Dell Venue 8 7840: Das dünnste Android-Tablet im Test

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Dell Venue 8 7480
Dell Venue 8 7480(© 2015 CURVED)

Rekorde sind da, um sie zu brechen. Bis vor Kurzem war das iPad Air 2 von Apple noch das dünnste Tablet der Welt, aber mit dem Erscheinen des Dell Venue 8 7840 ist nun der texanische Hersteller in Besitz des Weltrekordes für das dünnste Tablet. Aber nur das weltweit dünnste Tablet zu bauen reicht nicht, um Käufer zu locken. Also stopft Dell noch Intels RealSense 3D Technologie in das Android-Gerät hinein und verpackt das Ganze in ein edles Gehäuse. Wir haben eines der ersten deutschen Testgeräte erhalten und zeigen Euch, was noch alles in der Flunder steckt. 

Lange mussten wir auf Dells ultraflaches Android-Tablet warten. Denn das Venue 8 7840 wurde schon im vergangenen Jahr mehrfach auf Intels IDF-Veranstaltungen und zuletzt auch auf dem Mobile World Congress in Barcelona gezeigt, wo auch CURVED-Redakteur Amir zum ersten Mal seine Hände an Dells Flunder legen durfte.

Im Messestress hatte der gute Amir leider die Abmessungen verwechselt und dem Dell Venue 8 7840 fälschlicherweise eine Dicke von 6,1 mm attestiert – und es somit auf ein Level mit Sonys brandneuem Xperia Z4 Tablet und Apples iPad Air 2 gesetzt. Dem ist aber nicht so, da dass Venue 8 7840 genau 6 Millimeter dünn ist und damit alleiniger Weltrekordhalter.

Design und Haptik: Edel, hochwertig und auch etwas seltsam

Vom Design her ist Dell ein sehr schickes Tablet gelungen, das aber auch etwas eigenartig wirkt. Fast das ganze Gehäuse des Achtzöllers wirkt wie aus einem Aluminiumblock gefertigt, nur der untere Teil ist aus schwarzem Plastik. In diesem sitzt neben den Stereo-Lautsprechern auch die 8-Megapixel-Hauptkamera und die 2-Megapixel-Frontkamera. Inmitten der Aluminium-Rückseite befindet sich zudem ein schwarzer Plastikstreifen, in dem noch mal zwei weitere HD-Kameras sitzen. Diese werden für die RealSense 3D Technologie genutzt, zu der wir später im Test noch kommen werden.

Im linken oberen Teil des Rahmens befinden sich der Ein- und Ausschalter und die Lautstärke-Wippe des Venue 8 7840. Rechts unten und leider farblich abgesetzt ist der microSD-Kartenslot. Da intern nur 16 GB Speicherplatz zur Verfügung stehen, wird die Möglichkeit zur Erweiterung auch dringend benötigt. Offiziell unterstützt werden Speicherkarten bis zu einer Größe von 512 GB.

Sowohl von der Front als auch von der Rückseite betrachtet wirkt das Dell Venue irgendwie seltsam. Ich persönlich habe immer das Gefühl, dass das Tablet auf dem Kopf steht. Das liegt wohl zum größten Teil an den Kameras, die sich bei der einhändigen Hochkant-Nutzung in der unteren Hälfte befinden. Das seltsame Gefühl verstärkt sich, wenn man das Venue 8 7840 im Landscape-Modus hält, da nun die Stereo-Lautsprecher von einer Hand verdeckt werden.

Hardware: Freundschaft zu Intel wird groß geschrieben

Die Freundschaft zu Intel hält das texanische Unternehmen auch beim Android-Tablet hoch. Da ist es nicht weiter verwunderlich, dass im Inneren ein Intel Atom-Prozessor mit maximal 2,3 GHz und vier Kernen schlägt. Dem Prozessor stehen dann noch 2 GB Arbeitsspeicher und eine PowerVR G6430-Grafikeinheit zur Seite.

Diese Kombination reicht aus, um das Dell Venue 8 7840 bei AnTuTu auf einen Wert von knapp 45.000 zu bringen. Die Leistung ist gut, aber kann gegen das Nvidia Shield Tablet oder auch das Nexus 9 nicht mithalten. Im Alltag bemerkt man den Leistungsunterschied zur Konkurrenz aus dem Hause Nvidia oder Qualcomm nicht, da alles sehr flüssig und ohne kleinste Ruckler abläuft.

