"Die Datenfresser": Privatsphäre im digitalen Zeitalter

Die kommerzialisierung des Internets anprangern, in drastischen Szenarien die Folgen der zunehmenden Datensammelwut illustrieren und einen Beitrag zur Schaffung einer auch in der digitalen Welt mündigen Gesellschaft  leisten - das versuchen Constanze Kurz und Frank Rieger in ihrem neuen Buch "Die Datenfresser".

Die Szenarien für das Jahr 2021 sind düster: Der gläserne Bürger wird weitergedacht und gerät vor allem in die Hände der Konzerne.  Ein ganzes Kapitel widmen die Atuoren diesen Szenarien: "Wohin die Reise geht - Drei Tage im Jahr 2021". So könnte etwa ein Bewegungsmesser die körperliche Aktivitäten an die Krankenkasse übermitteln. Zusammen mit den Daten der Waage könnten sich auf diesem Weg die Beiträge berechnen lassen.

Datenrebellen auf Drahteseln

Niemand kann sich der Beobachtung entziehen. Die Überwachung ist weniger sichtbar als die bekannten Szenarien vom Polizeistaat mit Spitzeln und Überwachunskameras. Man hinterlässt seine Spuren ganz nebenbei. Die Aktivisten der Zukunft müssten sich mit dem Fahrrad durch die Stadt bewegen, ohne Bewegungsmesser und Mobiltelefon, heißt es.

Brennpunkt soziales Netzwerk

Dass schon heute mit Informationen Geld gemacht wird, ist kein Geheimnis. Facebook verdient mit persönlich zugeschnittener Werbung bereits eine Menge Geld. Auch Google steht unter misstrauischer Beobachtung von Datenschützern - hinter die Kulissen blicken kann jedoch niemand.

"Datenfresser" warnt vor der Übermacht dieser Konzerne. "Post-Privacy" wird die neu entstandene Strömung genannt, die den Schutz der Privatshäre im Internet für ein Relikt der Vergangenheit erklärt. Kurz und Rieger kritisieren diese Bewegung scharf - der Kontakt mit Anhängern dieser Strömung könne gar gefährlich sein: Wegen der zunehmenden Verflechtung von Kontakten und Daten sei hier Vorsicht geboten.

Verhaltenshinweise für Skeptiker

Wer im Internet keine Spuren hinterlassen will, hat es schwer. Und so muten auch die Vorschläge von Kurz und Rieger wenig praktikabel an. So schlagen die Autoren etwa vor, sich mehrere virtuelle Identitäten zuzulegen, bei denen nur die allernötigsten Daten wirklich stimmen - Fantasienamen und -daten sollen eine Nachverfolgung erschweren. Ob der durchschnittliche Internetnutzer dafür zu begeistern ist, erscheint dagegen fraglich.

Manifest für den Datenschutz

Die Autoren sind seit Jahren im Chaos Computer Club aktiv und in der Szene keineswegs unbekannt: Insbesondere Rieger machte in der Vergangenheit immer wieder auf Datenmissbrauch aufmerksam.

"Die Datenfresser" taugt zu einem Manifest für mehr Datenschtz im Internet und appeliert an den Bürger, sich auf sein Recht auf Privatsphäre zu besinnen. Es zeigt ein umfassendes Bild der digitalen Welt und krisiert diese Scharf. Das Thema Datenschutz bleibt also weiter auf der Tagesordnung.

Constanze Kurz/Frank Rieger: "Die Datenfresser. Wie Internetfirmen und Staat sich unsere Daten einverleiben und wie wir die Kontrolle darüber zurückerlangen". Frankfurt am Main, S. Fischer Verlag, 2011. 272 Seiten. 16,95 Euro. "Die Datenfresser" bei Amazon kaufen