Freeletics-CEO Daniel Sobhani im Interview: Nächsten Jahre werden spannend

Freeletics-CEO Daniel Sobhani hat uns im Interview verraten, in welche Richtung sich die erfolgreiche Fitness-App bewegen soll.
Freeletics-CEO Daniel Sobhani hat uns im Interview verraten, in welche Richtung sich die erfolgreiche Fitness-App bewegen soll.(© 2019 Freeletics)

Freeletics ist die populärste und erfolgreichste deutsche Fitness-App – und nicht nur hierzulande stehen die Zeichen auf Wachstum, sondern auch international will Freeletics richtig durchstarten. Über die Entwicklungspläne und Neuheiten haben wir mit Freeletics CEO-Daniel Sobhani gesprochen: Trainings-Jorneys für einzelne Sportarten, Achtsamkeitstraining und Fitness-Influencer spielen dabei auf jeden Fall auch eine Rolle.

Ursprünglich bekannt ist Freeletics als hochintensives Trainingsprogramm mit dem eigenen Körpergewicht, das vor allem von einer starken Community lebte. Die trifft sich nicht nur virtuell, sondern verabredet sich, um gemeinsamen die harten und maximal 30 Minuten langen Workouts, wie die gefürchtete "Aphrodite", zu bewältigen. Mittlerweile bietet Freeletics neben der Trainings-App auch eine Gym-App und eine Anwendung speziell für Lauftrainings. Oben drauf gibt es für alle Zielgruppen eine Nutrition-App mit Ernährungsplänen und -Tipps. Ein Online-Blog und -Shop sowie Outdoor-Park mit Fitnessgeräten in Berlin runden das Freeletics-Angebot ab. 2013 von den Münchener Studenten Joshua Cornelius, Mehmet Yilmaz und Andrej Matijczak gegründet, war die Freeletics GmbH bis 2018 noch ein Start-up, das sich selbst finanzierte. Dann zogen sich die Gründer, die die Geschäftsführung inzwischen ihrem Freund Daniel Sobhani überlassen hatten, ganz raus und verkauften ihre Firmenanteile an die US-amerikanische Fitlab-Gruppe, die von ehemaligen Nike-Managern geführt wird. Durch deren Investment im zweistelligen Millionenbereich soll Freeletics jetzt auch den globalen Fitnessmarkt erobern. Wir haben mit CEO Daniel Sobhani über die Entwicklungspläne bei Freeletics gesprochen.

Freeletics CEO Daniel Sobhani(© 2019 Freeletics)

Interview mit Freeletics-CEO Daniel Sobhani

CURVED-Redaktion: Was hat sich bei Freeletics inhaltlich wie strukturell verändert, seit US-Investoren die drei Gründer der Freeletics-Apps im vergangenen Sommer ersetzt haben?

Daniel Sobhani: Wir konnten uns gleich auf mehreren Ebenen breiter und besser aufstellen. Das zusätzliche Kapital erlaubt uns eine längerfristige Planung, noch mehr Expertise, Erfahrungen und Ressourcen sowie eine stetige Weiterentwicklung unseres KI-gesteuerten Coaches. So können wir das Unternehmen in den nächsten Schritten zur Positionierung als weltweit führende Fitness-App voranbringen.

CURVED-Redaktion: Sie sprachen in einem Interview mit Gründerszene davon, dass die neuen Investoren den Umsatz von Freeletics verzehnfachen wollen. Wie viele Abonnenten hat Freeletics und wieviele neue sind seit den neuen Zielvorgaben dazu gekommen?

Daniel Sobhani: Hier war von einer Verzehnfachung des Firmenwertes gesprochen worden – ein sehr hohes Ziel, aber wir nehmen ja jede Challenge gerne an. Wir sind sehr zufrieden mit unserer aktuellen Entwicklung seit dem Investment und liegen vollkommen im Plan. Bezüglich unserer User können wir inzwischen knapp 34 Millionen User verzeichnen – Tendenz steigend. Die nächsten Jahre werden auf jeden Fall sehr spannend.

