Huawei P40 im Test zwischen lite und Pro: Mauerblümchen oder Matador?

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Haptisch gefällt mir das P40 besser.
Haptisch gefällt mir das P40 besser.(© 2020 Curved)

Eigentlich ist das Huawei P40 lite nicht wirklich die abgespeckte Version des P40 – es erinnert eher an ein eigenständiges Smartphone. Vielmehr ist das P40 die abgespeckte Version des P40 Pro. Und was das kann, erfahrt ihr im Test.

Letztes Jahr war noch alles klar. Da gab es das Huawei P30 plus eine lite- und eine Pro-Version. Die Wesensverwandtschaft ist bei den drei Geräten klar zu erkennen. Bei der P40-Serie ist das anders. Das lite-Modell kam nicht nur eher heraus, es sieht auch deutlich anders aus. Außerdem kommt die stärkste Variante, das P40 Pro+, erst in der zweiten Jahreshälfte 2020.

Sprechen wir über die P40-Serie, meinen wir alle drei Modelle, die aktuell zu haben sind. Eigentlich sind es aber nur zwei, die auch eindeutig miteinander verwandt sind: das P40 Pro und das Huawei P40. Und zwischen dem Pro und dem lite gibt es nicht nur 700 Euro Preisunterschied, sondern auch viel Luft in Sachen Hardware. Das P40 will den Raum teilweise ausfüllen. Doch wo setzt es sich genau fest?

Unterschiede des Huawei P40 zum P40 Pro

Preislich siedelt sich das P40 zunächst 200 Euro unter der Pro-Variante an. Damit kostet es immer noch 500 Euro mehr als das P40 lite – also 799 Euro. Es ist kleiner als das P40 Pro und kommt ohne das an allen Seiten gebogene Display. Für manche von euch kann das ein Pro-Argument sein, da es somit nicht mehr ganz so rutschig ist.

Für mich persönlich ist das absolut ein Argument für das kleinere P40. Es liegt einfach weniger rutschig in der Hand und wirkt robuster. Es verläuft so zwar ein Rahmen um das Display, der stört mich aber weniger. Und 6,1 Zoll Bildschirmdiagonale reichen mir auch.

Bei der Farbauswahl gibt es wie bei der Pro-Version neben Schwarz die beiden matten Varianten Blush Gold und Silver Frost. Noch ein paar nackte Zahlen: Das P40 wiegt 175 Gramm und hat einen 3.800 Milliamperestunden (mAh) starken Akku verbaut. Der lässt sich mit mitgelieferten 22,5 Watt Schnellladenetzteil aufladen, kabellos gibt es aber keinen Saft. Das P40 ist leider nur IP53-zertifiziert – damit sollet ihr es nicht ins volle Waschbecken fallen lassen. Während auf der Vorderseite die Selfie-Kamera mit 32 Megapixel (MP) wie beim P40 Pro in einem pillenförmigen Punch Hole sitzt, findet ihr auf der Rückseite nur ein Triple-Setup.

Ziemlich viel Downgrade?

Der 50-MP-Hauptsensor, der die Auszeichnung mit dem TIPA-Award gewinnen konnte, ist der gleiche Sensor, der auch in der Quad-Kamera des P40 Pro zu finden ist. Daneben gibt es ein 16-MP-Ultraweitwinkel-Objektiv und ein 8 MP Tele mit optischer Bildstabilisierung (OIS). Das starke Foto-Smartphone, wie es das Pro-Modell der aktuellen P-Reihe ist, kann es also schon aufgrund der nackten Zahlen eigentlich nicht sein.

Für Daten gibt es nur 128 Gigabyte (GB) Platz, den ihr per NM-Karte von Huawei aufrüsten könnt. Beim Arbeitsspeicher kommen 8 GB zum Einsatz. 8 GB RAM sind in aktuellen Flaggschiffen eher Minimum – es sei denn, das Smartphone kommt von Apple. Im Herzen werkelt wie auch beim Pro-Modell der schnelle Kirin 990 5G. Der Hybrid-Slot hat Platz für zwei Nano-SIM, erweitert ihr den internen Speicher, könnt ihr auf eSIM für die zweite Telefonnummer zurückgreifen. Das Display löst mit 2.340 x 1.080 Pixel in Full-HD+ auf, was in etwa einer Pixeldichte von 423 ppi entspricht. Klingt insgesamt nach ziemlich viel Downgrade, aber immerhin spart ihr 200 Euro.

Huawei P40 Kamera und was übrig bleibt

Das Huawei P40 Pro hat mich teilweise vom Hocker gehauen – und das primär mit seiner Kamera, die nicht nur alle Möglichkeiten bietet, die man für schöne Schnappschüsse braucht, sondern dank KI auch aus jedem Motiv das beste herausholt.

Beim P40 hat Huawei den Rotstift besonders stark bei der Smartphone-Kamera angesetzt und bis auf den Hauptsensor alles gekürzt, was zu kürzen geht. Bildstabilisierung gibt es nur noch beim Tele, die Megapixel-Zahl ist bei den übrig gebliebenen Objektiven deutlich geschrumpft: Statt 40 MP gibt es jetzt 16 MP beim Ultraweitwinkelobjektiv, das Tele für den Zoom bietet 8 MP statt 12 MP beim Pro-Modell. Der Tiefensensor fällt weg.

