Apple Music im Test: Die beste Empfehlung

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Apple Music: Mit iOS 8.4 nun für alle verfügbar
Apple Music: Mit iOS 8.4 nun für alle verfügbar(© 2015 CURVED)

Mit Apple Music geht der iPhone-Hersteller ganz neue musikalische Wege: Ab sofort streamt Apple Millionen iTunes Songs. Und das ganze sogar drei Monate lang kostenlos. Ein guter Grund, den neuen Service einmal ganz genau auszuprobieren.

Okay, auch wenn Apple mit dem neuen Service Music in Sachen Streaming möglicherweise Neuland betritt – eigentlich sind es längst ausgetretene Pfade. Mit Spotify, Deezer, Napster oder Google Music sind bereits ähnliche Angebote im Netz zu finden. Alle Services eint die unglaubliche Anzahl an Songs - und auch bei der Preisgestaltung unterscheidet sich Apple kaum von den Konkurrenten: Nach Ablauf der kostenlosen Testphase zahlen Kunden pro Monat 9,99 Euro, die monatliche Gebühr für eine Familienmitgliedschaft beträgt 14,99 Euro.

Hörbücher jetzt unter iBooks zu finden

Um den Service ausprobieren zu können, musste ich mein iPhone zuerst auf iOS 8.4 aktualisieren, anschließend ist die Music-App fest installiert und ersetzt die bisherige Musik-Anwendung.  Dennoch sind meine im iPhone gespeicherten Songs nicht verschwunden, lediglich meine Hörbücher haben in der App iBooks ein neues Zuhause gefunden. Das finde ich schon ein wenig blöd, denn nun muss ich die App wechseln, wenn ich statt Musik eine Lesung hören möchte. Aber hey: Die App heißt Music, der Umzug ist irgendwie logisch.

Beim ersten Start erscheinen erst einmal viele rote Blasen auf dem Screen, die mich an die Optik des Menüs der Apple Watch erinnern. Hier darf ich mir meine Lieblingsgenres aussuchen. Ein Tipp auf Jazz und die Blase wird größer, ein zweiter Tipp lässt die Blase noch größer werden, mit dem dritten Tipp mache ich die meine Wahl wieder rückgängig. Apple Music möchte etwas über meinen generellen Musikgeschmack erfahren, damit mir der Dienst entsprechende Vorschläge machen kann. Meine Präferenzen kann ich jederzeit ändern, außerdem lernt mich Music anhand meiner gespeicherten Musik und meines Hörverhaltens besser kennen.

So sieht es also aus

Auch Fans anderer Betriebssysteme müssen zugeben, dass Apple Software gestalten kann. Der Look von Music ist toll, ich fühle mich gleich wohl in der App. Oben in der Kopfzeile finde ich neben meinem Profil auch eine Lupe, worüber ich nach Songs, Alben und Interpreten suchen kann. Ich habe die Wahl, ob ich in meiner eigenen Musiksammlung oder bei Apple Music suchen will.

Die Trefferliste ist sehr aufgeräumt und nach Topergebnissen, Künstlern, Alben, Titel, Playlists, Musikvideos und Sender unterteilt. Auch Siri hilft bei der Suche: Auf den Befehl "Suche Musik von Jimi Hendrix" startet mein iPhone die Musik-App und listet mir das Angebot des Musikers auf. Die Hauptnavigation mit den Punkten "Für Dich", "Neu", "Radio", "Connect" und "Meine Musik" befindet sich am unteren Rand. Die ganze Optik fügt sich perfekt ins Betriebssystem ein, lediglich der Player und einige Play-Buttons sind ein wenig klein geraten.

"Für Dich" sorgt für extrem genaue Vorschläge

Oh, was habe ich damals den Musikdienst Pandora geliebt, als ich ihn noch ohne Probleme aus Deutschland erreichen konnte. Ich habe nach einem Künstler oder einem Genre gesucht, und der Dienst hatte mit einer unwahrscheinlichen Trefferquote Songs nach meinen Geschmack gespielt. Lange war ich auf der Suche nach einem ähnlichen Service. Und obwohl Spotify einen ganz ordentlichen Vorschläge bietet, kam der Algorithmus nie ganz die Empfehlungen von Pandora ran.

Doch nun scheint diese Lücke endlich gefüllt zu sein. Zwar habe ich Apple Music bisher noch nicht einmal einen Tag ausprobiert – aber was soll ich sagen: Gerade von "Für Dich" bin ich absolut begeistert. Hier finde ich Playlisten nach Themen oder Alben von Künstlern, die ich mag. Es ist ein Hammer, wie genau mein Geschmack getroffen wird – hier hat es sich ausgezahlt, dass ich die Genre-Blasen am Anfang gut ausgewählt habe.  Außerdem fließen Infos über meine bei iTunes getätigten Käufe mit ein.

Absolut zurecht erscheint "Für Dich" beim Start der App als erster Screen. So werde ich mit Indie-Hits aus den 90ern, Air, Massive Attack, Led Zeppelin, Tricky, einer Jazz-Playlist und vielen weiteren Vorschlägen begrüßt, die ich selbst nicht besser auswählen könnte. Ja ja, spätestens hieran erkennt man mein Alter – aber ich finde die Auswahl großartig und bin schon gespannt, wie sich diese in den nächsten Tagen verändert.

Neu: Schon gehört?