CURVED-Redaktion: Welche Bedeutung hat der US-Markt seit der Übernahme durch die US-Investorengruppe, die auch in der dortigen Sportbranche verwurzelt ist? Will man in den USA mehr in Richtung etablierter Marken wie Nike oder Adidas gehen?

Daniel Sobhani: Der US-Markt ist momentan in unserem Fokus. Zwar wachsen wir überall sehr stark, aber die USA sind trotz der Konkurrenz der Markt mit unserem stärksten Neukundenwachstum. Da die Investoren enge Kontakte zu bekannten Sportclubs haben, kann es für unsere Marktdurchdringung und Produktentwicklung in Zukunft sehr spannend sein, mit Clubs und Athleten in den USA zusammenzuarbeiten. Dabei konzentrieren wir uns weniger darauf, wie existierende Big Player agieren. Unser Ziel ist es, mit AI-gestützter digitaler Fitness den Markt zu revolutionieren.

Freeletics beschäftigt mittlerweile 120 MitarbeiterInnen in München.(© 2019 Tom Keen/Freeletics)

CURVED-Redaktion: Sind weitere Standorte in den USA oder auch in Europa geplant?

Daniel Sobhani: Mittelfristig wäre es denkbar, weitere Standorte zu eröffnen. Zurzeit haben wir allerdings noch keine Pläne, unseren Hauptsitz aus München zu verlagern.

CURVED-Redaktion: Wie viele Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen inzwischen?

Daniel Sobhani: Im Moment arbeiten bei uns mehr als 120 MitarbeiterInnen. Da wir zurzeit allerdings viele neue Leute einstellen, werden wir bis Ende des Jahres noch deutlich wachsen.

Den fitten Lebensstil teilen alle Mitarbeiter, wobei man aber kein Sportass sein muss.(© 2019 Tom Keen/Freeletics)

CURVED-Redaktion: Und wie leidenschaftlich leben die Freeletics-Mitarbeiter den fitten Lebensstil selbst vor?

Daniel Sobhani: Ein ausgeprägtes Bewusstsein für das Thema Fitness gibt es im gesamten Team – von den Trainern bis zu den Data Scientists. Natürlich muss man sich jedoch nicht gänzlich dem Thema Fitness hingeben, um hier zu arbeiten. Wir erwarten lediglich, dass jeder im Team motiviert ist und die Werte und Visionen von Freeletics teilt.

CURVED-Redaktion: Freeletics gilt als besonders hartes Fitness-Programm. Jetzt lief aber erstmals eine Challenge in Zusammenarbeit mit Google Assistant für Einsteiger: Dürfen sich künftig auch neue Zielgruppen über passende Angebote freuen?

Daniel Sobhani: Der Launch unserer Training Journeys und die Kombination aus Gewichts- und Bodyweight-Training stellt uns sehr breit auf. Unabhängig von Alter und Geschlecht, egal, ob Anfänger oder erfahrener Athlet – der KI-gestützte Coach empfiehlt individuelle Training Journeys, die den jeweiligen Zielen und Präferenzen der User entsprechen und sie Schritt für Schritt zum Erfolg führen. Und das ist für uns erst der Anfang. Wir werden in Zukunft laufend neue Training Journeys veröffentlichen, damit die verschiedenen Fitnesslevel und Trainingspräferenzen noch besser berücksichtigt werden können. So wird unsere App wie eine Plattform, ein Netflix für intelligentes und maßgeschneidertes Training.

Daniel Sobhani trainiert selbst regelmäßig mit den Freeletics-Apps.(© 2019 Freeletics)

CURVED-Redaktion: Wird Freeletics auch konkret die Fitness-Trends 2019 bedienen?

Daniel Sobhani: Für uns steht die Zukunft ganz klar unter dem Schlagwort "Holistic Fitness Lifestyle". Bisher ging es in der Fitness-Branche oftmals darum, wie man möglichst schnell möglichst viele Muskeln aufbaut oder den "Beach Body" bekommt. Solche Zielsetzungen sind aber oftmals zu kurz gedacht und führen schnell zu Enttäuschungen. Wir möchten einen längerfristigen Wandel des Lifestyles unterstützen. Konstantes Training, gesunde Ernährung, Regeneration, Schlaf, Mindfulness und Achtsamkeit sind dafür essenziell.

