iPhone 12 im Test: Der ideale Zeitpunkt für einen Wechsel?

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Das iPhone 12 im Test: Gleich zu Beginn begrüßte mich ein buntes Apple-Logo
Das iPhone 12 im Test: Gleich zu Beginn begrüßte mich ein buntes Apple-Logo(© 2020 CURVED)

Mit Spannung erwartet, muss sich das iPhone 12 in unserem Test beweisen. Hat Apple hier ein attraktives Paket geschnürt? Und: Lohnt sich ein Wechsel von einem Android-Smartphone oder dem iPhone 11? Lest selbst ...

Als mein Chef fragte, ob ich Lust auf den iPhone-12-Test hätte, musste ich nicht lange überlegen. Schließlich ist Apples erstes 5G-Smartphone auch für mich persönlich interessant. Mein treues iPhone X hat nunmehr drei Jahre auf dem Buckel und so langsam wäre es Zeit für ein Upgrade. Ob Apples Neues auch mein Neues wird, dürfte die meisten von euch aber nur am Rande interessieren. Die Frage ist vielmehr: Solltet ihr euch das ab knapp 877 Euro erhältliche iPhone 12 kaufen?

Inhaltsverzeichnis

Design: Das iPhone 12 zeigt Kante

Alu statt Edelstahl

Gleich nach dem Auspacken wird klar: Das iPhone 12 ist hervorragend verarbeitet und eines des attraktivsten Smartphones auf dem Markt. Ich muss gestehen: Ein wenig skeptisch war ich schon. Denn von meinem iPhone X bin ich ein Edelstahlgehäuse gewohnt. Das blaue Test-Gerät dagegen ist "nur" in Aluminum gehüllt – wie die meisten Premium-Handys anderer Hersteller. Doch auch das sieht richtig schick aus und macht das Smartphone zudem spürbar leichter als die aus Edelstahl gefertigten Pro-Modelle.

Das iPhone 12 ist schön anzusehen und hervorragend verarbeitet

Für viele ist das vermutlich ein Vorteil. Ich für meinen Teil bevorzuge das durch den Edelstahl etwas höhere Gewicht der teureren Varianten. Dadurch fühlen sich iPhone 12 Pro und Pro Max noch einen Tick edler an – vergleichbar mit einer luxuriösen Uhr.

Das bringt den Design-Unterschied ganz gut auf den Punkt: Während die mehrere hundert Euro teureren Pro-Varianten an luxuriösen Schmuck erinnern, macht das iPhone 12 den dynamischeren, jugendlicheren Eindruck. Hingucker sind sie aber alle.

Neu trifft auf Alt

Verglichen mit dem iPhone 11 fällt vor allem am Rahmen ein Unterschied auf. Die Kanten sind nun nicht mehr abgerundet, sondern flach und eckig.

iPhone 12: Die Kanten sind jetzt flach

Dadurch sieht das iPhone 12 aus wie eine größere, modernere Variante des iPhone 4 oder des ersten SE. Und das ist eine gute Sache – mir gefällt das neue alte Design sehr.

Die Design-Änderung mag nicht revolutionär klingen und das ist sie auch nicht. Sie sorgt aber dafür, dass ein neues iPhone erstmals seit Jahren wieder merklich anders aussieht als sein direktes Vorgängermodell. Das iPhone SE 2020 lasse ich nicht gelten, denn das ist nur von der Bezeichnung her verwandt mit dem ursprünglichen SE-Modell.

Schick, aber pflegebedürftig: Die Glasrückseite

Die Rückseite ist mit Glas überzogen. Das sieht – insbesondere in Kombination mit dem prominent platzierten Apple-Logo – schön aus, ist aber auch praktisch bedingt: Das Material erleichtert kabelloses Aufladen, doch dazu später mehr. Ein Nachteil der spiegelnden Glasrückseite ist, dass sie Fingerabdrücke magisch anzieht. Wenn euch das stört, müsst ihr das Handy häufiger mal mit einem Tuch abwischen.

Das Glas auf der Rückseite spiegelt schick, zieht aber auch Fingerabdrücke an(© 2020 CURVED)

Da die meisten von euch das iPhone 12 ohnehin in eine Hülle stecken dürften, ist dieses Manko aber kaum der Rede wert. Ein Case empfiehlt sich übrigens nicht nur zum Schutz. Mir wäre der Verzicht darauf fast zum Verhängnis geworden: Aufgrund der glatten Rückseite ist mir das iPhone 12 im Test ein paar Mal fast durch die Finger geflutscht.

iPhone 12: Nichts Neues bei der Notch

Vorne hat sich die Optik im Vergleich zum iPhone 11 kaum verändert. Das Display ist auch in diesem Jahr von einer relativ breiten Aussparung ("Notch") für die Frontkamera unterbrochen. Immerhin sind die Display-Ränder ein wenig geschrumpft.

