Sony ILCE-QX1 im Test: Systemkamera im Baukastenprinzip

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Sony QX1
Sony QX1(© 2014 CURVED)

Sony hat mit den SmartShot-Aufsteck-Kameras QX10 und QX100 eine interessante Lösung für alle, die mit der Kamera im eigenen Smartphone nicht mehr zufrieden sind oder es nie waren. Jetzt treibt Sony dieses Prinzip des Kamera-Pimpens mit der QX1 auf die Spitze. Wir haben den Sony-Baukastensatz für ambitionierte Smartphone-Fotografen ausprobiert und sagen Euch, was es taugt.

Ein Jahr lang konnte Sony mit QX10 und QX100 Erfahrungen sammeln. Anscheinend ist das Interesse an den Aufsteck-Kameras doch groß genug, dass nun mit der QX1 eine Weiterentwicklung auf den Markt kommt, die mit den Schwächen der Vorgänger aufräumen soll.

APS-C-Sensor und Wechselobjektiv

Statt eines fest verbauten Objektives wie bei QX10 und QX100, besteht die QX1 nun eigentlich aus zwei Komponenten: der Sensor-Einheit und dem Objektiv. Um beides miteinander zu verbinden, setzt Sony natürlich auf das hauseigene E-Mount-Bajonett-System, dass schon bei den NEX-Kameras und auch bei einigen Einsteiger-Alpha-Modellen zum Einsatz kommt. Durch das E-Mount-System lassen sich natürlich sämtliche Objektive mit diesem System nutzen, die auch für den APS-C-Sensor der QX1 ausgelegt sind. In den Handel kommt die Sony ILCE-QX1 als Kit mit einem 16-50 mm Objektiv, das über eine Blende von 3,5 - 5,6 und einen optischen Bildstabilisator verfügt.

Den APS-C-Sensor der QX1 haben die Japaner ihrer eigenen Alpha 5000-Systemkamera entnommen. Er ist wesentlich größer als der Sensor des QX100. Während dieser eine Fläche von 13,2 x 8,8 mm hat, pumpt sich der APS-C-Sensor mit 23,2 x 15,8 mm auf nahezu die doppelte Größe auf. Dank dieser größeren Fläche bringt Sony mit 20,1 Megapixeln fast die gleiche Anzahl an Pixeln unter wie in der QX100 mit ihren 20,2 Megapixeln – aber die reine Megapixel-Anzahl ist nicht relevant. Die größeren Pixel der QX1 können wesentlich mehr Licht aufnehmen als die der QX100, und sollten folglich für bessere Bilder sorgen.

Umfangreiche Ausstattung und simples Handling

Bei der Ausstattung der QX1 hat Sony im Vergleich zu den Vorgängermodellen nicht mehr viel geändert. Ein separater Auslöser ist direkt am Gehäuse zu finden, hinter der Rückklappe befindet sich neben dem Akku zudem noch der Einschub für eine microSD-Karte. Für etwas schummrige Umgebungen verfügt die QX1 dann noch über einen ausklappbaren Blitz. Diese Ausstattung lässt es schon zu, die QX1 auch ohne Smartphone als Kamera zu verwenden – aber erst mit einem Smartphone wird aus der QX1 erst eine vollwertige Systemkamera.

Die Kamera verfügt über einen eigenen WLAN-Chip, mit dem sich eine Verbindung mit einem Android- oder iOS-Gerät aufbauen lässt. Zusätzlich muss noch die Play Memories-App installiert werden, denn ohne diese mag man zwar eine Verbinung zur QX1 aufgebaut haben, hat aber keinen Zugriff auf die Kameraeinstellungen, den Speicher oder gar die Steuerung der Kamera. Um das Koppeln zu vereinfachen, können die notwendigen Daten auch per NFC zwischen Smartphone und Kamera ausgetauscht werden. Ein iPhone 6 Plus konnte ich zwar nicht per NFC mit der QX1 koppeln, aber auch das manuelle Einrichten ging schnell von der Hand.

Wie auch schon bei der QX100 und der QX10, ist an der Rückseite der Aufsteck-Kamera eine Halterung mit zwei Halte-Greifern zum Ausklappen vorhanden. Zwischen den beiden Greifern könnt Ihr Euer Smartphone fixieren, breiter als ein iPhone 6 Plus sollte es dann aber nicht sein. Ein Samsung Galaxy Note 4 zum Beispiel würde nicht mehr in die Standardhalterung passen.

Aber da die Kamera per WLAN mit dem Smartphone verbunden ist, ist es nicht zwingend notwendig, diese an der Rückseite zu befestigen. Ihr könnt die SmartShot-Kamera dann zum Beispiel auf ein Stativ schrauben – ein Gewinde ist vorhanden – und komfortabel das Bild aus Entfernung von bis zu fünf Metern auslösen. Hierbei kommt aber auch eine Schwäche des Systems zum Vorschein: Betätigt Ihr den Auslöser per Smartphone, dauert es etwas zu lang, bis das Foto geschossen wird. Besser ist unterdessen die Stabilität der WLAN-Verbidnung geworden: Gab es hier bei den Vorgängern ab und zu noch Probleme, so verhielt sich die QX1 bei meinem Test in dieser Hinsicht tadellos.

Play Memories, die App um die QX1 zu knechten

Nichts Neues gibt es in der Play Memories-App, mit der die QX1 gesteuert wird. Über die App können der Weißabgleich, die Bildgröße und natürlich auch die Belichtungskorrektur justiert werden. Durch Antippen des Touchscreens wird der gewünschte Fokuspunkt ausgesucht und flott von der Kamera umgesetzt. Wer will, kann auch komplett in den manuellen Modus wechseln: Alle mit der QX1 nutzbaren Objektive verfügen über einen Fokusring. Freunde von RAW-Bildern können sich freuen, denn die QX1 speichert auch im RAW-Format. Die so abgelegten Dateien verbleiben aber auf der Speicherkarte der Kamera, da eine Übertragung auf das Smartphone viel zulange dauern würde.

Apropos Bilder übertragen: Nachdem ein Bild geschossen wurde, überträgt die QX1 per WLAN eine in der Auflösung reduzierte Variante auf das Smartphone, damit Ihr diese dann auch direkt in die sozialen Netzwerke verteilen könnt. Wenn ihr lieber Videos aufzeichnet, dann klappt das mit der QX1 nun endlich auch in Full HD. Die so aufgezeichneten Clips können nach der Aufnahme manuell per WLAN an das Smartphone gesendet werden.

Fazit

Die Sony QX1 ist ein geniales Gadget für den ambitionierten Smartphone-Fotografen. Die Bilder sind qualitativ besser als jede Kamera, die in einem Smartphone eingebaut ist. Außerdem lässt sich die Qualität noch weiter steigern, da Ihr dank des E-Mount-Systems andere Objektive mit hochwertigen Linsen verwenden könnt. Nachteilig ist, dass die Reaktionszeit nicht die kürzeste ist. Für spontane Schnappschüsse und Aufnahmen von Motiven in schneller Bewegung eignet sich die QX1, wie auch schon die Schwestermodelle QX10 und QX100, immer noch nicht.

Es bleibt nun nur noch die Frage des Preises zu klären – und hier hat Sony bei mir und in der Redaktion tatsächlich für positive Verwunderung gesorgt. Das Kit mit dem 16 - 50 mm-Objektiv liegt preislich bei 449 Euro.


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