Personalisierte Laufschuhe aus dem 3D-Drucker: Daran arbeiten Adidas und Co

Jeder Fuß ist anders und nicht bei jedem läuft es rund: Warum maßgescheiderte Laufschuhe ein Trend werden könnten.
Jeder Fuß ist anders und nicht bei jedem läuft es rund: Warum maßgescheiderte Laufschuhe ein Trend werden könnten.(© 2018 Shutterstock/nd3000)

Das Rennen um den perfekten Laufschuh mit individueller Sohle, Dämpfung, Stabilität, Energierückgabe und Optik hat begonnen. Wir zeigen euch, warum personalisierte Laufschuhe aus dem 3D-Drucker der nächste digitale Fitnesstrend werden können und woran Adidas, Nike und Co. bereits tüfteln. 

Läufer, die es ernst meinen, etwa weil sie sich auf einen Marathon vorbereiten, Gelenkprobleme haben oder endlich mal so richtig an der Pace schrauben wollen, haben sich vermutlich schonmal einer professionellen Laufanalyse unterzogen oder beim Orthopäden durchchecken lassen. Bei Verletzungen, Fehlstellungen oder ungünstigem Laufstil können individuelle Einlagen oder Schuhe mit besonderer Dämpfung Abhilfe schaffen. Doch stellt euch vor, ihr könntet eure neuen Treter schon vor dem Kauf vermessen, so dass ihr am Ende einen Schuh bekommt, der nicht nur eurer Lieblingsmarke und euren Designvorlieben sowie dem passenden Obermaterial für eure Zwecke entspricht, sondern auch maßgeschneiderte Sohlen und Dämpfung mitbringt? Schuhe aus dem 3D-Drucker sind keine weit entfernte Zukunftsvision, sondern eines der Kernthemen vieler Hersteller. Woran Adidas, Nike und Co. bereits tüfteln, verraten wir euch im Folgenden.

Personalisierte Laufschuhe: Eine lohnenden Investition

Joggen scheint nie aus der Mode zu kommen, ganz im Gegenteil: Gerade in Großstädten gehen immer mehr junge und alte Läufer bei abenteuerlichen Kletter-Schlamm-Parcouren oder einem Triathlon an den Start. Längst gibt es abwechslungsreiche Laufevents, zum Beispiel speziell für Frauen in Kombination mit Yoga. Wenn man bedenkt, dass jeder Läufer mindestens alle zwei Jahre ein Paar neue Laufschuhe kauft und passionierte Läufer sogar mehrere Modelle brauchen, dann würden sich selbst Investitionen in Millionenhöhe in innovative maßgeschneiderte Sportschuhe für Hersteller wie Brooks, Adidas, Nike, Asics oder Salomon schon bald auszahlen.

Ganz schön faserig, der "Futurecraft4D" von Adidas. Der kommt demnächst aus dem 3D-Drucker.(© 2018 Adidas)

Macht Adidas das Rennen? "Futurecraft 4D" ist einzigartig, aus Licht und Liebe

Das Rennen macht derzeit Adidas: Mit dem "Futurecraft 4D" will der Sportartikelhersteller aus Herzogenaurach noch in diesem Jahr die Mittelsohle des neuartigen Laufschuhs revolutionieren. Dafür kommt eine digitale Lichtsynthese zum Einsatz und soll mehr als 20.000 feine Gitterstreben in der Sohle so formen, dass sie den Läufer später durch individuelle Energierückgabe, Dämpfung und Stabilität optimal unterstützt. Noch 2018 sollen rund 100.000 Paar der futuristischen Laufschuhe in schwarz-grau mit hellgrüner Sohle für etwa 300 Euro in den Handel kommen. Online wird der "Futurcraft 4D" aber bereits für 1.500 US-Dollar gehandelt – immerhin ist er limitiert und die Technik nur in zwei Produktionsstandorten, Ansbach in Bayern und Atlanta in den USA, verfügbar. Adidas Vision aber ist, dass in naher Zukunft auch erste Sportschuh-Fachhändler auf die 3D-Druckertechnik zurückgreifen und Kunden vor Ort vermessen können.

Übrigens hat Adidas schon erste Gehversuche in Richtung Schuhe, die an ihre Nutzer angepasst sind, gemeistert: In der Speedfactory werden seit dem vergangenen Jahr mit der urbanen Laufschuh-Serie AM4, Adidas Made For, Modelle ganz im Sinne von ausgewählten Running-Influencern aus London, Paris, Los Angeles, New York, Tokio und Shanghai kreiert. Die sechs Modelle sind speziell für Großstädter konzipiert und sollen auf häufig wechselnden Untergründen, die für die genannten Metropolen typisch sind, besonders gut dämpfen. Die Serien sind teilweise schon in limitierter Auflage erhältlich.

