Wie der Bikesharing-Dienst Donkey Republic meinen Urlaub gerettet hat

Wir haben zufällig einen besonderen Bikesharing-Dienst im Urlaub getestet – und waren begeistert.
Wir haben zufällig einen besonderen Bikesharing-Dienst im Urlaub getestet – und waren begeistert.(© 2018 Tina Klostermeier)

Einfach mal wieder raus, aktiv ausspannen und eine neue Stadt entdecken, ohne digitale Ablenkung und Motoren: Smartphone aus, Reiseführer zum Blättern raus und los. Doch dann kam alles anders – zum Glück! Der Erfahrungsbericht unserer Redakteurin Tina über den Bike-Sharing-Anbieter Donkey Republic – oder: wie "Elvis" und "Liquorice" für ein unvergessliches Wochenende in Kopenhagen sorgten.

Zugegeben, ganz wach ist man nicht, wenn man mit dem Nachtzug von Hamburg nach Kopenhagen tingelt und dort Freitagmorgen um sieben ins gerade erwachende öffentliche Verkehrsnetz der fremden Stadt stolpert. Entzückt von den niedlich klingenden dänischen Namen folgten meine Freundin Cristina und ich einfach den gelben Linien, aber die dänische Hauptstadt ist generell sehr farbenfroh und so führte uns der gelbe Wegweiser nicht automatisch auf der gelben U-Bahn-Linie nach Nørrebro. Hier erwartete uns der AirBnB-Vermieter auf dem Sprung zur Arbeit bereits. Mit einer Stunde Verspätung stiegen wir an unserer Zielhaltestelle schließlich aus dem Bus – und wurden in unserer Eile fast von einer ganzen Horde Fahrradfahrern überrollt. Selten haben wir in einer Stadt so wenig Autos gehört und so viele Hollandräder gesehen. Schnell war klar: So eins wollen wir auch, damit wir uns ebenso entspannt durch die Stadt bewegen können wie die Einheimischen!

Fahrradverleihe findet man in Kopenhagen ähnlich viele wie Hot-Dog-Stände, aber...

Fahrradverleihe findet man in Kopenhagen ähnlich viele wie Hot-Dog-Stände. Der erstbeste kam uns mit knapp 20 Euro pro Tag recht teuer vor. Im nächsten Laden wenige Meter weiter dachten wir, das ultimative Schnäppchen auf zwei Rädern für drei Tage zu schießen – und endeten mit zwei verrosteten alten Drahtesel. Ehe uns diese abschmieren konnten wie ein dänisches Softeis in der Hitze, starteten wir eine Reklamation und betraten den dritten Fahrradladen. Hier waren wir zwei Sekunden zu spät, denn soeben hatte sich eine chinesische Großfamilie die besten Fahrrädern gesichert, während man beim vierten und für uns letzen Radladen die Räder um Punkt 12 Uhr am Folgetag wieder zurückbringen musste, was uns zu unflexibel erschien.

Schließlich reichte es uns und ich erinnerte mich an einen Artikel, den ich mal über Bikesharing geschrieben hatte: Eigentlich wollten meine Freundin und ich auf unserem Städtetrip mal wieder Handy-Detox betreiben. Wer hätte gedacht, wie viel Chaos uns ein Bikesharing-Anbieter erspart? Wir hatten uns kurzerhand für den europaweit verfügbaren Dienst Donkey Republic entschieden, weil dieser ganz ohne Leihstationen, Internetverbindung, Bargeld, Personalausweis oder Pfand auskommt, dafür seine Räder aber mit niedlichen Namen ausstattet – und auch direkt in Kopenhagen seinen Sitz hat. Nur zwei Querstraßen weiter warteten dann auch tatsächlich Elvis und Liquorice auf uns – und in den kommenden drei Tagen wurden wir vier unzertrennlich – wie Bibi und Tina mit Sabrina und Amadeus.

Meine Freundin und ich mit unseren Donkey-Bikes "Elvis" und "Liquorice"unweit der kleinen Meerjungfrau in Kopenhagen.(© 2018 Tina Klostermeier)

So radelt es sich in der Donkey Republic

Bike-Sharing-Anbieter gibt es viele – und ich habe schon einige getestet. Donkey Republic hat mich besonders überzeugt, weil das Konzept von der Hardware bis zur Software perfekt durchdacht ist. Und so funktioniert das Ganze: Als Nutzer kann man sich unverbindlich die kostenlose Donkey Republic App für iOS oder Android runterladen und über GPS nach freien Rädern in der Nähe suchen. Diese befinden sich größeren Städten in Skandinavien, Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden und in Spanien an jeder Ecke. Allerdings nicht in privaten Hinterhöfen, sondern immer an zentralen Plätzen, meist innerhalb von fünf Gehminuten erreichbar. Mit einem Klick auf das Rad bestimme ich die Dauer der Ausleihe: 30 Minuten, zwei, sechs oder zwölf Stunden oder einen bis 14 Tage. Übrigens lassen sich bis zu fünf Räder gleichzeitig leihen – prima für Besuch.