Bei der sonstigen Ausstattung muss man auch keine Abstriche in Kauf nehmen. WLAN wird bis hoch zu 802.11 ac unterstützt, Bluetooth 4.0 ebenso und auch A-GPS ist im Venue 8 7840 vorhanden. Eine Variante mit LTE soll laut letzten Informationen in Planung sein – aber wann sie erscheinen soll, ist noch unbekannt.

Display: Grandioser WQXGA-Bildschirm

Beim Display des Venue 8 7840 geizt Dell schon mal gar nicht. Wie Samsung beim Tab S 8.4 verbaut auch Dell ein 8,4-Zoll-AMOLED-Display mit einer Auflösung von 2560 x 1600 Pixeln. Auch die Pixeldichte ist mit 359 ppi identisch mit der des Samsung Tab S 8.4. Typisch für AMOLED-Displays sind die satten Schwarzwerte und leuchtenden Farben. Letzteres mag für den einen oder anderen wieder einmal zu knackig ausfallen und ja, auch das Bild des Dell Venue 8 7840 wirkt aus einem flacheren Blickwinkel leicht blaustichig. Das sind aber die typischen AMOLED-Eigenheiten und man kann sich daran bei längerer Nutzung durchaus gewöhnen.

Gewöhnen wird man sich auch an die ungewöhnliche Positionierung des Displays im Tablet. Dieses ist nicht etwa mittig im Rahmen verbaut worden, sondern ist stark nach oben verschoben. Durch diese Position und die kompakten Abmessungen des Gehäuses ist das Display sehr nah an den oberen und seitlichen Rahmen des Gehäuses gerutscht.

Kamera: Erstes Tablet mit RealSense 3D-Technologie

Mit Unterstützung von Intel verbaut Dell in seinem Venue 8 7840 Tablet neben einer 2-Megapixel-Frontkamera auch noch drei weitere Kameras auf der Rückseite. Die mittig platzierte Hauptkamera schießt dabei Fotos mit 8 Megapixeln und zeichnet Videos in Full HD auf. Die zwei zusätzlichen HD-Kameras nehmen bei Fotos zusätzlich Tiefeninformationen auf.

Damit könnt Ihr im Nachhinein den Fokus Eurer Schnappschüsse verschieben, ähnlich wie bei den Lichtfeldkameras von Lytro oder auch der UltraPixel-Kamera des HTC One M8. Aber die RealSense 3D-Technologie kann noch mehr als nur optischen Schnickschnack: Dank der Tiefeninformationen ist es möglich, Distanzen oder gar Flächen im Bild abzurufen. Wie und auch wie gut das Ganze funktioniert, könnt ihr im Video sehen.


RealSense 3D ist ein interessantes Feature des Dell Tablets, aber es hat seine Grenzen. Strecken- und Flächenberechnungen von Objekten kann das Gerät nur in einer Distanz zwischen einem und fünf Meter vornehmen. Alles was außerhalb dieser Zone liegt, kann nicht vermessen werden. Aber auch innerhalb des von Dell vorgegeben Bereichs kann das System nicht auf den Millimeter genau eine Strecken- oder Flächenberechnung vornehmen. In unserem Musterbild haben wir verschiedene Objekte aus einer Distanz von über einen Meter abgelichtet und dann die Kantenlängen und Flächen vermessen. Dabei wich RealSense 3D immer um mehrere Millimeter bis zu einigen Zentimeter von den tatsächlichen Werten ab. Das Dell Venue 8 7480 disqualifiziert sich dadurch schon mal komplett für den professionellen Bereich und ist beispielsweise für Architekten oder technische Zeichner ungeeignet. Für private Zwecke gehen die Werte aber in Ordnung.

Für normale Fotografie bietet die Kamera von Dell auch noch die Möglichkeit, den Fokus nachträglich neu zu setzen und einen Tiefenschärfe-Effekt hinzuzufügen. Leider wird der Fokus über einen Brennweiten-Schieberegler definiert, genauso die Intensität des Tiefenschärfe-Effekts. Das funktioniert zuverlässig, solange die Bilder auch bei guten Lichtverhältnissen geschossen wurden. Wenn die Bedingungen weniger optimal sind, fängt das Bild stark an zu rauschen.

