Xiaomi, Oppo & Co: Das Jahr der chinesischen Drachen

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2014 war das Jahr der chinesischen Hersteller
2014 war das Jahr der chinesischen Hersteller(© 2014 CURVED Montage)

Das Establishment rund um Apple, Samsung, LG, Sony und Co. muss sich warm anziehen: Aus dem Reich der Mitte sägen Marken wie Xiaomi, Huawei und Oppo schon mächtig an den Marktanteilen der großen Namen. 

2014 war das Jahr der chinesischen Hersteller. Während die etablierten Größen mit stagnierenden oder gar rückläufigen Zahlen zu tun hatten, glänzten die chinesischen Emporkömmlinge mit hervorragenden Ergebnissen. Zum einen haben sie einen riesigen Markt direkt vor der Haustür, zum anderen haben die Produkte eine Qualität erreicht, die es mit der Elite vom Schlage Apple oder Samsung aufnehmen kann. Die Drachen Chinas sind also erwacht und schicken sich an, auch den Westen zu erobern.

Xiaomi - Der bissige Drache

Wenn man über die Drachen Chinas spricht, dann fällt immer wieder der Name Xiaomi. Der weltweit drittgrößte Smartphone-Hersteller hat nur noch Apple und Samsung vor sich. Wie hat es Xiaomi nur geschafft, so schnell an die Weltspitze zu stürmen? Zum einen hat Xiaomi, genau so wie die anderen chinesischen Hersteller, den Vorteil eines enormen Heimatmarktes. Zusätzlich befindet sich in der direkten Nachbarschaft mit Indien ein weiterer stark wachsender Markt, den Xiaomi mit günstigen Smartphones wie dem Redmi 1S für unter hundert Dollar bedient.

Mit günstigen Smartphones aufstrebende Märkte zu erobern ist das eine Rezept; ein anderes ist, qualitativ hochwertige Flaggschiff-Smartphones herzustellen, um weltweit als Premium-Marke wahrgenommen zu werden. Mit den auch von uns getesteten Smartphones Mi3 und vor allem dem Nachfolger Mi4 sind Xiaomi hervorragende Geräte gelungen, die mit Apples iPhone 6 und Samsungs Galaxy S5 auf Augenhöhe liegen. Obendrein hat Xiaomi mit dem Mi Pad dieses Jahr auch noch ein sehr leistungsstarkes Tablet auf den Markt geworfen, das Apples iPad in China den Rang abläuft.

Lei Jun, der CEO von Xiaomi, ruht sich aber nicht auf den Erfolgen im Smartphone- und Tablet-Markt aus, sondern erweitert die Geschäftsbereiche noch. Mit Hugo Barra hat Lei Jun einen hochkarätigen und international versierten Manager in seinem Team, der sich vorrangig zwar um das eigene Betriebssystem MIUI und das internationale Geschäft kümmern soll – aber Barra nur dort einzusetzen, grenzt schon an Verschwendung. Durch seine Jahre bei Google hat er mit Bestimmtheit hervorragende Investoren-Kontakte in den USA, oder Barra könnte auch attraktive Investitionsmöglichkeiten für Lei Jun und Xiaomi aufspüren. Erst vor kurzem investierte man in das aufstrebende US-Wearable-Startup MisFit. Damit hat Xiaomi schon mal einen Fuß auf den US-Markt gesetzt und in 2015 wird dieser Kurs sicherlich noch fortgesetzt.

OnePlus & Oppo - Der Zwillings-Drache

Für OnePlus und seinen extrovertierten CEO Pete Lau war 2014 ein gutes Jahr. Das OnePlus One wurde als Flaggschiff-Killer zum attraktiven Preis angekündigt und hielt sein Versprechen, wie wir in unserem Test bestätigen konnten. Aber einen Flaggschiff-Killer zu entwickeln, zu produzieren und zu verkaufen, das ist Pete Lau viel zu langweilig. Ihm ist es lieber, wenn die ganze Tech-Welt über OnePlus und das One spricht und sich am besten alle auch noch virtuell um das OnePlus One prügeln. Lau und sein Team haben daraufhin ein Invite-System erschaffen und damit einen Buzz um das OnePlus One kreiert, wie es eigentlich nur noch die großen Hersteller wie Apple, Samsung oder auch Xiaomi hinbekommen. Das Limitieren der Smartphones hat sicherlich auch wirtschaftliche Hintergründe, aber dass man es geschafft hat, durch das Invite-System nach nach Außen hin eine Art Exklusivität zu suggerieren, ist grandios.

