Apple TV 4K (5. Generation) im Test: Wenn das Hobby zum Beruf wird

Das Apple TV 4K mit der Siri-Remote
Das Apple TV 4K mit der Siri-Remote(© 2017 CURVED)

Das Apple TV kann nun 4K. War's das schon? Und reicht das im Kampf ums Wohnzimmer? Das klärt der Test.

Einst vom Apple-Gründer Steve Jobs als Hobby bezeichnet, sieht sich die kleine Set-Top-Box aus Cupertino mittlerweile einer starken Konkurrenz gegenüber: Googles Chromecast und Amazons Fire TV (Stick) streamen Inhalte für unter 100 Euro, während für die vierte Generation des Apple TV weiterhin rund 180 Euro fällig wurden. Zudem stand das Streaming-Gerät nach der Vorstellung 2015 in der Kritik, weil es kein 4K unterstützte. Das ändert sich nun.

Die Hardware

Denn Apple hat seine Medienmaschine mit dem A10X Fusion und 3 GB RAM ausgestattet. Der Chipsatz mit seinen drei High-Performance-Kernen und drei weiteren, energieeffizienten Kernen kommt derzeit auch in den neuen iPad Pros zum Einsatz. Zum Vergleich: Im Vorgänger verbaute man noch den A8-Chipsatz mit 2 GB RAM.

Das Plus an Leistung braucht es nicht nur, um 4K-Inhalte zu streamen. Die Kameras in den neuen iPhones sind zudem in der Lage, 4K-Videos mit 60 Bildern pro Sekunde aufzunehmen. Das sind weitaus mehr Bildinformationen, die es zu verarbeiten gilt, wenn sie etwa vom Smartphone auf die Box gestreamt werden.

Das Apple TV 4K von hinten(© 2017 CURVED)

Wenig verändert hat sich am Look. Apple hat den kleinen, schwarzen Kasten sehr unauffällig designt. Auf seiner Rückseite sind weiterhin die Anschlüsse für den Strom, das HDMI-Kabel sowie ein LAN-Kabel untergebracht. Auf der Siri-Remote allerdings ist der Menu-Button nun weiß umrahmt. Dadurch lässt er sich besser ertasten. Praktisch, wenn man die Lieblingsserie im Dunkeln genießt.

Fürs Smart Home noch besser geeignet ist das Apple TV 4K dank des neuen Bluetooth-5-Chips, der unter anderem die Reichweite erhöht. Darüber hinaus lassen sich so auch ganz einfach kabellose Kopfhörer mit dem Device koppeln, wenn man den Partner abends nicht stören will.

Die Einrichtung

Den Einrichtungsprozess hat Apple denkbar einfach gestaltet. Viele Logins, etwa die Apple-ID, lassen sich direkt vom iPhone übertragen. Das legt man einfach nur auf die Box und aktiviert Bluetooth, schon startet die Synchronisierung. Gut gelöst: Apple testet gleich auch, ob Euer Fernseher auch HDR unterstützt. Gibt es währenddessen Bildaussetzer, sollte ein besseres HDMI-Kabel mit dem "HDMI High Speed"-Siegel her.

Die Software

tvOS 11 ist auf dem Apple TV 5 vorinstalliert. Es unterstützt nun auch die Wiedergabe von 4K-Inhalten sowie die die HDR-Formate HDR10 (unter anderem Amazon und Netflix) und Dolby Vision (unter anderem Netflix). 4K-Inhalte zeigt etwa der Store direkt an oberster Stelle an. Dank der fixen Hardware ist nicht nur die Navigation durch die Menüs flott, auch starten die Filme direkt nach dem Klick. Wer Netflix und Co. nutzt, weiß: Das ist keine Selbstverständlichkeit. Weiterhin hat man Zugriff auf die Mediatheken-Apps von ARD, ZDF, Arte und Co.. Sport-Begeisterte kommen mit den Angeboten von Dazn oder Sky auf ihre Kosten.

