Samsung Gear 360 im Test: die Virtual-Reality-Kamera für die Massen

Die Samsung Gear VR ist die erste erschwingliche 360-Grad-Kamera, die zusammen mit einem Smartphone die Produktion von Inhalten für VR-Brillen so einfach wie einen Schnappschusses machen soll. Ob VR jetzt wirklich ein Kinderspiel ist, erfahrt Ihr in diesem Test.

Die Samsung Gear 360 erinnert mich auf den ersten Blick an Marvin, den putzigen, aber traurigen Roboter aus Douglas Adams' "Per Anhalter durch die Galaxis". Traurig waren wir nach unserem letzten 360-Grad-Ausflug mit der 360fly. Statt einer Linse will die Gear 360 mit zwei 15-Megapixel-Kameras zwei Bilder aufnehmen und baut sie zu Fotos oder Videos mit 360-Grad-Rundumblick zusammen.

Schneller Start

Die Samsung-Kamera ist schnell in Betrieb genommen: Speicherkarte rein, Akku rein – und schon kann man loslegen. Über die drei Tasten an der Kamera lassen sich vier Aufnahmemodi auswählen – Foto, Video, Zeitraffer und Video-Loops – und einige Einstellungen anpassen. Dann den Auslöser drücken, und die Aufnahme ist in der Kugel. Auf eine microSD-Karte mit 32 Gigabyte Speicherplatz passen etwas mehr als drei Stunden VR-Videos in 1080p-Auflösung oder über 2300 Fotos.

Mit dem kleinen Dreibeinstativ lässt sich die Gear 360 aufstellen und gut in der Hand halten. Praktisch: Sie lässt sich auf andere Stative schrauben. Sie liefert zwar 360-Grad-Aufnahmen, aber trotzdem solltet Ihr die Gear 360 aufrecht halten. Denn eine der Linsen ist als vordere Kamera definiert und gibt bei Videos die Standard-Ausrichtung und bei Fotos den Mittelpunkt vor. Ist dieser schlecht gewählt, hat man später wenig Freude an den Aufnahmen.

Besser mit Smartphone

Die Gear 360 lässt sich zwar auch ohne Smartphone benutzen, aber mit dem Smartphone wird es deutlich einfacher. Die "Gear 360 Manager"-App stellt Samsung offiziell aber nur für das Galaxy S6, Galaxy S6 Edge, Galaxy S6 Edge+, Galaxy Note 5, Galaxy S7 und Galaxy S7 Edge zur Verfügung.

Mit der App betrachtet Ihr nicht nur die Aufnahmen der Gear 360, sondern kopiert sie auch auf das Smartphone und teilt sie von dort. Theoretisch mit jeder installierten App, praktisch unterstützen aber nur wenige Dienste die 360-Grad-Ansicht. Videos sind gut bei YouTube und Facebook aufgehoben. Für 360-Grad-Fotos rollte das soziale Netzwerk während des Tests die Unterstützung aus. Bei Google Street View könnt Ihr sie sogar öffentlich posten. Allerdings leidet die Aufnahmequalität bei der Umrechnung doch sehr. 4K schaut nicht nach 4K-Qualität aus, und auch Full-HD-Aufnahmen sind relativ unscharf auf Facebook und YouTube.

Das Smartphone fungiert darüber hinaus als Sucher für die Gear 360. Den habe ich weniger zur Kontrolle des Bildausschnitts genutzt, sondern vor allem, um mehr Einstellungen als mit der Kamera zu verändern. Hier stelle ich unter anderem die Auflösung, die Auslöseverzögerung und der Weißabgleich ein oder aktiviere den HDR-Modus. Außerdem kann ich auch mit einer der Kameras eine Fisheye-Aufnahme anfertigen.

Vorzeigbare Aufnahmen mit Luft nach oben

Die Samsung Gear VR schafft bei Videos eine 4K-Auflösung und bei Fotos bis zu 25,9 Megapixel. Für eine günstige VR-Kamera fällt die Bildqualität gut aus. Zwar ist eine Kante zwischen den zwei Bildern noch zu sehen, doch irgendwie fehlt noch der letzte Schliff bei der Schärfe. Trotzdem sind die Aufnahmen insgesamt vorzeigbar. Das lässt sich nicht von allen VR-Kameras behaupten, wie zum Beispiel die 360fly zeigte.

Bei Fotos kann man bei der Gear 360 spontan auf den Auslöser drücken, aber bei Videos sollte man sich im Vorfeld Gedanken machen. Für bewegte Bilder stellt man die Kamera lieber an einen Ort und trägt sie nicht durch die Gegend. Zwar lassen sich die Verwacklungen mit Aktivierung der automatischen Winkelkorrektur reduzieren, aber vielen Betrachtern sind die eigenen Drehungen mit einer VR-Brille erstmal genug Bewegung.

Ihr könnt die Aufnahmen der Gear 360 nicht nur auf dem Smartphone anschauen, sondern dieses in die Gear VR einlegen. Vor der ersten Verwendung der VR-Brille müsst Ihr mehrere Apps auf Eurem Smartphone installieren und ein Oculus-Konto anlegen, was im Test erst im zweiten Versuch klappte. Es ist zwar toll mit der Gear VR komplett in die Fotos oder Videos einzutauchen, aber trotz WQHD-Auflösung des Displays vom Galaxy S7 sind so nah vor den Augen immer noch die einzelnen Pixeln zu erkennen.

Fazit: Aufbruch in virtuelle Welten

Samsung gibt mit einer erschwinglichen und brauchbaren 360-Grad-Kamera den Startschuss für das VR-Zeitalter: Die Produktion von VR-Inhalten wird alltagstauglich. Die 349 Euro teure Samsung Gear 360 ist zwar noch lange nicht perfekt, aber die erste 360-Grad-Kamera, die man sich guten Gewissens anschaffen kann. Da ist es schade, dass sie nur zusammen mit einem von sechs Galaxy-Smartphones sinnvoll zu verwenden ist.


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