Smartphones und Sprache: Sie hören nur, was sie wollen

Moto X
Moto X(© 2014 Motorola, CURVED Montage)

Smartphones und Tablets steuern wir mit Berührungen. Doch seit der Geburt von Apples Siri steht fest: In naher Zukunft sprechen wir immer häufiger mit Technik. Google treibt die Innovation enorm voran. Wir wollten wissen: Wie gut funktioniert die Sprachsteuerung aktuell? Und haben uns mit Samsungs S4 ausgiebig unterhalten.

Dem aufmerksamen Beobachter ist schon länger klar. Neben Apple, mit seiner sympathischen Sprachassistentin Siri, setzt kein Tech-Konzern so konsequent auf Spracherkennung und -steuerung wie Google.

Erst kürzlich kaufte das Unternehmen das extrem junge Startup SlickLogin. Anstatt – oder wahlweise auch als zusätzliche Absicherung ergänzend zu – dem klassischen Eintippen eines Passworts muss lediglich das Smartphone in die Nähe des Computers gehalten werden. Ein Klick auf den Login-Button spielt am Computer ein Hochton-Signal ab, das vom menschlichen Gehör nicht erfasst wird. Das soll es auch gar nicht, denn dafür wird ein Smartphone mit dazugehöriger App genutzt, um den Ton über das Mikrofon aufzunehmen. Passt das bei jeder Anfrage individuell generierte akustische Signal, verschickt das Smartphone eine Bestätigung an den Server und der Login am Computer wird durchgewunken. Und auch Google Glass steuert Ihr mit Sprache.

Moto X aktiviert Ihr per Sprachsteuerung

Diesem Prinzip folgt auch das neue Moto X. Was das Motorola-Smartphone einzigartig macht: Es hört immer zu. Zum ersten Mal genügt ein reiner Sprachbefehl, um das Gerät aus dem Standby zu wecken. Damit das allerdings zuverlässig funktioniert, braucht das Betriebssystem einige Zeit, bis es sich an Eure Stimme gewöhnt hat.

Ob nun Moto X oder Google Glass: Beide Gadgets fallen zweifellos in die Kategorie „Highend“. Aber wie gut schlägt sich die Sprachassistenz in der Mittelklasse? Um der Frage nachzugehen, haben wir uns einmal mit dem Samsung S4 unterhalten.

Arbeiten mit S-Voice ist noch kein Vergnügen

Allerdings kommt der Sprachassistent nicht aus Mountain View, sondern von Samsung. Um seine Ambitionen als iPhone-Killer noch stärker zu unterstreichen, hat der koreanische Konzern mit S-Voice einen eigenen Siri-Rivalen entwickelt. Um das wichtigste vorwegzunehmen: Ein echtes Vergnügen ist das Arbeiten mit S-Voice aber noch nicht.

Anders als bei Siri ließen sich im Test über das Samsung-System keine E-Mails verschicken. Auch hatte S-Voice große Probleme, wenn es etwas vorlesen sollte. Suchergebnisse – selbst wenn man die spezielle Sprachsuche von Google nutzt - kann das System auch nicht lesen, und auch mit E-Mails funktioniert das Vorlesen nicht richtig.

S-Voice keine echte Mobil-Hilfe

Eine Sprachsteuerung, die mit dem Vorlesen kämpft? Damit ist das S4 noch keine große Hilfe. Im direkten Vergleich zu Apples Siri hat S-Voice mächtig zu kämpfen. Wenn ich den Apple-Assistenten nach dem eigenen Standort frage, bekommt ich nicht nur die Karte angezeigt. Siri verrät mir auch die Adresse. S-Voice hingegen öffnet nur die Karte.

Das Diktieren von Nachrichten klappte bei S-Voice allerdings fließend. Die Software verstand meine Sprachbefehle und setzte sie flüssig um. Darüber hinaus kann Samsungs S-Voice nur ein erster Schritt sein. Von einer handlosen Steuerung aller Funktionen des Smartphones ist der Samsung-Dienst noch weit entfernt.

Wollt Ihr in der U-Bahn oder Fußgängerzonen private Nachrichten diktieren?

Unabhängig von der Frage, wie gut die aktuelle Geräte-Generation bereits auf seine Besitzer hört, muss jeder für sich klären, inwieweit er überhaupt in aller Öffentlichkeit laut mit einem Gadget reden will. In der U-Bahn und in der Fußgängerzone könnt Ihr Euch auf so manch einen Spruch gefasst machen, wenn andere Euch dabei beobachten, wie Ihr scheinbar mit der Luft redet.

Allerdings hat die Mehrheit auch so auf die ersten Handybesitzer reagiert. Und genauso wenig wird sich auch die Sprachsteuerung auf Smartphones und Tablets nicht aufhalten lassen. Die Vorteile überwiegen einfach zu sehr. Denn: Ihr habt die Hände frei. Zudem lassen sich E-Mails schneller diktieren als tippen. Und vor allem beim Autofahren dürfte die Technologie die Verkehrssicherheit enorm erhöhen.

Größter Knackpunkt ist lediglich die Frage, ob es Euch nicht doch peinlich ist, E-Mails oder Kurznachrichten laut zu diktieren. Wer will schon, dass die ganze U-Bahn mithört, was man seiner Frau gerade schreibt? Bislang vor allem einer: Google!


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