Viele andere Hersteller haben sich inzwischen von der Notch verabschiedet und sie gegen ein Punch-Hole ersetzt, das der Bildfläche noch mehr Platz lässt.

Die Notch verrät sofort: Hier haben wir es mit einem iPhone zu tun.(© 2020 CURVED)

Was den Notch-Look angeht, scheiden sich die Geister – auch in der CURVED-Redaktion. Einige Kollegen können mit der Optik gar nichts anfangen und schwören auf die Punch-Holes ihrer Android-Handys. Ich selbst finde die Notch eigentlich ganz schick. Zudem macht sie das Gerät auf den ersten Blick als iPhone erkennbar.

Dass Apple noch an ihr festhält, hat übrigens einen praktischen Grund: Sie beherbergt nicht nur die Frontkamera, sondern auch die Technik für die 3D-Gesichtserkennung Face ID – die in diesem iPhone-12-Test später noch mal detaillierter zur Sprache kommt.

iPhone 12: Endlich ein OLED-Display!

Dass es vorne kaum Neues gibt, bezieht sich nur auf das Design. Der Bildschirm selbst ist komplett neu und ein Riesenfortschritt zum Vorgängermodell. Während dieses sich nämlich mit einem LCD begnügen muss, trumpft das iPhone 12 im Test mit einem OLED-Display auf. Das bedeutet: leuchtendere Farben, ein satteres Schwarz, bessere Kontrastwerte und ein geringerer Akkuverbrauch.

Zudem ist die Auflösung gegenüber dem iPhone 11 auf 2532 x 1170 Pixel gestiegen. Ein Display-Upgrade in nahezu allen Bereichen also, von dem besonders Film- und Serien-Fans profitieren: Netflix, Amazon Prime Video, Apple TV+, Disney+ und Co. machen auf dem Handy so richtig Laune. Farbdarstellung und die generelle Bildqualität lagen im iPhone-12-Test auf einem konstant hohen Niveau – wie wir es von Apple gewohnt sind.

iPhone 12: Apple setzt erstmals auch in einem Basismodell auf ein OLED-Display

Es ginge allerdings noch besser: Ich persönlich hätte mir ein 120-Hz-Display gewünscht. Die hohe Bildwiederholrate würde für noch flüssigere Animation sorgen. Wirklich notwendig ist das jedoch nicht. Im Test war das Nutzererlebnis auch so äußerst smooth – unter anderem dank iOS 14. Da nur die wenigsten von euch 120 Hz gewohnt sein dürften, sollte kaum jemand sie vermissen.

Fest steht: Wer vom iPhone 11, iPhone Xr oder den meisten Android-Smartphones kommt, darf sich über eine deutlich bessere Bildqualität freuen. OLED-Displays hat Apple bislang nur in seinen High-End-Modellen verbaut – und die sind noch mal um einiges teurer als die hier getestete Basisvariante des iPhone 12.

Großer Bildschirm trotz Schrumpfkur

Das Display des iPhone 12 misst 6,1 Zoll in der Diagonale. Das ist inzwischen zwar Standard, aber trotzdem ziemlich groß, wie ich finde. Bilder, Videos, Spiele und Webseiten profitieren jedenfalls von der stattlichen Bildfläche. Gleichzeitig konnte ich das iPhone 12 im Test noch gut mit einer Hand bedienen. Das liegt unter anderem daran, dass das Gehäuse gegenüber dem iPhone 11 insgesamt etwas geschrumpft ist.

Für ein Smartphone mit 6,1-Zoll-Display ist das iPhone 12 relativ handlich

Wer kleinere Hände hat, könnte bei der einhändigen Bedienung womöglich aber Probleme bekommen. Allerdings gilt das für nahezu alle neuen Smartphones. Nur wenige davon unterschreiten in der Diagonale die 6,1 Zoll des iPhone 12.

Tatsächlich ist Apple einer der wenigen Anbieter, der kompakte Alternativen anbietet. Neben dem technisch unterlegenen iPhone SE (2020) sei hier vor allem das iPhone 12 mini erwähnt. Es bringt quasi die gleiche Hardware mit wie unser Test-Gerät, ist mit seinem 5,4-Zoll-Display aber deutlich kompakter.

Ceramic Shield: Bye-bye, Spider-App!

