Tolino Vision 2 im Test: Ein E-Reader für die Badewanne

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Tolino Vision 2:  Lesevergnügen auch in der Badewanne und anderen nassen Orten.
Tolino Vision 2: Lesevergnügen auch in der Badewanne und anderen nassen Orten.(© 2014 CURVED)

Schon für gedruckte Bücher ist die Badewanne nicht der ideale Aufenthaltsort. Doch E-Book-Reader reagieren noch empfindlicher auf die hohe Feuchtigkeit. Anders sieht es beim Tolino Vision 2 aus. Der E-Reader ist wasserdicht und hat keine Probleme mit Wasserdampf im Badezimmer, Regen an der Bushaltestelle oder einen Ausflug in das nasse Element.

Der Tolino Vision 2 ist quasi die deutsche Antwort auf den hochauflösenden Kindle Voyage. Oder doch eher den Kindle Paperwhite mit Hintergrundbeleuchtung? Das wird sich am Ende des Tests entscheiden, und an dieser Stelle sei schon so viel verraten: Die deutschen Buchhändler müssen sich mit ihrem wasserfesten E-Reader nicht verstecken, sondern können problemlos mit dem großen US-Konzern mithalten. Hinter dem Tolino steckt eine Allianz aus der Deutschen Telekom sowie den großen Buchhandelsketten Thalia, Weltbild, Hugendubel, dem Bertelsmann Club und mehreren E-Book-Händlern als kleinere Partner.

Handliches, griffiges und wasserdichtes Gehäuse

Der Tolino Vision 2 ist nicht nur schlicht und elegant verpackt, sondern liegt auch deutliche besser in der Hand als der momentan günstigste Kindle von Amazon. Der E-Reader aus Deutschland wirkt kompakt und lässt sich bequem mit einer Hand halten. Dabei spielte es keine Rolle, ob ich ihn an einer Ecke festhielt oder über die ganze Breite in meine Hand klemmte. Es soll ja Leute geben, die gummierte Rückseiten wie beim Tolino nicht mögen. Mich stört sie nicht. Ich finde sie bei dem wasserdichten Lesegerät für E-Books sogar passend, und zudem verleiht sie ihm einen guten und sicheren Halt in meiner Hand.

Mit dreckigen Fingern solltet Ihr auf dem Vision 2 allerdings nicht lesen, denn die Rückseite zeigte sich sehr anfällig für fettige Fingerabdrücke. Der Tolino ist zwar wasserdicht - der Hersteller garantiert, dass er in einem Meter tiefen Süßwasser 30 Minuten unbeschadet übersteht – und lässt sich abwaschen, aber das wäre nur unnötige Arbeit, die man sich nicht machen muss.

Der Hersteller hat nicht das Gehäuse wasserdicht konstruiert, sondern die einzelnen Bauteile mit einer Nanobeschichtung von HZO überzogen, an der das Wasser abperlt. So dringt das Wasser ein und fließt wieder heraus ohne Schäden anzurichten. Das gilt aber nur für Süßwasser. Nach Kontakt mit anderen Flüssigkeiten empfiehlt die Bedienungsanleitung, den E-Reader auszuspülen und 48 Stunden lang trocknen zu lassen.

Mit einem Gewicht von 174 Gramm ist der Tolino zudem leichter als alle Kindles, die Amazon momentan anbietet. Gegenüber dem 180 oder 188 Gramm schweren Kindle Voyage ist es zwar nur eine kleine Differenz, aber im Vergleich zum 206 oder 215 Gramm schweren Paperwhite macht sich der Unterschied deutlich bemerkbar. Die Größenunterschieden zwischen den verschiedenen E-Readern bewegen sich dagegen im Millimeterbereich.

Schickes Display und langsame Hardware

Das sechs Zoll große E-Ink Carta-Display des Tolino Vision 2 hat eine Auflösung von 1024 x 758 Pixeln und zeigt Texte scharf und mit mehr als genug Details an. Zum Vergleich: Der Kindle Paperwhite bietet die gleiche und der Kindle Voyage mit 1440 x 1080 Pixeln eine höhere Auflösung. Ob die sich wirklich lohnt, konnte ich aber noch nicht mit eigenen Augen überprüfen. Dem Bildschirm des Vision 2 stehen 16 Graustufen zur Verfügung, die er weniger für die Darstellung von Schrift, sondern zur Anzeige von Bildern oder den Menüs verwendet.

