Xiaomi Mi3 im Test: Des Chinesen liebstes Smartphone

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Das iPhone der Chinesen heißt Xiaomi Mi3.
Das iPhone der Chinesen heißt Xiaomi Mi3.(© 2014 CURVED)

Made in China kann was! Besonders im Falle von Xiaomi. Diese junge chinesische Firma ist angetreten, um Apple und Samsung auf dem chinesischen Markt vom Platz zu fegen und ist dabei auf einem sehr guten Wege. Das Top-Smartphone von Xiaomi, das Mi3, lockt mit Nokia Designsprache, Apple-artige Benutzeroberfläche und dem offenen Android System. Diese Rezeptur hört sich nach einem Verkaufshit an, aber kann das Xiaomi Mi3 das halten, was es verspricht? Wir zeigen es Euch in unserem Test.

Schon nach dem Auspacken gefällt das Mi3. Die runden Seiten des Gehäuses schmiegen sich in die Handfläche und bilden einen Kontrast zu den harten Kanten an der Ober- und Unterseite des Mi3. Das Design des Smartphones made in China erinnert stark an das Nokia Lumia 800 und 900.

Genau wie Nokia setzt auch Xiaomi beim Mi3 auf ein Unibody-Gehäuse. Dem Nutzer wird auf perfekte Weise suggeriert, ein Smartphone aus Aluminium in der Hand zu halten. Aber das Gehäuse besteht aus Kunststoff, das mit einer Aluminium-Magnesium-Legierung überzogen wurde.

Micro-USB-Steckplatz und Lautsprecher sind auf der Unterseite des Geräts, SIM-Karten-Steckplatz sowie der Kopfhörerstecker sind auf der Oberseite angebracht. Ungewöhnlich: das Xiaomi Mi3 braucht Mini-SIM-Karten. Lautstärke-Wippe und der Ein- und Ausschalter liegen auf der rechten Seite und sind trotz der Größe des Smartphones gut erreichbar. Auf der Rückseite befindet sich dann noch die 13 Megapixel Kamera in der linken oberen Ecke samt Dual-LED-Blitz.

Sattes und scharfes Full HD-Display

Das Display schließt nicht bündig mit dem Gehäuse ab, sondern setzt sich deutlich davon ab. Xiaomi spendiert dem Mi3 ein 5-Zoll-Display mit Full HD-Auflösung, das auf eine Pixeldichte von 441 ppi kommt. Damit zieht das Mi3 gleich mit dem HTC One M8 und lässt das Samsung Galaxy S5 (432 ppi) und sogar locker das iPhone 5S (326 ppi) hinter sich.

Pixeldichte ist aber nicht alles. Ein Display muss auch hell, kontrastreich und gut in der Farbdarstellung sein. Im Falle des Mi3 bekommt man in diesen Kategorien ein sehr gutes Display. Auch aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet bleiben die Farben satt und das Display gut lesbar.

Leistung: Flotter Hitzkopf

Die verbaute Hardware im Mi3 ist nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit, da das Smartphone Ende 2013 in China in den Verkauf ging. Trotzdem arbeitet der Vierkern-Prozessor Snapdragon 800 mit 2,3 GHz und 2 GB Arbeitsspeicher flott und reagiert auf Eingaben ohne Verzögerung.

In reinen Benchmarkwerten liegt das Mi3 knapp vor den letztjährigen Flaggschiffen Samsung Galaxy S4 und dem HTC One M7 und gibt keinen Grund zu meckern. Auch Spiele wie Real Racing 3 laufen flüssig und ohne spürbares Ruckeln. Unangenehm: das Mi3 wird bei intensiver Beanspruchung wie beim Gaming schnell warm.

Das Xiaomi Mi3 schlägt in der Leistung das Samsung Galaxy S4 und das HTC One M7(© 2014 CURVED Montage)

Kamera: Sahnestück für #FoodPorn

Die Kamera inklusive der Software des Mi3 ist das Sahnestück am ganzen Smartphone. Das ist auch kein Wunder, denn in China wird die Kamera eines Smartphones am häufigsten eingesetzt. Zur jeder Gelegenheit müssen Bilder aufgenommen werden, sei es Selfies, Groufies oder Bilder vom Essen (#FoodPorn). Ich als Chinese muss das wissen, denn in mir steckt auch das Knips-Knips-Gen.

Zurück zur Kamera-App: diese bietet zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten, die man selten in Smartphone Kamera-Apps findet. Der Weißabgleich kann manuell nach der Farbtemperatur in Kelvin eingestellt werden. Der Schärfebereich kann mittels Schieberegler selbst festgelegt werden oder aber die Belichtungszeit kann auf bis zu 2 Sekunden hochgeschraubt werden. Wem diese manuellen Einstellungsmöglichkeiten zu viel sind, der kann in der Kamera-Software vom Profi-Modus in den einfachen Modus wechseln.

