Aufessen, damit die Sonne scheint? 5 Tipps gegen Lebensmittelverschwendung

Egal ob aus dem Kühlschrank oder dem Restaurant, als Geber oder Nehmer: Möglichkeiten, Essen zu teilen, gibt es mit diesen Apps gegen Lebensmittelverschwendung.
Egal ob aus dem Kühlschrank oder dem Restaurant, als Geber oder Nehmer: Möglichkeiten, Essen zu teilen, gibt es mit diesen Apps gegen Lebensmittelverschwendung.(© 2018 Shutterstock / Rawpixel.com)

Egal ob aus dem privaten Kühlschrank oder als ganzes Gericht aus dem Restaurant, ob als Spender oder Hungriger: Dank der digitalen Vernetzung gibt es inzwischen so viele Möglichkeiten für jeden von uns, Essen zu teilen, bevor es verdirbt oder in die Tonne wandert: Wir stellen die besten Apps gegen Lebensmittelverschwendung vor.

Knapp sieben Millionen Tonnen Lebensmittel landen jährlich alleine im deutschen Müll – das entspricht etwa 82 Kilogramm pro Person oder zwei prall gefüllte Einkaufswagen Lebensmittel. Vor allem die wachsende Zahl der Single-Haushalte muss ganz schön reinhauen, um den Kühlschrankinhalt vor dem Verfallsdatum zu leeren. Und kleine Single-Packungen sind umgerechnet oft teurer. Auch im Restaurant sollte sich niemand knausrig vorkommen, wenn er sich Essenreste einpacken lässt – wenn man bedenkt, dass Gaststätten am Ende des Tages 40 Prozent des Essens entsorgen. Lebensmittel wegwerfen ist immer noch Sünde, weil auf der anderen Seite jeder neunte Mensch hungert. Bis unser Essen dort ankommt, ist es verdorben, aber zumindest umdenken und dadurch wertvolle Ressourcen einsparen, das können wir. Dafür muss man noch nichtmal beim Einkauf verzichten, nur Überschüssiges weitergeben. Mit Essen teilen meinen wir in diesem Fall auch keinen Food Porn auf Instagram, sondern stellen euch einige andere soziale Medien vor, über die ihr euer Essen auch mal physisch teilen könnt. Denn zum Glück engagieren sich immer mehr Menschen mit tollen Ideen gegen die Verschwendung von Ressourcen.

"Foodsharing": Die Plattform um seinen Kühlschrank vor dem Urlaub zu leeren

Als erste Initiative gegen die Lebensmittelverschwendung ist natürlich die Foodsharing-Plattform zu nennen. Eine App gibt es nicht, aber ihr könnt euch über die Webseite registrieren und zu viel eingekaufte Lebensmittel oder Reserven, zum Beispiel von einer Party oder vor dem Urlaub, in den digitalen Essenskorb legen, veröffentlichen und warten, bis sich jemand meldet, um dann einen Termin zur Übergabe des Care-Pakets zu vereinbaren. Oder ihr legst eure Hamstereinkäufe in in die öffentlich zugänglichen Sammelkühlschränke von Foodsharing. Wo die stehen, verrät das Portal.
Statt zu geben, könnt ihr natürlich auch nehmen, und zwar ohne Gegenleistung. Schließlich geht es beim Foodsharing darum, dass möglichst alle Lebensmittel aufgegessen, statt weggeworfen werden. Wer sonntags spontan auf der Suche nach ein paar Rhabarberstangen für einen Kuchen ist, wird vielleicht in der direkten Nachbarschaft fündig. Alternativ könnt ihr auch mal bei Facebook stöbern: In vielen Städten haben sich soziale Gruppen gegründet, die ihr findet, wenn ihr "Lebensmittel teilen in" sucht.

"Zu gut für die Tonne": Tolle Rezepte für klassische Reste von Sterneköchen

Die App "Zu gut für die Tonne" (gratis für iOS und Android) ist herausgegeben vom Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft und hält über 340 tolle Rezepte zur Resteverwertung für euch bereit – von keinen geringeren als Sterneköchen oder prominenten Kochpaten wie Sarah Wiener, Johann Lafer oder Daniel Brühl. Die Rezepte sind weder kompliziert noch exquisit teuer, sondern beschäftigen sich vor allem mit typischen Resten und kommen mit wenigen Zutaten und Kochkünsten aus. Darunter wecken Klassiker wie "Arme Ritter" Erinnerungen an Kindheitstage. Die App wird regelmäßig mit neuen Rezepten gefüttert und gibt darüber hinaus Tipps zum Einkauf, zur richtigen Aufbewahrung und Verwertung von Lebensmitteln.

