Das LG G6 im ausführlichen Test

Das Display größer, das Gehäuse kleiner: LG hat uns auf dem Mobile World Congress in Barcelona mit einem großem Bildschirm in einem handlichen Smartphone überrascht. Nun konnten wir das LG G6 ausführlich testen.

Zum besseren Verständnis, was LGs Ingenieure geleistet haben: Das Display des LG G6 misst in der Diagonalen 5,7 Zoll und ist damit größer als beim G5, das über ein 5,3-Zoll-Touchscreen verfügt. Trotzdem ist das Gehäuse nicht größer, sondern sogar etwas kleiner geworden: 0,5 Millimeter in der Länge, 2 Millimeter in der Breite und 0,7 Millimeter in der Höhe.

Das erste wasserdichte LG-Flaggschiff

Derweil zeigt sich LG  bei den verwendeten Gehäusematerialen weiter experimentierfreudig. In den vergangenen Jahren hat der Hersteller bei seinen Flaggschiffen Kunststoff, Leder und Metall verbaut. Beim G6 besteht die Rückseite aus Glas, eingeschlossen in einem Rahmen aus Metall. Erstmals hat LG das Gehäuse seines Top-Smartphones wasserdicht gemacht. Das G6 hat eine IP68-Zertifizierung erhalten, hält also wissenschaftlich überprüft 30 Minuten in 1,5 Meter tiefem Wasser aus.

In der Hand fühlt sich das LG G6 trotz des Materialmixes schön an. Es lässt sich gut greifen und sicher halten. Allerdings ist der Übergang zwischen Glasrückseite und Metallrahmen nicht ganz nahtlos. Beim Streichen von der Rückseite zum Rahmen spüre ich eine kleine Kante, die in der entgegengesetzten Richtung aber nicht auffällt.

Großes Display im neuen Format

Grundsätzlich gefällt mir sehr gut, dass LG es geschafft hat, ein größeres Display in einem gleich großen bzw. minimal kleinerem Gehäuse unterzubringen. Dabei hilft sicherlich auch die Entscheidung für ein Seitenverhältnis von 18:9. Auf den 5,7 Zoll verteilen sich 2880 x 1440 Pixel, die für ein gestochen scharfes Bild sorgen. Die Farben strahlen kräftig und wirken trotzdem natürlich.

Das Display beherrscht zudem Dolby Vision und HDR10. LG verspricht sich davon intensivere Farben und einen nochmals verbesserten Kontrast. Das gilt allerdings nur für Inhalte in eben diesen Formaten. Als Partner in diesem Bereich nennt LG unter anderem Netflix und Amazon. Netflix hat allerdings schon erklärt, dass seine HDR-Inhalte für Mobile noch etwas Zeit brauchen. So sehen Serienstreams auf dem LG G6 sehr schön aus. Doch einen besonderen Mehrwert konnte ich nicht erkennen.

Der Bildschirm des LG G6 ist wieder ein Always-on-Display. Das bedeutet, es zeigt immer die Uhrzeit, das Datum, den Akkustand und Symbole für eingegangene Benachrichtigungen an. Ich finde das praktisch, da ich für diese Infos das Display nicht mehr einschalten muss, sondern nur einen Blick drauf werfen brauche. Die Augen schonen soll die sogenannte Komfortansicht. Bei anderen Hersteller heißt sie gerne auch Nachtmodus und reduziert den Anteil des blauen Lichts. Dadurch sollen sich die Augen – vor allem Nachts – weniger anstrengen. Beim G6 könnt Ihr dafür zwischen drei verschiedenen Stärken wählen.

Die abgerundeten Ecken geben dem Display des LG G6 einen neuen Look, der etwas Abwechslung in den Smartphone-Einheitsbrei bringt. Bei ganz genauer Betrachtung fällt aber auf, dass sich zwischen Display und dem Rahmen auf der Vorderseite ein schmaler schwarzer Rand befindet. Der bleibt auch bestehen, wenn Ihr Apps an das Bildschirmformat anpasst. Beim Display des S8 ist dieser nicht auszumachen. Standardmäßig zeigt das G6 viele neu installierte Apps im 16:9-Format mit Rändern an den kurzen Seiten an. Im 16,7:9-Format sind die Ränder schon schmaler, und bei 18:9 seht Ihr das Vollbild.