Sehr smart ist aber auch der Mutterkonzern hinter OnePlus. Wisst Ihr, wer dahintersteckt? Nein? Es ist eigentlich ganz leicht, denn die Abkürzung für das OnePlus One, OPO, verrät es schon. Genau, Oppo ist der Mutterkonzern hinter OnePlus. Pete Lau ließ zwar schon oft verlauten, dass Oppo nur ein Investor ist. Aber es ist doch seltsam, dass diesem dann 100 Prozent der Firma gehören. Natürlich können in den nächsten Monaten und Jahren neue Investoren kommen und somit Oppos prozentualen Anteil an OnePlus reduzieren. Aber es ist auch geschickt von Oppo, eine neue Marke zu etablieren, um neue Vermarktungsstrategien und Produkte auszuprobieren, ohne das eigene Image und Kerngeschäft aufs Spiel zu setzen. Ob Oppo in Zukunft nun seinen Einfluss bei OnePlus verstärken wird, oder die Marke weiterhin eigenständig bleibt, müssen wir abwarten. In der Zwischenzeit wird OnePlus sicher schon am Nachfolger des One arbeiten und Oppo hat mit dem R5 und N3 erst vor kurzem zwei sehr interessante Smartphones an den Start gebracht, die auch in Europa erhältlich sind.

Huawei - Der alte Drache

Wie spricht man diesen Namen nur aus? Diese Reaktion kommt immer noch, wenn man jemandem ein Huawei Smartphone in die Hände drückt. Häufig wird das Unternehmen mit günstigen Smartphones assoziiert, auch wenn Huawei dieses Jahr mit dem  Ascend P7 und dem Ascend Mate 7 aus der Billigecke heraus wollte. Ganz von dem Ruf einer Billigmarke wird der Hersteller aber nicht so schnell wegkommen. In China hat Huawei aber in 2014 ein Experiment gewagt und mit der Marke Honor ein unbelastetes Brand etabliert, das auch bei Vermarktung, Kommunikation und Verkauf andere Wege geht. Honor-Produkte werden nur online verkauft und die Kommunikation mit den Kunden über die sozialen Netzwerke soll enger sein als bei der Muttermarke. Das Honor 6 war das erste Smartphone unter der neuen Marke und so heiß begehrt, dass wir es gleich testen mussten und direkt eins aus China einfliegen ließen.

Das Experiment Honor ist in China sehr erfolgreich verlaufen, sodass Huawei sich entschieden hat, die Marke auch in Europa zu etablieren. Beim Launch-Event in Berlin waren wir von CURVED natürlich dabei und konnten auch den Marketing Director Europe direkt über die Gründe für den Eintritt der Marke in Europa und ihre Ausrichtung sprechen.

Weltweit gesehen kämpfen aktuell Huawei und Xiaomi um die Plätze drei und vier auf dem Smartphone-Markt. Mit einer erfolgreichen Etablierung der Marke Honor im Ausland und starken Verkaufszahlen auf dem heimischen Markt kann sich Huawei auch 2015 in den Top 5 der Smartphone-Hersteller halten. Mit dem Honor 6 Plus hat man zum Ende diesen Jahres jedenfalls einen iPhone 6 Plus-Konkurrenten auf den Markt geworfen, der mit seiner Dual-Kamera-Technik Käufer locken will.

