Huawei P40 lite im Test: Der Sonderling der P40-Serie

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Das Huawei P40 lite in einem Farbverlauf, der mich wenig anspricht.
Das Huawei P40 lite in einem Farbverlauf, der mich wenig anspricht.(© 2020 CURVED)

Schon vor der Präsentation der P40-Serie hat Huawei das P40 lite vorgestellt. Das günstigste Modell der Reihe besticht mit Quad-Kamera und gewohnt gutem Preis, allerdings auch ohne Google-Dienste. Und so richtig scheint das kleine Smartphone der P40-Serie nicht so richtig neben die anderen beiden zu passen. Das Huawei P40 lite im Test.

Huawei P30 lite, P30 und P30 Pro – drei Smartphones, die nicht nur durch ihren Namen verbunden sind, sondern auch zahlreiche Gemeinsamkeiten aufweisen. Schon beim Design ist auf den ersten Blick zu erkennen: "Das ist ein P30", doch bei den inneren Werten gibt es Unterschiede zwischen den Huawei-Smartphones des Jahres 2019.

Faustregel: Huawei P30 ist das Basismodell, P30 Pro das Flaggschiff-Smartphone mit Bonus bei Kamera, Leistung und Display. Beim P30 lite setzt Huawei im Vergleich zum P30 und P30 Pro den Rotstift an: Hier heißt es Kosten sparen. Allerdings spendiert Huawei dem P30 lite einen kleinen Pixel-Bonus bei der Hauptkamera. Ein kleines Upgrade verleiht dem P30 lite, das den Namenszusatz New Edition bekommt, heute zudem einen Attraktivitäts-Boost.

Huawei P40 lite: Der Design-Stiefbruder der P40-Serie

Bei der P40-Serie gilt das gleiche Prinzip – mit deutlichen Unterschieden. Zunächst scheint Huawei das Veröffentlichungs-Konzept der neuen P-Serie etwas überdacht zu haben. Mit P40, P40 Pro und P40 Pro+ gibt es drei Modelle der Flaggschiff-Serie, die sich optisch stark ähneln.

Das P40 lite passt da schon vom äußeren Erscheinungsbild nicht wirklich herein, es könnte im Prinzip auch einen anderen Namen tragen. Schon bei der Farbauswahl gibt es deutliche Unterschiede. Beim P40 lite gibt es Schwarz, Grün und eine Variante mit einem Farbverlauf von Pink in Türkis – wie mein Testgerät. Bei den anderen beiden P40-Modellen gibt es Schwarz und zwei matte Varianten: Blush Gold und Silver Frost.

Auch ins Auge sticht das Kamera-Setup auf der Rückseite: Anstelle des rechteckigen, stark herausragenden Moduls verbaut Huawei im P40 lite ein quadratisches Setup mit vier Linsen in gleichförmiger Anordnung. Auf der Vorderseite sitzt beim P40 lite ein rundes Punch Hole in der oberen linken Ecke, beim P40 und P40 Pro ist es eine pillenförmige Aussparung mit zusätzlichem Sensor.

Größere Außenmaße als das P40 Pro

Mit 183 Gramm ist das P40 lite weder schwer noch sonderlich leicht – da es von seinen Außenmaßen her allerdings sogar noch etwas breiter ausfällt als das P40 Pro: Es ist in Höhe und Breite größer, nur weniger dick. Hat man beide Geräte in der Hand, macht schon das einen deutlich weniger wertigen Eindruck. Klar: 700 Euro Preisunterschied sind eben spürbar.

Ansonsten macht das P40 lite haptisch eine wenig auffällige Figur – auf dem Preisniveau allerdings nicht verwunderlich. Da gibt es eben Ecken und Kanten, auch die Displayschutzfolie macht sich bei der Bedienung offensiv bemerkbar. Die Glasrückseite hat ihre Nachteile gegenüber einem matten Finish, wie es ab dem P40 zu haben ist – denn dort sind Fingerabdrücke nicht zu vermeiden.

Neben dem Punch Hole auf der Vorderseite ist der Fingerabdrucksensor, der gleichzeitig die Funktion des Power-Knopf einnimmt, eine wesentliche Neuerung. Ich persönlich mag diese Lösung, sie ist herrlich pragmatisch und funktioniert oft besser als manch ein im Display integrierter Sensor.

Auch positiv: Es gibt eine 3,5 Millimeter Klinkenbuchse für kabelgebundene Kopfhörer. Dual-SIM ist in Form eines Hybrid-Slots mit an Bord, wollt ihr den internen Speicher erweitern, braucht ihr allerdings eine Huawei NM-Card. Der Akku ist mit prallen 4.200 Milliamperestunden (mAh) ausgestattet. Ein deutliches Upgrade zum P30 lite und dessen New Edition. 5G gibt es im Gegensatz zu allen anderen P40-Modellen in der Lite-Version übrigens nicht.

