Samsung Gear IconX (2018) im Test: der In-Ear-MP3-Player-Fitnesstracker

Die Gear IconX (2018): kann die Neuauflage der sportlichen Ohrhörer von Samsung überzeugen?
Die Gear IconX (2018): kann die Neuauflage der sportlichen Ohrhörer von Samsung überzeugen? (© 2017 CURVED)

Die Gear IconX (2018) sind die neuesten kabellosen Ohrhörer aus dem Hause Samsung. Das Besondere? Sie lassen sich über eine Touch-Oberfläche steuern, haben einen MP3-Player sowie einen Fitnesstracker mit an Bord und sollen gegenüber dem Vorgänger auch mehr Akkuleistung mitbringen. Wir haben die Ohren gespitzt und sie ausprobiert.

Die genannten Features kommen euch bekannt vor? Stimmt: Eingeführt wurden sie bereits mit der Samsung Gear IconX aus dem Jahr 2016. Das Vorgängermodell konnte seinerzeit bei uns im Test mit solidem Klang, guter Bedienung, praktischen Sport-Features und zuverlässiger Bluetooth-Verbindung überzeugen. Verbesserungsbedarf sahen wir vor allem in der Akku-Laufzeit und im Sound: Mehr Klangtiefe und Bass wären wünschenswert. Ob Samsung hier entsprechend nachgerüstet hat? Der Test der Gear IconX (2018) soll es zeigen, aber der Reihe nach.

Die technischen Details der Samsung Gear Icon X

Für die aktuellen Samsung-Hörer braucht ihr ein Android-Smartphone ab 4.4 KitKat und mindestens 1,5 Gigabyte Arbeitsspeicher. Die Samsung Gear IconX (2018) sind in schwarz, grau oder pink erhältlich und wiegen lediglich 8 Gramm. Sie kommen im schlichten, edlen Design daher, gut gebettet in der handlichen wie robusten Ladebox. Die passt prima in die Hosentaschen und dient zur Aufbewahrung, als Ladestation und zur Übertragung von Musik. Das funktioniert aber nur über die USB-Verbindung mit dem PC oder Laptop – und am besten mit dem "Gear IconX Manager" für den PC. Die Hörer verfügen über einen vier Gigabyte großen internen Speicher: Bis zu 1.000 Lieder finden hier Platz. Dadurch darf das Smartphone beim Training auch mal zuhause bleiben oder unterwegs in der Tasche. Das ist sicherlich praktisch  – zumindest für diejenigen, die noch Songs als MP3 besitzen, statt sie standardmäßig zu streamen. Die Möglichkeit, Spotify-Songs auf einem Wearable für die Offline-Funktion zu speichern, bietet Samsung zwar auch – allerdings bisher nur auf der Samsung Gear Sport und der Samsung Gear Fit 2Pro.

Die puristische aber praktische Gear-App

Zwar dudeln die Ohrhörer sofort drauflos, wenn man sie aus der Box nimmt. Bevor sie sich mit dem Android-Phone verbinden können, braucht es allerdings zwei Apps – das muss man erstmal wissen – und zwar die "Samsung Gear"-App und dann noch das "Gear IconX 2018"-Plugin. Aber danach geht es fix: Bluetooth aktivieren, schon koppeln sich die Hörer selbstständig mit dem Handy. Die Verbindung erweist sich im Test als stabil und macht keinerlei Probleme.

Die Gear-App ist sehr puristisch: Hier sehe ich auf einen Blick, wie es um den Akkustand beider Ohrhörer bestellt ist und kann die Lautstärke anpassen oder Wiedergabe-Einstellungen vornehmen und natürlich auch die Musik-Quelle auswählen: Telefon oder IconX-Speicher. Darüber hinaus kann ich festlegen, auf welche App-Benachrichtigungen mich die smarten Ohrhörer hinweisen sollen. Erwartet hier allerdings nicht zu viel: Es gibt nur einen Signalton oder eine allgemeine Sprachansage wie "WhatsApp". Um zu sehen, wer was schreibt, muss ich schon noch das Handy zücken. Darüber hinaus kann ich meine Hörer orten, sollte ich sie mal verlegen und einstellen, ob Umgebungsgeräusche durchkommen sollen oder nicht: Das erscheint vor allem im Straßenverkehr sinnvoll, weil die In-Ears mit dem richtigen Dreh die Lauscher wie zwei Ohrstöpsel verschließen.

Gerade genug Akku für den Marathon

Dank der jeweils drei mitgelieferten Aufsätze sowie der sogenannten Wingtips erhalten die Ohrhörer die individuelle Passform. Die Flügelchen drehen sich zwar nicht so schön in die Ohrmuschel wie die der Jabra Elite Sport, aber wenn man hier ein bisschen nachjustiert, sitzen die IconX auch beim Joggen noch recht sicher. Dennoch sind sie für meine Öhrchen noch einen Tick zu sperrig und drücken selbst nach mehreren Tagen der Eingewöhnung ein wenig.