Für viele interessant sein dürfte Apples neuer Display-Schutz namens „Ceramic Shield“. Der nämlich soll die Wahrscheinlichkeit, dass der Bildschirm eures iPhone 12 bei einem Fall zu Bruch geht, drastisch verringern. Dem Hersteller zufolge sei die "Sturzfestigkeit" viermal besser als beim iPhone 11. Angesichts der Reparaturpreise für ein iPhone-Display eine mehr als willkommene Neuerung. Die ersten Härte-Tests weisen auch daraufhin, dass Apple sein Versprechen einhalten kann.

iPhone 12: Die Kamera im Test

Die Dualkamera des iPhone 12: Zur Hauptlinse gesellt sich ein Ultraweitwinkel

Für mich eine der spannendsten Fragen: Wie schneidet die Kamera des iPhone 12 im Test ab? Um in den Hardware-Spezifikationen einen Fortschritt zum Vorjahr zu erkennen, muss man schon genau hinschauen: Apple hat sich erneut für eine Dualkamera entschieden, die eine Standardlinse und ein Ultraweitwinkel-Objektiv beinhaltet. Auch die Auflösung ist jeweils die gleiche wie im letzten Jahr:

  • Hauptobjektiv: 12 MP (f/1.6)
  • Ultraweitwinkel: 12 MP (f/2.4)

Es werde Licht: Tolle Fotos mit der Hauptlinse

Ein auf den ersten Blick kleiner, aber entscheidender Unterschied ist die Blendenzahl des neuen Hauptobjektivs: f/1.6 statt f/1.8 steht 2020 im Datenblatt. Das ist die lichtstärkste Linse, die bis dato in einem iPhone zum Einsatz gekommen ist. 27 Prozent mehr Licht soll sie laut Apple einfangen – und das hat sich im Kamera-Test tatsächlich bemerkbar gemacht. Zusammen mit den Optimierungen an Smart HDR und Deep Fusion sorgt die größere Blende für eine generell bessere Bildqualität als im vergangenen Jahr.

Den blauen Himmel samt Wolken hat das iPhone 12 toll eingefangen(© 2020 CURVED)

Bokeh-Effekt: Porträt-Fotos mit dem iPhone 12

Das Hauptobjektiv ist beim iPhone 12 auch für Bokeh- beziehungsweise Porträt-Fotos zuständig. Einige Smartphones wie etwa Apples-Pro-Modelle haben dafür eine eigene Linse – teilweise unterstützt von Tiefensensoren. Wie gut also sind Porträt-Fotos ohne Tele-Objektiv und den LiDAR-Sensor aus dem iPhone 12 Pro (Max)? Die kurze Antwort: gut – bei nahezu allen Lichtverhältnissen. Im Dunkeln müsst ihr euch allerdings zwischen Porträt- und Nachtmodus entscheiden.

Das Bokeh ist teilweise so intensiv, wie ihr es mit einer Spiegelreflex-Kamera nur hinbekommt, wenn ihr ein gutes Porträt-Objektiv verwendet – oder das Bild in Lightroom nachbearbeitet. Wie in dem Bildbearbeitungsprogramm könnt ihr den Grad der Unschärfe auch nach der Aufnahme noch anpassen – direkt am iPhone 12. Ist euch der Hintergrund eines Porträt-Fotos mal zu verschwommen, entschärft ihr den Bokeh-Effekt einfach in der Fotos-App:

Über den Regler rechts könnt ihr den Bokeh-Effekt anpassen(© 2020 CURVED)

Einziger nennenswerter Kritikpunkt am iPhone-12-Bokeh: Im Test waren Motiv und Hintergrund gelegentlich nicht hundertprozentig sauber voneinander getrennt, sodass die Übergänge verwischten. iPhone 12 Pro und Pro Max können das dank Tele-Linse und LiDAR-Sensor besser. Darüber hinaus ermöglichen die teureren Modelle auch im Nachtmodus Porträt-Bilder mit Bokeh-Effekt.

iPhone-12-Zoom: Digital statt optisch

Nein, das iPhone 12 hat wirklich kein Tele-Objektiv. Apple wirbt zwar etwas irreführend mit einem zweifachen "optischen Zoom-Bereich". Damit ist allerdings die Spanne vom Haupt- bis zum Ultraweitwinkel-Objektiv gemeint - beziehungsweise die Brennweite der jeweiligen Linse.  Wer einen echten optischen Zoom möchte, muss zum iPhone 12 Pro (Max) greifen.