Die Foodsharing-Plattform bietet zwar keine App an, funktioniert aber in der mobilen Ansicht wunderbar auf dem Smartphone.(© 2018 CURVED)

"SirPlus": Der Online-Shop für aussortierte Lebensmittel

Zu groß, zu klein, zu krumm, nicht der Norm entsprechend oder mit auslaufendem Mindeshaltbarkeitsdatum: Das Berliner Social Impact Start-up SirPlus rettet  seit 2017 Lebensmittel von Einzel- und Großhändlern sowie Landwirten aus der Region vor der Tonne und führt sie zurück in den Kreislauf. Es holt die Lebensmittel ab, die andere Organisationen aus verschiedenen Gründen nicht retten können – etwa, weil sie Lebensmittel mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum nicht annehmen dürfen, nicht über die entsprechende Logistik oder die nötigen Kapazitäten verfügen. Verbraucher können die Sachen entweder lokal im Retter-Supermarkt in Berlin erstehen oder über den Online-Shop in die gesamte Bundesrepublik bestellen – und zwar bis zu 70 Prozent günstiger. Ab einem Einkauf von 30 Euro spart man sich auch die Versandkosten und binnen drei Tagen soll die Lieferung da sein. Außerdem bietet SirPlus Retterboxen mit variierenden Überraschungsinhalten ab 25 Euro im Abo an. Eine App gibt es nicht, die braucht es aber auch gar nicht, da auch die mobile Web-Version prima auf dem Smartphone funktioniert.

Mit "To Good To Go" spart ihr euch das Einkaufen und Kochen komplett

Mit der kostenlosen App "Too Good To Go" (für iOS und Android) spart ihr euch das Einkaufen und Kochen komplett und holt euch leckere Reste aus Restaurants in eurer Umgebung einfach nach dem Mittagsbuffet oder kurz vor Feierabend vergünstigt ab. Damit wir uns nicht missverstehen: Die Gerichte werden nicht aus Essenresten von Restaurantbesuchern zusammengeklaubt, sondern sind vollwertige Menüs, vorab auf größere Mengen gekocht, so wie es beispielsweise beim Mittagstisch oder Buffets der Fall ist. Auch liebevoll gerolltes Sushi und Gebäck finden ebenso wie Salate, wenn sie nicht rechtzeitig verkauft werden, den Weg in die App. Eine Win-win-win-Situation: für euch, die Gastronomen und die Umwelt. Rund 6.000 Restaurants, Bäckereien und Supermärkte in acht europäischen Ländern sind registriert und bieten ihre überschüssigen Speisen über die App mindestens 50 Prozent günstiger an.

Auch "ResQ Club" rettet Restaurant-Essen und macht last minute satt

Damit wir im Restaurant die volle Auswahl haben, sind die Vorräte groß und am Ende des Tages bleibt viel zu viel Essen übrig. Aber Hungrige kurz vor Ladenschluss zum kleinen Preis glücklich machen kostet vor allem organisatorischen Aufwand. Den übernimmt neben "Too Good To Go" auch die App ResQ Club: Teilnehmende Restaurants in eurer Nähe finden, das Essen im Angebot ordern, sofort oder auch kurz vor Ladenschluss abholen – und bis zu 70 Prozent sparen. Leider sind derzeit nur Berliner Restaurants sowie einige im Ruhrgebiet dabei. Das Angebot soll aber stetig wachsen – zuletzt etwa mit einer Edeka-Filiale in Berlin-Kreuzberg, die abends ihr Obst und Gemüse günstig anbietet. ResQ Club finanziert sich über eine geringe Provision des verkauftem Essen plus finanzielle Unterstützung aus einem Fond für soziale und nachhaltige Projekte. Ein Großteil der Einnahmen fließt in kompostierbaren Transportboxen – das Vorhaben Ressourcen zu sparen soll ja konsequent sein.

Hinter der kostenlosen App für Android und iOS stecken das Berliner Start-up MealSaver und der finnische Konkurrent ResQ Club, die sich im Sommer 2017 zusammengeschlossen haben, um noch mehr Leute zu erreichen. Viele Gastronomen setzen bei übrig gebliebenen Lebensmitteln auf Essenstafeln. Den Gründern der App sei es letztlich egal, welche Maßnahmen die Restaurantbetreiber ergreifen, um etwas gegen die Verschwendung auszurichten. In einem Interview mit DRadio Wissen sagte die Gründerin von MealSaver, Mai Olesen:

"Letztlich hoffe ich, dass es uns irgendwann nicht mehr geben wird. Weil wir mit dazu beigetragen haben, dass gar kein Essen mehr weggeworfen wird. Das ist unsere Idee."

Fazit: Noch mehr Inspiration zum bewussten Genuss

Man muss nicht gleich zum Selbstversorger werden, um sein Konsumverhalten bewusster zu gestalten. Mit den hier vorgestellten Apps könnt ihr aktiv etwas gegen die Lebensmittelverschwendung tun. Empfehlt sie auf jeden Fall weiter, damit noch mehr Leute mitmachen. Wenn ihr darüber hinaus ein paar bunte Kochideen für Superfoods der Saison und Region sucht, euch mithilfe dieser vereinfachten 10 Regeln ausgewogener ernähren möchtet oder Inspiration aus den fünf gesündesten Ländern der Welt mit an den Herd haben möchte, dann lest weiter. Für alle Sportler, die gar nicht mehr wissen, was sie nach dem Training essen dürfen oder sollten, haben wir auch Rat. Wem hingegen allein die Lust oder Zeit zum Einkaufen fehlt, der schaut vielleicht mal in unseren Testbericht zu fünf verschiedenen Kochboxen. Was immer auf auf den Tisch kommt: Aufessen oder teilen, damit auch im übertragenen Sinne morgen und übermorgen noch die Sonne scheint.


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