Outdoor-Handy CAT S40 im Test: harte Schale, zu weicher Kern

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Das CAT S40 von Caterpillar
Das CAT S40 von Caterpillar(© 2015 CURVED)

Manche Smartphones punkten über Design und Leistung, andere müssen in erster Linie einstecken können. Das kann das Outdoor-Smartphone CAT S40 von Caterpillar. Ein bisschen mehr Power hätte aber nicht geschadet. Der Test.

Ob für die Arbeit draußen oder beim Mountainbiken: Nicht immer ist das schickste Smartphone auch am besten geeignet. Denn so toll ein Samsung Galaxy S6 oder ein iPhone 6 sich im Büro oder Café machen, auf der Baustelle sind sie einfach fehl am Platz. Dann müssen Spezialisten ran - wie das CAT S40.

Das ist mit seiner robusten Bauweise für den Außeneinsatz konzipiert und entsprechend stabil gebaut. Die Kanten sind abgeschnitten und mit Gummi ummantelt, an den langen Seiten befindet sich eine Metall-Schiene. Auch die Rückseite ist mit einem griffigen Gummi-Überzug geschützt. So soll es Stürze aus bis zu 1,80 Metern überleben. Nach mehreren Test-Stürzen aus Kopfhöhe war das Gerät zwar ordentlich zerkratzt, funktionierte aber weiterhin tadellos.

Handschuhe und nasse Hände sind kein Problem

Damit sich das Gerät auch mit Handschuhen bedienen lässt, hat CAT anders als beim Vorgänger CAT S50 diesmal auf physische Android-Buttons gesetzt. Sie bestehen aus Gummi und lassen sich mit Handschuhen passabel bedienen. Nicht ganz so toll für diesen Zweck geeignet ist die Anordnung der rechts am Gerät angebrachten Knöpfe für die Lautstärke und das Einschalten des Geräts. Die sind zwar auch mit Handschuhen grob ertastbar. Leider ist der Power-Button aber viel zu nah an der Lautstell-Taste - und wird so zu schnell miterwischt. Ein bisschen mehr Abstand wäre besser gewesen.

Wie es sich für ein Outdoor-Smartphone gehört, ist das S40 nach dem IP68-Standard abgeschottet und damit staub- und wassergeschützt. Bis zu einer Stunde soll es in ein Meter tiefem Wasser aushalten. Die Anschlüsse versteckt CAT dafür hinter abgedichteten Klappen. Die sind leicht zu öffnen, das Verschließen fiel zumindest bei einer aber etwas fummelig aus. Schuld war eine kleine Gummi-Lasche, die wirkte, als ob sie bei der Fertigung hätte abgeschnitten werden sollen und das korrekte Schließen erschwerte.

Eine Besonderheit ist die auf der linken Seite befindliche, progammierbare Taste. Dieser kann man im Menü eine Funktion oder App zuweisen. Hält man sie dann gedrückt, startet sie etwa die Taschenlampe. Oder öffnet eben Facebook.

Helles Display, maue Technik

Als weiteres Highlight gibt CAT das 4,7 Zoll große Display an. Das soll durch seine hohe Helligkeit besonders gut im Sonnenlicht abzulesen sein. Das mit 960 x 540 Pixeln ziemlich niedrig aufgelöste Display fällt tatsächlich sehr hell aus. Für die Sonne ist es trotzdem nur bedingt geeignet. Das Problem: Es reflektiert so stark, dass es selbst bei höchster Helligkeit nur schwer zu erkennen ist. Bis auf die Reflexionen und die niedrige Auflösung ist das Display aber Ordnung. Die Farben sind kräftig, ein Farbstich oder Lichthöfe sind nicht zu sehen. Lediglich das etwas schwache Schwarz stört den Gesamteindruck. Gut gemacht: Wie es sich für ein Outdoor-Handy gehört, lässt sich der Touchscreen auch mit nassen Fingern und Handschuhen bedienen.

