Riskiert Apple $75 Milliarden für eine Tesla-Übernahme?

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Beliebtes Spekulationsobjekt: Ein Tesla von Apple
Beliebtes Spekulationsobjekt: Ein Tesla von Apple(© 2015 CC: Flickr/Joseph Thornton, CURVED Montage)

Tesla, der bisherige Innovator der noch jungen Elektroauto-Industrie, könnte aus dem Nichts einen übermächtigen Gegner bekommen – Apple! Oder wird Elon Musks Kultunternehmen gar vom iKonzern geschluckt? Diese Vermutung nährt der Internet-Unternehmer Jason Calacanis. Der Übernahmepreis wäre rekordverdächtig....

Plötzlich ist ein Apple-Auto kein Hirngespinst mehr. Allerspätestens seit der detaillierten Exklusiv-Enthüllung im Wall Street Journal, dass Hunderte Apple-Mitarbeiter seit einem Jahr in einer geheimen Unit an einem Elektroauto bauen, haben sich die Gerüchte verdichtet – ein iCar erscheint plötzlich im Bereich des Möglichen.

Apple und ein Auto? Dabei hatte Apples Marketingchef und Lautsprecher Phil Schiller die immer mal wieder scherzhaft aufkommenden Spekulationen noch 2012 im Rahmen des Patentprozesses gegen Samsung als "verrücktes Zeug" abgetan.

Apple braucht ab 2020 einen Megahit vom Format des iPhones...

Dass ein Ausflug in die Automobilbranche indes keinesfalls abwegig erscheint, hatte ich angesichts der kontroversen Beats-Übernahme im Mai vergangenen Jahres bereits skizziert: Tesla war und ist meine Nummer eins unter allen möglichen Übernahmezielen von Apple. Warum, hatte ich seinerzeit bereits an dieser und jener Stelle detailliert erläutert.

In einem Satz: Auch wenn Apple in diesen Tagen dank des iPhone 6 mit Nettogewinnen jenseits der Vorstellungskraft auf dem Gipfel der 39-jährigen Firmenhistorie steht, braucht CEO Tim Cook schließlich einen neuen Wachstumstreiber für die Ära nach dem goldenen iPhone-Zeitalter. Wie viele Jahre der iPhone-Zyklus noch auszureizen ist, ist aus heutiger Sicht ebenso unklar wie die Frage, ob die Apple Watch oder in mutmaßlich zwei Jahren ein Apple-Fernseher auch annähernd an den iPhone-Erfolg anknüpfen kann.

...die Autoindustrie besäße das entsprechende Potenzial

Es erscheint nicht unwahrscheinlich, dass sich die Apple Watch als auch vor allem ein Fernseher eher am Verkaufserfolg des iPads denn des iPhones messen werden: Eine Uhr und ein Fernseher sind zugegebenermaßen universelle Alltagsgegenstände, doch gegenüber dem Smartphone, das wir überall und länger im Einsatz haben als nötig, besitzen sie nicht dieselbe Relevanz.

Spätestens gegen Ende der Dekade dürfte der Hunger nach einem Jahrhundertprodukt in der Güteklasse des iPhones offenkundig werden. Die tatsächlich einzig andere Industrie von ähnlich umfassender Bandbreite für Milliarden von Menschen ist nun der Automobilsektor.

Ein iCar könnte das eine, große Produkt sein, das wieder alles verändert

Es ist eine All-in-Situation: Spätestens in der nächsten Dekade braucht Apple ein komplett neues Produkt, das wieder einmal alles verändert – nicht eine Veredelung des iPhone-Trends, die iPad und Apple Watch am Ende sind –, sondern ein bahnbrechendes, komplett anderes Produkt, das eine neue Branche revolutioniert und seine Zeit definiert. Ein iCar könnte dieses eine, große Produkt sein.

Allein: Selbst für Apple wäre ein Auto, das irgendwann im Millionenbereich vom Band laufen dürfte, eine absolute Herkulesaufgabe. Keine Frage:  Wenn es einem Unternehmen gelingen kann, in ein ganz neues Geschäftssegment aufzubrechen und eine neue Industrie komplett umzukrempeln, dann Apple.

Doch anders als beim Smartphone-, Tablet- und auch TV-Markt gibt es in Form von Tesla einen jungen, aufstrebenden Player, der selbst so sehr an Apple erinnert, dass  bei der Revolutionierung dieser Branche tatsächlich alles anders sein könnte – und Apple doch einmal seine Kriegskasse plündert, statt bei Null zu beginnen.