"Alter" Chipsatz für frühen Verkaufsstart

LG wollte mit dem G6 nicht auf den Snapdragon 835 warten. Anders als Sony, deren Xperia XZ Premium deswegen erst im Juni auf den Markt kommt. Bis dahin hat Samsung noch exklusiven Zugriff auf den neuen Chipsatz von Qualcomm. Mangels Alternativen greift LG deswegen für das G6 auf den Snapdragon 821 zurück, der aus 2016 stammt. Im Alltag fallen Unterschiede zum neuen Qualcomm-Chipsatz nicht auf. Da läuft die Nutzeroberfläche flott, die Ladezeiten sind kurz. Spannender ist da die Frage, wie viel weniger Energie der angeblich stromsparende Snapdragon 835 verbraucht als sein Vorgänger. Für eine Antwort müssen wir uns allerdings noch ein wenig gedulden.

Um das LG G6 wasserdicht zu machen, haben die Koreaner den Akku erstmals fest verbaut. Dafür hat sich seine Kapazität im Vergleich zum G5 um 500 mAh auf 3300 mAh erhöht. Neue Energie erhält die Batterie über den USB-C-Anschluss und soll dank Schnellladefunktion in 35 Minuten zu 50 Prozent aufgeladen sein. Tatsächlich lädt der Akku sehr schnell. Ich bin mit dem G6 bei für mich typischer Nutzung gut über den Tag gekommen. Sorgen, dass das Smartphone zwischendurch an die Steckdose muss, musste ich mir nicht machen.

Beim internen Speicher zeigt sich LG knauserig. Mit 32 Gigabyte verfügt das G6 über den kleinsten internen Speicher der aktuellen Top-Smartphones. Er lässt sich zwar mit einer microSD-Karte erweitern. Ohne ihn stehen für Eure Daten nur etwas weniger als 20 Gigabyte Speicherplatz zur Verfügung.

Dualkamera mit Weitwinkel

Wie schon das LG G5 verfügt auch das LG G6 über zwei Kameras auf der Rückseite. LG hat jedoch die Auflösung der Kameras reduziert. Die beiden Hauptkameras mit unterschiedlich großen Blickwinkel liefern jetzt beide Fotos mit 13 Megapixeln. Das muss aber nicht schlimm sein, andere Kameras mit zwölf Megapixeln schießen auch sehr gute Fotos. Gravierender könnte sich der Rückschritt auf fünf Megapixel bei der Frontkamera auswirken.

Die zwei Kameras auf der Rückseite nutzt LG nicht für einen Bokeh-Effekt, wie etwa Huawei oder Apple, sondern um Euch mit einem Fingertipp in den Weitwinkel-Modus wechseln zu lassen. Das hat aber Auswirkungen auf die Fotoqualität in Szenen mit wenig Licht. So ist die Blende der Standard-Kamera mit f/1.8  größer als die der Weitwinkel-Linse mit f/2.4. Der optische Bildstabilisator steht aber beiden Kameras zur Verfügung.

Die Bildqualität ist nach wie vor top. LG hat schon in den vergangenen Jahren Kameras in seinen Flaggschiff-Modellen verbaut, die zu den besten der Branche gehörten. Das ist auch in diesem Jahr nicht anders. Positiv fallen die hohe Detailgenauigkeit und die natürlich wirkenden kräftigen Farben auf. Mit Kontrasten kommt die Kamera in der Regel gut zurecht. Bei sehr starken Unterschieden und bei hellem Sonnenschein lohnt sich der HDR-Modus. Die Panorama-Aufnahmen sind gut zusammengesetzt, aber mir insgesamt zu dunkel. Das gilt bei den Nachtaufnahmen nicht. Ein Bildrauschen kann auch LG nicht verhindern. Doch die Kamera des G6 nutzt das vorhandene Licht gut aus.