Die Preise variieren je nach Land: In Dänemark haben wir für zwei Tage 15 Euro pro Rad bezahlt. In Deutschland beginnt das Angebot bei 1,25 Euro für 30 Minuten oder bei fünf Euro für zwei Stunden. Einen Tag mit Donkey Republic radeln liegt bei zehn Euro, zwei kosten hier 18 Euro. Zusätzlich könnt ihr euer Bike für zwei Euro pro Tag gegen Schäden und Diebstahl versichern. Entscheidet man sich für ein Angebot, muss man sich registrieren, was aber sehr schnell geht. Bezahlt wird per Kreditkarte. So hatten wir binnen fünf Minuten unsere Bikes, nachdem wir zuvor bei vier verschiedenen Fahrradhändlern waren. Vielfahrer oder Pendler können auch Abos abschließen und zum Beispiel für 15 Euro im Monat so oft bis zu zwölf Stunden fahren, wie sie wollen.

Die kleinen aber feinen Details machen den Unterschied

Hilfreich fand ich auch das Rückgaberecht: Ist man nach den ersten zehn Minuten fahren nicht zufrieden oder bemerkt Mängel, kann man das Rad stornieren. Bei meinem letzten Leihrad über einen Händler an der Nordsee hatte ich nach nur drei Kilometern eine Panne und musste es eine halbe Stunde zurückschieben. Donkey Republic hingegen kümmert sich in so einem Fall selbst darum, denn auch nach den ersten zehn Minuten steht der Kundenservice über die App zur Verfügung.

Das absolute Highlight für Touristen aber ist die robuste Fahrradhalterung am Lenker: Die gehört bei Donkey Rebublic standardmäßig dazu und übersteht jeden Huckel. Uns half es, fortan jedes Sightseeing-Ziel zu finden. Außerdem ist der orange Drahtesel mit drei Gängen und einem Gepäckträger vor dem Lenker samt Spanngummi ausgestattet – so hat man sein Hab und Gut immer im Blick. Unterwegs kann man sein Rad auf Zeit mit einem einzigen Klick in der App an- und aufschließen. Es ist mit einem dicken Kettenschloss ausgestattet und lässt sich dadurch auch an Gittern befestigen. Donkey Republic bedankt sich ganz artig: "Danke, dass du so gut auf unser Rad aufgepasst hast."

Als sich unser Wochenendtrip langsam dem Ende neigte, erinnerte auch die App uns, dass unsere Leihdauer bald verstreicht. Über den Countdown kann man die verbleibende Zeit in der App immer sehen und dann entweder verlängern oder das Bike zu einem nahegelegenen Abgabeort bringen und die Ausleihe beenden. Dies wird dann sowohl über die App als auch nochmal per Mail bestätigt. Uns fiel der Abschied wirklich nicht leicht – wir hatten danach noch zwei Stunden in Kopenhagen, aber irgendwie war es nicht mehr dasselbe ohne Elvis und Liquorice.

Fazit: Bikesharing lohnt sich, ob im Urlaub oder zuhause – und verschiedene Anbieter testen auch

Wieder zuhause angekommen, hatte ich den orangen Flitzer aber fast schon wieder vergessen – schließlich hab ich hier mein eigenes Rad und das breite Hamburger Verkehrsnetz, in dem ich mich auskenne. Als ich dann aber spät dran war und wusste, dass ich es mit Umsteigen nicht mehr pünktlich zur Verabredung schaffe, wollte ich mir schnell ein Stadtrad schnappen, aber: mal wieder streikte die Software des hiesigen Bikesharing-Dienstes. Das kommt leider öfter vor. Und so rettete mich an diesem Abend Sherlock aus der Donkey-Rebublic-Flotte: Für 1,25 Euro war die Fahrt sogar günstiger als mit der Bahn.

Funktioniert nicht nur im Urlaub prima: Donkeys in Hamburg.(© 2018 Tina Klostermeier)

Unterm Strich funktionierten Hardware wie Software bei Donkey Rebublic sowohl in Kopenhagen als auch in Hamburger immer einwandfrei und zu einem fairen Preis: Die Räder waren top in Schuss, ließen sich bequem in drei Gängen radeln, waren mit Licht und lautstarker Klingel absolut verkehrstauglich und die Bluetooth-Verbindung zur App funktionierte stets einwandfrei. Mir hat besonders gut gefallen, dass ein Handyhalter zum Navigieren am Lenker mit dabei war, ebenso wie ein Gepäckträger vorne inklusive Spanngummis. Durch das App-gesteuerte Schließsystem spart man sich das Suchen nach einem Fahrradschlüsseln und die Kette war lang und flexibel genug. Das Anschließen war weniger mühsam als bei den Stadträdern, bei denen man das Schloss noch durch die Speichen quetschen muss. Räder gab es im Umkreis von fünf Minuten auch genug, ebenso wie strategisch clevere Abgabestationen, die meistens direkt auf dem Weg lagen.

Egal, ob im Urlaub oder in Alltags-Eile: Grundsätzlich lohnt es sich, nach alternativen Bikesharing-Anbieter Ausschau zu halten, denn das Angebot wächst stetig. Wer keine kommerziellen Dienste unterstützen mag, kann sich sein Bike auf Zeit auch über Privatleute ausleihen. Darüber hinaus gibt es mittlerweile auch E-Bikes per App. Und wenn ihr unterwegs seid, denkt daran, dass es auch Verkehrsregeln für Radler gibt: Was ihr auf dem Zweirad dürft, und was nicht, das haben wir im aktuellen Bußgeldkatalog nachgeschlagen.


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