Siri ist auch wieder an Bord. Schade nur, dass sie weiterhin stumm bleibt. Denn mittlerweile zeigt sich die Sprachassistentin auch auf der Apple Watch Series 3 gesprächig. Dennoch die gute Nachricht für all jene, die Angst vorm Lauschangriff haben: Siri hört nur zu, wenn Ihr den entsprechenden Button auf der Remote drückt. Ich würde mir wünschen, dass es optional ein "Hey, Siri"-Feature gäbe. Ich hab schon auf dem Fire TV keine Lust, in bester Walkie-Talkie-Manier einen Knopf zu drücken, um Alexa anzufunken. So hat das Plus an Privatsphäre in meinen Augen Nachteile in Sachen Komfort.

Auch schön wäre, wenn Siri weitergehende Fragen beantworten könnte. Fragte ich im Test nach "Filmen mit Arnold Schwarzenegger", wurden sie mir in Sekundenbruchteilen korrekt aufgelistet. Wollte ich aber wissen, wie alt der Schauspieler ist, blieb Siri leider stumm. Auf der Apple Watch, iPhone und iPad wiederum beantwortete die künstliche Intelligenz die Frage jedoch mit Bravour.

Das Angebot

Neben der 4K-Wiedergabe war vor allem die Bepreisung von 4K-Inhalten in den vergangenen Wochen ein Thema. Nun haben wir Gewissheit: Aktuell maximal 13,99 Euro ruft man für einen 4K-Streifen auf. Teilweise geht es auch noch deutlich günstiger. Denn Apple verlangt nicht mehr als für HD-Filme. Gibt es diese etwa für 3,99 Euro und ist eine 4K-Version verfügbar, wird kein Aufpreis fällig. Top! On top: Wer bereits Filme via iTunes in HD-Auflösung gekauft hat, bekommt sie automatisch gegen die 4K-Version ausgetauscht. Wann das passiert, hängt von den Filmstudios ab. Auch aktuelle Filme, wie "Logan", lassen sich für knapp vier Euro in 4K-Qualität ausleihen.

Man muss aber nicht gleich jeden Streifen in 4K kaufen: Netflix, auch für Apple TV verfügbar, bietet ebenfalls ultrahochauflösende Filme und Serien an – ohne Aufpreis für 13,99 Euro im Monat als Teil des Abonnements. Schade: YouTube spielt über das Apple TV keine 4K-Videos ab. Die Google-Company codiert ihre 4K-Videos mit dem eigenen V9-Standard, während Apple die ebenfalls hauseigene HEVC-Codierung nutzt. Schwer vorzustellen, dass YouTube seine gesamte Mediathek umrechnet, nur damit der Dienst auch in 4K auf dem Apple TV nutzbar wäre.

Angekündigt, aber noch nicht verfügbar ist auch das Film- und Serienangebot Prime Video von Amazon. Eine entsprechende App soll bis Ende des Jahres über den tv-App-Store erhältlich sein.

Bildqualität

Abgesehen von YouTube macht sich der Sprung aber vor allem auf einem 4K-TV bemerkbar. Klar, das Bild ist nun schärfer. Wichtiger ist neben der reinen Pixeldichte die HDR-Unterstützung. Genauer: für HDR10. Im Gegensatz zu einem bisherigen HDR-Bild werden bei diesem Standard entsprechende Metainformationen über das Video mitgeschickt, so "wie es aussehen sollte." Bei bisherigen HDR-Videos konnte das Ergebnis je nach Abspielgerät sehr unterschiedlich ausfallen. HDR10-fähige Geräte wiederum passen das Gezeigte an die Hardware an, auf dass ein Film auch so ausschaut, wie der Filmemacher es ursprünglich angedacht hatte. Weil unter anderem Netflix Filme und Serien mit HDR10, aber auch Dolby Vision im Sortiment hat, unterstützt Apple TV 4K auch diesen Dynamik-Standard. Hier sind theoretisch auch szenenabhängige Farbkalibrierungen möglich.

