Snapdragon-835-Chipsatz. Ihr könnt entscheiden, ob Ihr ein Modell mit 6 GB Arbeitsspeicher und 64 GB internen Speicher haben wollt oder lieber auf die Kombination 8 GB Arbeitsspeicher und 128 GB internen Speicher setzt. Unser Testmodell hat die zuletzt genannte Ausstattung. Der Akku des Smartphones ist 3300 mAh groß und kann per Dash-Charge schnell aufgeladen werden. Eine halbe Stunde am Stromnetz bringt Euch laut OnePlus so viel Energie, dass Ihr einen weiteren Tag mit dem Gerät arbeiten könnt.

Das Smartphone reagiert auf alle Eingaben schnell und präzise. Spiele und Apps laufen flüssig. Im AnTuTu-Benchmark erreicht das OnePlus 5T im Schnitt 173.297 Punkte. Damit liegt es etwa gleichauf mit dem Samsung Galaxy S8+. Bei Geekbench 4 erreicht das Smartphone im Schnitt 1950 Punkte im Single-Core-Test und 6745 Punkte im Multi-Core-Test.

Als Betriebssystem kommt Oxygen 4.7.1 basierend auf Android 7.1.1 zum Einsatz. Neu hinzugekommen ist beispielsweise die Funktion für parallele Apps. Heißt: Ihr könnt Messenger-Apps wie Facebook, Twitter, WhatsApp und Co "klonen". Dabei wird eine zweite Instanz auf dem Handy erstellt, sodass es aussieht, als habt Ihr die App zwei Mal installiert. So könnt Ihr Euch problemlos gleichzeitig mit zwei Profilen anmelden und die App zum Beispiel privat und geschäftlich nutzen. Alle, die gerne das Design ihres Homescreens anpassen, können mit der aktuellen Oxygen-Version auch auf verschiedene Icon-Packs zugreifen oder das Spaltenlayout des Bildschirms ändern.

Das OnePlus 5T könnt Ihr auch mit Euren Gesichtsdaten entsperren. Laut OnePlus werden diese verschlüsselt gespeichert. Doch bei der Einrichtung weist der Hersteller darauf hin, dass das Entsperren des Smartphones per Gesichtsdaten weniger sicher ist als per Fingerabdruck. Das Entsperren per Gesicht hat im Test sehr schnell und präzise funktioniert. Brille, Hüte, offene Haare oder strenge Frisuren haben das Erkennen nicht beeinflusst. Auch haben wir es nicht geschafft, das Smartphone mit einem Foto zu entsperren. Doch leider wird das Handy nicht direkt aufgeweckt, wenn Ihr es anseht. Das Display muss aktiv sein, damit die Entsperrung funktioniert.

Kameras: gute Fotos zu jeder Zeit

Im OnePlus 5T steckt eine Dualkamera. Die eine Linse löst mit 16, die andere mit 20 Megapixeln auf. Die Blende liegt bei beiden Linsen bei f/1.7. Im OnePlus 5 war eine Linse noch für den Zoom verantwortlich, beim OnePlus 5T wird die zweite Linse angesteuert, wenn Ihr bei wenig Licht fotografiert. Die Frontkamera löst mit 16 Megapixeln bei einer Blende von f/2.0 auf.

Im Test haben wir zu jeder Zeit gute Fotos schießen können. Bei Tag bekamen wir satte Farben, gute Kontraste und viele Details zu Gesicht. Die Farben sind oft realitätsnah, wirken jedoch auf manchen Fotos etwas überbetont. Das fiel vor allem bei Blumen oder einer Wiese auf. Leider ist es nahezu unmöglich sich bewegende Objekte scharf einzufangen. Der Bokeh-Effekt, bei dem der Hintergrund unscharf wird, hat sich etwas verbessert. Die Ränder werden meistens sehr gut erkannt.

Im Dunkeln verlieren die Bilder auf einer Straße etwas an Schärfe, es entsteht ein recht vermatschter Eindruck. Doch dennoch lässt sich auf den Fotos viel erkennen.  Und Selfies sind dank des hellen Display-Blitzes kein Problem.

Preise und Verfügbarkeit

Das OnePlus 5T könnt Ihr nur im Onlineshop des Herstellers bestellen oder bei seltenen Popup-Verkäufen in Großstädten erwerben. Die Preise bleiben identisch zum OnePlus 5: Die Variante mit 6 GB Arbeitsspeicher und 64 GB internen Speicher kostet 499 Euro, das Modell mit 8 GB und 128 GB kommt auf 559 Euro. Die ersten Geräte sollen ab 21. November verschickt werden.

Fazit: ein kleiner Schritt

Das OnePlus 5T ist ein sehr gutes Smartphone mit guter Kamera und praktischen Funktionen. Es liegt gut in der Hand, sieht ansprechend aus, ist schnell und kostet nicht ganz so viel wie die Top-Geräte von Apple, Samsung und Co..

Doch seien wir ehrlich: Die Entwicklung vom OnePlus 5 zum OnePus 5T ist eben nur ein kleiner Schritt. Neben dem Fullscreen-Display hat sich kaum etwas geändert. Und so bleibt das OnePlus 5T nur eine Zwischenstation, die wahrscheinlich in etwa einem halben Jahr schon wieder abgelöst wird. Für Besitzer des OnePlus 5 lohnt sich der Kauf nicht.

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