Huawei P30 Pro im Test: Das Smartphone mit vier Kameras

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Das Huawei P30 Pro mit vier Kameras.
Das Huawei P30 Pro mit vier Kameras.(© 2019 CURVED)

Mit dem Huawei P30 Pro will das Unternehmen aus China erneut die Kamera-Bestenlisten dominieren. Dabei muss man vor allem sich selbst schlagen. Schließlich werden die Bestenlisten von Huawei-Geräten dominiert. Damit Helfen sollen gleich vier Kameras. Ob sich das P30 Pro lohnt, erfahrt ihr in diesem Test.

Update, Mai 2020: Wir haben den Text an einigen Stellen aktualisiert, um euch noch mehr Infos über das Gerät zu liefern.

Inhaltsverzeichnis

  1. Technische Daten
  2. Design
  3. Display
  4. Leistung
  5. Kamera
  6. Kopfhöreranschluss
  7. Akkulaufzeit
  8. Preise
  9. Fazit

Technische Daten

  • Display: gekrümmtes OLED-Display, 6,47 Zoll, 2340 x 1080 Pixel (Full HD+)
  • Prozessor: Kirin 980
  • Arbeitsspeicher: 8 GB
  • Speicher: 128 oder 256 GB
  • Wasserdicht: Ja, nach IP 68
  • Kamera: Vierfachkamera mit 40, 20 und 8 MP, ToF-Kamera, fünffach optischer Zoom
  • Frontkamera: 32 MP
  • Betriebssystem: Android Pie ab Werk, Update auf Android 10 vorhanden, Google-Dienste ebenso vorhanden
  • Farben: Pearl White (Weiß), Breathing Crystal (von Hellblau auf Dunkelblau), Black (Schwarz), Amber Sunrise (Von Orange in dunkles Rot), Aurora (Blau in Grün)

Design

Hochwertig und farbenfroh

Huawei liefert in puncto Design solide ab, bricht aber nicht aus dem üblichen "Glas vorn, Glas hinten"-Schema aus, das nun seit einigen Jahren den Look der Top-Geräte dominiert. Ja, es fühlt sich hochwertig an und liegt gut in der Hand, nein, etwas besonderes ist das nicht mehr.

Die Glasrückseite ist – durch die neuen Farben und Farbverläufe – dennoch ein Hingucker. Wo andere Hersteller auf Schwarz und Weiß setzen, ist das Treiben bei Huawei in Orange oder in Übergängen von Orange zu Rot („Amber Sunrise“) Hellblau zu Dunkelblau („Breathing Crystal“) und von Blau zu Grün (Aurora) hübsch anzusehen und so bunt wie es die kreativ gewählten Namen vermuten lassen.

Die Notch des P30 Pro ist durch ihre geringe Größe eher unauffällig.(© 2019 CURVED)

Display

Nicht auf dem Niveau des Galaxy S10 Plus

Beim Display selbst handelt es sich um einen gekrümmten OLED-Bildschirm, der mit 2340 x 1080 Pixeln (FHD+) auflöst. Das ist nicht so viel, wie etwa das Galaxy S10 Plus oder das Xperia 1 anzeigen, reicht aber locker für ein gestochen scharfes Bild. Denn Helligkeit, Pixeldichte und Kontrast sind schön lebendig. Mit bloßem Auge ist der Unterschied zur höheren QHD-Auflösung bei einem Handy-Bildschirm außerdem kaum zu erkennen.

Kleine Notch ist Vor- und Nachteil zugleich

Vorn gibt es das übliche Bild. Der 6,47 Zoll große Bildschirm kommt mit einer kleinen Aussparung in Tropfenform, in der sich die Kamera befindet. Das spart Platz und lässt Raum für eine größere Bildfläche auf der Vorderseite. Im Vergleich zum Mate 20 Pro ist diese Notch ein großer Fortschritt, funktionell allerdings ein Nachteil: Hier ist nur eine Selfie-Kamera mit 32 MP verbaut, es fehlt eine zweite Linse zur besonders sicheren 3D-Gesichtserkennung.

Dennoch kann das Handy über eine Gesichtserkennung entsperren. Das läuft dann aber nicht ganz so sicher in 2D über die herkömmliche Frontkamera ab. Ein Downgrade, das leichter auszuhebeln ist und bei schwächeren Lichtverhältnissen hin und wieder nicht korrekt funktioniert.

