Withings Activité im Test: Enttäuschte Liebe

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Optik ist nicht alles: Bei den inneren Werten enttäuschte die Wittings Activité schwer
Optik ist nicht alles: Bei den inneren Werten enttäuschte die Wittings Activité schwer(© 2015 CURVED)

Die Withings Activité ist der Beweis, dass Fitnesstracker nicht immer aussehen müssen wie Sport-Gadgets, sondern als elegante Wearables auch problemlos zum Casual Look oder sogar Anzug passen können. Ich hab mich direkt in die Uhr verliebt, musste aber feststellen, dass sie meine Gefühle nicht vollständig erwidert.

Mit einem Preis von 390 Euro ist die Withings Activité drei bis viermal so teuer wie die anderen Fitnesstracker auf dem Markt. Aber die in Frankreich ersonnene und in der Schweiz hergestellte Uhr ist auch deutlich eleganter. Als sie in der Redaktion eintraf, habe ich mich gleich in sie verliebt - und nicht nur ich.

Aber ich konnte sie mir sichern, obwohl ich mir vor langer Zeit durch die Uhr auf dem Handy das Tragen einer Armbanduhr abgewöhnt habe. Sie war aber eben nicht der nächste Fitnesstracker mit Silikonarmband, mit dem man sich als vermeintlicher Fitnessfreak outet, sondern sieht nicht nur auf den ersten Blick wie eine normale Armbanduhr aus.

Update vom 19. Januar: Fehler lässt sich beheben und die Liebe wächst wieder

Eigentlich gehört das Update an das Ende des Artikels, aber falls Eure Activité auch Probleme beim Synchronisieren macht, will Ich Euch den Tipp von Thomas aus den Kommentaren nicht vorenthalten: Fünf Mal den Reset-Knopf drücken, setzt die Withings komplett zurück. Bei mir funktionierte danach nicht nur die erste Kopplung problemlos, sondern seitdem lädt sie die gesammelten Daten auch automatisch in die App, sobald diese geöffnet ist und sich die Uhr in der Nähe befindet.

Damit gewinnt die für Withings Activité wieder deutlich an Attraktivität und wird wirklich benutzbar. Um meine Liebe aber wieder neu zu entfachen, müsste der Fehler ab Werk behoben sein. Jeder Käufer, der nicht von selbst auf die Idee kommt oder den Tipp erhält fünf Mal den Resetknopf zu drücken, wird die Uhr nicht lieben können.

- Update Ende -

Fitnesstracker aus Edelstahl und Kalbsleder

Einziger Hinweis auf den verbauten Bewegungssensor: Neben dem Minuten- und Stundenzeiger befindet sich noch ein dritter Zeiger auf dem Ziffernblatt. Dieser zeigt dezent an, wie viel Prozent des Tagesziels an Schritten der Träger der Uhr bisher zurückgelegt hat.

Das ist dezenter als jede Variante mit LED-Leuchten oder einem Mini-Display und reicht mir als Information für unterwegs völlig aus, da muss ich nicht ständig die genaue Schrittzahl wissen. Was mich aber immer wieder ein wenig irritiert hat, ist, dass die 100 Prozent sich nur auf drei Viertel eines Kreises verteilen und dass ich das Tagesziel von 10.000 Schritten nicht verändern kann.

Withings verwendet für die Activité hochwertige Materialen, die einen großen Anteil am hohen Preis haben. Apple setzt bei der Apple Watch auf die gleichen Werkstoffe, die in der Uhrenproduktion nichts Ungewöhnliches sind. So besteht das Gehäuse aus Edelstahl mit der Stahl-Legierung 316L und kratzsicheres Saphirglas schützt das Ziffernblatt. Das Armband aus Kalbsleder verströmt den typischen Ledergeruch, der dem in meinen Augen hässlichem Kunstleder, das etwa Samsung beim Galaxy S5 verwendet, fehlt.

Die Activité hat neben der Anzeige der Uhrzeit noch drei weitere Funktionen. Sie ist ein Fitnesstracker, der Schritte zählt und deren Zahl per Bluetooth an die Health Mate-App von Withings weiter gibt. Zusätzlich soll sie noch den Schlaf des Trägers überwachen sowie analysieren und kann als dezenter Wecker genutzt werden. Über die App lässt sich eine Zeit einstellen, zu der sie etwa 30 Sekunden lang leicht vibriert. Ob man davon garantiert aufwacht, wage ich zu bezweifeln. Ausprobieren konnte ich weder den Wecker noch das Schlaftracking, aber dazu später mehr.