Apples mutmaßliches Interesse an Tesla reicht zurück bis ins Frühjahr 2013

Der nun bekannt gewordene Aufbau der konzerneigenen Elektroauto-Unit "Titan" muss keinesfalls als Absage an eine Tesla-Übernahme verstanden werden.  Bekannt wurde bereits vor einem Jahr, dass sich Elon Musk bereits im Frühjahr 2013 mit  Apples M&A-Manager Adrian Perica im Hauptquartier in Cupertino getroffen hatte. Es spricht einiges dafür, dass der iPhone-Hersteller vorgefühlt hat, ob sich Tausendsassa Musk, der im Silicon Valley bereits als neuer Steve Jobs gehandelt wird, eine Akquisition vorstellen könnte.

Dass der 43-jährige Seriengründer, der bereits PayPal als CEO führte, aktuell nicht als verkaufswillig gilt, gehört zu den Gepflogenheiten der Wall Street. Tesla ist Musks Lebenswerk, das der inzwischen fünffache Vater im aktuellen Entwicklungsstadium sicher nicht verkaufen möchte.

Bei Bekanntgabe der jüngsten, allerdings alles andere als überzeugenden Quartalszahlen, schwadronierte Musk über Teslas Bewertungspotenzial in zehn Jahren: der Elektroautohersteller könne im Jahr 2025 so viel wert sein wie Apple heute – also über 700 Milliarden Dollar. Börsenwert heute: 25 Milliarden Dollar.

Internet-Unternehmer Jason Calacanis: Apple kauft Tesla in den nächsten 18 Monaten für 75 Milliarden Dollar!

Kompletter Größenwahn also? Mitnichten, klappern gehört bekanntlich zum Handwerk: Auch wenn der Multimilliardär mit südafrikanischen Wurzeln nur für eine Millisekunde einen Verkaufsimpuls hegt, wird Musk davon dem Markt kaum etwas signalisieren, um sich  den Übernahmepreis nicht kaputt machen zu lassen.

Angesichts der Zukunftsperspektiven, die Tesla mutmaßlich bietet, müsste ein Käufer inzwischen wohl zumindest den doppelten Börsenwert hinlegen – also 50 Milliarden. Dass daraus mit exorbitanten Kurssteigerungen vor einem möglichen Gebot und dem Elon Musk-Bonus schnell auch der dreifache Börsenwert werden kann, glaubt Internet-Unternehmer Jason Calacanis. Seine Prognose, die er in einem langen Blogbeitrag entfaltet: Apple kauft Tesla in den nächsten 18 Monaten für 75 Milliarden Dollar!

"Apple bräuchte mindestens sieben Jahre, um ein Auto auf die Straße zu kriegen" – Jason Calacanis

Calacanis' Argumente sind so zahlreich, wie teilweise spekulativ.  Etwa: Für den Tesla könnte Apple etwa ein ganz neues Maxi-iPad-artiges Dashboard entwickeln und einen App Store in ganz neuen Dimensionen starten – und mit  Auto-Apps zwischen 50 bis 150 Dollar ein neues Geschäftsfeld erschließen.

Am naheliegendsten ist jedoch der Zeitfaktor: "Apple bräuchte mindestens sieben Jahre, um ein Auto auf die Straße zu kriegen", ist sich der 44-Jährige sicher.  "Drei bis vier Jahre, um es zu designen, gefolgt von drei bis fünf Jahren, um die Produktionsstätten von auch nur mittlerer Größe zu errichten."

Apple könnte sich Tesla-Übernahme problemlos leisten

Wie realistisch wäre die Mega-Akquisition, die als wohl größte Übernahme des Jahrzehnts in die Geschichte eingehen würde? Fakt ist: Apple könnte sie stemmen – sowohl für 50 als auch 75 Milliarden Dollar. Geld spielt in Cupertino angesichts von Barreserven in Höhe von über 140 Milliarden Dollar keine Rolle.

Wenn Apple das Gefühl hat, Tesla bei der Realisierung seines iCars zu benötigen, wird der Scheck ausgestellt. 75 Milliarden Dollar entsprechen gerade mal zehn Prozent des aktuellen Börsenwertes: Das ist der Unterschied zwischen 127 und 113 Dollar – vor drei Wochen, unmittelbar vor Bekanntgabe des Rekordquartals, notierte Apple noch auf diesem Niveau.

Ist Tesla Apples fehlendes Puzzlestück?

In anderen Worten: Eine Tesla-Übernahme ist für Apple jetzt und in absehbarer Zeit  möglich – sie könnte von heute auf morgen Realität werden, wenn Tim Cook den Kult-Elektroautohersteller als das fehlende Puzzlestück für die Zukunft betrachtet.

Genau das müsste es nämlich sein, wie Apple-Gründer Steve Jobs vor ziemlich genau einem halben Jahrzehnt angesichts der Barreserven von nur 40 Milliarden äußerte: "Wenn wir in Zukunft einmal jemanden übernehmen müssen, um das fehlende Puzzlestück zu finden, um etwas ganz Großes Wirklichkeit werden zu lassen, dann könnten wir dafür einfach einen Scheck ausstellen."


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