Huawei Mate 20 im Test: Das Flaggschiff aus der zweiten Reihe

Fast so gut wie die Pro-Variante, aber 200 Euro günstiger: das Huawei Mate 20.
Fast so gut wie die Pro-Variante, aber 200 Euro günstiger: das Huawei Mate 20.(© 2018 CURVED)

Was das Apple iPhone Xr im Vergleich zum Xs ist, das ist das Huawei Mate 20 im Vergleich zum Mate 20 Pro: um einige Funktionen gekürzt, minimale Designunterschiede, dafür aber 200 Euro günstiger. Der Test klärt, ob die Preisdifferenz wirklich ein Ersparnis ist.

Die Mate-20-Serie von Huawei ist die diesjährige Königsklasse des chinesischen Herstellers. Das bereits im August erschienene Mate 20 Lite bildet dabei sowohl preislich als auch technisch den Einstieg in Serie. Mit dem Mate 20 ohne Namenszusatz positioniert Huawei ein Best-of-both-worlds-Gerät zwischen preisgünstig und Premium.

Design & Display

Verwechselungsgefahr auf den ersten Blick. Man muss schon genau hinschauen, um die Unterschiede beim Design auf Anhieb zu erkennen. Das ungeschulte Auge dürfte die Einkerbung am oberen Displayrand leicht übersehen, die beim Mate 20 nur noch so groß ist wie die darin versteckte Frontkamera selbst.

Da das Mate 20 im Gegensatz zum Pro keine 3D-Gesichtserkennung via Infrarot erlaubt, braucht es folglich auch weniger Sensoren in der Notch. Für das softwareseitige Entsperren per Gesichtserkennung reicht beim Mate 20 die Kamera, das ist dafür aber nicht so präzise und leichter auszutricksen. Auch die seitlich über den Rahmen laufenden Displayränder bleiben dem Huawei Mate 20 Pro vorbehalten – konnten da aber nicht überzeugen.

Rückseitig hat das Mate 20 gleich der teureren Variante drei Kameras nebst LED-Blitz verbaut. Unterhalb des Kamera-Quadrats, das nur minimal aus dem Gehäuse hervorsteht, befindet sich der ins Gehäuse eingelassene Fingerabdrucksensor. Im Pro hat Huawei diesen im Display verbaut. Durch seine mittige Positionierung lässt sich der Sensor problemlos mit Mittel- oder Zeigerfinger ertasten. Der Sensor reagiert schnell, zuverlässig und entsperrt das Gerät innerhalb kürzester Zeit. In unserem Test hat es bei sauberen und trockenen Fingern immer direkt beim ersten Versuch geklappt.

Vorder- und Rückseite bestehen beim Mate 20 aus Glas, das von einem Metallband gerahmt wird. In Sachen Stabilität und Haptik überzeugt das Mate 20 auf ganzer Linie. Trotz seiner 6,5 Zoll hält das Gerät problemlos dem Gesäßtaschentest stand – da knarzt und knickt nichts. Draufsetzen sollte man sich trotzdem nicht. Auch schwitzige Finger finden auf der Oberfläche genügend Halt, um ein Entgleiten zu verhindern. Allerdings bietet sich schon aufgrund der Größe an, das Mate 20 mit beiden Händen zu halten und zu bedienen.

Mit seinen 6,5 Zoll erfordert das Huawei Mate 20 schon beide Hände zur Bedienung.(© 2018 CURVED)

Obwohl das Mate 20 gut verarbeitet ist, reicht es trotzdem nur zu einer IP53-Zertifizierung; damit ist es gerade mal gegen Spritzwasser geschützt. Staub und Wasser können nur dem Mate 20 Pro nichts anhaben. Schade, aber vermutlich Teil des 200-Euro-Kompromisses.