Die gewählte digitale Zoom-Stufe seht ihr über dem Auslöser (hier: 4,2x)

Das Standardmodell begnügt sich mit einem Digital-Zoom, bei dem es – wie bei dieser Variante üblich – zu Bildverlusten kommt. Bemerkbar macht sich der Unterschied zu einem optischen Zoom so richtig erst auf einem großen Bildschirm oder auf Ausdrucken. Wenn ihr die Fotos nur bei Instagram hochladet und auf dem Handy betrachtet, ist der Digital-Zoom in der Regel ausreichend.

Zudem sind Tele-Objektive bei vielen Smartphones ohnehin nicht wirklich geeignet, um weit entfernte Motive richtig nah heranzuholen – von einigen Ausnahmen wie dem Huawei Mate 40 Pro abgesehen.

Mit der Tele-Linse meines iPhone X etwa zoome ich meistens eher in der unmittelbareren Umgebung oder setze die längere Brennweite für ein Porträt-Bild ein. Wie ein Fernglas solltet ihr euch das nicht vorstellen. Einen ähnlichen verlustfreien Zoom-Effekt könnte ich mit dem iPhone 12 erzielen, indem ich näher an mein Motiv herangehe.

"Mit den Füßen zu zoomen" sorgt  allerdings für eine etwas andere Perspektive und ist daher nur eine Notlösung. Ein optischer Zoom hätte sicherlich nicht geschadet.

Ultraweitwinkel: Was kann die zweite Linse?

Das Ultraweitwinkel-Objektiv des iPhone 12 empfiehlt sich aufgrund des weiten Sichtwinkels besonders für Gruppen-Fotos und Landschaftsaufnahmen. Außerdem sind damit interessante Perspektiv-Wechsel möglich, die beispielsweise ein Gebäude ganz anders wirken lassen.

Das Kamera-Interface des iPhone 12 zeigt euch den Effekt der Ultraweitwinkel-Linse übrigens auch dann an, wenn ihr gerade das Haupt-Objektiv ausgewählt habt. Links und rechts des aktuellen Bildausschnitts seht ihr, welche Bereiche durch den Einsatz des Ultraweitwinkels hinzukommen würden:

Die Taube links kommt nur via Ultraweitwinkel-Linse mit aufs Bild(© 2020 CURVED)

Die Kamera-Vorschau hilft euch einfach zu erkennen, ob sich ein Wechsel auf das Ultraweitwinkel lohnt, ohne dafür tatsächlich umstellen zu müssen. Vor allem für unerfahrene Fotografen eine nützliche Funktion, denen gute Gelegenheiten für einen Perspektiv-Wechsel dadurch seltener entgehen sollten. Eine Verbesserung gegenüber dem iPhone 11: Dieses Jahr könnt ihr das Ultraweitwinkel auch im Nachtmodus verwenden.

iPhone 12: Der Nachtmodus-Test auf St. Pauli

Wo wir gerade beim Nachtmodus sind: Der hat in unserem iPhone-12-Kamera-Test gute Ergebnisse geliefert und im Dunkeln aufgenommene Bilder effektiv aufgehellt. Er aktiviert sich bei Bedarf automatisch und wählt selbst die ideale Belichtungszeit aus.

Das funktioniert klasse, doch wer will, kann die Einstellungen auch selbst vornehmen – oder den Nachtmodus komplett aktivieren. Hier ein  paar Beispiele dafür, welchen Effekt das Feature auf Low-Light-Fotos hat:

Anders als beim iPhone 11 steht euch der Nachtmodus beim iPhone 12 für alle Linsen zur Verfügung. Die Bildqualität des Ultraweitwinkels ist auch im Dunkeln ordentlich, konnte in unserem Nachtmodus-Test aber generell nicht ganz mit der des Hauptobjektivs mithalten. Das war allerdings auch nicht zu erwarten. Denn das Ultraweitwinkel ist der Primär-Linse eigentlich bei allen Smartphones spürbar unterlegen.

Die Low-Light-Perfomance hat sich gegenüber dem iPhone 11 generell verbessert. Nicht nur mit aktiviertem Nachtmodus: Die lichtstarke Hauptlinse des iPhone 12 kommt bei einsetzender Dunkelheit oft auch ohne das Feature zurecht.

Selfies mit dem iPhone 12

Auch wenn in Tests normalerweise die Hauptkamera im Mittelpunkt steht: Die Frontkamera dürfte gerade bei jüngeren Nutzern mit am häufigsten zum Einsatz kommen. Wie gut also gelingen Selfies mit dem iPhone 12? Mir gefallen die Ergebnisse. Sie sind jedenfalls deutlich besser als die Selbstporträts, die ich von meinem aktuellen Handy gewohnt bin.

