Das HTC U Ultra im ausführlichen Test [mit Video]

"Mit dem Zweiten sieht man besser." Entschuldigung, aber der Spruch war zu naheliegend, um ihn beim HTC U Ultra nicht zu bringen. Denn das Smartphone verfügt über ein zweites Display, das Euch nebenher mit Infos versorgen und so die Bedienung erleichtern soll. Braucht man das? Der Test. Update vom 27. März: Der Sense Companion ist da und jetzt im Test mit drin.

Ich gehöre zu der Sorte Menschen, deren Hosentaschen für Smartphones mit 5,5 Zoll groß genug sind. Das OnePlus 2 habe ich zum Beispiel lange so mit mir herum getragen. Das HTC U Ultra passt zwar auch noch in meine Hosentasche, ist aber definitiv zu groß, um sich noch vernünftig bewegen zu können. Will man sich etwa die Schuhe zubinden, macht sich das Smartphone sehr breit.

Was ist besser als ein Display? Zwei Displays.

Eigentlich verfügt das HTC U Ultra über ein 5,7 Zoll großes Display mit 2560 x 1440 Pixeln. Doch oberhalb davon befindet ein zweites Display. Es misst in der Diagonalen zwei Zoll, insgesamt ist das U Ultra in etwa so groß wie andere Modelle mit sechs Zoll großen Displays. Das zweite Display verfügt über eine Auflösung von 160 x 1040 Pixeln. Es erfüllt zwei Aufgaben: Infos anzeigen, wenn das große Display ausgeschaltet ist, und eine gewisse Bedienung erlauben, wenn eine App geöffnet ist. So zeigt es zum Beispiel die Uhrzeit, den Ladestand und Benachrichtigungen an, wenn Ihr das Smartphone hochhebt, lässt das große Display dabei aber noch ausgeschaltet. Ihr könnt nach links und rechts wischen und unter anderem einige Schnelleinstellungen verändern. Nebenbei soll so der Akku geschont werden, genau wie beim Always-on-Display des Galaxy S7.

Ist das Display eingeschaltet, erscheinen auf dem zweiten Display Shortcuts zu Apps und Kontakten, die Ihr jeweils auswählt. Zudem seht Ihr den nächsten Termin, könnt Euch Erinnerungen eintragen, die Wettervorhersage sehen oder die Musikwiedergabe kontrollieren. Für letztere musste ich aber die Spotify-App erst auf dem großen Display öffnen, damit die Bedienung über das kleine Display nach eine längeren Pause funktionierte. Anschließend konnte ich auf dem großen Display auch andere Apps starten. Das ließe sich noch nutzerfreundlicher gestalten, zeigt aber den Vorteil des kleinen Displays: Ihr könnt auf dem großen Display bei Facebook unterwegs sein und über den kleinen Touchscreen Infos checken, Benachrichtigungen sehen und kleine Aktionen ausführen, ohne die aktuelle App zu verlassen. In der Praxis ist das aber nur bei Anwendungen im Hochformat sinnvoll. Bei Spielen oder Videos im Querformat befindet sich der zusätzliche Bildschirm an der Seite und ist schlecht zu erreichen. Deswegen schaltet er sich dann auch automatisch ab.

Nicht ganz unwichtig: Ist Euch Symmetrie wichtig, dann dürfte das kleine zweite Display für Enttäuschung sorgen. Es füllt nicht die ganze Breite des HTC U Ultra aus, sondern lässt links noch Platz für die Frontkamera. Das sieht nicht wirklich schön aus, andernfalls wäre das Smartphone aber noch größer geworden. Umgewöhnen müsst Ihr Euch beim Aufrufen der Schnelleinstellungen. Bei allen andern Smartphones könnt Ihr einfach von oben nach unten über den Displayrand wischen, um sie zu öffnen. Beim U Ultra landet Ihr dann aber auf dem Zweitdisplay und müsst deswegen gezielt den Finger direkt am oberen Rand des großen Displays ansetzen.

Auf dem Kamera-Olymp

Die Kamera war lange ein Schwachpunkt bei den Topmodellen von HTC. Das änderte sich erstmals 2016 mit dem HTC 10. Die Kamera erhielt nicht nur von DxO Mark eine Bestnote. Nach eigenen Angaben hat HTC für das U Ultra die Kamera des HTC 10 genommen und sie an einigen Stellen noch weiter verbessert. Da ich gerade kein HTC 10 zur Hand habe, kann ich keinen direkten Vergleich ziehen, Euch aber versichern, dass die Bilder des U Ultra sehr gut aussehen und HTC seinen Platz in der Top-Riege der Smartphone-Kameras erfolgreich verteidigt.

