Keine Angst vor dem iCar: Samsung baut seit 1994 Autos

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Samsung baut seit 1994 Autos, der QM 3 auf dem Bild ist das aktuelle Crossover-Modell.
Samsung baut seit 1994 Autos, der QM 3 auf dem Bild ist das aktuelle Crossover-Modell.(© 2015 Renault Samsung Motors)

Die ersten Gerüchte um die iWatch sorgten dafür, dass bei vielen Technik-Unternehmen die Entwicklungsabteilungen mit der Arbeit an einer eigenen Smartwatch beauftragt wurden. Das Ergebnis: Als die Apple Watch auf den Markt kam, hatten nahezu alle großen Smartphone-Hersteller schon mindestens eine Uhr im Angebot. Die aktuellen Gerüchte um das iCar werden nicht die gleichen Aktivitäten auslösen - zumindest nicht bei Samsung und Co, aber dafür unter Umständen bei den etablierten Auto-Herstellern.

Die Konzernstrategen in Seoul müssen sich nicht hinsetzen und überlegen, wie Samsung einem Auto von Apple zuvor kommen könnte. Wie es sich für einen Jaebeol - so nennt man die großen Firmenkonglomerate in Südkorea - gehört, ist Samsung auf sehr unterschiedliche Geschäftsfeldern aktiv und stellt bereits seit über 20 Jahren Autos her.

1994 betrat das Unternehmen mit dem Elektroauto SEV-III nach drei Jahren Entwicklungszeit den PKW-Markt. Inzwischen ist die Automobilsparte mit Renault fusioniert und heißt Renault Samsung Motors, wobei der französischer Hersteller 80 Prozent der Anteile hält. Die Modelle basieren alle auf Nissan-Plattformen und werden nur in Südkorea verkauft, wo Samsung immerhin einen Marktanteil von zehn Prozent bei den PKWs hat.

Sollte Apple aber wirklich, wie zuletzt vermutet, 2020 ein eigenes Auto auf den Markt bringen, dann müsste Samsung natürlich reagieren. Denn wir können sicher sein, dass ein iCar in Sachen Design, Ausstattung und Antriebstechnik wenig mit den Autos gemein haben dürfte, die wir heute gewohnt sind. Aktuell hat Renault Samsung Motors ziemlich konventionelle Limousinen, einen SUV, einen Crossover und ein Elektroauto im Angebot.

Ein Galaxy Car von Samsung müsste, um mit dem iCar mithalten zu können, nicht nur optisch etwas her machen, sondern für seinen Elektroantrieb über einen leistungsfähigen Akku mit mehr als 500 Kilometern Reichweite und vor allem einer kurzen Ladezeit oder einem leichten Auswechselmechanismus verfügen. Dass die Smartphones und Smartwatches von Samsung eng mit dem Auto verknüpft sein werden, versteht sich von selbst - unabhängig davon ob Android oder ein anderes Betriebssystem auf ihnen läuft.

Wovor sich der koreanische Konzern aber hüten sollte, ist, sein Auto mit nicht ausgereiften Funktionen voll zu stopfen. Das ist anders als bei einem Smartphone nicht nur nervig und ärgerlich, sondern kann auch lebensgefährlich sein. Aber fünf Jahre sollten für ein marktreifes Produkt ausreichen. Andernfalls hätte Samsung es auch nicht mehr verdient als Apple-Konkurrent zu gelten.

Mehr Zulieferer als Hersteller

Google forscht zwar schon seit einigen Jahren an selbstfahrenden Autos, und Microsoft ist mit Windows Embedded Automotive 7 ein Software-Zulieferer für die Automobilbranche - genau wie Apple mir CarPlay, Google mit Android Auto und Panasonic Automotive. Aber obwohl LG, Sony und all die anderen großen und kleinen Konkurrenten von Apple teilweise sehr unterschiedliche Geschäftsfelder haben, so ist doch keiner als Auto-Hersteller bereits so gut aufgestellt wie Samsung.

Tesla ist zwar für seine innovativen Elektroautos bekannt und lebt vom kalifornischen Start-Up-Geist, hat aber keine anderen Produkte als Autos im Angebot und ist selbst als PKW-Hersteller noch eine verdammt kleine Nummer. Daran könnte ein günstiges Elektroauto, das die Firma von Elon Musk gerüchteweise zusammen mit Foxconn bauen soll, etwas ändern. Oder eine immer wieder auf die Tagesordnung gesetzte Übernahme von Tesla Motors durch Apple.

Das iCar ist eine Gefahr für VW und Co - nicht für LG und Co

Aber nicht nur Samsung und andere Tech-Konzerne müssten auf das iCar reagieren, sondern auch die klassischen Autobauer. Denn Apple würde mit einem eigenen Auto weniger mit anderen Tech-Konzernen konkurrieren - von denen die wenigsten ausreichend Kapital auf der hohen Kante haben, um aus eigener Kraft ein Auto zu entwickeln und herzustellen -, sondern vielmehr gegen ganz neue Konkurrenten antreten, die Namen tragen wie Volkswagen, BMW, Porsche, Audi, Mercedes Benz und Opel - um an dieser Stelle nur die großen deutschen Autohersteller zu nennen.

BMW zeigt mit dem i3 und dem i8 den Weg, den die Autobranche gehen muss, und auf dem sich auch Apple mit einem eigenen Auto bewegen würde. Auf den verschiedenen Automessen zeigen die Hersteller Konzepte und Ideen aus ihren Entwicklungsabteilungen. Potential ist auf jeden Fall vorhanden und kann bis zum anvisierten Verkaufsstart des iCar im Jahr 2020 durchaus zur Serienreife gebracht werden.

Apple hat schon mit dem iPod, dem iPhone und dem iPad bewiesen, dass man mit dem richtigen Produkt eine eingeschlafene Branche nicht nur wiederbeleben kann, sondern auch dominieren kann.

Mit der Apple Watch könnten Tim Cook und Jony Ive erneut eine Produktklasse umpflügen, die andere Hersteller schon länger beackern. Das dürfte mit einem Auto deutlich aufwendiger und schwieriger sein als mit einem Handy oder einer Uhr. Aber wer weiß, vielleicht setzt Apple nicht auf Konfrontation und verzichtet auf eine eigene Auto-Fabrik und lässt das iCar stattdessen in Detroit, Wolfsburg oder Sindelfingen fertigen.

Die Versuche von Auto-Herstellern, ihrerseits Smartphones und passendes Zubehör auf den Markt zu bringen - oder zumindest ihren Markenamen dafür herzugeben -, können bisher nicht als eine wirkliche Gefahr für Apple, Samsung und Co gesehen werden. Während die Blackberrys von Porsche immerhin schön anzusehen sind, kann man vom Lamborghini 88 Tauri nicht einmal das behaupten. Dann doch lieber die Quantum-Kopfhörer von Lamborghini mit einem anderen Smartphone kombinieren.


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