Besonders angetan haben es mir die Möglichkeiten, die sich abends bei vorhandener Hintergrundbeleuchtung ergeben. Der cremige Bokeh-Effekt, den das iPhone 12 dabei erzeugen kann, ist total mein Ding. Dass ihr Selfies auch im Nachtmodus aufnehmen könnt, ist übrigens eine Option, die der Vorgänger nicht bietet.

iPhone 12: „Der schnellste Chip in einem Smartphone“ ...

... so bezeichnete Apple den A14 Bionic Chip bei der Vorstellung des iPhone 12. Und die Chancen stehen gut, dass der 5-nm-Chipsatz bis zur Vorstellung des Nachfolgers den Platz an der Sonne genießt. Denn in diesem Bereich war Apple der Android-Konkurrenz die vergangenen Jahre über klar voraus. Der Leistungsunterschied zwischen dem iPhone 12 und dem iPhone 12 Pro (Max) wiederum ist zu vernachlässigen: Der verbaute Chipsatz ist der gleiche, Unterschiede gibt es nur beim Arbeitsspeicher. Wenn überhaupt – Apple lässt sich diesbezüglich nicht in die Karten schauen.

Leistung im Überfluss

Viel wichtiger als der Vergleich mit anderen Modellen ist: Wie schnell ist das Apple-Handy im Alltag? Und hier liefert das iPhone 12. Selbst mit anspruchsvollen Mobile Games wie "Asphalt 9: Legends" oder "Call of Duty: Mobile" ließ es sich nicht ansatzweise ins Schwitzen bringen - obwohl ich für den Performance-Test jeweils die höchsten Grafikeinstellungen verwendet habe.

Weniger herausfordernde Anwendungen wie Instagram, Netflix und Co. bereiten dem Gerät erst recht kein Probleme. Allerdings ist das auch kaum überraschend, sondern von einem Premium-Smartphone zu erwarten. Apps, die das iPhone 12 an seine Grenzen stoßen lassen könnten, sind mir bislang nicht bekannt.

Und genau das ist der Punkt: Die Power des iPhone 12 ist heute wohl weniger relevant als in der Zukunft. Es geht vielmehr darum, dass das Handy auch nach Jahren noch schnell genug für die neuesten Apps und Spiele ist. Und genau das dürfte Apple mit seinem A14 Bionic Chip sichergestellt haben.

Apples erstes 5G-Smartphone

In eine sichere Zukunft blickt das iPhone 12 auch dank des 5G-Supports. Der stand bei der Präsentation der neuen Modelle stark im Vordergrund. Ist der neue Mobilfunkstandard an eurem Wohnort verfügbar, seid ihr mit einem entsprechenden Tarif besonders schnell im mobilen Internet unterwegs. Der Netzausbau in Deutschland steckt allerdings noch in den Kinderschuhen. Bis zu einer flächendeckenden 5G-Verfügbarkeit wird noch etwas Zeit vergehen. Aber: Wann auch immer es bei euch dazu kommt – das iPhone 12 ist bereit für 5G.

iOS 14: Ein Betriebssystem in Höchstform

Widgets und App-Mediathek: Android lässt grüßen

Das iPhone 12 bringt ab Werk iOS 14 mit – die aktuelle Version von Apples Betriebssystem. Die Software verändert den iPhone-Homescreen nachhaltig. So könnt ihr nun etwa Widgets – wie in Android – direkt auf dem Startbildschirm platzieren und in sogenannte Smart-Stapel gruppieren. Außerdem gibt es nun endlich einen App-Drawer: Die Sammlung all eurer Apps nennt sich auf dem iPhone „App-Mediathek“ und befindet sich auf der letzten Seite eures Homescreens.

Seit iOS 14 neu: Widgets auf dem Homescreen (links) und die App-Mediathek (rechts)(© 2020 CURVED)

Da trifft es sich gut, dass sich der Startbildschirm nun einfacher verschlanken lässt. Da ihr über die App-Mediathek Zugriff auf all eure Anwendungen habt, könnt ihr seltener genutzte guten Gewissens vom Startbildschirm entfernen. Das reduziert die Seiten und verkürzt den Weg zum App-Drawer.

Widgets und App-Mediathek machen den iPhone-Homescreen so flexibel wie nie zuvor. Eine erfreuliche Entwicklung – auch wenn Android diesbezüglich noch mehr Freiheiten lässt.

