Die Apple AirPods im Test [mit Video]

Ausprobiert haben wir die AirPods schon bei der Vorstellung in San Francisco. Nun konnten wir die finalen Serienmodelle einem ausführlichen Test unterziehen. Ist Apples Zukunft wirklich kabellos?

"The future is wireless", ließ Apples CEO Tim Cook auf der Apple-Keynote im Bill Graham Civic Center in San Francisco im September verlauten. Apple hatte gerade beim iPhone die Klinke gekillt – um dann zeitgleich seine Idee von komplett kabellosen Kopfhörern zu präsentieren: die AirPods. Nach der offiziellen Vorstellung waren die Bedingungen nicht die besten, um Kopfhörer zu testen. Schließlich ist in der Hands-on-Area immer die Hölle los. So fiel das erste "Ears On" relativ rudimentär aus, das Hands-on beschränkte sich auf die Haptik und die Verbindung zum iPhone. Seit einigen Tagen konnte ich nun die AirPods aus der Serienproduktion zusammen mit dem iPhone 7 testen.

iPhone + AirPods = Apple in Reinform

Erster Eindruck nach wenigen Minuten: Für das Apple-Smartphone wirken die kabellosen Kopfhörer wie gemacht. Beide Geräte verstehen sich auf Anhieb. Tatsächlich genügt es, die AirPods neben dem iPhone nur aufzuklappen, um sie erstmalig mit dem Smartphone zu koppeln. Kein Knöpfedrücken, kein Aufrufen der iPhone-Einstellungen, keine Companion-App – nur kurz die Box aufklappen. Warum war das über Jahre mit Bluetooth-Kopfhörern so umständlich?

Verantwortlich dafür zeichnet unter anderem Apples hauseigener W1-Chipsatz. Der kommt auch in den neuen Beats zum Einsatz und ermöglicht lange Laufzeiten, aber zusätzlich eine unverschämt einfache Zusammenarbeit mit Apple-Geräten. Sind iPhone und AirPods einmal initial gekoppelt, genügt es anschließend, die kleine Schachtel zu öffnen. Fast ohne Verzögerung erscheint ein knapper Dialog auf dem Lockscreen, der den Ladestand der beiden In-Ears sowie der Box zeigt.

Gut zu wissen: Die beiden AirPods bauen technisch zwei Einzelverbindungen auf, also einen Datenstream pro Kopfhörer. Regulär wird der Datenstream zwischen Smartphone und einem Kopfhörer aufgebaut, der dann wiederum eine Verbindung zum anderen Hörer aufbaut. Die Folge: Weil das Signal durch jede Menge Wasser in unseren Köpfen wandern muss, kann es zu Verzögerungen und Abbrüchen kommen. In den AirPods übernimmt der W1 die Synchronisierung. Diesen Job erledigt der Chipsatz tadellos. Im Testzeitraum kam es mit den AirPods zu keinen Aussetzern. Vermutlich war genau diese Feinabstimmung zweier Einzelsignale und deren Synchronisierung der Grund, warum sich die Auslieferung der Apple-Kopfhörer verzögert hat. Der Hersteller äußert sich allerdings nicht zu den Umständen. Das muss er aber auch nicht (mehr): Denn was Apple mit dem W1 geschafft hat, ist für mich Apple in Reinform: technisch komplexe Vorgänge maximal zu vereinfachen.

Android-kompatibel, aber volles Potenzial nur mit Apple-Geräten

Entnimmt man die Ohrstöpsel und steckt sie ... ins Ohr, hört man einen kurzen Bestätigungston. Die Verbindung wurde in diesem Moment von der Box auf die beiden In-Ears übertragen. Will man die kabellosen Kopfhörer mit anderen Apple-Geräten koppeln, funktioniert das wiederum über das Bluetooth-Menü von iOS. Auch mit Nicht-Apple-Geräten und Geräten, die nicht mit dem eigenen iCloud-Account verknüpft sind, lassen sich die AirPods verbinden. Dafür ist auf der Rückseite ein Knopf angebracht, den man drücken muss.