Was den Klang der Bluetooth-Hörer angeht, muss ich sagen, dass ich schon besseren Sound auf den Ohren hatte, zuletzt etwa mit den BeatsX. Der Sound der Gear IconX kommt mir zu dumpf vor und vor allem beim Sport wünsche ich mir mehr Bass. Die Sprünge zur nächsten Lautstärke-Stufe hingegen finde ich zu heftig. Generell können die Hörer ziemlich laut werden: Bis zum Anschlag komme ich gar nicht.

So sieht der Hörer im Detail aus.(© 2017 CURVED)

Die Akkukapazität soll laut Hersteller für fünf bis sieben Stunden reichen, je nachdem ob ich Musik über Bluetooth streame oder über die Hörer abspiele. Im Test waren es aber nur vier Stunden. Dagegen halten die "Elite Sport" von Jabra doch etwas länger durch – und klingen auch beim Telefonieren weniger hohl.

Steuerung und Sport-Features

Was die Steuerung der Lautstärke über die Touch-Hörer-Oberfläche betrifft, ist diese zunächst etwas gewöhnungsbedürftig: Plötzlich starten meine In-Ears ein Workout, obwohl ich nur die Lautstärke etwas aufdrehen oder zum nächsten Titel springen wollte. Bei kurzem Tippen spielt oder pausiert die Musik, mit zweimal tippen springt man zum nächsten Lied und mit zweimal tippen und halten kann man zum Beispiel ein Workout starten, Anrufe ablehnen oder das Mikrofon im Gespräch ausschalten.

Um die Lautstärke zu regeln, müsst ihr hoch und runter wischen. Leider sorgt auch mein Stirnband beim Joggen direkt für Irritationen, wenn es über das Ohr rutscht. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt, damit die IconX Wischen nicht mit Tippen verwechseln. Dagegen empfiehlt es sich, zumindest anfangs in den App-Einstellungen die Vorlesefunktion zu aktivieren. Mit etwas Übung klappt das Handling aber immer besser und so erweisen sich die Hörer als äußert alltagstauglich. Auch die Sprachsteuerung funktioniert prima: Egal ob ich jemanden anrufen möchte oder die Google-Suche bemühe.

Doch wie steht es um die sportliche Performance der smarten Ohrstöpsel, mit der Samsung wirbt? Nun: Erstmal tracken sie nur Gehen und Rennen. Obwohl die Parameter Distanz, Kalorienverbrauch und Durchschnittsgeschwindigkeit aufgezeichnet werden, fällt das Live-Coaching beim Joggen enttäuschend aus: Hier heißt es im Minutentakt "halte durch", "weiter so", oder je nach meinem gewählten Lauf-Programm auch mal  "laufe schneller" beziehungsweise "werde langsamer". Für ambitionierte Sportler ist das etwas mager bis nervig. Vor allem, weil in meinem Fall die Zeitangabe streikte: "Noch XY bis zum Tempowechsel". Das hilft dann auch nicht wirklich weiter. Um die Lauf-Daten später detailliert einzusehen, braucht es eine dritte App: Samsungs Gesundheitszentrale "Samsung Health". Die synchronisiert sich automatisch mit den Ohrhörern und bereitet die Workouts graphisch auf. Die Hörer sind übrigens wasserdicht, aber nicht tauchfest.

Fazit und Preis: Solide im Alltag – aber nichts für Anspruchsvolle

Wer sich ein Paar solide Ohrhörer wünscht, die komplett ohne Kabel auskommen und gern mal eine Runde durch den Park joggt oder unterwegs noch MP3-Musik aus der eigenen Mediathek hört statt zu streamen, für den ist die Neuauflage der Samsung Gear IconX eine gute Wahl. Im Vergleich zum Vorgänger hat Samsung die Akkuleistung wesentlich verbessert, nur der Sound hat für meinen Geschmack immer noch zu wenig Tiefe und Bass. Der Preis für die Neuauflage der kabellosen Sporthörer "Gear IconX 2018" ist bei 229 Euro (UVP) geblieben. Die smarte Kombination aus kabellosen Hörern, MP3-Player und Fitnesstracker in einem bieten so nur noch Bragis "The Dash" beziehungsweise "The Dash Pro". Der Sound ist unserer Ansicht nach besser, aber dafür kosten sie auch stolze 299 Euro.

Wer die Samsung IconX (2018) allerdings wegen ihrer Sport-Features in Erwägung zieht, sollte wissen: Die Zielgruppe sind Hobbyläufer. Wer mehr Sportarten oder detailliertes Tracking erwartet, sollte sich die Jabra Elite Sport anschauen: Die sitzen und klingen noch etwas besser und die umfassenden Sport-Tracking-Funktionen sind unschlagbar – dabei kosten sie nur 30 Euro mehr als die Gear IconX. Allerdings muss das Smartphone hier immer dabei sein, da sie keinen integrierten MP3-Player haben. Ihr merkt: Man kann eben doch noch nicht alles haben, wenn es um die perfekten Musik-Sport-Hörer geht.

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