Optischer Zoom ist damit nur dreifach möglich, digital geht es nur bis zu 30-facher Vergrößerung. Allerdings: Der 30-fach-Zoom ist durchaus zu gebrauchen, ebenso der Makro-Modus, obwohl es gar keine dezidierte Makro-Linse gibt.

Da der Hauptsensor der gleiche bleibt, gibt es bei Standard-Einstellung und KI-Unterstützung nur geringe Unterschiede – allerdings ist das kleine Huawei P40 bei schlechten Lichtverhältnissen bei weitem nicht so gut wie das P40 Pro. Auch bei der KI-Optimierung werden die Bilder nicht ganz so spektakulär wie beim Pro, da wirken die Farben nicht ganz so natürlich und etwas überbearbeitet.

Trotzdem: Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Klar macht es das P40 Pro an vielen Stellen besser. Wer aber lieber ein kleineres Kamera-Smartphone möchte, keine 1.000 Euro einstecken hat und auf den 50-fachen Zoom verzichten kann, kann zum P40 greifen.

Schwachstellen Display und fehlende Google-Dienste

Gespart hat Huawei beim P40 auch beim Display. Das gibt es nämlich nur mit 60 Hertz. Wollt ihr mehr, müsst ihr bei Huawei zum Pro-Modell greifen. Samsung zum Beispiel ist hier spendabler und verbaut in allen Varianten des S20 die gleiche Display-Ausstattung; dafür bekommt das kleine P40 den gleichen Prozessor mit 5G.

Das macht das Display deswegen nicht schlecht, denn bei der oben erwähnten Auflösung ist es immer noch ein Oberklasse-Display. Für ein modernes Flaggschiff ist das aber eigentlich zu wenig. Dafür zehrt es eben nicht so stark am Akku. Aber Akkulaufzeit ist bei Huaweis gesamter P40-Serie wirklich kein Problem.

Problem sind vielmehr die fehlenden Google-Dienste, die wahrscheinlich viele vom Kauf abschrecken werden. Ja, es gibt Android 10, weil das Google-Betriebssystem prinzipiell auf einem Open-Source-Code basiert. Das heißt aber nicht, dass das gleiche auch für Google-Apps wie Google Maps, Gmail oder Google Pay gilt. Vom Play Store ganz zu schweigen.

Auch wenn Huawei mit den hauseigenen Services und dem App-Store Huawei AppGallery weiter ist als wir Anfang des Jahres noch vermutet hätten und ihr per APK-Dateien aufrüsten könnt – an die Vielfalt eines Google Play Stores mit Apps, Filmen und Büchern kommt das noch nicht heran.

Huawei P40 im Test und ein bisschen Optimismus

Das Huawei P40 im Test schlägt sich gut – wahrscheinlich wäre es genau die richtige Wahl für Foto-Fans, die ein eher kompaktes Smartphone suchen. Denn das bietet das P40: Eine klasse Kamera, gute Akkulaufzeit und eine solide Haptik bei sehr guter Verarbeitung.

Trotzdem ist das Pro-Modell in vielerlei Hinsicht attraktiver, wenn ihr 200 Euro mehr auf den Tisch legen wollt. Zwischen P40 lite und P40 Pro liegt das Huawei P40 rein von der technischen Ausstattung näher am P40 Pro. Bei Design und Verarbeitung gibt es noch ein paar Pluspunkte in Sachen Wertigkeit, was den Preis letztlich trotz Schwächen beim Display und der weniger guter Kamera gerechtfertigt.

Zwischen P40 lite und P40 gibt es also noch reichlich Luft für Mittelklasse-Geräte. Abseits dessen gilt aber auch fürs Huawei P40: Huawei-Smartphones haben es schwer in diesen Tagen.

Wie geht es mit Huawei weiter?

Ohne Google-Services sind sowohl High-End-Geräte als auch Mittelklasse-Handys mit Android-Smartphones der Konkurrenz von beispielsweise Samsung oder Xiaomi schwer zu vergleichen. Es kommt darauf an, wie schnell Huawei seine eigenen Mobile Services ausbauen kann und wie diese von euch angenommen werden. Stand jetzt scheint es wahrscheinlich, dass die P40-Serie ein ähnliches Schicksal ereilt wie das Mate 30 Pro – und floppt, trotz attraktiver technischer Daten, Top-Kamera und gutem Preis-Leistungs-Verhältnis.

Ein Lichtblick für Huawei und Fans des chinesischen Herstellers: Es geht recht zügig voran und es kommen täglich neue Apps in die Huawei AppGallery. Auch Musik- und Videodienste gibt es mittlerweile, die mit ein paar Abstrichen zumindest einen Kompromiss bieten. Und immerhin bleibt die die Benutzeroberfläche EMUI gewohnt gut. Vielleicht erbarmt sich ja auch die US-Regierung und lässt die Restriktionen im Laufe des Jahres fallen. Wir sind gespannt.


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