Das Display des P30 Pro misst 6,47 Zoll in der Diagonalen.(© 2019 CURVED)

Bildschirm als Lautsprecher

Einen oberen Lautsprecher gibt es nicht, zugunsten eines fast rahmenlosen Displays. Stattdessen transportiert das Handy den Sound beim Telefonieren über den Bildschirm. Was sich nach einer schwierigen Technik anhört, funktioniert in der Praxis wunderbar – und das ist das Wesentliche. Ihr müsst euer Ohr auch nicht an den Bildschirm drücken, sondern telefoniert wie gewohnt.

Wirklich laut kann der Bildschirm-Speaker aber nicht werden. Für Musik, Videos und Co. gibt es daher noch einen "echten" Lautsprecher an der Unterseite des Smartphones. Der klingt auch gut. Durch die Display-Lösung müsst ihr aber auf Stereo-Klang direkt aus dem Handy verzichten. Gerade wer das bereits von anderen Handys gewohnt ist, wird das womöglich etwas vermissen. Denn Stereo-Effekte funktionieren bei Smartphones deutlich besser, als wir zunächst selbst dachten.

Hört ihr hingegen fast nur über Kopfhörer oder externe Lautsprecher eure Musik, wird euch das fehlende Stereo-Setup wohl kaum stören.

Fingerabdrucksensor im Display

Wie beim Mate 20 Pro sitzt auch beim P30 Pro der Fingerabdrucksensor unter dem Display. Das funktioniert durchaus, allerdings nicht so zuverlässig wie bei einem klassischen Fingerabdrucksensor. Verbaut ist eine optische Variante, bei der es hin und wieder passieren kann, dass sie euren Finger nicht erkennt. Das ist auch beim Ultraschall-Sensor des Galaxy S10 der Fall, nur konnten wir hier noch häuiger problemlos entsperren. Für beide Varianten gilt aber: Befolgt ihr unsere Tipps, klappt es mit dem Entsperren fast immer.

Leistung

Im Inneren taktet der vom Mate 20 Pro bekannte Chipsatz Kirin 980, dazu gibt es 8 GB Arbeitsspeicher und wahlweise 128 oder 256 GB Datenspeicher. Im Test macht das Huawei P30 Pro einen flotten Eindruck, das RAM-Management scheint bei der Konkurrenz allerdings besser, wodurch diese noch schneller ist. Das Handy hat einen Performance-Modus, der sich in der Praxis gefühlt allerdings nur (negativ) auf die Akkulaufzeit auswirkt. Langsam ist es dadurch aber nicht: Ihr bekommt eine Performance, die für ein Flaggschiff aus 2019 angemessen ist. Mitsamt kurzen Ladezeiten, denn einige Apps öffnen sich nahezu ohne Verzögerung.

Nachrüsten könnt ihr den Speicherplatz zudem nur mit speziellen Karten von Huawei, normale microSD-Karten passen nicht ins P30 Pro. Für die Speicherkarten im Sonderformat zahlt ihr zudem etwas mehr Geld als für reguläre microSDs. Dafür holt sich der Hersteller Minuspunkte ab. Als Betriebssystem ist Android 9 Pie installiert. Darüber legt Huawei die eigene EMUI-Oberfläche in der Version 9.1. Mittlerweile ist aber auch schon das Update auf Android 10 beziehungsweise EMUI 10.1 erschienen.

Kamera

Gute Bilder im Dunkeln

Im Vordergrund steht ein Wort: "Licht". Wer gute Fotos schießen will, der braucht viel Licht. Huawei hat deswegen seinen RGB-Sensor (Rot, Grün, Blau) komplett überarbeitet und aus dem G wie Grün ein G wie Gelb gemacht. Dadurch soll der Sensor mehr Licht einfangen. Damit das möglich ist, hat das Unternehmen seine Kamera-Software ebenso komplett überarbeitet. Besonders von Vorteil sind die Änderungen natürlich dann, wenn die Lichtverhältnisse nicht optimal sind. Kein Wunder, dass Huawei auch von einem verbesserten Nachtmodus spricht.

Der von 2018 hat zwar auch überzeugt, konnte aber nicht mit Googles "Night Sight"-Funktion mithalten. 2019 sieht das anders aus. Wir haben den neuen Modus bei Dunkelheit mit der Funktion im Pixel 3 XL verglichen. Das überraschende Ergebnis: Diesmal konnte Google nicht mithalten. Ein Gemälde von van Gogh, fotografiert in fast absoluter Dunkelheit, konnte das P30 Pro deutlich besser darstellen.

