WhatsApp & Co: Die Zukunft der Messenger

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Messengen, bis das Smartphone glüht – diese Dienste haben eine Zukunft
Messengen, bis das Smartphone glüht – diese Dienste haben eine Zukunft(© 2015 istock.com/Geber86)

Bald gibt es so viele Messenger, wie man Kontakte im Adressbuch hat. Jeder will mit speziellen Features Nutzer locken und halten. So können WhatsApp-Mitglieder künftig nicht nur miteinander chatten, sondern auch telefonieren. Aber reicht das für den Messenger-Thron? Wir haben uns mal die wichtigsten Kommunikations-Apps angeschaut – und geben eine Prognose für deren Zukunft ab.

Ein Leser hatte es in einem Kommentar geschrieben: Er nutzt SMS, um seinen Bekannten eine Nachricht zu schicken. Das funktionierte immer, ganz egal, welcher Messenger auf dem Smartphone installiert ist. Sicher, das ist eine Möglichkeit, dem Messenger-Wahnsinn zu umgehen. Aber letztendlich spielt die SMS in der Kommunikation via Smartphone kaum noch eine Rolle. Warum auch? Die Zeichenzahl der Botschaften ist begrenzt, will man Fotos oder gar Videos verschicken, wird daraus gleich eine MMS.

Bei Messengern, ob sie nun WhatsApp, Facebook oder Threema heißen, stellt sich nicht mehr die Frage, welcher Inhalt auf welchem Weg übermittelt wird. Das einzige Problem ist die Verbreitung des gewählten Dienstes. Während SMS eben auf jedem Telefon standardmäßig funktioniert, müssen Messenger installiert werden – und meistens mehr als nur einer, damit auch alle Freunde erreicht werden können.

Spezialisten und Alleskönner

Kein Wunder, dass Facebook den Nachrichtendienst als eigenständige App für Smartphones ausgegliedert hat, schließlich können so Facebook-Nutzer miteinander chatten, ohne dafür Statusmeldungen und Werbebotschaften mitlesen zu müssen. Dumm nur, dass Facebook es kaum noch schafft, die jüngere Generation von seinen Services zu begeistern.

Dass das Unternehmen vor gut einem Jahr WhatsApp gekauft hat, erscheint da mehr als schlüssig, schließlich ist WhatsApp der derzeitige Platzhirsch aller Messenger-Dienste. Mehr als 700 Millionen monatlich aktive Nutzer schicken sich über den Service Nachrichten, Videos und Bilder oder bilden Gruppen mit Freunden. Aber damit noch nicht genug: In diesen Tagen beginnt WhatsApp damit, die Telefoniefunktion auszurollen. Registrierte Mitglieder können künftig über die Datenverbindung miteinander sprechen – kostenlos.

Die Betreiber der Dienste brauchen neue Features, um Bestandskunden zu halten und gleichzeitig neue Mitglieder zu gewinnen. Doch wer gewinnt das Rennen um den Messenger-Thron?

Das sind die wichtigsten Kontrahenten (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

Facebook

Die Voraussetzungen für Facebook könnten besser nicht sein. Weltweit nutzen rund eineinhalb Milliarden Mitglieder das soziale Netz täglich. Der Dienst besteht seit etwa elf Jahren, aber erst mit der Veröffentlichung der Smartphone-App hat sich Facebook als die wichtigste Kommunikations-Plattform etabliert – und schafft (indirekt) weltweit Jobs. Facebook ist so eine Art Standart für die Vernetzung im Internet geworden – ähnlich wie ein Telefonanschluss in der analogen Welt.

Facebook Messenger(© 2015 Facebook, CURVED Montage)

Doch der Glanz erlischt zunehmend, Facebook wird immer weniger sexy, vor allem für jüngere Nutzer. Der Dienst ist inzwischen viel mehr als nur die kürzeste digitale Verbindung zwischen zwei Freunden. Es ist Werbeplattform, Nachrichtenzentrale und Eventplaner. Die direkte Kommunikation findet immer häufiger woanders statt.

Aus diesem Grund kaufte das Unternehmen die beiden erfolgreichen Dienste Instagram  und WhatsApp – um so für die Zukunft gewappnet zu sein. Mit der Ausgliederung der Chatfunktion in eine eigenständige Smartphone-App will Facebook außerdem vor allem jene Nutzer erreichen, die den Dienst tatsächlich nur zum Austausch mit Freunden nutzen.