Die 13 Megapixel Kamera schießt gute Bilder, aber die App ist der wirkliche Star im Xiaomi Mi3(© 2014 CURVED)

Die rückwärtige Kamera schießt qualitativ gute Bilder mit 13 Megapixel Auflösung. Beeindruckend ist die Serienbildaufnahme. Auslöser gedrückt halten, und das Xiaomi schiesst solange Bilder, bis der kleine interne Speicher von 16 GB voll ist. Mein „altes“ Galaxy S4 schiesst maximal 20 Bilder in Serie.

Klar ist, dass bei solchen Serienbildern auf einem Smartphone nicht nachfokusiert wird. In dunklem Umfeld schiesst die Kamera mit Unterstützung des Dual-LED-Blitz anständige Bilder, die für das Teilen in sozialen Netzwerken vollkommen ausreichen. Zur Frontkamera muss man nicht viel erwähnen: Diese schiesst Bilder mit 2 Megapixel und ist damit gut für Selfies geeignet. Beide Kameras zeichnen Video mit maximal Full HD auf.

Software: Android als Basis, Optik von iOS

Die Software des Mi3 basiert auf Android, was aber nach dem ersten Anschalten überhaupt gar nicht wie Android aussieht. Xiaomi hat Googles Android Betriebssystem optisch komplett umgestaltet. Wie auch schon Huawei beim P7 fehlt bei Xiaomis MIUI v5 ein App Drawer.

Stattdessen werden alle Apps wie bei iOS auf den Homescreen abgelegt. Sorry Amir, auch der MIUI wirst Du genauso wenig etwas abgewinnen können wie  der Emotion UI des Huawei P7. Mir als langjähriger iOS-Nutzer hingegen gefällt es. Typisch asiatisch: gefällt einem der Standard-Theme nicht mehr, dann kann man diese austauschen. Für den wechselnden Look gibt es einen eigenen Theme Markt. Zwar gibt es zahlreiche kostenlose Themes, aber eine Vielzahl dieser können nur gegen die MIUI-Währung MiCredits erworben werden. Diese Credits kann man nur in China erwerben, da man dafür ein chinesisches Bankkonto oder das chinesische Paypal-Pendant Alipay nutzen muss.

Sehr schön sind die zahlreichen Einstellungs- und Anpassungsmöglichkeiten. Alles wirkt sehr einsteigerfreundlich. Wer noch nie mit Android oder iOS zu tun hatte, der wird sich schnell in MIUI anfreunden und nutzen können. Natürlich muss man der englischen Sprache mächtig sein, da das offizielle ROM unseres Testgerätes eigentlich für den chinesischen Markt gedacht ist. Es ist aber machbar, ein komplett von Fans der MIUI lokalisierte Fassung auf das Mi3 zu installieren. Das werden wir aber in einem gesonderten Artikel für Euch aufbereiten.

Das Fehlen vom Google Play Store auf unserem Gerät ist kein Problem, denn im MiMarket gibt es eine App, über die nachträglich alle Google Apps installiert werden können. Bis dato gab es bei unserem Test mit dieser Lösung keine Probleme, die schon erworbenen Apps auch auf dem Mi3 zu nutzen. Mit der oben erwähnten lokalisierten ROM von MIUI-germany.de fällt das Nachinstallieren der Google Apps weg.

Akku: Saft für einen arbeitsreichen Tag

Der festverbaute Akku hat eine Kapazität von 3.050 Milliamperestunden. Per Energieeinstellungen in drei Modi versetzen. Leistung, ausbalanciert und Energie sparen. In der mittleren Einstellung hielt der Akku bei mir im Alltag mehr einen Arbeitstag (10 Stunden) aus. Auch dann waren immer noch etwas mehr als 20 Prozent im Akku enthalten.

Fazit

Um ein abschliessenden Fazit für das Mi3 von Xiaomi abgeben zu können, muss man natürlich auch den Preis mitberücksichtigen. Dieser liegt für das 16 GB Modell aktuell, je nach Online-Shop, zwischen 265 und 340 Euro. Konkurrenz-Modelle wie das Samsung Galaxy S4 oder das HTC One M7 liegen preislich über dem Xiaomi Mi3.

Mit dem Preis im Kopf kann unser Fazit nur lauten: Großartiges Gerät zum Hammerpreis! Das Mi3 ist ein sehr gutes Android-Smartphone, das dank MIUI sich von der Masse erfreulicherweise abhebt. Die Benutzeroberfläche gefällt und bietet zahlreiche Anpassungsmöglichkeiten, die Kamera-Software bietet sehr viele Einstellungsmöglichkeiten und die Bildergebnisse sind bei guten Lichtverhältnissen erfreulich. Negativ zu bewerten sind nur die Wärmeentwicklung bei intensiver Nutzung und, gerade beim 16 GB Model, das Fehlen eines microSD-Slots.


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