ToF für mehr Licht und Tiefeninformationen

Maßgeblich beteiligt an den schicken Bildern aus dunklen Umgebungen ist die neue vierte Kamera im Bunde. Eine sogenannte "Time of Flight"-Kamera (ToF), die auch in anderen Smartphones wie dem LG G8 ThinQ oder Nokia 9 Pureview verbaut ist. Sie dient beim P30 Pro dazu, mehr Licht einzufangen, erfasst aber auch Tiefeninformationen. Dies kommt Porträt-Fotos zugute: Das P30 Pro erkennt automatisch erkennen, welche Bereiche stärker belichtet werden müssen und welche weniger.

Zoom, Zoom, Zoom

Die nächste große Verbesserung ist der Zoom. Das P20 Pro hatte einen dreifach optischen Zoom. Beim P30 Pro ist eine fünffache optische Vergrößerung möglich. Das schafft das Smartphone durch die Bauweise der Linse. Die ist um 90 Grad ins Gehäuse eingebaut. Ein Prisma leitet das Licht weiter. Die Bauweise war nötig, damit das Smartphone dünn bleiben kann.

Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz (KI) soll ein achtfach verlustfreier Zoom zur Verfügung stehen. Huawei spricht hier von einem Hybrid-Zoom. Digital zoomt das P30 Pro aufs 50-fache heran. Beim Knipsen braucht ihr dann ein ruhiges Händchen.

Tief im Gehäuse liegt die dritte (l.u.). Sie bietet einen fünffach optischen Zoom.(© 2019 CURVED)

Abgerundet wird das "Vier gewinnt"-System von einer Ultraweitwinkelkamera mit 20 MP (Blende: f/2.2), die sich in der Kamera-App aktivieren lässt und dafür sorgen soll, dass ihr mehr aufs Bild bekommt. Letzte Kamera im Bunde ist die sogenannte Huawei SuperSpectrum Lens mit 40 MP (f/1.6).

Kopfhöreranschluss

Einen Anschluss für Kopfhörer gibt es nicht. Dafür war angeblich kein Platz mehr; beim Huawei P30 allerdings schon. Das dürfte allerdings ohnehin nur diejenigen stören, die noch kabelgebunden Musik hören. Wer etwa True-Wireless-Köpfhörer wie die FreeBuds 3 nutzt, den dürfte die fehlende Buchse nicht stören.

Akkulaufzeit

Geladen wird das Smartphone über den USB-C-Anschluss. Der Akku fasst 4200 mAh und lädt dank Unterstützung für 40 Watt SuperCharge besonders schnell. Komplett leer ist das Smartphone nach 30 Minuten bis zu 70 Prozent aufgeladen. Wie das Mate 20 Pro könnt ihr auch das P30 Pro kabellos laden – und andere Smartphones mit dem Gerät selbst mit neuem Saft versorgen.

Wer an das Huawei P30 Pro denkt, hat zunächst die starke Kamera im Kopf. Der hervorragende Akkuverbrauch tritt da meist (etwas zu unrecht) ins zweite Glied. Das Handy arbeitet sehr sparsam, wie ihr auch in diesem Akkutest seht. Tipps für eine noch längere Laufzeit findet ihr in unserem Ratgeber.

Preise

Das Huawei P30 Pro könnt ihr ab sofort vorbestellen. Ausgeliefert und in den Handel kommt das Smartphone im April 2019. Die unverbindliche Preisempfehlung für die Variante mit 128 GB Speicher liegt bei 999 Euro. Für 256 GB müsst ihr 1099 Euro einplanen. Die 512-GB-Version erscheint hierzulande nicht.

Fazit

Besonders im Dunklen kann die vierfache Kamera das Huawei P30 Pro überzeugen. Ganz klar: Auch mit diesem Gerät der P-Serie will Huawei die Fotografen unter euch ansprechen. Auch die restliche Ausstattung gehört zur Oberklasse, von der insbesondere der Akku überzeugt – der wirklich beeindruckt.

Der Fingerabdrucksensor hat dagegen weiterhin Luft nach oben und die Gesichtserkennung musste leider der Optik weichen. Abzüge gibt es zudem für den fehlenden microSD-Karten-Slot. Wer (noch) auf kabelgebundene Kopfhörer setzt, wird sich auch über die gestrichene Kopfhörerbuchse ärgern.


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