Leistung: Mit Snapdragon 801 auf Augenhöhe

Die Freundschaft zwischen Dell und Intel besteht schon seit Jahrzehnten und da ist es auch nicht verwunderlich, dass auch im Venue 8 7840 ein Intel Prozessor die Rechenarbeit übernimmt. Die vier Kerne des Intel Atom Z3580 sind mit maximal 2,3 GHz getaktet. Zusätzlich stehen 2 GB Arbeitsspeicher und eine PowerVR 6430-GPU dem Prozessor zur Seite. Alles in allem schafft das Dell-Tablet einen ansehnlichen AnTuTu-Benchmark-Wert von knapp 45.000 Punkten und liegt somit genau zwischen einem HTC One M8 und einem OnePlus One, die beide mit einem Qualcomm Snapdragon 801 ausgestattet sind.

In Spielen wie Real Racing 3 und Sky Force 2014 beweist sich die Hardware als gute Kombination. Die Ladezeiten sind kurz und Spiele laufen durchweg flüssig ohne störende Ruckler. Der Eindruck aus den Spielen erstreckt sich auch auf die Android-Oberfläche. Alles läuft flüssig und ohne viel Wartezeit beim Laden von Apps. Sogar 4k-Videos ließen sich auf dem schönen WXGA Display ohne Stottern genießen.

Akkulaufzeit und Sound: Laut und ausdauernd

Gespannt war ich beim Test auf den Sound der Stereo-Lautsprecher und wenigstens von der Lautstärke wurde ich nicht enttäuscht. Das Venue-Tablet macht richtig viel Lärm und strahlt direkt auf den Tablet-Nutzer ab. Es wäre aber besser gewesen, wenn man ähnlich wie beim HTC One M8 oder M9 die Lautsprecher links und rechts vom Display platziert hätte. Dann hätte Dell aber auch das komplette Design anpassen müssen.

Die Akkulaufzeit gibt der Hersteller mit 10 Stunden im Dauerbetrieb an. Wenn man nicht permanent leistungshungrige Spiele spielt, dann ist der Wert auch gar nicht mal so unrealistisch. Nach Tablet-typischer Nutzung, wie ab und an mal ein Video schauen, ein oder zwei Runden Real Racing spielen und viel Internet durchforsten und Emails lesen, war am Ende des Tages bei mir immer noch knapp 40 Prozent der Akkuladung vorhanden.

Fazit:

Dell ist mit dem Venue 8 7840 ein durchweg gutes Android-Tablet gelungen, dass vor allem wegen seiner edlen Haptik und dem eigenwilligen Design ein Eyecatcher ist. Das hervorragende WXGA-AMOLED-Display braucht sich hinter dem des Galaxy Tab S nicht zu verstecken und lädt geradezu dazu ein, sich unterwegs Videos anzuschauen. Wenn einem mal die Videos ausgehen, sorgt die verbaute Hardware außerdem dafür, dass man ohne störende Ruckler ein flüssiges Spielerlebnis hat.

Das vermeintliche Killer-Feature, die RealSense-Tiefenkamera, überzeugt hingegen nicht so sehr. Für den professionellen Einsatz fehlt es der Technik noch an Präzision und sicher auch noch an effektiver Reichweite. Für den privaten Bereich ist das Feature nur in einigen Situationen von Nutzen, z. B. wenn man Räume umgestalten und dafür ein paar Möbel vermessen will, um sich aus den Messwerten ein ungefähres Bild der Platzsituation zu verschaffen. Aber wie oft kommt solch eine Situation schon im realen Leben vor? Selten genug, dass man eigentlich auch auf RealSense verzichten kann.

Preislich liegt das Venue 8 7840 mit 379,- Euro nur geringfügig unterhalb der Konkurrenz wie dem iPad mini 3, dem Nexus 9 oder auch dem Samsung Galaxy Tab S 8.4. Wer aber auf das WXGA-Display verzichten kann und nicht so viel Wert auf hochwertige Materialien legt, der sollte aus meiner Sicht zum Nvidia Shield Tablet greifen, denn dieses Tablet kostet in der 16 GB Wi-Fi-only-Variante keine 300 Euro.


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