Xiaomi Mi6 im Test: Top-Smartphone ohne Wow-Faktor

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Das Xiaomi Mi6 hat eine Dualkamera mit optischen Zoom.
Das Xiaomi Mi6 hat eine Dualkamera mit optischen Zoom.(© 2017 CURVED)

Eine Dualkamera wie das iPhone 7 Plus, ein vergleichsweise handliches Gehäuse, die aktuelle Android-Version und ein verlockend günstiger Preis: Wir begeben uns im Test auf die Suche nach dem Haken am Xiaomi Mi6.

Optisch erinnert das Xiaomi Mi6 mit seiner Rückseite aus Glas und seinen gebogenen Rändern an das Galaxy S7 und gehört mit seinem 5,15 Zoll großen Display in die gleiche Größenkategorie. Allerdings müsst Ihr Euch bei Xiaomi mit einem IPS-Display und Full-HD-Auflösung zufriedengeben. Das erscheint auf dem Papier zwar schlechter, bietet in der Realität ein scharfes Bild.

Wasserdichtes Gehäuse mit Highend-Hardware

Für heutige Verhältnisse ist nicht nur das Display des Mi6 klein, sondern auch das Gehäuse, das sich angenehm in die Hand schmiegt. Die Tasten an der rechten Seite sind gut zu erreichen. Vor Wasser braucht sich das Smartphone auch nicht zu verstecken. Es ist Xiaomi zufolge wasserdicht, allerdings ohne je weitere Angabe, wie tief und lange es untertauchen darf.

Mit dem Snapdragon 835 verbaut Xiaomi den aktuellen Top-Chipsatz von Qualcomm und übertrifft mit sechs Gigabyte Arbeitsspeicher die anderen aktuellen Flaggschiffe. Die 50 Prozent mehr RAM machen sich in Benchmarktests allerdings nur geringfügig bemerkbar: Mit knapp unter 180.000 Punkte bei Antutu sowie 1940 und 6676 Punkten bei Geekbench lässt das Mi6 zwar das Sony Xperia XZ Premium und das HTC U11 hinter sich, aber nicht so deutlich, dass man den Unterschied im Alltag spürt.

Bei der Software setzt Xiaomi auf Android und seine eigene Nutzeroberfläche MIUI, die Googles Betriebssystem um mehrere Funktionen erweitert. "Second Space" richtet quasi ein zweites Smartphone ein. "Duale Apps" kopiert eine App, sodass sich zwei Accounts anmelden können, etwa für WhatsApp. Das Mi6 kommt ab Werk mit Android 7.1.1 Nougat. Beim Kauf solltet Ihr darauf achten, die internationale Version der Software zu wählen. Nur diese enthält eine deutsche Übersetzung und den Play Store. Dieser fehlt in der China-Version, die als einzige Fremdsprache Englisch anbietet.

Die USB-C-Buchse ist der einzige Anschluss des Xiaomi Mi6. Ein 3,5-mm-Anschluss für Kopfhörer ist nicht vorhanden, doch ein Adapter befindet sich in der Packung. Der Akku weist mit 3350 mAh eine etwas größere Kapazität als die meisten anderen aktuellen Flaggschiffe auf, hält dadurch aber nicht signifikant länger durch. Es bleibt bei durchschnittlicher Nutzung bei einem Tag Akkulaufzeit. Xiaomi hat den Fingerabdrucksensor des Mi6 in den Homebutton auf der Vorderseite integriert. Das Smartphone bietet Platz für zwei SIM-Karten, aber der 64 Gigabyte große interne Speicher lässt sich nicht mit einer microSD-Karte erweitern. Reicht das nicht aus, könnt Ihr immer noch zur 128-GB-Version des Mi6 greifen.

Dualkamera mit optischen Zoom

Bei den Funktionen der Dualkamera des Mi6 hat sich Xiaomi vom iPhone 7 Plus inspirieren lassen. Sie bietet einen optischen Zoom und einen Tiefenschärfe-Effekt. Der Zoom ist zwar nur zweifach, aber selbst damit kommt man näher ans Motiv heran – auch bei Nahaufnahmen. Ein Qualitätsverlust bei der "Vergrößerung" tritt nicht auf.

Die Bilder mit einer Auflösung von zwölf Megapixeln bieten eine hohe Detailgenauigkeit und natürlich wirkende, aber trotzdem kräftige Farben. Mit starken Kontrasten kommt die Kamera auch ohne HDR-Modus gut zurecht. Nimmt das Tageslicht ab, sinkt auch die Bildqualität erkennbar. Zwar lässt sich auch in der Nacht noch immer etwas erkennen, aber so stark wie die Konkurrenz hellt das Mi6 seine Fotos nicht auf und zeigt weniger Details an.

Die Selfies der Frontkamera mit einer Auflösung von acht Megapixeln sehen ebenfalls ordentlich aus. Allerdings neigt die Kamera dazu, helle Bereiche überzubelichten. Insgesamt gefällt mir die Bildqualität des Xiaomi Mi6 gut, doch fällt sie dennoch etwas hinter der Spitzengruppe um das HTC U11, iPhone 7, Galaxy S8 und LG G6 zurück.

Fazit: Xiaomi ohne eigene Ideen

Gute Verarbeitung, schickes Design, gute Dualkamera, Android Nougat und die aktuell beste Hardware: Xiaomi ist mit dem Mi6 ein sehr gutes Smartphone zu einem attraktiven Preis gelungen. Doch dem Gerät fehlt von der Benutzeroberfläche einmal abgesehen die eigene Handschrift. Dass es anders geht, zeigt die Konkurrenz: Das Galaxy S8 fällt mit seinem Design und Display auf, das LG G6 bietet ein neues Display-Format sowie eine bisher einzigartige Dualkamera, das HTC U11 versucht, mit Edge Sense und BoomSound aus der Masse herauszustechen.

Da Xiaomi das Mi6 nicht in Deutschland vertreibt, bleibt Euch nur der Kauf bei Importhändlern wie dem CECT-Shop, der uns das Smartphone freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Dort kostet das Mi6 in der getesteten Variante 439 Euro. Die Version mit doppelten Speicher – also 128 Gigabyte – kostet 479 Euro. Die Edel-Version mit einem Gehäuse aus Keramik bekommt Ihr für 539 Euro – jeweils zuzüglich Versandkosten und evtl. Zoll sowie Steuern.

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