Die Frontkamera mit einem Blickwinkel von 100 Grad und eine f/2.2-Blende hat zwar nur eine Brennweite, bietet für Gruppen-Selfies aber trotzdem einen größeren Blickwinkel an. Der ist zwar an den Rändern erkennbar verzerrt, aber bei der übrigen Bildqualität nicht schlechter als die normale Perspektive. Trotz der reduzierten Auflösung gefallen mir die Selfies gut. Der HDR-Modus lohnt sich vor allem, wenn neben Eurem Gesicht noch Himmel und Wolken im Bild zu sehen sein sollen. Kleiner Nachteil: Egal ob für Front- oder Rückkamera müsst Ihr den HDR-Modus  über die Einstellungen der Kamera-App aktivieren und deaktivieren. Eine direkte Steuerung wie bei vielen Kamera-Apps ist in der Aufnahmeansicht nicht möglich.

Eine Dreingabe zur Kamera-App und ein nettes Spielzeug, das das Seitenverhältnis des Displays ausnutzt, ist die App "Quadratische Kamera". Sie teilt den Bildschirm in zwei Hälften. Die Obere dient als Sucher, unten könnt Ihr direkt die Aufnahme kontrollieren. Die Bilder sind dann natürlich quadratisch. Auch wenn Ihr in den Doppelfoto-Modus wechselt und zwei Bilder aus Front- und Rückkamera gleichzeitig aufnehmt, die die App nebeneinander montiert. Auch lustig: die "Vorlagenaufnahme". Damit will LG Nutzern ein paar Ideen mitgeben für neue Motiv. Eine nette Idee.

Einschaltknopf hinten und Lautsprecher unten

Wie bei LG inzwischen üblich, befindet sich der Ein- und Ausschaltknopf auf der Rückseite des G6. In ihm ist ein Fingerabdrucksensor integriert, welcher auch gut zu erreichen ist, wenn man das Smartphone in der Hand hält. Anders als beim Galaxy S8 besteht nicht die Gefahr auf die Kameralinse statt den Sensor/Knopf zu drücken. Liegt das Smartphone auf dem Tisch, reicht zum Einschalten ein Doppeltipp auf das Display.

Der Aufschrei war teilweise sehr groß, als nach der Vorstellung des LG G6 bekannt wurde, dass das Smartphone in Korea mit einem Hifi-Chip erscheint, der in der Europa-Version fehlt. Ich finde den Sound in Ordnung, aber nicht berauschend. Das liegt vor allem daran, dass das G6 nur über einen Lautsprecher an der Unterseite verfügt. Der kann keinen raumfüllenden Klang schaffen. Beim Zocken hält man ihn aus Versehen zu.

Android Nougat und Google Assistant

Das LG G6 hat ab Werk Android Nougat an Bord, doch mit der Version 7.0 schon nicht mehr die aktuellste Variante. LG verpasst dem Betriebssystem seine Nutzeroberfläche LG UX. Die kommt ohne App Drawer aus.

Bei der Präsentation des G6 auf dem Mobile World Congress in Barcelona konnte sich der Hersteller zudem noch damit rühmen, dass es den neuen Google Assistant an Bord hatte. Damals war es neben den Pixel- und Nexus-Geräten von Google auch das erste Smartphone eines anderen Herstellers mit der Künstlichen Intelligenz. Doch in der Zwischenzeit hat Google seine Software für eigentlich alle Geräte mit mindestens Android Marshmallow freigegeben. Doch solange Samsungs Bixby noch kein Deutsch versteht, steht LG damit immer noch gut dar.

Fazit: Top ist nicht mehr top genug

LG hat beim G6 vieles richtig gemacht und sein Flaggschiff an den richtigen Stellen modernisiert: Das Gehäuse ist endlich wasserdicht undhandlich geblieben trotz eines größeren Displays. Die Dualkamera hat die praktische Weitwinkel-Option beibehalten und liefert nach wie vor eine sehr gute Bildqualität. Gleichzeitig hat LG es nicht geschafft, sein Top-Gerät auf ein neues Level zu heben. So wird es schwer, sich vom ewigen Konkurrenten Galaxy S8 abzuheben. Vor allem, wenn der Chipsatz aus dem Vorjahr sich in Kürze mit der aktuellen Konkurrenz messen muss.

Das LG G6 könnt Ihr bereits vorbestellen. Der offizielle Verkaufsstart ist der 24. April, die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 749 Euro.


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