Samsung Galaxy Note 7: Chronik einer Akku-Krise

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Das Galaxy Note 7
Das Galaxy Note 7(© 2016 Samsung)

Das Galaxy Note 7 beschert Samsung eine der größten Krisen der jüngeren Geschichte. Seit Wochen kommt das Smartphone nicht aus den Schlagzeilen. Wir verschaffen Euch hier den Überblick von der Vorstellung und die ersten Meldungen über explodierende Akkus bis zum Rückruf und Samsungs Ankündigung das Smartphone aus Sicherheitsgründen aus der Ferne zu deaktivieren.

Das Galaxy Note 7 ist nicht das erste Smartphone bei dem der Akku explodiert – zuletzt erwischte es ein Xiaomi Mi4c. Aber bei anderen Geräten scheint es sich um Einzelfälle gehandelt zu haben. Zumindest ist Samsung der erste Hersteller, der deswegen die Auslieferung stoppt, Geräte zurückruft und mit Nachdruck von ihrer Nutzung abrät.

2. August 2016: Samsung stellt das Galaxy Note 7 offiziell vor

Anfang August hat Samsung das Galaxy Note 7 Vorgestellt. In unserem ersten Hands-on sind wir von dem Phablet mit S Pen angetan. Das könnte neben dem Galaxy S7 und S7 Edge das dritte Flaggschiff von Samsung werden.

11. August 2016: Note 7 wird knapp

Das Note 7 kann noch nicht vorbestellt werden, trotzdem sollen die Geräte knapp werden. Im Nachhinein scheinen sich hier die ersten Probleme bereits angekündigt zu haben.

16. August 2016: Galaxy Note 7 kann vorbestellt werden

Ab sofort kann das Galaxy Note 7 vorbestellt werden.

24. August 2016: Die ersten Vorbesteller erhalten das Note 7

Früher als geplant startet Samsung den Versand des Galaxy Note 7 in Deutschland. Eigentlich sollten die Vorbesteller das Smartphone erst am 30. August erhalten.

1. September 2016: Lieferverzögerungen wegen "Qualitätssicherung"

Am Tag vor dem offiziellen Verkaufsstart gibt es erste Berichte über Lieferverzögerungen – angeblich zur Qualitätssicherung. Samsung wolle Meldungen über technische Probleme von Nutzern, die das Galaxy Note 7 bereits erhalten hatten, nachgehen. Was genau diese technischen Probleme seien ist aber noch nicht bekannt. Der S Pen, der beim Note 5 teilweise feststecken blieb, wird verdächtigt.

2. September 2016: Verkaufsstart für das Galaxy Note 7 / Samsung ruft das Smartphone zurück

Am geplanten Verkaufsstart überschlagen sich die Ereignisse: Zuerst gibt es Vermutungen, dass Samsung wegen fehlerhafter Akkus einen Rückruf plane. Später am Tag erfolgt der offizielle Rückruf, da mehrere Akkus explodiert seien. In einem offiziellen Statement von Samsung ist von 35 bekannten Fällen die Rede in denen der Akku des Note 7 explodiert sei.

5. September 2016: Rückruf könnte Samsung eine Milliarde kosten

Teurer Fehler: Die Rückruf-Aktion für das Galaxy Note 7 könnte Samsung eine Milliarde Dollar kosten – und da ist der Imageschaden noch nicht einberechnet.

7. September 2016: Verzicht auf eigene Akkus / US-Behörde prüft Verbot in Flugzeugen

Nur in etwa 70 Prozent der Galaxy Note 7 stecken Akkus, die Samsung selbst hergestellt hat und genau die seien explodiert. Von den übrigen 30 Prozent der Smartphones mit Batterien des chinesischen Herstellers ATL sei kein einziges explodiert. Folglich plane Samsung nun den Verzicht auf eigene Akkus. Sogar die Zukunft der gesamten Akku-Sparte des Konzerns steht in Frage. Gleichzeitig prüft die US-Luftfahrtbehörde FAA ein Verbot des Note 7 in Flugzeugen. Als kleine Wiedergutmachung deutet sich an, dass Samsung wohl doch alle Farbvarianten weltweit anbietet.

8. September 2016: Termin für Tauchaktion steht / Airlines verbieten Note 7 in ihren Flugzeugen

Mit dem 19. September gibt es einen Termin, an dem die Tauschaktion des Note 7 starten soll. Käufer, die das Smartphone bereits erhalten haben, können ihre Modelle gegen andere mit als sicher eingestuften Akku austauschen. Unterdessen verbieten mit Quantas und deren Tochterfirma Jetstar sowie Virgin Australia erste Airlines die Nutzung des Note 7 in ihren Flugzeugen.

10. September 2016: Regulärer Verkauf könnte im Oktober starten

Die Wogen glätten sich. Zumindest gibt es mit dem 10. Oktober einen ersten inoffiziellen Termin für den zweiten regulären Verkaufsstart des Note 7.

11. September 2016: Note 7 kann sich angeblich auch im normalen Betrieb entzünden

Das ist bitter! Bisher hieß es immer, die Akkus des Galaxy Note 7 seien beim Ladevorgang explodiert. Die US-Verbraucherschutzbehörde CPSC warnt rät nun allerdings allen Nutzern des Smartphones dazu es auszuschalten und nicht wieder einzuschalten, da auch im normalen Betrieb die Gefahr bestünde, dass sich die Batterie entzündet.

