Huawei P40 lite im Test: Erfolgsgarant oder Ladenhüter?

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Das Huawei P40 lite in einem Farbverlauf, der mich wenig anspricht.
Das Huawei P40 lite in einem Farbverlauf, der mich wenig anspricht.(© 2020 CURVED)

Schon vor der Präsentation der P40-Serie hat Huawei das P40 lite vorgestellt. Das günstigste Modell der Reihe besticht mit Quad-Kamera und gewohnt gutem Preis, allerdings muss es auch ohne Google-Dienste auskommen. Und so richtig scheint das kleine Smartphone der P40-Serie nicht neben die anderen Modelle zu passen. Das Huawei P40 lite im Test.

Inhaltsverzeichnis

  1. Design
  2. Display
  3. Abmessungen und Gewicht
  4. Leistung
  5. Google-Dienste
  6. Kamera
  7. Selfies
  8. Akku und sonstige Ausstattung
  9. Preis
  10. Fazit

Tipp der Redaktion: Das Huawei P40 Lite findet ihr auch im CURVED-Shop. Leider ohne Google-Dienste, aber mit einem kostenlosen Einrichtungsservice für Apps und Daten sowie mit 5 GB LTE. Damit solltet ihr reichlich Musik streamen können. Hier geht's zum Angebot:

Design

Huawei P30 lite, P30 und P30 Pro – drei Smartphones, die nicht nur durch ihren Namen verbunden sind, sondern auch im Design zahlreiche Gemeinsamkeiten aufweisen. Die größten Unterschiede finden sich in Kamera, Leistung und Display. Bei der P40-Serie geht Huawei (fast) nach dem gleichen Prinzip vor – streut aber einen Sonderling ein. Das Huawei P40 Lite.

Während sich das Huawei P40 als Basismodell und sowohl das P40 Pro als auch das P40 Pro+ relativ ähnlich sehen. Passt das P40 Lite vom äußeren Erscheinungsbild nicht richtig ins Bild. Schon bei der Farbauswahl fallen deutliche Unterschiede auf. Beim P40 lite gibt es Schwarz, Grün und eine Variante mit einem Farbverlauf von Pink in Türkis – wie mein Testgerät. Bei den anderen beiden P40-Modellen gibt es Schwarz und zwei matte Varianten.

Das Huawei P40 Lite in drei Farben(© 2020 Huawei)

Ins Auge sticht auch das Kamera-Setup auf der Rückseite: Anstelle des rechteckigen, stark herausragenden Moduls verbaut Huawei im P40 lite ein quadratisches Setup mit vier Linsen. Im Bildschirm des P40 lite befindet sich in der oberen linken Ecke ein rundes Punch-Hole, beim P40 und P40 Pro ist es je eine pillenförmige Aussparung.

Schön. Schön dunkel.

Das LC-Display ist mit 6,4 Zoll relativ groß und löst mit 2.310 x 1.080 Pixel auf. Die Pixeldichte (398 ppi) ist also etwas geringer als die des P30 lite (New Edition), dafür ist die Displaydiagonale eben auch größer. Der Bildschirm stellt Farben schön, echt und kräftig da, ist allerdings etwas dunkel.

Haptik enttäuscht

Obwohl es den zweitkleinsten Bildschirm der Serie hat, ist das Huawei P40 lite etwas bulliger (Breite / Höhe / Tiefe: 76,3 / 159,2 / 8,7 mm) als die anderen P40-Modelle. Es bringt 183 g auf die Waage zählt damit zum Durchschnitt; nicht zu schwer und nicht zu leicht.

Wenn man das Geräte in der Hand hat, macht das Lite-Modell im Vergleich zu seinen Geschwistern einen deutlich weniger wertigen Eindruck. Klar: 500 bis 1100 Euro Preisunterschied sind eben spürbar.