Gefällt Euch eine Schriftart nicht, dann bietet der Tolino neben der vom Verlag gelieferten Schrift noch fünf andere Fonts an: Fira, Linux Libertine, Rokkitt, Dosis, Droid Serif. Sie funktionieren allerdings nicht bei jedem Buch, und mitunter ist der Zeilenabstand recht knapp und Buchstaben wie ein "g" und "f" berühren sich fast. Dafür beherrscht der Vision 2 im Gegensatz zum Kindle Silbentrennung und erzwingt keinen Blocksatz. Ich kann zudem in Einstellungen zur Textdarstellung die Ausrichtung, den Zeilenabstand und die Größe des Seitenrands nach meinen Bedürfnissen auswählen.

Tolino Vision 2: Seitendarstellung anpassen.

Die eingebaute Beleuchtung schaltet Ihr über eine Taste an der Oberkante des Vision 2 ein. Sie sorgt dafür, dass Ihr auf dem Tolino im Dunkeln ohne eine extra Lampe lesen könnt. Das Licht ist nicht zu hell und würde nur sehr empfindliche Bettnachbarn stören. Allerdings eignet es sich nicht für stundenlanges Lesen. Mir taten meist schon nach fünf bis zehn Minuten die Augen weh, so dass ich den E-Reader aus der Hand gelegt und die Augen zu gemacht habe.

Beim Umblättern lädt der Tolino Vision 2 die neuen Seiten schnell und mit einer minimalen Verzögerung, die beim Lesen nicht stört. Der 1-Gigahertz-Prozessor und die 512 Megabyte Arbeitsspeicher scheinen nicht über genug Rechenkraft zu verfügen. Komplexere Seiten wie die Menüs und vor allem die Shop-Seiten bauen sich langsam auf. Gefühlt merklich langsamer als bei anderen E-Reader. Aber zum Glück muss man nicht mit dem Gerät einkaufen gehen, sondern kann die Bücher auch im Online-Shop auswählen, kaufen und anschließend auf den Tolino synchronisieren.

Touchscreen und eine Rückseite zum Antippen

Die Bedienung des Tolino Vision 2 erfolgt größtenteils über den Touchscreen. Dieser reagiert nicht so schnell wie bei einem Smartphone, aber ausreichend schnell, um nicht für Frust bei mir zu sorgen. Über das Hauptmenü und das Menü zu den einzelnen Büchern lassen sich alle wichtigen Einstellungen schnell vornehmen. Das Stöbern im Buch-Shop gestaltet sich allerdings langwierig und lädt nicht gerade zum Einkaufen ein.

Tolino Vision 2: Das Hauptmenü mit allen wichtigen Einstellungen.

Besonders gelungen finde ich die Tab2Flip-Funktion mit der ich auch umblättern kann, wenn ich den Tolino nur in einer Hand halte und den Touchscreen nicht erreichen kann. Es genügt, die Rückseite des E-Readers an irgendeiner Stelle anzutippen und schon blättert er auf die nächste Seite um.

Um den Tolino nutzen zu können, braucht Ihr ein Benutzerkonto bei einem der beteiligten Buchhändler. Voreingestellt wird Euch der Händler vorschlagen, bei dem Ihr den Vision 2 gekauft habt. Unabhängig von dem Nutzerkonto lassen sich die Shops von allen beteiligten Unternehmen einbinden. Und das sind momentan Thalia, Weltbild, Hugendubel, bücher.de, buch.de, der Bertelsmann Club, Otto, eBook.de und - wenn vorhanden - deren jeweilige Ableger in Österreich und der Schweiz sowie in Österreich zusätzlich noch Donauland und Meine Buchhandlung. Zu klein ist das Angebot an E-Books damit wirklich nicht.

Ein Fall von "Das Gegenteil von gut ist gut gemeint" ist die Home-Taste unterhalb des Displays. Sie reagiert schon auf leichte Bewegungen und man landet bei einer unachtsamen Bewegung direkt auf dem Startbildschirm. Beim Lesen ist das weniger ärgerlich, da ich mit einem Klick auf das Buch wieder auf der aktuellen Seite bin. Deutlich nerviger ist es, wenn man in den Tiefen des Shops ein schönes Buch gefunden hat und vor dem Kauf aus Versehen wieder auf der Startseite landet und den ganzen Weg noch einmal "gehen" muss.