Ebenfalls vom Rotstift gestrichen: das OLED-Panel. Stattdessen begnügt sich das Mate 20 mit einem IPS-LC-Display, das mit maximal 2244 mal 1080 Pixeln im 18,7:9-Format auflöst. Das reicht bei der Größe für eine gestochen scharfe Darstellung. Schwarzwerte und Farbtiefe fallen gegenüber dem Pro zurück, dafür glänzt das Mate 20 mit einer intensiveren Leuchtkraft und gleichmäßigeren Ausleuchtung des Displays. Dadurch hat das Mate 20 auch bei heller Umgebung keine Probleme, ein gut lesbares Bild zu liefern. Direkte Sonneneinstrahlung sollte man allerdings vermeiden.

Wie üblich lässt sich die Farbtemperatur in den Einstellungen manuell oder basierend auf dem Umgebungslicht anpassen. Wer mit der Mini-Notch so gar nichts anfangen kann, kann diese auch hinter einem schwarzen Balken verbergen, der dann stattdessen über die ganze Breite läuft.

Notch oder nicht: In den Einstellung lässt sich der Kamera-Tropfen virtuell ausblenden.(© 2018 CURVED)

Technisch auf Augenhöhe

Bei der Hardware macht Huawei keine Kompromisse. Auch beim Mate 20 rechnet der aktuelle Achtkern-Prozessor Kirin 980. Vier der acht Kerne sind dabei für weniger rechenintensive Operationen ausgelegt. Die GPU stammt ebenfalls aus eigenem Hause: Die 2018er Mali-G76 MP10 sorgt wie beim Pro dafür, dass auch Spiele wie "PUBG" oder "Asphalt 9" in höchsten Detailstufen flüssig laufen.

Während das Pro jedoch wahlweise mit sechs oder acht Gigabyte Arbeitsspeicher verfügbar ist, sind es beim Mate 20 hierzulande nur vier GB. Auch der interne Flashspeicher fällt mit 128 GB geringer ist, von denen bei Initialstart 113 GB zur freien Verfügung stehen. Allerdings lässt sich der Speicher per – Achtung – Huaweis neu entwickelter NM-Karte auf bis zu 256 GB erweitern. Heißt aber, auf die optionale zweite SIM-Karte zu verzichten. Bei Antutu und Geekbench erreicht das Mate 20 – wie zu erwarten – gute Ergebnisse, die zwar nicht zum Angeben, aber locker für den Alltag reichen (Geekbench: Single-core 3328, Multi-core 9712; Antutu: 249.000).

Apropos Spiele: auch bei längeren Spielerunden macht das Mate 20 nicht schlapp. Die Höchsttemperatur erreicht nie einen Wert jenseits der 40 Grad, auch nicht unter Dauerbelastung. Und mit seinen 4000 mAh ist der Akku des Mate 20 mehr als ausdauernd. Bei normaler Nutzung schafft das Gerät ohne Zwischenladungen einen Kalendertag, wer dauerdaddelt, muss zwischendurch ans Netzteil. Kabelloses Laden unterstützt das Mate 20 nicht, dafür muss es dann doch das Pro sein. Dennoch ist aus das Mate 20 dank SuperCharge innerhalb von 30 Minuten schon wieder zu 50 Prozent voll, sofern das Netzteil schnellladen unterstützt.

Gegenüber dem Mate 20 Lite stattet Huawei das normale Mate bereits ab Werk mit Android 9 Pie als Betriebssystem aus. Über das Google-Betriebssystem legt der Hersteller seine eigene Benutzeroberfläche EMUI, ebenfalls in der aktuellen Version 9.0. Das heißt, Huawei ergänzt das Angebot vorinstallierter Apps zusätzlich zu den Google-eigenen noch um ein Handvoll eigener. Nicht alle davon lassen sich deinstallieren, aber zumindest ignorieren. Der fest im System integrierte Telefonmanager zum Beispiel hilft dabei Speicherplatz zu bereinigen oder den Verbrauch des Datenvolumens im Auge zu behalten. Huaweis HiCare hilft bei Supportfragen rund um das Gerät, erfordert allerdings eine Registrierung.