Das Kamera-Modul des Huawei P40 Lite steht nicht so weit aus dem Gehäuse heraus wie beim P40(© 2020 Huawei)

Auf dem Preisniveau verwundert es also kaum, dass das Huawei P40 lite haptisch eine wenig auffällige Figur macht. Da gibt es eben Ecken und Kanten, auch die Displayschutzfolie macht sich bei der Bedienung bemerkbar. Die Glasrückseite hat ihre Nachteile gegenüber einem matten Finish, wie es ab dem P40 zu haben ist. Fingerabdrücke sind leider ein täglicher Begleiter.

Das "P" steht für Performance

Im günstigen P40 kommt der Kirin 810 zum Einsatz, ein Prozessor, der Vorjahres-Flaggschiffen Konkurrenz macht. Ergänzt wird er von 6 GB Arbeitsspeicher. Das bietet eine flüssige Performance, die absolut ausreichend ist – insbesondere für ein Modell, das besonders an seiner Alltagstauglichkeit gemessen wird.

Euch stehen zudem 128 GB interner Speicher für Fotos, Videos, Apps und mehr parat. Wer noch mehr benötigt, lagert seine Daten in eine Cloud aus oder legt sich eine NM-Card (Nano Memory) zu und erweitert seinen Speicher um bis zu 256 GB.  Huawei setzt also weiterhin auf sein proprietäres Format und nicht auf die üblichen microSD-Karten.

Weitere Tests:

Ohne Google-Dienste keine Chance?

Das Huawei P40 lite muss aufgrund der Handelsbeschränkungen zwischen den USA und China ohne Google-Lizenz auskommen. Ersatz ist die Huawei AppGallery, der eigene App-Store von Huawei. Jegliche Google-Software fehlt hier, aber das Angebot an Alternativen wächst – auch dank "AppSuche".

Diese App durchsucht alle möglichen App-Stores nach Anwendungen. Egal, ob AppGallery, Amazon Underground, diverse APK-Stores oder die Homepages der Software-Entwickler. So bekommt ihr zum Beispiel trotzdem Facebook, WhatsApp, Instagram, Spotify und mehr – sogar Google-Apps wie Google Maps, Chrome, Translate und Google Earth sind verfügbar. Über die vorinstallierte Mail-App könnt ihr euch bei Gmail anmelden. Der Rest aus dem Google-Universum fehlt leider (noch).

Für vieles gibt es Alternativen, auf manches müsst ihr aber wohl noch warten oder auf dem Huawei P40 Lite verzichten. Streaming über Netflix zum Beispiel, YouTube kann auch nur im Browser stattfinden. Ansonsten wird euch als versierter Huawei-Nutzer wenig Neues auffallen. Auch wenn EMUI 10 hier auf Basis des Android Open Source Project (ASOP – Android 10) läuft, müsst ihr bei der Benutzeroberfläche keine großartigen Veränderungen erwarten.

Kamera: Nahaufnahmen als Highlight

Beim Vierfach-Setup auf der Rückseite des Huawei P40 lite kommt als Hauptlinse eine Kamera mit 48 MP (und 2-MP-Bokeh-Linse) zum Einsatz – kennen und lieben wir vom P30 lite (New Edition). Beim P40 lite kommt noch ein Autofokus zum Einsatz. Bei Tageslicht gelingen sehr ordentliche Fotos. Sie wirken sowohl natürlich als auch dynamisch. Das überrascht uns nicht. Huawei steht schließlich schon traditionell für einen großartigen Dynamikbereich. Der Nachtmodus überzeugt – für ein Non-Flaggschiff-Smartphone – ebenfalls.

Das (ebenfalls bekannte) 8 MP Ultraweitwinkelobjektiv reiht sich da qualitativ fast nahtlos ein, auch wenn hier mitunter Unschärfen zu erkennen sind und es häufiger an Kontrast und Details mangelt. Bilder bei Nacht sind den Druck auf den Auslöser nicht wert.

Neu ist die Makro-Kamera mit 2 MP. Klingt auf dem Papier nicht viel, aber das Makro-Objektiv liefert ordentliche Ergebnisse. Für Detailaufnahmen wird eine Entfernung von 4 cm empfohlen, so nimmt die Linse das Motiv sauber in den Fokus. Die Bilder können sich sehen lassen und bieten kreativen Raum für Experimente. So wird zum Beispiel ein aus der Ferne recht unspektakuläres Blatt in saftigem Grün und seiner beeindruckenden Struktur abgelichtet, die dem Auge ansonsten verborgen bleiben.