Regelmäßige und schnelle Updates

Kein Hersteller versorgt seine Smartphones so zuverlässig mit Updates wie Apple. Alle unterstützen Geräte erhalten neue iOS-Versionen nahezu immer zeitgleich. Das betrifft auch ältere Modelle: iOS 14 hat Apple selbst an fünf Jahre alte Handys verteilt. Hersteller von Android-Smartphones statten ihre Geräte dagegen meistens nur zwei, maximal drei Jahre mit großen Software-Updates aus. Das trägt dazu bei, dass Apple-Nutzer tendenziell länger auch Zugriff auf neue Funktionen und andere Verbesserungen erhalten.

Apple hat auch mein drei Jahre altes iPhone X sofort mit IOS 14 versorgt

Mein drei Jahre altes iPhone X beispielsweise läuft nicht nur nach wie vor reibungslos, sondern bekommt weiterhin fast alle neuen Features. "Fast" deswegen, weil Apple die ein oder andere Neuerung in seltenen Fällen doch exklusiv für bestimmte Modelle ausrollt. Dennoch: Wer ein zukunftssicheres Premium-Smartphone sucht, ist beim iPhone 12 an der richtigen Adresse.

Wie sicher ist das iPhone 12?

Die lange bereitgestellten iOS-Updates kommen auch der Sicherheit zugute. Denn neben neuen Features und Bugfixes beinhalten Aktualisierungen oft auch sicherheitsrelevante Patches. Darüber hinaus gilt iOS gegenüber Android generell als sicherer. Apples Betriebssystem ist geschlossener und erlaubt keine Programme aus anderen Quellen als dem App Store. Dadurch hat es Schadsoftware schwer, das iPhone 12 oder andere Apple-Smartphones zu befallen.

Face ID: Die sicherste 3D-Gesichtserkennung

Auch die 3D-Gesichtserkennung Face ID ist sicherer als all die Pendants der Konkurrenz. Auf Android-Smartphones kommt in der Regel eine zweidimensionale Gesichtserkennung zum Einsatz. Und die lässt sich mit nicht allzu großem Aufwand überlisten. Dass Face ID fremden Zugang gewährt, ist hingegen äußerst unwahrscheinlich. Und: Die Entsperrung funktioniert äußerst komfortabel.

Face ID: Die TrueDepth-Kamera erkennt euer Gesicht auch im Dunkeln(© 2017 Apple)

Selbst in kompletter Dunkelheit erkannte mich die TrueDepth-Kamera des iPhone 12 im Test sofort – übrigens auch mit Mütze oder Sonnenbrille. Die aktuell leider allgegenwärtigen Schutzmasken jedoch sind auch für Face ID zu viel des Guten. Tragt ihr eine solche, bleibt euch nichts anderes übrig, als das iPhone 12 per PIN-Eingabe zu entsperren.

Apple nimmt den Datenschutz ernst(er)

Sicherlich: Auch Apple sammelt gerne Daten – allerdings nicht so rigoros wie Google auf seinen Android-Geräten. Der Hersteller wirbt gerne mit dem Datenschutz auf seinen Geräten und lässt den Worten Taten folgen. iOS 14 beziehungsweise das iPhone 12 geben euch in der Regel ausdrücklich Bescheid, wenn eure Privatsphäre in irgendeiner Weise beeinträchtigt werden könnte.

Dieser Punkt warnt euch, wenn Mikro oder Kamera im Hintergrund mitlaufen(© 2020 CURVED)

Das schließt auch Apps von Drittanbietern mit ein. Beispielsweise signalisiert das iPhone 12 auf dem Homescreen, wenn im Hintergrund die Kamera oder das Mikrofon läuft. Ein weiteres gutes Beispiel für den Datenschutz auf iPhones ist der Safari-Browser, der es Facebook und anderen Unternehmen erschwert, euer Surf-Verhalten nachzuvollziehen.

Praktisch und sicher: Über Apple anmelden 

Viele Apps und Mobile Games bieten heutzutage nur dann den vollen Funktionsumfang, wenn ihr euch beim Anbieter registriert und ein Konto anlegt. iPhone-Nutzer können sich das in vielen Fällen sparen – dank des Features "Über Apple anmelden", das ich im iPhone-12-Test etwa für die Anmeldung bei Spotify verwendet habe.

"Über Apple Anmelden" erlaubt Logins ohne Weitergabe der E-Mail-Adresse(© 2020 CURVED)

Der Unterschied zum Single-Sign-on beziehungsweise Login via Google und Facebook: Die App-Entwickler erhalten eure E-Mail-Adresse nicht. Und: Drittanbietern ist es nicht möglich, euer Nutzerverhalten in verschiedenen Apps miteinander zu verknüpfen und ein Profil daraus zu erstellen.

iPhone 12: Akku, Aufladen und MagSafe

Gute Akkulaufzeit

Das iPhone 12 ist ausdauernd und kam im Test fast an die Akkulaufzeit des iPhone 11 heran. Das mag nicht sonderlich beeindruckend klingen. Aber: Das Modell aus dem vergangenen Jahr hält so lange durch wie kaum ein anderes vergleichbares Smartphone.