Tagsüber stört die Activité nicht mehr oder weniger als jede andere Uhr am Handgelenk. Zum Sport war sie mir dagegen schon fast zu schwer und auch zu teuer - vor allem im Vergleich zu anderen Fitnesstrackern. Nachts, beim Schlafen, war sie mir dann wirklich zu klobig. Klar man kann auch mit ihr am Handgelenk einschlafen, aber das wollte ich gar nicht, nachdem ich sie schon den ganzen Tag lang mit mir herumgetragen hatte. Über etwas Abstand zueinander war ich froh.

Withings hat zum Glück daran gedacht, dass Leder zwar im Alltag tragbar ist, aber für ein Fitness- oder Sport-Gadget nicht das ideale Material ist. Und so liegen der Activité noch zwei Elemente eines Armbands aus Kunststoff bei, so dass man mit der Uhr nicht nur im Regen joggen, sondern auch schwimmen gehen kann.

Nach Herstellerangaben ist sie bis zu einer Tiefe von 50 Metern wasserdicht und soll nicht nur Schritte zählen, sondern auch Schwimmstile erkennen - was ich aus weiter unten beschriebenen Gründen nicht überprüfen konnte. Die Armband-Elemente sitzen sicher am Uhrengehäuse und lassen sich dank eines Schiebe-Mechanismus schnell und unkompliziert austauschen. Es dauert keine Minute, sie vor oder nach dem Sport zu wechseln.

Die Stromversorgung der Activité übernimmt eine Knopfbatterie, die die Uhr ungefähr acht Monate lang mit Strom versorgen soll. Zum Auswechseln müsst Ihr nur die Rückseite öffnen, was mit dem beiliegenden Werkzeug kein Problem und schnell erledigt ist.

Ein Fitnesstracker, der keine Daten überträgt ist nur ein Uhr

Die gesammelten Daten sollte die Activité eigentlich per Bluetooth an die Health-Mate-App von Withings übertragen. Die erste Kopplung der Uhr mit dem iPhone funktionierte problemlos. Aber sobald beide Geräte getrennt waren, schafften sie es nicht eine zweite Verbindung zur Synchronisierung der in der Zwischenzeit gesammelten Daten herzustellen. Ich habe es mit einem iPhone 6, einem iPhone 5c und sogar dem iPad Air ausprobiert. Immer mit dem gleichen Ergebnis: Die Verbindung konnte nicht erneut hergestellt werden.

Die Uhr wollte die gezählten Schritte nicht übertragen, und auch Einstellungen ließen sich nicht mehr verändern. Wenn ich die Activité vom iPhone entkoppelte, ließen sich beide Geräte im Anschluss wieder verbinden, wobei die App jedes Mal die Uhren-Software aktualisiert hat. Erkennbare Verbesserungen hat dieses Update aber nie gebracht. Auch danach erfolgte keine Datenübertragung.

Deswegen kann ich hier keine großen Worte zur App von Withings verlieren. Nur soviel: Health Mate ist schon länger verfügbar und die Activité ist nur einer von mehreren möglichen Datenlieferanten. Neben Schritten kann die Anwendung auch Euer Gewicht, den Blutdruck und die Herzfrequenz protokollieren - mit den entsprechenden Gadgets des Herstellers sogar automatisiert.

Bisher lässt sich die Activité nur mit der iOS-Version von Health Mate verbinden. Die Unterstützung der Fitness-Uhr in der Android-Variante der App ist in Arbeit und soll nach aktueller Planung Ende Februar 2015 erscheinen.

Enttäuschte Liebe

Ich hatte mich in die Wihtings Activité verliebt - zu schnell! Meine Gefühle wurden verletzt. Ich habe mich von Äußerlichkeiten blenden lassen, die mich auch über den hohen Preis hinweg sehen ließen. Zuerst schien alles perfekt und erst mit der Zeit stellte ich fest, dass bei den inneren Werten nicht alles in Ordnung war. Ohne funktionierende Bluetooth-Verbindung ist die Activité kein Fitnesstracker mehr, sondern nur noch eine Uhr unter vielen.

Mir bleibt nur die Hoffnung, dass die Activité sich noch weiter entwickelt. Wenn die Probleme bei der Synchronisierung der Daten behoben sind, wäre ihr meine Zuneigung wieder sicher.

Allerdings hat Withings mit der Actitivé Pop bereits eine Schwester angekündigt, deren Materialien nicht ganz so elegant sind, aber mit den gleichen Merkmalen aufwartet und vor allem für mich leichter zu haben wäre. Sie soll nur 149 Euro kosten, und wenn sie einwandfrei funktioniert, dann wird ihre 390 Euro teure Schwester schneller wieder alleine in der Schachtel liegen, als ihr lieb ist.


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