Makel: Durch das fehlende Tele-Objektiv ist Zoomen nicht unbedingt zu empfehlen und das P40 lite wagt sich zurecht auch nicht weiter als bis zur 6-fachen Vergrößerung. Das System gelangt hier bereits sichtbar an seine Grenzen.

Frontkamera: Was das Herz begehrt

Selfies werden mit 16 MP-Kamera geschossen. Den Job erledigt die Linse insbesondere bei Aufnahmen mit reichlich Umgebungslicht ziemlich gut. Ich vermisse manchmal nur das eine oder andere Detail. Porträt-, Slow-Mo-, HDR- und Nacht-Modi dürfen ebenfalls nicht fehlen, genauso wenig wie AR-Spielereien.

Akku und Ausstattung: Ausdauer wie ein Großer

Der Akku ist mit 4.200 mAh ausgestattet. Ein deutliches Upgrade zum P30 lite und dessen New Edition. Die Ausdauer überzeugt und sowohl nach langen Telefonaten (laut Datenblatt: mehr als 30 Stunden), Surf- und Video-Sessions müsst ihr euch noch nicht nach einer Steckdose umschauen. Und wenn der Akku dann doch mal leer ist: In etwas mehr als einer Stunde ist der Energiespeicher wieder aufgeladen (mit einem 40-Watt-Ladegerät).

Neben dem Punch Hole auf der Vorderseite ist der Fingerabdrucksensor, der gleichzeitig die Funktion des Power-Knopf einnimmt, eine wesentliche Neuerung. Ich persönlich mag diese Lösung, sie ist herrlich pragmatisch und funktioniert oft besser als manch ein im Display integrierter Sensor.

Auch positiv: Dual-SIM ist in Form eines Hybrid-Slots mit an Bord. Mit dabei ist auch eine Klinkenbuchse (3,5 mm). Das dürfte diejenigen freuen, die noch auf kabelgebundene Kopfhörer setzen. 5G gibt es im Gegensatz zu allen anderen P40-Modellen in der Lite-Version übrigens nicht.

Nachtrag: Mittlerweile gibt es ein Huawei P40 Lite 5G. Das sind die Unterschiede.

Nur kabelgebundenes Laden: Wireless Charging ist mit dem P40 Lite nicht möglich(© 2020 Huawei)

Lite-Varianten: Stabiles Preisniveau

Der Hersteller setzt für das Huawei P40 Lite einen Preis von 299 Euro an. Damit ist das Handy im Vergleich zum P30 Lite (279 Euro) nur unwesentlich teurer. Huawei ist der Makel mit den fehlenden Google-Diensten also durchaus bewusst und hält den Preis daher verhältnismäßig niedrig.

Fazit: Tolles Upgrade, aber ...

Bei der Bewertung des Huawei P40 lite im Test sind zwei Seiten zu betrachten. Einerseits die Performance: Das Smartphone ist in puncto Prozessorleistung, Akku und Kamera dem Vorgänger P30 (New Edition) einige Schritte voraus. Und auch mit Blick auf den Preis würde ich dem Mittelklasse-Smartphone gute Aussichten attestieren. Beim Design scheint sich das günstige Modell intern gar nicht mit Huawei P40, P40 Pro und P40 Pro+ anlegen zu wollen – hier geht es in eine komplett andere Richtung.

Allerdings fehlen eben die bekannten Google-Dienste. Und diese Hürde könnte für den Erfolg des günstigen P40 entscheidend sein. Denn auch wenn Huawei die AppGallery immer weiter ausbaut und Alternativen bietet, wo immer es geht – Google-Dienste, insbesondere der Play Store mit all seinen integrierten Software-Lösungen und Möglichkeiten, sind bekannt und beliebt. Leider kriegt man von Huawei derzeit nicht beides, sondern nur Hardware-Upgrade oder Google-Dienste (wie bei der P30 lite New Edition).


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