Prognose
Bereits jetzt ist auf vielen neuen Smartphones die Facebook-App und der Messenger des Unternehmens vorinstalliert. Facebook wird immer häufiger als der Schlüsseldienst für andere Services vorausgesetzt. Aus diesem Grund gehört der Messenger zu den wichtigsten Diensten der kommenden Jahre. Gerade die Möglichkeit, plattformunabhängig miteinander zu kommunizieren, ist für viele Nutzer wichtig. Facebook wird den Messenger mit speziellen Business-Features pimpen und auch eine Telefonie-Funktion integrieren. Es wird zur Standard-Funktion vieler Systeme.

WhatsApp

Entwickelt wurde WhatsApp von  Jan Koum und Brian Acton im Jahr 2009. Innerhalb von sechs Jahren ist WhatsApp der wichtigste Messenger-Dienst der (westlichen) Welt geworden.

SMS vs. WhatsApp(© 2015 WhatsApp, CURVED Montage)

Nach dem Kauf durch Facebook wurde es zwar ein wenig ruhig um den Service, aber 2015 wird dafür ordentlich auf die Pauke gehauen: Seit diesem Jahr lässt sich der Dienst auch am Computer einsetzen. Allerdings ist die Browser-gestützte Variante bisher nur in Verbindung mit einem Android-Smartphone nutzbar. Und mit der Möglichkeit, auch Telefonate über die App durchzuführen, will WhatsApp auch künftig der wichtigste Messenger bleiben.

Prognose
Trotz aller – auch berechtigter – Kritik an WhatsApp: Der Service bleibt auch in den kommenden Jahren die Nummer eins. Und es wird der Dienst sein, den Facebook nutzen wird, um neue Funktionen auszuprobieren. Das Telefonieren per WhatsApp ist da nur ein erster Schritt. Über kurz oder lang werden WhatsApp und Facebook näher zusammenrücken müssen, möglich wäre auch eine Umbenennung des Facebook Messengers in WhatsApp.

Threema

Nachdem WhatsApp von Facebook übernommen wurde, hatten viele Nutzer der beiden Dienste Sorge um ihre privaten Daten. In dieser Situation veröffentlichte der Schweizer Manuel Kasper Threema. Der Dienst setzt auf eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, die angeblich höchsten Sicherheitsanforderungen gerecht wird.

Threema(© 2014 Threema, CURVED Montage)

Die Stiftung Warentest hat Threema als einziger von fünf getesteten Messenger-Apps als unkritisch eingestuft. Allerdings liegt der Quelltext der Anwendung nicht offen, wodurch sich Aussagen der Entwickler über Funktionen und Sicherheit nicht überprüfen lassen.

Prognose
Threema wird noch eine Weile ein ganz vernünftiges Nischendasein fristen. Doch ein Kommunikationsservice lebt vor allem davon, dass ihn möglichst viele Nutzer installiert haben. Wahrscheinlich wird Threema von einem Konzern geschluckt und für sichere interne Kommunikation genutzt.

Skype

Eigentlich hätte Skype die Nummer eins der Messenger sein müssen. Doch der 2003 gestartete Dienst war jahrelang so etwas wie ein Wanderpokal: Erst wurde Skype 2005 von Ebay gekauft und hat seit 2011 bei Microsoft eine Heimat gefunden und dort ein Jahr später den hauseigenen Windows Live Messenger ersetzt.

Skype(© 2014 Skype, CURVED Montage)

Skype gibt es als App für alle Smartpone-Betriebssystemen und als Anwendungen für Mac, Windows und Linux. Offenbar soll der Dienst auch künftig auf allen Systemen funktionieren. Aber darüber hinaus ist noch nicht ganz klar, wie Microsoft die Kommunikationsplattform in seine Dienste integrieren wird – und wie Skype sich gegen die Platzhirsche Facebook und WhatsApp langfristig durchsetzen soll.

Prognose
Wahrscheinlich wird die Marke Skype irgendwann verschwinden und die Funktion in den verschiedenen Microsoft-Services aufgehen.

Snapchat

Bilder sagen mehr als Worte, darum teilt man die auch gerne mit seinen Freunden. Ein Blick auf den Teller im Restaurant verrät schließlich mehr, als die Nachricht, was es gerade zu essen gibt. Der Clou: Die Nachrichten bleiben nur wenige Sekunden sichtbar und löschen sich selbst.

Snapchat(© 2014 Snapchat, CURVED Montage)

2013 boten Facebook und Google mehrere Milliarden Dollar für den kostenlosen Dienst – doch Snapchat-Gründer Evan-Spiegel lehnte jedes Mal ab. Dabei konnte Snapchat bislang noch keine Einnahmen verbuchen. Doch gerade die jüngeren Nutzer lieben den Service und schicken eher temporäre Nachrichten per Snapchat als auf andere Dienste zu setzen.