Dass das iPhone 12 etwas früher an die Steckdose muss, ist angesichts des 5G-Supports kaum überraschend. Zugunsten der Akkulaufzeit schaltet das iPhone 12 aber standardmäßig auf LTE um, wenn eine schnellere Verbindung überflüssig ist.

Im Alltag solltet ihr jedenfalls keine Probleme haben, mit einer Ladung über den Tag zu kommen. Mit anderen Worten: Die Akkulaufzeit des iPhone 12 überzeugt.

Mit MagSafe schneller wieder aufgeladen

Wenn ihr bereits iPhone-Nutzer seid, wisst ihr vermutlich: Mit der Aufladegeschwindigkeit ist das so eine Sache. In dieser Hinsicht hinkt Apple der Konkurrenz hinterher – vor allem beim Wireless Charging. Denn kabellos lässt sich das iPhone 12 wie bereits das Vorgängermodell standardmäßig mit nur maximal 7,5 Watt aufladen, deutlich langsamer also als vergleichbare Geräte.

Über die Glasrückseite lädt das iPhone 12 kabellos auf

Nutzt ihr den neuen, separat erhältlichen MagSafe-Charger, der sich magnetisch am iPhone 12 anbringen lässt, verdoppelt sich die maximale Ladeleistung auf annehmbare 15 Watt. Eine Vorteil gegenüber dem iPhone 11, das MagSafe leider nicht unterstützt. Aber: Es bleibt trotzdem noch Luft nach oben.

Das MagSafe-Ladegerät – hier magnetisch haftend an einem iPhone 12 Pro(© 2020 Apple)

Und: Um die angegebenen Werte zu erreichen, benötigt ihr zusätzlich ein 20-Watt-Netzteil, das nicht im Lieferumfang enthalten ist. Dieses Jahr liegt übrigens nicht einmal der 5-Watt-Power-Adapter vorbei, den iPhone-Käufer bisher immer erhalten haben. Glücklicherweise habe ich bei mir zuhause ein Ladegerät, dass ich für den iPhone-12-Test verwenden konnte.

Das iPhone 12 lässt sich zum Beispiel über den Lightning-Anschluss aufladen(© 2020 CURVED)

Ein Netzteil mit 20 Watt oder mehr ist übrigens auch notwendig, um das iPhone 12 kabelgebunden schnellstmöglich aufzuladen. Dann aber steht das Handy nach etwa eineinhalb Stunden wieder voll im Saft.

iPhone-12-Zubehör: Apple Watch, AirPods und Co.

Mit dem iPhone 12 öffnen sich die Pforten zu Apples Ökosystem für euch. Böse Zungen behaupten auch: Ihr seiet darin gefangen. Der Vorwurf an Apple ist nicht vollkommen unberechtigt. Fakt ist aber nun einmal: Die Geräte des Herstellers arbeiten hervorragend miteinander zusammen und werten sich gegenseitig auf.

Wenn ich meine AirPods trage, erkennt das iPhone 12 dies automatisch und entlockt den In-Ears zudem einige Zusatzfeatures, die auf Android-Geräten nicht zur Verfügung stehen.

Mit einem iPhone machen AirPods doppelt Spaß(© 2019 Apple)

Die Apple Watch setzt ein iPhone sogar voraus. Das ist vermutlich für einige von euch nicht unerheblich, handelt es sich bei der Apple Watch doch um die mit Abstand beste Smartwatch auf dem Markt.

Die Einführung von MagSafe dürfte etliches weiteres interessantes Zubehör nach sich ziehen. Schon jetzt gibt es neben dem magnetischen Ladegerät etwa auch MagSafe-Hüllen und ein MagSafe-Wallet, das am iPhone 12 haftet.