Unter der Haube krankt das CAT S40 an denselben Mankos wie viele andere Outdoor-Smartphones. Denn in einem robusten Körper steckt viel zu selten auch tolle Technik. Der verbaute Qualcomm-Processor besitzt zwar vier Kerne, die takten aber gerade mal mit 1,1 Gigahertz. Zusammen mit dem mit einem Gigabyte ebenfalls knapp bemessenen Arbeitsspeicher erlaubt das keine Top-Leistung. Bei Antutu schafft das Gerät gerade einmal rund 18.000 Punkte. In der Alltags-Benutzung lief das Gerät zwar meistens relativ flüssig, machmal treten aber Stotterer auf, etwa beim schnellen Scrollen. Bei einem Gerät, das 469 Euro kosten soll, kann man mehr erwarten. Immerhin fällt der Datenspeicher mit 16 Gigabyte relativ üppig aus. Er lässt sich zudem per microSD-Karte um bis zu 64 Gigabyte erweitern.

Die Kamera überzeugt nicht

Die Kameras des S40 überzeugen leider kaum. Die Hauptkamera löst zwar mit acht Megapixeln auf, die Bilder enttäuschen aber. Sie sind unscharf, teilweise stark verrauscht und haben riesige Probleme mit überstrahlendem Licht. Bessere Bilder gibt es von Smartphone-Kameras mindestens seit dem ersten iPhone. Auch die Frontkamera wirkt aus der Zeit gefallen. 1080p-Videos werden zwar laut Datenblatt unterstützt, in der Kamera-App ist aber 720p die höchste auswählbare Option. Woran das liegt, ist unklar.

Die Ausstattung entspricht weitgehend Smartphone-Standard, Bluetooth 4.1 ist genauso an Bord wie WLAN, GPS und NFC. Zudem bietet das Gerät LTE und die Unterstützung von zwei SIM-Karten.

Zerbrechliche Innereien

Der SIM-Kartenschlitten ist aber eine der ganz großen Schwachstellen: Der aus Metall und Plastik gefertigte Schlitten ist nicht besonders stabil. Bereits beim dritten Herausziehen brach die Lasche ab, der Schlitten blieb samt SIM-Karte stecken. Und ließ sich nur noch mit viel Gefummel ein letztes Mal herausziehen. Bei einem Gerät, das mit seiner Robustheit wirbt, ist das inakzeptabel.

Als Betriebssystem setzt CAT auf Android 5.1, eine eigene Oberfläche kommt nicht zum Einsatz. Dafür installiert CAT einen eigenen Appstore namens “App Toolbox”, in dem sich neben beliebten Anwendungen wie WhatsApp auch jede Menge Apps für Bauarbeiter, Handwerker und solche, die es werden wollen, finden. Zudem installiert CAT die App “Clean Master”, die Android angeblich sauber halten soll. Nebenbei bringt sie auch noch Werbung auf den Bildschirm.

Fazit: Außen stark, innen knacks

Das CAT S40 legt keinen Wert auf schickes Design oder Highend-Specs, sondern konzentriert sich ganz auf seine harte Schale. Die funktioniert auch gut und schützt die fade Technik im Inneren vor Stürzen, Wasser und Staub. Trotzdem hätte des dem Smartphone gut gestanden, wenn etwas mehr Wert auf die inneren Werte gelegt worden wäre. Für ein Gerät mit einem unverbindlichen Preisempfehlung von 469 Euro ist Einsteiger-Technik, wie etwa ein stotternder Prozessor und eine weitgehend unbrauchbare Kamera, heute einfach zu wenig. Hinzu kommt noch die peinlich instabile Bauweise des SIM-Schlittens. So etwas ist einem solchen Preis unwürdig.

Wer also nicht ständig ein Outdoor-Smartphone braucht, dürfte mit einem Mittelklasse-Gerät und einer stabilen Hülle in den meisten Fällen besser fahren. Und vermutlich sogar noch Geld sparen.


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