HTC - Der Stehauf-Drache

Gegenüber den anderen chinesischen Marken kann man HTC sicher als das Stehaufmännchen bezeichnen. Zwar ist der taiwanische Hersteller schon lange am Smartphone- und Tablet-Markt dabei, er hat aber auch eine bewegte Historie hinter sich. Einst wurde HTC mit Windows Phone-Geräten groß und versuchte später, mit Android-Smartphones gegen Samsung und Co. anzukämpfen. Es gelang dem Hersteller aber nie, sich richtig gegen die großen koreanischen Konzerne durchzusetzen. Einige Zeit lang sah es so aus, als ob HTC das Zeitliche segnen würde. Das Unternehmen erkannte aber schnell, dass man sich neu erfinden musste – und dass neben der Telefonie die Kamera im Smartphone ein sehr wichtiges Feature ist. Herausgekommen ist dabei das HTC One M8, das in unseren Tests mit hervorragender Leistung, elegantem Design, iPhone-artiger Haptik und innovativer Kamera begeisterte.

Aber nur mit Smartphones kann eine kleine Firma wie HTC nicht wirklich mit der starken Konkurrenz aus Korea mithalten. HTC hat einfach nicht die Ressourcen, um wie Samsung ein Smartphone mit gigantischem Werbeaufkommen in den Markt hineinzudrücken. Es musste also etwas Neues her. Mit der RE Kamera stößt HTC 2014 in den Markt der Action-Cams hinein, um den Bedarf nach einfachen und guten Kameras für die Selfie- und YouTube-Generation zu decken. Für ein Erstlingswerk ist die RE Kamera erstaunlich, auch wenn sie von den Funktionen und der Qualität noch nicht an eine GoPro herankommt – aber der erste Schritt ist getan. 2015 sollen laut den ersten Gerüchten noch Wearables folgen. Welche es sein werden, kann ich an dieser Stelle noch nicht sagen.

Neben dieser neuen Produktkategorie hat HTC es auch wieder geschafft, von Google als Nexus-Partner aufgenommen zu werden. Das Nexus 9 kämpft zwar in der ersten Charge noch mit Fertigungsproblemen. Aber der taiwanische Hersteller zeigt mit dem Nexus 9, dass er durchaus ein Top-Tablet bauen kann, das technisch auf Augenhöhe mit einem Apple iPad Air 2 und einem Xiaomi Mi Pad liegt. Ob das alles schon ausreicht, um HTC 2015 wieder zurück in die Top 5 zu führen, ist fraglich. Aber man muss HTC für seinen Mut im Jahr 2014 durchaus gratulieren.

Die restlichen Drachen: Lenovo, Meizu und Co.

Natürlich gibt es noch weitere chinesische Hersteller, die 2014 durchaus erfolgreich und nennenswert waren. Allen voran ist da Lenovo, das mit der Übernahme von Motorola zwar nicht dessen Patente erhalten hat, aber eine alte Traditionsmarke mit exzellentem Ruf. Es ist fraglich, wie Lenovos Strategie für die Motorola-Marke 2015 aussehen wird. Aber es wird wohl so laufen, dass Motorola in westlichen Gefilden als Smartphone-Marke bleibt und fortgesetzt wird, während Lenovo-Smartphones unter einer neuen Marke in China verkauft werden. Ob das dann auch für Tablets gilt, muss man noch abwarten.

Meizu wird 2015 mit Bestimmtheit auch das eine oder andere Mal von sich hören lassen, vor allem in den ersten Monaten 2015, denn das MX4 Pro ist erst vor wenigen Tagen in den Verkauf gegangen. Das 5,5 Zoll große Flaggschiff glänzt mit einem Display mit 2.560 x 1.536 Pixeln Auflösung und einem Exynos 5430-Octa-Core-Prozessor von Samsung. Dieser Prozessor sorgt schon im Galaxy Tab S und dem Galaxy Alpha für beeindruckende Leistung. Das ganze verpackt Meizu noch in einem qualitativ hochwertigen Gehäuse und verkauft es in China für umgerechnet rund 410 Dollar – da scheint sich der nächste Importschlager schon anzukündigen. Ob es sich lohnt, das MX 4 Pro zu importieren, das werden wir Euch schon im Januar sagen können. Denn wir haben schon ein MX 4 Pro geordert und warten täglich auf dessen Eintreffen in der Redaktion.

2014 war im Großen und Ganzen das Jahr der chinesischen Hersteller, aber 2015 wird mit Bestimmtheit ein noch größeres Jahr für die Drachen aus dem Reich der Mitte.


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