Was man gerne vergisst: Um das bessere Bild auch zu Gesicht zu bekommen, muss bei den meisten TV-Geräten am jeweiligen HDMI-Anschluss die Option für UHD-Auflösung und HDR freigeschaltet sein. Bei Samsung-Fernsehern etwa ist diese Option in den allgemeinen Einstellungen unter dem Menüpunkt „Externe Geräteverwaltung“ versteckt. Hier muss dann „HDMI UHD Color“ aktiviert sein.

Auch braucht es eine schnelle Internetverbindung, damit der 4K-Stream nicht ins Stocken gerät. Apple empfiehlt 15 Megabit pro Sekunde. Etwas mehr sollten's schon sein, wenn man nebenbei auch noch im Netz surfen will.

Da aber noch längst nicht alle Serien und Filme als 4K-Stream erhältlich sind, müssen Full-HD-Inhalte vernünftig hochskaliert werden. Das macht die Apple-Box tadellos. Nur Fotos rechnet tvOS kurioserweise herunter. Obwohl etwa bei 12-Megapixel-Aufnahmen über das iPhone mit 4048 × 3040 Bildpunkten ausreichend Bildmaterial vorhanden ist, um Schnappschüsse auf einem 4K-TV ansprechend anzuzeigen. Hier bitte nachbessern, liebe Entwickler!

Preise und Verfügbarkeit

Ein Apple TV 4K kostet mit 32 GB Speicher 199 Euro, mit 64 GB sind es 219 Euro. Es ist bereits erhältlich. Zum Vergleich: Googles Chromestick Ultra gibt es für 79 Euro. Das neue Fire TV mit 4K Ultra HD und Alexa-Sprachfernbedienung kostet ebenfalls 79 Euro.

Fazit: Content is king

Apple hat den richtigen, aber auch notwendigen Stellen nachgebessert. Die Frage ist: Kann Apple sich gegen die preiswerte Konkurrenz durchsetzen und gegenüber Smart-TVs mit Apps echten Mehrwert bieten? Dass durchaus potente Hardware in der kleinen Box steckt, könnte sie interessant für die Mobile-Spieleindustrie machen, die schon für iOS-Geräte Games entwickelt. Es wird spannend sein zu beobachten, ob sich das neue Apple TV im anstehenden Weihnachtsgeschäft gegen die Mitbewerber durchsetzen kann.

Meiner Meinung nach kann und wird das nur über das Angebot funktionieren. Genauer: exklusive Inhalte. Apple steht vor der Herausforderung, mit hochwertigen Produktionen Käufer dauerhaft als zahlende Kunden zu gewinnen. Dafür hat man etwa die beliebte Webserie "Carpool Karaoke" eingekauft und mit reichlich Prominenz aufgewertet. Um sich gegen Big Player im neuen Medienmix – allen voran Netflix und Amazon – durchzusetzen, will man Gerüchten zufolge rund eine Milliarde Dollar in Neuproduktionen investieren. Mit Jamie Erlicht und Zack Van Amburg arbeiten zudem zwei Ex-Sony-Pictures-Manager mittlerweile für Apple, die sich neben "Breaking Bad", "Better Call Saul" und "The Blacklist" beispielsweise auch für "Bloodline", "The Crown" und "The Shield" verantwortlich zeichneten.

Kaum ein anderer Konzern verfügt derart über das nötige Kleingeld, um sich als Film- bzw. Serienproduzent zu etablieren und die Inhalte über seine Plattformen mit Abermillionen angeschlossenen Devices zu vermarkten. Gelingt das, ist die Set-Top-Box aber auch nur eine Abspielplattform von vielen in Apples Ökosystem. Doch mit dem Upgrade gibt es für Apple-Fans erstmal keine Argumente mehr, neben iPhone, iPad, Macbook und Co. im heimischen Wohnzimmer auf ein Konkurrenzprodukt auszuweichen, um Filme und Serien in 4K zu schauen. Man hat den Media-Player zukunftssicher gemacht.

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