Xiaomis GoPro-Killer Yi Cam im Test: Mehr Action braucht kein Mensch

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Yi Cam von Xiaomi: Mit Kampfpreis gegen GoPro
Yi Cam von Xiaomi: Mit Kampfpreis gegen GoPro(© 2015 CURVED)

Sie sieht aus wie das große US-Vorbild. Aber kann die chinesische Actioncam für unter 100 Euro auch mit der GoPro mithalten? Unser Test.

Vorab: Hier schreibt kein Video-Pro. Kein Mediengestalter. Niemand, der hauptberuflich mit der Bedienung von Kameras zu tun hat. Ich besitze selbst eine GoPro Hero 3+ Black und bin damit vollauf zufrieden. Was ich damit zustande bringe bzw. während meines Ausflugs nach Colorado zu den GoPro Mountain Games gebracht habe, könnt Ihr Euch hier ansehen. Was ich vor allem an der US-Actioncam schätze: Das viele Zubehör, mit dem sich die Kamera perfekt auf die eigenen Verhältnisse individualisieren lässt.

Nun hat Xiaomi vor einiger Zeit die Yi Cam angekündigt, die vor allem mit einem punkten will: dem unverschämt niedrigen Preis. Gerade einmal 399 Yuan will Xiaomi für seine Yi Action Cam haben, umgerechnet schmale 64 US-Dollar. Das ist ziemlich genau die Hälfte dessen, was GoPro in seiner US-amerikanischen Heimat für das Einsteigermodell Hero haben will. Wie die Kompaktkameras des Pioniers aus Kalifornien ist auch Xiaomis Yi Action Cam bis 40 Meter wasserdicht und fast aufs Gramm genauso leicht. Im Gegensatz zu GoPro liefert Xiaomi allerdings kein Montage-Zubehör mit. Das gibt es optional im Online-Shop – und günstig genug, um auch damit noch locker unter dem Preis der Konkurrenz zu bleiben. Denn klar ist: An der Yi Cam verdient Xiaomi nichts. 69 Dollar sind ein absoluter Kampfreis, ein weiterer Schritt für den Kometen am chinesischen Smartphone-Himmel auf dem Weg zur asiatischen Übermacht.

Full-HD mit 60 Bildern pro Sekunde für unter 100 Euro

So hart schon der reine Preisvergleich für GoPro sein mag, wiegt der Unterschied noch schwerer, wenn wir einen Blick auf die Datenblätter werfen: Der 16-Megapixel-Sensor der Xiaomi Yi Action Cam erlaubt Full-HD-Aufnahmen mit flüssigen 60 Bildern pro Sekunde. Die 5-Megapixel-Kamera GroPro Hero kann da nur in einer von beiden Kategorien mithalten – entweder gibt es Full HD mit 30 fps, oder 60 Frames pro Sekunde mit 720p-Auflösung. Volle 1080p und 60 fps zugleich bietet erst die GoPro Hero 3+ Silver, für deren Preis man fast fünf Exemplare der Xiaomi Yi Action Cam bekommt.

Datenblätter hin oder her: Ein Test muss belegen, ob die Yi Cam auch das draußen im Gelände mithalten kann. Mit diesem haben wir gewartet, weil so kurz nach dem Release noch keine offizielle App für iOS verfügbar war. Diese hat Xiaomi mittlerweile nachgeliefert. Das passende Testgerät hat uns dankenswerterweise unser Lieblings-Importeur Tradingshenzen zur Verfügung gestellt.

Der Haken: Die Software ist aktuell nur auf Chinesisch verfübar. Auf dieser Seite bekommt Ihr aber eine umfangreiche Einführung, was die Schriftzeichen übersetzt bedeuten. Die Einrichtung gestaltet sich ähnlich einfach wie bei der GoPro: App herunterladen, die Actioncam in den WLAN-Modus versetzen, Smartphone und Cam übers WLAN verbinden und den Sicherheitscode, hier standardmäßig 1234567890, eingeben. Anschließend müsst Ihr noch in der Xiaomi-App auf “Aufnahme” drücken. Anschließend sind App und Kamera miteinander verbunden, und Ihr könnt im Folgenden zwischen der Foto- und Videoaufnahme auswählen.

Software: Teilweise leider nur auf Chinesisch

Ähnlich funktioniert es unter Android. Hier müsst Ihr allerdings die APK, etwa direkt von der TradingShenzen-Webseite herunterladen und zuvor Eurem Androiden erlauben, auch Dateien von fremden Quellen zu installieren. Ist das passiert, habt Ihr auch Zugriff auf eine englischsprachige Version. Die Kopplung mit der Yi Cam funktioniert wie unter iOS. Der Grund, dass die App nicht auch im Play Store verfügbar ist, ist schnell erklärt: Mit seinem eigenen Appstore will Xiaomi Google Konkurrenz machen.

Was auf den ersten Blick überzeugt, ist der Funktionsumfang der App. Wer glaubt, für den Einsteigerpreis auch nur Einsteiger-Features zu bekommen, liegt falsch. Bei Videos stehen folgende Auflösungen zur Auswahl:

  • 1920x1080 60fps 16:9
  • 1920x1080 30fps 16:9
  • 1920x1080 48fps 16:9
  • 1920x1080 24fps 16:9
  • 1280x960 60fps 4:3
  • 1280x960 48fps 4:3
  • 1280x720 60fps 16:9
  • 1280x720 48fps 16:9
  • 1280x720 120fps 16:9
  • 848x480 240fps 16:9

Zum Vergleich: Beim aktuellen Top-Modell von GoPro, der Hero4 Black, sind es 69 Aufnahemodi für Videos. Desweiteren deckt die Yi Cam mit dem Weitwinkelobjektiv 155 ° Grad, die GoPro 170 °.