Die Hauptkamera des HTC U Ultra nimmt Fotos mit einer Auflösung von zwölf Megapixeln auf. Dafür stehen Ihr ein Phasendetektions- und ein Laser-Autofokus sowie ein optischer Bildstabilisator (OIS) zur Verfügung. Der Bildsensor ist rückseitig belichtet und dadurch lichtempfindlicher als herkömmliche Sensoren. Die Blendenöffnung ist mit f/1.8 vergleichsweise groß und lässt viel Licht herein. Das Ergebnis sind Aufnahmen mit hoher Detailgenauigkeit und satten, kräftigen und trotzdem natürlichen Farben. Mit starken Kontrasten kommt die Kamera auch ohne HDR-Modus gut zurecht. Aktiviert Ihr ihn, ist die Ausleuchtung aber trotzdem besser. Natürlich nimmt die Bildqualität bei wenig Licht ab, aber auch nachts liefert die Kamera noch ordentliche Aufnahmen.

Die Frontkamera des HTC U Ultra liefert sogar Selfies mit einer Auflösung von 16 Megapixeln, die qualitativ besser sind als die Aufnahmen der Hauptkameras vieler Smartphones. Ihr könnt auch hier einen HDR-Modus aktivieren und so zum Beispiel dafür sorgen, dass der Himmel auf dem Foto tatsächlich blau und nicht überbelichtet weiß strahlt. Ganz gibt HTC seine sogenannte Ultrapixel-Technologie nicht auf. Grob gesagt sorgen große Pixel dafür, dass weniger Licht ausreicht. Um den Effekt zu zeigen, habe ich Selfies in einem dunklen Zimmer gemacht, in das nur Licht aus dem Flur hereinschien. Die Aufnahme mit Ultrapixeln hat nicht nur eine kleinere Auflösung, sondern ist auch wirklich heller. Qualitativ sehen beide Bilder bei so wenig Licht aber nicht schön aus.

Snapdragon 821, Android Nougat und Boomsound

Mit der U-Serie führt HTC ein neues Gehäusematerial ein: Glas ersetzt Metall. Die Rückseite besteht aus mehreren zusammengepressten Schichten farbigen Glases. So soll sie nicht nur stabil sein, sondern ändert je nach Betrachtungswinkel und Lichteinfall auch ihr Erscheinungsbild. Die starken Spiegelungen werden so zum Designelement. Fingerabdrücke müsst Ihr trotzdem wegputzen. Mir fiel außerdem auf, dass vor allem unter gelblichen Licht der Effekt nicht so schön aussieht wie bei Tageslicht oder weißem Studiolicht.

In dem nicht wasserdichten Glasgehäuse baut HTC den Snapdragon 821 ein, der Top-Chipsatz von 2016. Was mich beim U Ultra allerdings wundert ist, dass HTC die Taktfrequenz nur mit zwei Gigahertz angibt. Üblich sind sonst 2,15 Gigahertz. Bei den Benchmark-Ergebnissen bewegt sich das U Ultra trotzdem auf einem Niveau mit Geräten wie dem Pixel XL oder dem OnePlus 3. Kurzum: Programm laufen flüssig und laden schnell.

Der interne Speicher fällt mit 64 Gigabyte ordentlich groß aus. Bei Bedarf könnt Ihr ihn mit einer micro-SD-Karte erweitern. Android Nougat als Betriebssystem, die Sense-Nutzeroberfläche und die vorinstallierten Apps belegen etwas mehr als zwölf Gigabyte Speicherplatz. Zwar verzichtet HTC seit dem HTC 10 auf die doppelte Installation von Apps. Ihr findet zum Beispiel nur noch Google Fotos und keine Galerie-App von HTC auf den Smartphones mehr vor. Trotzdem befindet sich für meinen Geschmack die eine oder andere vorinstallierte App zu viel auf dem Smartphone. Aber immerhin lassen sie sich alle mit wenig Aufwand löschen.

Die Lautsprecher des HTC U Ultra sind zwar nicht nach vorne gerichtet, firmieren aber unter dem Boomsound-Label. Zur Tonausgabe nutzt das U Ultra neben dem typischen Lautsprecher auf der Unterseite auch den Telefonhörer. So ergibt sich ein räumlich klingender Stereosound, für den Ihr zwischen Musik- und Theatermodus hin- und herwechseln könnt. Hält beim Spielen eine Hand aus Versehen den Lautsprecher an der Unterkante zu, verstummt der Ton immerhin nicht komplett. Zu laut solltet Ihr den Ton aber nicht aufdrehen, denn schon vor dem Maximum beginnt es zu scheppern.