So oder so ähnlich wird der "Adidas Futurecraft4D" gegossen.(© 2018 Adidas)

Brooks bringt die personalisierten "Genesys"Anfang 2019 in den US-Handel

Der US-Sportbekleidungshersteller Brooks zieht nach und hat bereits für das Frühjahr 2019 den ersten personalisierten Laufschuh "Genesys" für die USA angekündigt. Grundlage dafür ist ein in Kooperation mit HP und Superfeet entwickelter 3D-Scanner, der im Rahmen einer Laufanalyse ein digitales bio­metrisches Profil des Läufers produziert. Die Stückzahl ist laut Hersteller zunächst auf 1.914 Paar Hochleistungs-Laufschuhe bei ausgewählten Händlern limitiert. Zum Preis hat Brooks noch keine Angaben gemacht, allerdings ist davon auszugehen, dass die maßgeschneiderten Sportschuhe 50 bis 100 Euro teurer sein dürften als dasselbe Modell von der Stange. Dafür stimmt dann aber vom Obermaterial bis zur Sohle alles und der Kunde erhält seinen persönlichen Laufschuh binnen weniger Tage.

Nike lässt Kunden immerhin individuell designen

Zwar kann Nike noch nicht mithalten, was die individuelle Fußvermessung angeht, aber dafür haben bei US-Marktführer längst nicht mehr nur Fußballweltstars die Möglichkeiten, ihrem Lieblingsmodell einen persönlichen Look zu verpassen, sondern auch jeder Hobbysportler. Was darf es denn sein? Ihr habt die Qual der Wahl beim Schuhmodell, Design, bei der Farbgebung der einzelnen Partien von Zunge bis Sohle und könnt auch die Nike-Logos sowie der Beschaffenheit des Obermaterials nach euren Wünschen anpassen. Wer mag, kann seinem Schuh sogar noch einen eigenen Schriftzug verpassen. In meinem Fall bin ich schon bei gut 100 Euro dabei – und wirklich begeistert.

Darüber hinaus macht aber auch Nike seine Hausaufgaben in Sachen personalisierter Laufsohle und hat für das Anfang 2018 erschienene Modell namens "Epic React Flyknit" tausende von Läuferdaten ausgewertet. Herausgekommen ist ein spezieller PU-Schaum, der den Läufer beim Aufprall auf den Boden quasi zurück in die Luft katapultieren und somit für eine bessere Laufeffizienz und mehr Tempo sorgen soll.

Was geht bei New Balance, Asics und Salomon?

Der auch bei uns total angesagte US-Sportbekleidungshersteller New Balance hatte bereits im Frühjahr 2016 in Zusammenarbeit mit dem Techunternehmen 3D Systems 44 schnell vergriffene Paar individuelle Laufschuh-Modelle des "Zante Generate" produziert. Seither ist es bei New Balance allerdings still geworden im Hinblick auf personalisiertes Schuhwerk aus dem 3D-Drucker. Kein Wunder, mit Blick auf die Straße stellt man schnell fest, dass auch die Schuhe von der Stange über den Ladentisch gehen, wie warme Semmel.

Auch Asics verfolgt derweil noch andere Ziele als personalisiertes Schuhe: Der japanischen Sportmarke geht es vor allem um Nachhaltigkeit. Dank einer neuen Mikrowellentechnologie kann das Unternehmen die bunten Sohlen offenbar in 15 Sekunden produzieren und damit den Energieaufwand bei der Fertigung um annähernd 90 Prozent senken.

Der französische Experte für Outdoor-Sport, Salomon,  bietet Kunden immerhin die Möglichkeit, ihre Laufschuhe ein Stück weit zu individualisieren. So kann ich bei meinem Lieblingsmodell beispielsweise eine stärker oder schwächer gedämpfte Sohle oder extra starkes Obermaterial wählen.

Fazit: Lauf-Apps können nicht nur motivieren, sondern auch helfen, Sportartikel zu revolutionieren

Höher, schneller, weiter: Heute ist es für die Sportartikelhersteller kein Problem mehr, an Laufdaten zu kommen. Längst haben Adidas, Nike und Co. ihre eigenen Sport-Apps und können die Nutzerdaten nicht nur zu Werbezwecken verwenden, sondern auch für die Produktentwicklung heranziehen. Wer weiß, vielleicht helft ihr selbst indirekt dabei mit, den nächsten ultimativen Laufschuh zu entwickeln. In jedem Fall können wir uns in den kommenden Monaten und Jahren über offensichtliche Fitness-Wearables hinaus auch über smarte Sportbekleidung freuen, die uns unseren persönlichen Zielen näher bringt.


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