Bei Fotos sind es:

  • 16 MP (4608x3456 4:3)
  • 13 MP (4128x3096 4:3)
  • 8 MP (3264x2448 4:3)
  • 5 MP (2560x1920 4:3)

Da die Yi Cam über kein eigenes Display verfügt, bekommt Ihr die Bildvorschau über die Smartphone-App – in der Ihr auch die Einstellungen ändert. Bei der GoPro lassen sich diese Änderungen auch über die Cam selbst vornehmen, obwohl der Vorgang beim Platzhirsch unter den Actioncams ebenfalls weitaus einfacher über die App zu erledigen ist. Hier wählt Ihr nicht nur aus, über welche Qualität die Bilder und Videos verfügen sollen, sondern auch, wie etwa Fotos aufgenommen werden. Zur Auswahl stehen “Timelapse”, ein “Burst Mode” für Serienaufnahmen, eine Timerfunktion und die reguläre Aufnahme eines Einzelbildes über den Aufnahmeknopf in der App oder direkt am Gerät. Die Videos hinterlegt die Yi Cam auf der Karte als mit H.264 kodiertes MP4, die Bilder werden als JPG gespeichert.

Preis und Leistung sind top

Aber wie schlägt sich denn nun die Yi Cam im Ergebnis? Gut bis sehr gut. Im Vergleich mit meiner GoPro Hero 3+ Black sind für mich als Video-Laien und Hobbyfilmer kaum Unterschiede festzumachen. Die Blende reagiert schnell beim Wechsel von unterschiedlichen Lichtverhältnissen, etwa wenn Ihr Euch von drinnen an die frische Luft bewegt und umgekehrt. Das eingebaute Mikro nimmt den Ton verständlich auf. Weil eine Actioncam vor allem Actionszenen ordentlich aufnehmen soll, in denen in kurzer Zeit viele Bildinformationen aufgezeichnet und verarbeitet werden müssen, interessiert mich natürlich die Aufnahme mit in Full-HD mit 60 Bildern pro Sekunde. Auch hier liefert die Yi Cam anstandslos gute Qualität. Der Nachteil gegenüber der neuen GoPro Hero4 Black ist hier lediglich die fehlende Möglichkeit, Videos auch noch in 2K und 4K aufzuzeichnen.

Aber jetzt seien wir mal ehrlich: Wen kennt Ihr, der überhaupt schon einen 4K-Fernseher zu Hause stehen hat? Fraglos eignen sich diese Aufnahmemodi in erster Linie für den professionellen Einsatz. Wer als Ottonormal-Filmer einfach schöne Urlaubsszenen oder Freizeitaktivitäten einfangen will, dem sollten Videos in 1080p mit 60 Bildern pro Sekunden vollkommen ausreichen. Zum Vergleich: Das Video von den GoPro Mountain Games ist ebenfalls in 1080p mit 48 Bildern pro Sekunden entstanden – und obwohl im Bild viel passiert, habe ich nicht das Gefühl, dass die Kamera zu wenig Informationen aufgezeichnet hat.

Mehr als solide Videoleistung, gemesssen am Preis eigentlich sogar eine hervorragende Videoleistung, guter Ton, umfangreiche Software: Wo ist der Haken? Beim Zubehör, wenn auch augenscheinlich nur mit geringen Abstrichen, die zu machen sind. Denn das Nötigste, ein auf bis zu 40 Meter Tauchtiefe wasserfestes Case für die Yi Cam gibt es für gerade einmal 18,99 Dollar. Diverse farbige Linsenabdeckungen sind für 3,99 Dollar erhältlich. Ein 1010mAH-Akku kostet 7,39 Dollar. Ein Silikonüberzug gegen Schmutz und Spritzwasser in verschiedenen Farben bekommt Ihr für 5,99 Dollar.

Fazit: Mehr Action braucht's nicht

Als besonderes Zubehör sei an dieser Stelle noch der Selfie-Stick erwähnt, der zum Lieferumfang der sogenannten “Travel Edition” gehört. Ja, Ihr lest richtig: ein Selfiestick. Auch wenn die Wired das Zubehör zurecht mit dem Prädikat “Cool when you’re 40” auszeichnet, muss ich sagen: Ich hatte wohl noch nie einen so schicken und gut verarbeiteten Selfiestick in der Hand. Schade nur, dass es sich letzte Endes nur um eine 71 Zentimeter lange Teleskopstange handelt und der Stick nicht über Bluetooth als Fernbedienung taugt.

Dennoch: Von mir bekommt die Yi Cam eine klare Kaufempfehlung. In den verschiedenen Farben schaut die Kamera nicht nur gut aus, sondern bietet software- und hardwareseitig mehr als genug für den Amateureinsatz. Zweifelsohne gibt es für die GoPro weitaus mehr Zubehör und mit den vielen Aufnahmemodi und der Möglichkeit, 4K-Material zu drehen, ist der US-Rivale weitaus besser für den professionellen Einsatz geeignet. Auch stört es mich, dass derzeit noch keine iOS-App in deutscher Sprache verfügbar ist. Allerdings dürfte das, ähnlich wie bei der Android-Version, nur eine Frage der Zeit sein.

Nachtrag: Natürlich würde ich Euch auch gerne mit einem eigenen Video aus dem CURVED-Studio versorgen. Da unser Kameramann Stefan in diesen Tagen aber Vater geworden ist, müssen wir darauf leider verzichten.


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