Kamera mal 3

Gleich drei Leica-Objektive hat Huawei auf der Rückseite des Mate 20 verbaut: einen RGB-Weitwinkelobjektiv (12 Megapixel, Blende f/1.8), ein Ultra-Weitwinkelobjektiv (16 Megapixel, f/2.2) und eine Telelinse mit zweifach optischer Vergrößerung (8 Megapixel, f/2.4). Damit soll die Hauptkamera in jeder Situation den passenden Bildausschnitt einfangen. Die Frontkamera verfügt ebenfalls über ein Weitwinkelobjektiv, schießt Fotos mit 24 Megapixel und einer f/2.0-Blende.

In Sachen Brennweite und Auflösung fällt das Mate 20 damit zumindest objektiv hinter das Pro zurück, liefert im Gesamteindruck aber trotzdem schöne und weitgehend vorzeigbare Ergebnisse.

Vor allem bei gut ausgeleuchteten Hintergründen glänzt das Kamera-Trio des Mate 20. Detailschärfe und Dynamik überzeugen, die Farben wirken natürlich. An seine Grenzen stößt das Mate 20 gegenüber dem Pro allerdings bei schwachen Lichtverhältnissen. Wo das Pro auch bei Dämmerung weiterhin einzelne Details herausstellt, rauschen die Aufnahmen des Mate 20 mit abnehmendem Licht zusehends. Etwas besser, aber noch nicht spitzenmäßig werden die Dunkel-Aufnahmen mit dem Nachtmodus, der dank Künstlicher Intelligenz eine bessere Belichtung bietet.

Wie bei Huawei üblich ist die Kamera-App mit einem Profi-Modus ausgestattet. Dort lassen sich die ISO-Werte, der Weißabgleich, die Belichtungszeit etc. ganz individuell nach eigenem Gusto und auf die Szene zugeschnitten einstellen – sofern man sich damit auskennt. Für alle Schnellknipser reicht die Automatik samt KI vollkommen aus.

Fazit

200 Euro machen durchaus einen Unterschied. Wenngleich das Mate 20 auf das OLED-Panel verzichtet und mit weniger Speicher auskommen muss, weiß das Gerät durchaus zugefallen. Die Hardware und das aktuelle Betriebssystem arbeiten flott und zuverlässig. Das große Display reagiert schnell und gibt Inhalte detailreich und farbintensiv wieder. Dank Stereosound und Klinkenanschluss (worauf Pro-Nutzer verzichten müssen) oder alternativ Bluetooth 5.0 lassen sich darauf hervorragend Netflix, Youtube und Co. genießen. Lediglich die durch das Seitenverhältnis bedingten schwarzen Balken trüben den Seriengenuss.

Zusätzliche Sympathiepunkte kassiert das Mate 20 für die Mini-Notch in Tropfenform, die wirklich kaum noch kleiner ausfallen könnte. Müsste ich mich zwischen dem Mate 20 und dem Pro entscheiden, würde ich die 200 Euro sparen – ohne Angst haben zu müssen, auf wichtige Funktionen zu verzichten.

Weitere Artikel zum Thema
Porsche Design Huawei Mate 20 RS ist da: Smart­phone der Luxus-Klasse
Lars Wertgen
Das Huawei Mate 20 steigt als Porsche-Version in die Luxus-Klasse auf
Das Porsche Design Huawei Mate 20 RS mit starker Performance und edler Optik ist im Handel verfügbar. Der Luxus hat allerdings seinen Preis.
Huawei Mate 20 und 20 Pro sind ab sofort erhält­lich
Francis Lido
Das Huawei Mate 20 Pro bietet eine 3D-Gesichtserkennung
Die neuen Premium-Smartphones Huawei Mate 20 und Mate 20 Pro sind nun auf dem Markt. Lediglich eine Farbvariante lässt noch ein wenig auf sich warten.
Huawei Mate 20 (Pro): Backup-Zube­hör hat 1 TB Spei­cher­platz
Michael Keller
Das Huawei Mate 20 Pro bringt ab Werk mindestens 128 GB Speicherplatz mit
Die Daten von Huawei Mate 20 und Co. sichern: Huawei hat für seine aktuellen Top-Smartphones ein externes Speichergerät vorgestellt.

Diese Website verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie dem zu. Um mehr über die von uns verwendeten Cookies zu erfahren und wie man sie deaktiviert, können Sie unsere Cookie-Richtlinie aufrufen.