Nicht weniger gelungen finde ich die Rubrik "Neu", auch wenn mir hier wirklich nicht alle vorgestellten Songs gefallen, denn hier wird natürlich Musik aus allen Genres vorgestellt: ganz oben neue Musik, darunter eine Auswahl aktueller Songs, gefolgt von weiteren Neuerscheinungen und Hitlisten. Aber hier gibt es auch kuratierte Listen von Künstlern, Magazinen oder Apple selbst und zu Themen wie Workout, Arbeit oder Zweisamkeit. Außerdem kann ich mir hier Musikvideo-Empfehlungen anschauen und mir ein paar Newcomer anhören. Neben den vorgestellten Songs befinden sich drei Punkte für mehr Optionen. Tippe ich drauf, kann ich anhand des Songs einen Sender starten, das Stück zu "Meine Musik" hinzufügen oder ihn Offline bereitstellen. Aber ich könnte ihn mir auch direkt bei iTunes anzeigen lassen und dort kaufen. Aber warum sollte ich, wenn ich ihn doch auch so jederzeit hören kann.

Radio: Voll auf Sendung

Ehrlich? Radio ist und bleibt Radio – egal, ob es über den Äther oder aus dem Netz kommt. Apple stellt hier viele unterschiedliche Stationen zur Verfügung – allerdings handelt es sich dabei nicht um bekannte Sender. Die Radiostationen heißen hier "Charting Now", "Sound System", "The Mixtape" und so weiter und so fort. Wahrscheinlich hat Apple kein Interesse daran, etablierte Sender ins Boot zu holen, die ja dann doch irgendwie eine Konkurrenz zum eigenen Dienst darstellen würden.

Das Hauptaugenmerk liegt natürlich auf Beats 1. Auf dieser Station wird rund um die Uhr aus drei Metropolen gesendet, zum Beispiel mit dem Moderator Ebro Darden aus New York. Wer auf Radio steht, findet sicher auch an den Sender gefallen – zumal hier keine Werbung ausgestrahlt wird. Einschalten, laufen lassen, fertig. Da ich kaum Radio höre, interessiert mich dieser Punkt nicht.

Connect: In Verbindung bleiben

Es ist ein wenig so, als wäre Myspace zurück. Also das Myspace der Anfangszeit, als sich dort Künstler nahbar gemacht haben und sich dort mit ihren Fans ausgetauscht haben. "Connect" ist so etwas wie ein interaktives Musikmagazin. Fans können ihren Idolen folgen und so noch schneller über deren neue Songs informiert sein. Apple-Redakteure geben aktuelle Infos und schreiben Hintergrund-Storys zu den Stars. Dazu gibt es Making-Ofs, Grußbotschaften von Musikern und die Möglichkeit, direkt Kommentare zu hinterlassen.

Connect ist eine nette Idee, durch die sich Apple Music deutlich von der Konkurrenz abhebt. Aber ob es darüber hinaus auch ein Erfolg ist und von Apple auch langfristig so aktiv betreut wird, wird sich zeigen.

Meine Musik: Neues Zuhause für gekaufte Musik

Eigentlich ist "Meine Musik" nichts anders als die alte Musik-App von Apple. Hier finde ich auch meine auf dem iPhone gespeicherten Songs wieder, darüber hinaus aber auch meine gekauften iTunes-Titel. Neu ist, dass hier alle Songs landen, die ich bei Apple Musik fürs Offline-Hören markiert habe. Darum macht es auch Sinn, dass ganz oben nun oben ganz prominent "Zuletzt Hinzugefügt" platziert wurde, damit man die Neuzugänge schneller wiederfindet.

Ich muss zugeben, dass ich bei der Einrichtung von Apple Music zuerst einen Fehler gemacht habe, und alle meine vorher gespeicherten Songs verschwunden sind. Denn um Titel von Apple Music zu "Meine Musik" hinzuzufügen, muss man die App in den Einstellungen mit der iCloud-Musikmediathek verbinden. Dabei wurde ich gefragt, ob ich die Mediadatenbanken zusammenfügen will oder die eine mit der anderen ersetzen möchte. Tja, falsch gedrückt – ich musste meine Songs danach per iTunes erneut überspielen.

Fazit: Alles richtig gemacht

Zuerst einmal finde ich das Angebot großartig, den Service drei Monate kostenlos zu testen. Ich war bisher kein großer Freund von Streamingdiensten, was aber vor allem an meiner Bequemlichkeit lag. Nun ist Streaming oder der herkömmliche Musikplayer des iPhones zu einer App verschmolzen. Ich merke kaum, wenn ich von der eigenen Musik zu Cloud-Musik wechsle. Die Qualität der gestreamten Musik ist prima – selbst, als ich Songs vom iPhone per Apple TV mit der Hifi-Anlage angehört habe, war ich zufrieden.

Fast alle Bands und Künstler, nach denen ich gesucht habe, konnte ich finden und mir deren Songs anhören. Aber das hatte ich auch bei Spotify und Co. so erlebt – was sicher daran liegt, dass mein Musikgeschmack nicht so außergewöhnlich ist. Inhaltlich ist Apple Musik sicher nicht besser als die Konkurrenz, denn am Ende des Tages bieten alle Angebote doch die selben Songs an. (Naja, nicht ganz – Taylor Swift findet man derzeit nicht bei Spotify – aber meinetwegen hätte sie auch bei Apple Music nicht auftauchen müssen.)  Überzeugt haben mich die Bereiche "Für Dich" und "Neu", die geschmackssicheren Vorschläge und die unglaublich vielfältigen Listen. Auch wenn ich gar nicht weiß, wann ich das alles hören soll, stehe ich auf solche Empfehlungen. Früher war es der Plattenhändler meines Vertrauens, von dem ich mir die coolsten Musik-Tipps holte – künftig könnte es Apple Music sein.


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