Wie beim HTC U Play beherrscht auch das U Ultra die USonic-Technologie für den Kopfhörer, den ihr aufgrund der fehlenden 3,5mm-Buchse am USB-C-Anschluss einsteckt. Er nutzt dessen digitale Möglichkeiten aus und vermisst mit einer Art Sonar Euer Ohr. Die Technik funktioniert tatsächlich: Ich musste nur eine Taste drücken und wurde mit einem deutlich verbesserten Klang bei den mitgelieferten In-Ears belohnt.

Update vom 27. März 2017: HTC Sense Campanion installiert und ausprobiert

Der Sense Copanion gehörte bei der Vorstellung des HTC U Ultra zu den groß angepriesenen Neuerungen und ist mit etwas Verzögerung seit Mitte März auch endlich da. Ich habe ihn gleich installiert und jetzt fast zwei Wochen lang benutzt. Die angepriesene Unterstützung der App – an leeren Akku erinnern, auf interessante Orte hinweisen, über das Wetter informieren, auf Termine hinweisen, Routen berechnen usw. – klangen zwar allesamt nicht neu, aber gesammelt in einer App könnten sie doch hilfreich sein.

Doch der HTC Sense Companion ist viel zu ruhig. Ich habe ihm für den Test alle Zugriffe erlaubt und jede Teilfunktion aktiviert. Denn die die Ihr nicht benötigt, könnt Ihr auch deaktivieren. Bei anderen Apps freut man sich ja über die Ruhe, aber von so einem Assistenten erwarte ich mehr Engagement.

Dienstag habe ich ihn installiert und am Freitag kam der erste richtige Hinweis: Ein Ausblick auf das Wetter am Wochenende. Danach spielte das Wetter nie wieder eine Rolle. Am Samstag bot der Sense Companion an, die Telefonleistung zu optimieren und leitete mich an die Boost+-App von HTC weiter. Am Sonntag und darauffolgenden Freitag schickte mir der Assistent jeweils eine Übersicht der länger nicht genutzten Apps, damit ich sie ggf. deinstalliere.

Zwischendurch wies mich der Sense Companion noch darauf hin, was er alles könne: Mich auf einen leeren Akku, der geladen werden muss hinweisen. Restaurants empfehlen oder mir interessante Orte in der Nähe vorstellen. Außerdem könne er mich mit Verkehrsinfos versorgen und mir sagen, wie viele Schritte ich gegangen bin. Ich habe zwar immer gesagt, dass ich mich da sehr drüber freuen würde, aber er hat es nie gemacht.

So ruhig ist der HTC Sense Companion überflüssig. Da kann ich mich auch direkt von anderen Apps benachrichtigen lassen oder gleich zu Google Now, bzw. dem Google Assistant greifen. Zwei Wochen sind zwar ein vergleichsweise kurzer Zeitraum, aber doch genug Zeit, um mich mit mehr Hinweisen zu versorgen. Schließlich habe ich GPS extra für die ganze Zeit aktiviert und noch Orte zu meinen Terminen hinzugefügt.

Fazit: Flaggschiff aus der zweiten Reihe

Das Design des HTC U Ultra ist gewöhnungsbedürftig, aber im Vergleich zum Design-Einerlei vieler Konkurrenz-Smartphones eine willkommene Abwechslung. Durch das zweite Display ist das Smartphone tatsächlich sehr groß geraten. Manch einem Nutzer dürfte es zu groß sein. Die hervorragende Kamera dagegen schon. Darüber hinaus erwartet Euch ein Gerät, das mit seiner Hardware und Ausstattung bei den Flaggschiffen mitfährt, aber in Kürze von der neuen Generation abgehängt wird. Das LG G6, das Galaxy S8 und wohl auch der Nachfolger des HTC 10, das das U Ultra nicht sein soll, dürften vor allem bei der Hardware mehr bieten – und wasserdicht sein.

Auch preislich hält das HTC U Ultra mit den anderen Top-Modellen mit. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 749 Euro. Ende März soll eine Special Edition erscheinen, die mit 128 Gigabyte über doppelt so viel Speicherplatz verfügt und deren Frontseite komplett aus Saphirglas besteht. Bisher kommt dieser besonders robuste Glastyp nur in kleinen Größen zum Einsatz und schützt zum Beispiel Linsen von Smartphone-Kameras. Kostenpunkt: 849 Euro.


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