Mit Android-Smartphones handelt es sich bei den AirPods zwar immer noch um gute Bluetooth-Kopfhörer. Trotzdem sind die transportablen Töner ihr Geld erst dann wert, wenn sie mit einem iPhone verbunden sind. Erst dann lässt sich auch das volle Hardware-Potenzial nutzen, das Apples Ingenieure auf so kleinem Raum untergebracht haben. Mit einem Doppeltipp auf die Seite, egal bei welchem Kopfhörer, startet man Siri – oder belegt diese Geste mit Start bzw. Pause.

Um die Aktion auszuführen, muss man die In-Ears allerdings relativ fest drücken, um eine versehentliche Bedienung auszuschließen. Wirklich angenehm fühlt sich das aber nicht an, da man die harten In-Ears dabei entweder noch tiefer in den Gehörgang oder auf die Ohrmuschel presst.

Ohr-gonomie

Und an dieser Stelle müssen wir über die Ergonomie der AirPods sprechen. Meine Ohren – mittelgroße, deutsche Standard-Ohren – hatten bislang mit jedem Apple-Kopfhörer Probleme. Die EarPods wollten nie wirklich fest sitzen bei mir. Zumindest nicht so fest, wie ich es mir von In-Ears eigentlich wünsche. Sie drücken nicht, sie fallen nicht sofort heraus, aber beim Sport etwa sitzen sie nicht fest genug. Das ist bei den AirPods nicht anders.

Kurz zur Erklärung: Die kabellosen Apple-Kopfhörer sind minimal umfangreicher. Der Steg ist fünf Millimeter länger und 1,6 Millimeter dicker. Das macht dennoch im Ohr keinen Unterschied. Pluspunkt: Obwohl sie etwas schwerer sind als die EarPods, fühlen sie sich leichter an. Denn es fehlt der Kabelzug.

Ohne Kabel fehlt leider aber auch die Möglichkeit, die Lautstärke am Kopfhörer zu regulieren. Das geht zwar per Sprachbefehl an Siri. Doch will man in der Bahn nicht unbedingt ins Leere rufen: "Mach die Musik lauter!" Das könnte doch glatt der Sitznachbar falsch verstehen. Da wünschte man sich noch ein paar Gesten mehr an den kleinen Ohrstöpseln. Ein bisschen so wie bei den Libratone Q Adapt On-Ears mit Touchoberfläche an der Ohrmuschel.

Dass das die ohnehin schon winzigen Akkus noch mehr belasten würde, steht außer Frage. Und dennoch: Die Batterielaufzeit der AirPods geht in Ordnung. Auch wenn ich von der der neuen Beats-Generation mit W1 ziemlich verwöhnt bin: Die 30 bis 40 Stunden der Beats Solo 3 Wireless schaffen die Klang-Knirpse freilich nicht. Doch die versprochenen fünf Stunden mit einer Akkuladung halten sie locker durch. Die Transportbox, die per Lightning aufgeladen wird, gibt nochmal Energie für einen weiteren Tag. Plus: Die kleine, weiße Schachtel ist so angenehm handlich, dass sie in der Hosentasche keinen Platz wegnimmt.

Fazit

"Apple designt nicht für den Preis". Sagt Apple. Direkt nach dem Hands-on kommentierten viele unter dem Hands-on: Zu teuer! Doch sind sie das wirklich, die AirPods? Vergleichen wir die Preise mal mit der Konkurrenz: Bragis The Dash kosten 299 Euro, können aber auch mehr. Bragis The Headphone werden 149 Euro kosten. Die von uns getesteten Vervelife Verveones liegen schon bei 250 Euro. Die Erato Apollo 7 kosten sogar 299 Euro. Sind die AirPods also teuer? Ja, aber nicht zu teuer. Zumal sie mir beim Koppeln mit dem Smartphone den üblichen Nervkram ersparen. Um dann auch die eingangs gestellte Frage zu beantworten: Mit den AirPods bringt Apple das "Wireless"-Konzept ein gutes Stück weiter. Wenn sie jetzt doch einfach bombenfest sitzen würden!

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