Das MagSafe-Wallet konnte ich leider nicht testen(© 2020 Apple)

Sicher: Die genannten Gadgets sind alles andere als günstig. Doch wer keine Lust hat, nach dem iPhone-12-Kauf noch mal viel Geld in Apple-Zubehör zu investieren, muss das auch nicht. Kopfhörer und Wearables anderer Hersteller unterstützt das iPhone 12 selbstverständlich auch.

iPhone 12: Technische Spezifikationen

  • Display: 6,1 Super Retina XDR Display (OLED), 2532 x 1170 Pixel (460 ppi),
    HDR, True Tone, bis zu 1200 Nits Helligkeit (HDR), Kontrast­verhältnis: 2.000.000:1
  • Chipsatz: Apple A14 Bionic
  • RAM: Keine Herstellerangabe zum Umfang
  • Speicherplatz:  wahlweise 64 GB / 128 GB / 256 GB
  • Dual-Kamera: 12 MP (Hauptlinse), 12 MP (Ultraweitwinkel)
  • Frontkamera: TrueDepth-Kamera,  12 MP
  • Akku: Keine Herstellerangabe zur Kapazität
  • Betriebssystem: iOS 14 vorinstalliert
  • Anschlüsse: Lightning
  • 5G: Ja
  • Dual-SIM: Ja (eSIM)
  • NFC: Ja
  • Fingerabdrucksensor: Nein
  • Gesichtserkennung: Ja, 3D (FaceID)
  • Preis: ab ca. 877 Euro

iPhone 12: Preise, Konfigurationen und Farben

Das iPhone 12 ist ab 876,30 Euro erhältlich. Die Konfigurationen unterscheiden sich nur durch den verbauten internen Speicher:

  • 64 GB Speicher: 876,30 Euro
  • 128 GB Speicher: 925,05 Euro
  • 256 GB Speicher: 1042,05 Euro
  • Farben: Schwarz, Weiß, Rot, Grün und Blau

Das Einstiegsmodell bringt leider nur 64 GB mit, was für etwa 10.000 Fotos reicht. Gerade wenn ihr viele Videos speichern wollt, könnte der Platz aber etwas zu knapp bemessen sein. Auch dann solltet ihr zwar zurechtkommen, müsstet aber wohl immer mal wieder Inhalte löschen, die ihr selten benötigt.

Meine Wahl würde daher auf die mittlere Konfiguration mit 128 GB fallen. Die dafür veranschlagten 925 Euro sind nicht mehr ganz so weit entfernt vom Preis des iPhone 12 Pro. Das bietet bereits in der Basisausführung 128 GB Speicher und kostet 1120 Euro.

Für manche könnte das Phone 12 Pro  eine Alternative sein(© 2020 Apple)

So gesehen beträgt der Preisunterschied zwischen den beiden Modellen etwas weniger als 200 Euro. Das iPhone 12 mini wiederum ist mit den empfohlenen 128 GB Speicher bereits für 826 Euro erhältlich.

Test-Fazit: Das iPhone 12 überzeugt

Das iPhone 12 kann sich deutlich von seinem Vorgänger distanzieren. Vor allem das OLED-Display und die verbesserte Kamera machen ein Upgrade für Besitzer des iPhone 11 attraktiv. Der Umstieg auf ein neues iPhone lohnt sich so sehr wie schon lange nicht mehr.

Würde mein iPhone X noch kein OLED-Display mitbringen, würde ich nach diesem Test stark darüber nachdenken, beim iPhone 12 zuzuschlagen – ausschließen will ich es zum jetzigen Zeitpunkt nicht. 2020 ist Apples Standardmodell tatsächlich auch für anspruchsvolle Nutzer eine reizvolle Option.

Für alle, die ihr erstes Apple-Handy möchten, ist das iPhone 12 ebenfalls eine hervorragende Wahl. Wer bisher nur Android-Smartphones besessen hat, wird den Wechsel zu iOS 14 meiner Meinung nach nicht bereuen. Gerade wenn ihr ein einfach verständliches Premium-Gerät sucht und nicht jedes noch so kleine Detail selbst einstellen möchtet, seid ihr hier an der richtigen Adresse.

Habt ihr höchste Ansprüche an die Kamera, sind die Pro-Modellen die bessere Wahl. Der Preisunterschied zum iPhone 12 Pro ist nicht ganz so groß, wie es im ersten Moment scheint: Mit den empfohlenen 128 GB Speicher ist es "nur" knapp 200 Euro teurer als das Standardmodell in der gleichen Konfiguration. Immer noch eine ganze Stange Geld, ich würde den Aufpreis aber wohl berappen – auch weil ich ein großer Fan von Apples Edelstahl-Design bin.

Wenn euch eine gute Kamera gut genug ist und ihr nicht auf ein 120-Hz-Display besteht, könnt ihr beim iPhone 12 aber bedenkenlos zugreifen: Euch erwartet ein Top-Smartphone, das kaum Wünsche offen lässt und enorm zukunftssicher ist. Und: Für ein Apple-Handy ist auch das Preis-Leistungs-Verhältnis attraktiv.


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