Prognose
Die Konkurrenten Facbook & Co. werden in ihre Dienste auch die Snapchat-Funktionen integrieren – und so diesen Dienst obsolet machen. Denkbar ist auch, dass Microsoft, Google oder Facebook demnächst doch noch eine Summe anbieten, bei der Even Spiegel nicht mehr einer Übernahme widersprechen kann. Aber egal wie: Snapchat wird in den nächsten Jahren an Bedeutung verlieren.

Telegram

Sicher? Aber sicher. Als sich Facebook den Konkurrenten WhatsApp einverleibte, rutschte auch Telegram ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Der 2013 gestartete russische Dienst lässt sich per Smartphone und Computer nutzen.

Telegram(© 2014 Telegram, CURVED Montage)

Mit der teilweise quelloffenen Anwendung können Nutzer wie bei den Kontrahenten Nachrichten, Fotos und Videos verschicken, darüber werden diese verschlüsselt – oder zerstören sich bei Bedarf nach einer gewissen Zeit selbst. Ingesamt ähnelt der Dienst sehr dem anderer Hersteller – so müssen sich Telegram-Nutzer auch nicht umgewöhnen.

Prognose
Wie Threema wird auch Telegram eine gute Weile als alternativer Messenger sein Dasein fristen. Doch den Gründern fehlt noch ein Business-Modell, um die Anwendung langfristig erfolgreich zu machen. So ist zu erwarten, dass Telegram über kurz oder lang auf Businesskunden setzt – oder sich für eine Übernahme hübsch machen wird.

Viber

Die Nutzer von Viber freuen sich schon seit der Veröffentlichung über die Möglichkeit, neben reinen Textnachrichten zu verschicken,  auch Telefonate über den Datenleitung durchführen zu können – und das in einer unglaublichen Klangqualität.

Viber(© 2014 Viber, CURVED Montage)

Doch die Software wird aufgrund seines schlechten Datenschutzes immer wieder kritisiert: Viber sammelt Daten von Nutzer und Nicht-Nutzern des Dienstes – und verstößt damit eigentlich gegen geltendes EU-Recht.

Prognose

Anfang 2014 hat das japanische Unternehmen Rakuten den Dienst gekauft. Es ist anzunehmen, dass Viber künftig vor allem für die interne und externe Kommunikation des zehntgrößten Online-Shops der Welt eingesetzt wird.

Google Hangouts

Der Dienst entstand durch die Zusammenführung von Google Talk und Google+ Messenger. Nutzer können per Smartphone oder Computer miteinander kommunizieren – per Text oder Videochat.

Google Hangouts(© 2014 Google, CURVED Montage)

In Android-Smartphonen ist der Dienst tief verwurzelt, es ist sogar möglich, seine SMS per Hangout zu empfangen. Damit geben Nutzer Google aber noch mehr Zugriff auf persönliche Daten – zumal die Nutzung auch ein Google+-Konto erfordert.

Prognose

Der Dienst ist ein elementarer Bestandteil von Google – damit auch des Google-Betriebssystems Android. Allein: Weder Google+ noch andere Versuche des Suchgiganten, im sozialen Netz eine Rolle zu spielen, sind bisher erfolgreich gewesen. Viele Nutzer werden Hangouts zwar theoretisch nutzen können, aber dennoch mehrheitlich auf die Dienste der Konkurrenz zugreifen. Dadurch, dass Google Android-Nutzer quasi dazu zwingt, einen Google-Account anzulegen, wird der Hangout-Dienst allerdings nicht über zu wenige Mitglieder klagen können. Ein Service, der bleiben wird – egal, wie er in ein paar Jahren heißen mag.

Line

Mitte 2014 konnte der Dienst 400 Millionen Nutzer verzeichnen – damit spielt Line in einer Liga mit WhatsApp und Facebook. Allerdings: Die meisten Line-Nutzer findet man in Asien. Die freuen sich über die Möglichkeit, per Computer und Smartphone, miteinander kommunizieren zu können – sogar Telefonate per VoIP sind möglich.

Line(© 2014 Line, CURVED Montage)

Außerdem können Line-Nutzer innerhalb der App lustige Bildchen kaufen und so den Dienst individualisieren. In Deutschland ist der Dienst 2013 gestartet. Die Stiftung Warentest  bewerte Line in Sachen Datenschutz als "sehr kritisch".

Prognose

Line ist gekommen, um zu bleiben. Aber während der Dienst in Asien weiter wachsen wird, spielt er in der westlichen Welt auch künftig eher eine untergeordnete Rolle.


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