  • Breite / Höhe / Tiefe (in mm): 76,3 / 159,2 / 8,7
  • Gewicht: 183 g
  • Akku: 4.200 mAh

Huawei P40 lite ohne Google-Services

Ja, das Huawei P40 lite muss aufgrund der Handelsbeschränkungen zwischen den USA und China ohne Google-Lizenz auskommen. Ersatz ist die Huawei AppGallery, der eigene App-Store von Huawei. Da dieser zwar stetig wächst, doch wichtige Apps fehlen, wie jegliche Google-Software, gibt es eine weitere App, die als Beispiel von Huawei auf der Zukunftsversprechen-Webseite angeführt wird: "AppSuche".

Diese App durchsucht alle möglichen App-Stores nach Anwendungen. Egal, ob AppGallery, Amazon Underground, diverse APK-Stores oder die Homepages der Software-Entwickler. So bekommt ihr zum Beispiel trotzdem Facebook, WhatsApp, Instagram, Spotify und mehr – sogar Google-Apps wie Google Maps, Chrome, Translate und Google Earth sind verfügbar. Über die vorinstallierte Mail-App könnt ihr euch bei Gmail anmelden – der Rest fehlt leider noch.

Für vieles gibt es Alternativen, auf manches müsst ihr aber wohl noch warten oder auf dem Smartphone verzichten. Streaming über Netflix zum Beispiel, YouTube kann auch nur im Browser stattfinden. Ansonsten wird euch als versierter Huawei-Nutzer wenig auffallen. Auch wenn EMUI 10 hier auf Basis des Android Open Source Project (ASOP – Android 10) läuft, müsst ihr bei der Benutzeroberfläche keine großartigen Veränderungen erwarten.

Bekannt gute Kamera – ordentliches Makro-Objektiv

Beim Vierfach-Setup auf der Rückseite des Huawei P40 lite kommt als Hauptlinse eine Kamera mit 48 Megapixel (MP) zum Einsatz – kennen und lieben wir vom P30 lite (New Edition), beim P40 lite kommt noch ein Autofokus zum Einsatz. Auch das 8 MP Ultraweitwinkelobjektiv und die 2-MP-Bokeh-Linse sind bekannt. Selfies werden mit 16 MP-Kamera geschossen. Durch das fehlende Tele-Objektiv ist Zoomen nicht unbedingt zu empfehlen, hier wagt sich das P40 lite aber zurecht auch nicht weiter als bis zur 6-fachen Vergrößerung.

Neu ist die Makro-Kamera mit 2 Megapixel. Klingt auf dem Papier nicht viel, aber das Makro-Objektiv liefert ordentliche Ergebnisse. Für Detailaufnahmen wird eine Entfernung von 4 Zentimeter empfohlen, so nimmt die Linse das Motiv sauber in den Fokus. Die Bilder können sich sehen lassen und bieten kreativen Raum für Experimente. So wird zum Beispiel ein von Ferne recht unspektakuläres Blatt in saftigem Grün und seiner beeindruckenden Struktur abgelichtet, die so dem Auge verborgen bleiben.

Huawei P40 lite: Flüssige Performance über weniger starkes Display

Im günstigen P40 kommt der Kirin 810 zum Einsatz, ein Prozessor, der Vorjahres-Flaggschiffen Konkurrenz macht. Ergänzt wird er von 6 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher und 128 GB Platz für Fotos, Videos, Apps und mehr. Das bietet eine flüssige Performance, die für ein Modell, das besonders an Alltagstauglichkeit gemessen wird, absolut ausreichend ist.

Alltagstauglich ist auch das LC-Display, bei der Größe von 6,4 Zoll löst der Bildschirm des P40 lite mit 2.310 x 1.080 Pixel auf. Das ergibt eine Pixeldichte von 398 ppi – etwas geringer als das P30 lite (New Edition), dafür ist die Displaydiagonale eben auch größer. Allerdings ist es etwas dunkel geraten.

Das P40 lite wird es schwer haben

Bei der Bewertung des Huawei P40 lite im Test sind zwei Seiten zu betrachten. Einerseits die Leistung: Das Smartphone ist in Punkto Prozessorleistung, Akku und Kamera dem Vorgänger P30 (New Edition) einige Schritte voraus. Und auch mit Blick auf den Preis würde ich dem Mittelklasse-Smartphone gute Aussichten attestieren. Beim Design scheint sich das günstige Modell intern gar nicht mit Huawei P40, P40 Pro und P40 Pro+ anlegen zu wollen – hier geht es in eine komplett andere Richtung.

Allerdings fehlen eben die bekannten Google-Dienste. Und diese Hürde könnte für den Erfolg des günstigen P40 entscheidend sein. Denn auch wenn Huawei die AppGallery immer weiter ausbaut und Alternativen bietet, wo immer es geht – Google-Dienste, insbesondere der Play Store mit all seinen integrierten Software-Lösungen und Möglichkeiten, sind bekannt und beliebt. Und so ist das P30 lite New Edition aktuell wohl dennoch das interessantere Huawei-Smartphone in der Preisklasse.


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