CURVED-Redaktion: Mittlerweile gibt es drei weitere Apps von Freeletics (fürs Gym, zum Joggen und für Ernährung), sowie einen Shop und einen Blog. Was kommt als nächstes?

Daniel Sobhani: Wir werden mittelfristig die verschiedenen Freeletics-Training-Apps in die Trainingsplattform integrieren. So können Nutzer beispielsweise auswählen, ob sie ihre Ziele nur mit Körperkraft, in einem Fitness-Studio, mit Laufen – oder einer Kombination daraus erreichen wollen. Es ließen sich auch ganz konkrete Trainingsziele integrieren, wie beispielsweise ein Marathon oder Hindernislauf. Wir werden mittelfristig auch Training Journeys für einzelne Sportarten testen.

CURVED-Redaktion: Lange Zeit war das Hauptmerkmal der Freeeltics-App der Community-Gedanke. Zieht der nicht mehr oder warum erweitert Freeletics das Angebot so stark mit weiteren Apps und einem Shop? Oder anders gefragt: Reicht eine gute Anwendung heute nicht mehr, um möglichst viele Fitnessfans lange zu begeistern?

Der Community-Gedanke ist nach wie vor das tragende Element bei Freeletics.(© 2019 Freeletics)

Daniel Sobhani: Der Community-Gedanke ist bei uns weiterhin stark ausgeprägt. Wir haben sehr aktive Facebook Communities und viele In-App-Features wie beispielsweise den Social Feed, über den sich Nutzer finden, verbinden und motivieren können. Durch das Training-Spot-Feature können Nutzer außerdem weitere Trainings Spots finden, Trainingsgruppen beitreten und mit anderen zusammen trainieren. Events, Ambassador-Trainings und unser Offline-Trainingground in Berlin runden das Ganze ab. Die Erweiterung unseres Angebots und die Ausrichtung auf neue Zielgruppen läuft nicht gegen den Community-Gedanken. Ganz im Gegenteil – mit den neuen Training Journeys gehen wir auf das erhaltene Feedback ein, um viele Fitnessfans langfristig zu begeistern, Social Connections zu fördern und jeden Nutzer zum persönlichen Erfolg zu führen.

CURVED-Redaktion: Sind Kooperationen mit Fitness-Influencern oder Promis geplant?

Daniel Sobhani: Uns ist Authentizität sehr wichtig – das gilt auch für Kooperationen mit Influencern, Promis und anderen Partnern. In 2019 werden wir solche Kooperationen stärker vorantreiben und ausbauen und dadurch auch unserer Community neuen Mehrwert bieten.

CURVED-Redaktion: Die App-Stores sind voll von Fitness-Apps: Welche anderen Apps benutzten Sie gern?

Daniel Sobhani: Im Fitness- und Ernährungsbereich decken wir über die Training Journeys und die Nutrition App alles ab, was in unseren Augen für ein ganzheitliches Trainingskonzept wichtig ist. Ich nutze unsere Apps auch persönlich, sowie andere Apps, die mich bei meiner Weiterbildung unterstützen und mir neue Gedankenimpulse und Ideen geben, unter anderem Podcast-Apps und Kindle. Davon abgesehen nutze ich Apps, die mir helfen, meine Gedanken zu sortieren und festzuhalten, wie Google Keep und Trello.

Mit den Freeletics-Apps kann man den Trainingsweg finden, der einen optimal fordert.(© 2019 Andreas Laufenberg/Freeletics)

CURVED-Redaktion: Vielen herzlichen Dank für Ihre Zeit und alles Gute für die Zukunft!

Tipps zum Weiterlesen

Wenn ihr Freeeltrics noch nie ausprobiert habt und neugierig geworden seid, ladet euch das geballte Trainingsprogramm zum Testen einfach mal kostenlos für iOS oder Android aufs Smartphone. Was ihr hier erwarten dürft und welche Abo-Optionen ihr habt, erfahrt ihr im nächsten Beitrag. Wer schon Mitglied der Freeletics-Gemeinde ist und eine echte Herausforderung sucht, der findet bei uns außerdem die härtesten App-Workouts.


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