Zur Zukunft von WhatsApp: vom SMS-Killer zur einen App für alles

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WhatsApp macht sich mit vielen Updates fit für die Zukunft.
WhatsApp macht sich mit vielen Updates fit für die Zukunft.(© 2016 CURVED)

Kaum eine Woche vergeht, ohne dass WhatsApp ein neues Feature für seine Nutzer ausrollt. Das Ziel: Der einstige SMS-Killer muss zu einer Plattform werden, die aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken ist. Das Vorbild ist, wie so oft: China.

2009 erschien die allererste Version von WhatsApp. Bevor man Nachrichten verschicken konnte, diente die App nur dazu, eine Statusmeldung anzuzeigen. Daher stammt auch der Namen. Er ist vom englischen "What's up?" abgeleitet, das sich mit "Was ist los?" oder "Was geht?" übersetzten lässt. Eine Funktion, die sich lange großer Beliebtheit erfreute und Anfang 2017 vom neuen WhatsApp Status abgelöst wurde. Dieser war wiederum eine Kopie der Instagram Stories.

Der SMS-Ersatz: mehr als 160 Zeichen

Ziemlich schnell erhielten die Nutzer die Möglichkeit, bei WhatsApp nicht nur einen Status zu posten, sondern auch Nachrichten zu verschicken. Mit dieser Funktion und der fehlenden Begrenzung auf 160 Zeichen löste der Messenger bei vielen Menschen nach und nach die SMS ab. Für die musste man damals oft noch einzeln zahlen, während die WhatsApp-Nachrichten in der Internet-Flatrate enthalten waren. Damals kostete die App zwar noch etwas, aber die Investition hatte man nach zehn nicht verschickten SMS wieder raus.

In den nächsten Jahren ging die Entwicklung von WhatsApp nur schleppend voran. Die Grundfunktion – der Nachrichtenversand – wurde nur minimal erweitert. Die sicherlich wichtigste neue Funktion der ersten Jahre war der Versand von Sprachnachrichten. Dieser ist seit August 2013 möglich. Trotzdem verbreitete sich der Messenger immer rasanter.

Der Kauf: 19 Milliarden Dollar

In den ersten fünf Jahren fand WhatsApp als reiner Messenger zwar viele Nutzer – über 450 Millionen weltweit – war mit rund 50 Mitarbeitern aber immer noch ein vergleichsweise winziges Unternehmen. Da rieben sich viele Menschen verwundert die Augen, als Facebook im Februar 2014 stolze 19 Milliarden Dollar für die App bezahlte. Zum Vergleich: Keinen Monat zuvor hatte Lenovo weniger als drei Milliarden Dollar für die Smartphone-Sparte von Motorola an Google gezahlt. Trotz der hohen Zahl an Nutzern war der Preis für ein einzelne App also extrem hoch. Zumal das soziale Netzwerk mit dem Facebook Messenger bereits über eine eigene Chat-App verfügte – und sie immer noch weiter pflegt.

Die Weiterentwicklung des Facebook Messengers und von WhatsApp lief in den folgenden Jahren teilweise identisch ab. Man denke nur an Funktionen wie Sprach- und Videotelefonie oder den Story-Modus. Doch es gibt auch Unterschiede: Sticker-Packs oder Spiele findet Ihr bisher nur im Messenger und nicht bei WhatsApp. Facebook hat sich 2014 für zwei Messenger entschieden und spricht mit beiden unterschiedliche Nutzergruppen an. Deswegen wird es trotz vieler Gemeinsamkeiten auch immer Unterschiede zwischen beiden Apps geben.

Im Januar 2016 machte Facebook WhatsApp sogar komplett kostenlos. Und nicht erst seitdem stellt sich immer wieder die Frage: Wie will Facebook mit WhatsApp Geld verdienen? Denn als börsennotiertes Unternehmen muss das soziale Netzwerk am Ende die Aktionäre zufrieden stellen. Oder mit anderen Worten: Gewinn erwirtschaften.

Die Zukunft: über 1 Milliarde Nutzer

Trotz viel Kritik von Nutzern an der Übernahme und sorgen um die Privatsphäre nutzen immer mehr Menschen WhatsApp. Ein Jahr nach der Übernahme, im April 2015, zählte WhatsApp selber 800 Millionen aktive Nutzer. Im Juli 2017 knackte der Messenger nach eigenen Angaben sogar die Marke von einer Milliarde aktiven Nutzern am Tag.

Für dieses zwar etwas verlangsamte, aber immer noch beeindruckende Nutzerwachstum hat Facebook nach der Übernahme von WhatsApp viel getan. Die Zahl der Mitarbeiter hat sich in den letzten dreieinhalb Jahren auf etwa 250 verfünffacht. Diese haben den Messenger um viele Funktionen erweitert: WhatsApp Web im Januar 2015, Sprachtelefonie im März 2015, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung im April 2016, Videotelefonie im November 2016 und die Zwei-Faktor-Authentifizierung im Februar 2017 – um nur die wichtigsten neuen Features zu nennen.

WhatsApp hat sich also bereits von der reinen Chat-App und SMS-Ersatz zum mächtigen Kommunikations-Tool geworden. Die neuen Funktionen und Kommunikationswege haben sicherlich dabei geholfen, die Milliarden-Marke bei den Nutzern zu knacken, sind aber noch nicht genug. Facebook kann sich auf dem Erreichten nicht ausruhen. Die chinesische App WeChat zeigt, wohin der Weg geht. Die App ging ebenfalls als Messenger an den Start, ist inzwischen aber so viel mehr: Shopping-Tool, Bestellservice für Essen, Taxi-Ruf, Investment-Plattform, digitale Spielhalle, Werbefläche für Firmen und und und. Wer ein Start-up gründet, braucht in China nicht unbedingt eine Webseite, aber ganz sicher ein WeChat-Profil. WeChat ist in China auf dem Weg, die eine App für alles zu werden. Baut die Plattform ihren Funktionsumfang weiter aus, braucht man bald kaum noch andere Anwendungen auf dem Smartphone.

In eine ähnliche Richtung scheint Facebook mit WhatsApp zu planen. Angeblich befinden sich gerade zwei dafür wichtige Funktionen in der Entwicklung: Accounts für Firmen und die Möglichkeit, Geld zu überweisen. Die Firmen-Accounts können Unternehmen nicht nur dafür nutzen, um in direkten Kontakt mit ihren Kunden zu treten. Auch für den Verkauf von Waren oder die Schaltung von Anzeigen sind sie notwendig. Ebenso für den Geld-Versand. Irgendwie wollen die Einkäufe ja bezahlt werden. Facebook wird die Funktion nicht nur dafür entwickeln, damit Ihr die geliehenen fünf Euro an einen Freund zurückzahlen könnt. Eine wichtige Grundlage für diese mit vielen persönlichen Daten verbundenen Funktionen sind die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung der Nachrichten sowie die Möglichkeit, WhatsApp mit einer sechststelligen Pin-Code zu schützen.

Fest steht: WhatsApp jahrelange Winterschlaf ist Geschichte. Seit der Übernahme hat Facebook viel in den Messenger investiert und ist damit auf dem Weg, ihn zu einem Allzweck-Tool für die Nutzer zu machen. Denn wer nur Nachrichten verschicken möchte, der wechselt auch schnell mal den Messenger. Doch wer einen Großteil seines digitalen Lebens mit einer Software regelt, dem wird es sehr schwer fallen, sich von ihr zu trennen.


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