Kostenlose WLAN-Hotspots und eine lange Akkulaufzeit

Anders als Amazon bietet Tolino seine E-Reader nicht als 3G-Varianten mit mobilem Internetzugang an. Braucht Ihr unterwegs trotzdem dringend ein neues Buch, müsst Ihr aber nicht auf ein offenes WLAN hoffen, sondern könnt mit dem Vision 2 die 40.000 Hotspots der Telekom benutzen. In ländlichen Regionen hilft das aber meist nicht wirklich weiter, da sie in der Regel dort zu finden sind, wo viele Menschen sich aufhalten.

Die Akkulaufzeit des Vision 2 gibt Tolino mit bis zu sieben Wochen an. So lange ging unser Test nicht, aber mit eingeschaltetem WLAN und intensiver Nutzung habe ich es geschafft, den Ladezustand innerhalb von 24 Stunden um 15 Prozent zu verringern. Damit sind die sieben Wochen nicht ausgeschlossen, aber bei intensiver Nutzung und Missachtung von Stromsparregeln, wie dem Abschalten der WLAN-Verbindung, erscheint eine Akkulaufzeit von einer Woche deutlich realistischer. Zum Aufladen ist immerhin kein extra Ladegerät notwendig, sondern ein USB-Kabel mit Micro-USB-Anschluss reicht hierfür aus.

Tolino Vision 2: Mit dem Browser könnt Ihr auch CURVED besuchen, aber Spaß bringt das Surfen nicht.

Der Tolino Vision 2 zeigt mit ePUB, PDF und TXT nur drei Dateiformate an. Das ist für einen E-Reader sehr wenig, aber doch für die meisten E-Loks ausreichend, und zur Not lassen sich mobi- und andere Dateitypen auch ins ePUB-Format umwandeln - wenn dem kein Kopierschutz im Weg steht. Zusätzlich ist der Tolino mit E-Books aus öffentlichen Büchereien, die an das Onleihe-System angeschlossen sind, kompatibel.

Alle Bücher, die Ihr bei einem der angeschlossenen Buchhändler kauft, landen in der Tolino Cloud. Dort stehen 25 Gigabyte für Eure private, digitale Bibliothek bereit. Einen direkten Zugriff auf die Cloud über den Browser gibt es nicht. Ihr könnt die Bücher von dort aber auf mehreren E-Reader von Tolino und die Lese-Apps beteiligter Buchhändler auf Smartphones und Tablets synchronisieren. Auf dem Vision 2 selber stehen für Eure Daten zwei Gigabyte Speicherplatz zur Verfügung. Das bedeutet, Ihr könntet rund 2.000 E-Books mit Euch herum tragen. Das sollte genug Lesestoff für einen langen Urlaub jenseits aller drahtlosen Internetzugänge sein.

Wollt Ihr selber Bücher direkt auf den Tolino Vision 2 laden, dann empfehle ich Euch, ihn mit dem USB-Kabel an Euren Computer anzuschließen. Der E-Reader erscheint als eigenes Laufwerk und zumindest die ePUB-Bücher, die ich in verschiedenen Ordner abgelegt habe, hat er problemlos erkannt und anstandslos in meine Bibliothek hinzugefügt.

Zwischen Kindle Paperwhite und Kindle Voyage

Der Tolino Vision 2 ist nicht der einzige und auch nicht der erste wasserfeste E-Reader, aber Amazon verzichtet als größter Konkurrent bisher darauf, seine Geräte wasserdicht zu machen. Preislich liegt er mit einem empfohlenen Verkaufspreis von 149 Euro zwischen dem Paperwhite und dem Voyage von Amazon.

Der E-Reader der Buchhändler liegt angenehm in der Hand, hat ein schönes Display, lässt sich bequem bedienen, ist aber vor allem im Shop-Bereich und den Menüs etwas träge. Die externe Software ist nicht aus einem Guss, und so fehlt zum Beispiel eine richtige Tolino-App. Stattdessen müsst Ihr eine der iOS- oder Android-Anwendungen der beteiligten Buchhändler installieren. Ich vermisse einen direkter Zugriff auf die Tolino Cloud, der würde die Synchronisation neuer Bücher aus anderen Quellen erleichtern. Hier ist der Kindle - vor allem durch Lösungen von Drittanbietern und weniger durch die Software von Amazon selber - besser aufgestellt.

Der Tolino Vision 2 gefällt mir viel besser als der aktuelle Einsteiger-Kindle. Mit dem Paperwhite liegt er in etwa auf Augenhöhe: Einige Dinge kann er besser, andere dafür schlechter, aber vor allem mit seiner Wasserfestigkeit setzt er sich ein wenig ab. Und ob der Kindle Voyage mit seinem hochauflösenden Display den Aufpreis wert ist, muss Amazon erst noch beweisen.


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