12. September 2016: Samsung will Note 7 aus der Ferne deaktivieren

Samsung nimmt die Warnung vom Vortag, dass das Galaxy Note 7 auch bei normaler Nutzung explodieren könnte, sehr ernst. Das Unternehmen kündigt an, Geräte, die bis zum 30. September 2016 nicht umgetauscht worden seien und zu den gefährdeten Bauserien gehören, aus der Ferne zu deaktivieren. So sollen Kunden geschützt und zum Umtausch gegen ein gleichwertiges Gerät gezwungen werden. Die explodierenden Akkus und die Rückruf-Aktion hinterlassen inzwischen am Aktienkurs des gesamten Samsung-Konzerns Spuren.

13. September 2016: Neue Zahlen

Alleine in den USA sind Samsung über 70 Fälle bekannt, in denen das Galaxy Note 7 überhitze, aber zum Glück nicht immer explodiert.

14. September 2016: Erste Hilfe per Software und ein Erklärungsversuch

Samsung versucht die noch im Umlauf befindlichen Galaxy Note 7 mit einem Software-Update sicherer zu machen. Dieses soll ab dem 20. September zum Download bereit stehen und angeblich die Akkukapazität auf 60 Prozent begrenzen. Auf Youtube erklärt unterdessen JerryRigEverything wie Akkus funktionieren und liefert eine mögliche Erklärung, warum die Batterien des Note 7 so brandgefährlich sind.

Die Probleme beim Note 7 könnten Auswirkungen auf das Galaxy S8 haben. Zumindest rechnen erste Analysten damit, dass Samsung sein nächstes Flaggschiff vorzieht, um die die Verluste durch die Akku-Probleme auszugleichen.

15. September 2016: Keine Akkus mehr von Samsung

Der chinesisch Akku-Hersteller ATL kann sich auf einen Großauftrag freuen: Samsung verbaut im Note 7 keine Batterien der Konzernsparte SDI mehr. Bisher steckten sie in 70 Prozent der Geräte und alle explodierten oder überhitzten Smartphones gehörten zu dieser Gruppe. Die 30 Prozent mit Akkus von ATL verhielten sich bisher tadellos und so wird das Unternehmen vorerst zum alleinige Lieferanten.

16. September 2016: Offizieller Rückruf in den USA

Zur besseren Unterscheidung erhalten die neuen, sicheren Galaxy Note 7 angeblich eine grüne Akkuanzeige und selbst eine Namensänderung bewegt sich durch die Gerüchteküche. In den USA wurden bisher 92 defekte Geräte gezählt und der Rückruf von Samsung ist dort nun offiziell. Inzwischen ist auch der Grund für die Überhitzung des Akkus bekannt: Salopp gesagt, die Batterie ist zu eng gebaut.

17. September 2016: Verwirrung um Aufkleber

Mit Aufklebern wollte Samsung seinen Kunden signalisieren, dass sie ein sicheres Note 7 erhalten haben. Doch einige Nutzer in Kanada, die ihr altes, unsicheres Modell eingetauscht hatten, fanden auf Ihren neuen Geräten den versprochenen Aufkleber nicht. Aber zum Glück gibt es noch weitere Wege herauszufinden, ob man ein sicheres Note 7 in den Händen hält.

19. September 2016: Paketdienste weigern sich Note 7 zu transportieren

Die schlechten Nachrichten für Samsung nehmen kein Ende: Jetzt weigern sich Paketdienste die gefährdeten Note 7 von den Kunden zu Samsung zurück zu transportieren. Das wird den Austausch in die Länge ziehen und der Kundenzufriedenheit nicht zuträglich sein. Samsung muss sich derweil den Vorwurf gefallen lassen, das Note 7 überhastet auf den Markt gebracht zu haben, um dem iPhone 7 zuvor zu kommen. Dagegen spricht allerdings, dass der ursprüngliche Zeitplan genau in den Einjahres-Rhythmus nach dem Note 5 gepasst hätte.

21. September 2016: Samsung will alle Geräte austauschen

Samsung will alle gefährdeten Galaxy Note 7 austauschen. Wer sein Smartphone trotz aller Warnungen immer noch nutzt, bekommt beim Aufladen eine Pop-Up-Nachricht auf seinem Display angezeigt, das auf die Rückruf-Aktion hinweist.

22. September 2016: Weniger Fälle als angenommen

Nicht jede Meldung über ein überhitztes oder explodiertes Note 7 hat sich bewahrheitet. 26 Meldungen sollen falsch gewesen sein. Die übrigen sind aber immer noch so viele, dass der Rückruf von Samsung unverändert weitergeht. Allerdings gibt es Probleme bei der Rücksendung: Für sie sei eine Spezialverpackung notwendig, da andernfalls den Paketdiensten die Gefahr zu groß sei.

Unterdessen hat es jemand geschafft die von Samsung nachträglich eingeführte Begrenzung des Akkus auf einen Ladestand von maximal 60 Prozent zu umgehen. Zu empfehlen ist dies aber definitiv nicht.

23. September 2016: Erst ab November wieder erhältlich

In Südkorea muss Samsung die Note 7-Modelle mit dem sicheren Akku von ATL mit Röntgenstrahlung durchleuchten, um ihre Ungefährlichkeit zu belegen. Während dort immerhin schon wieder Geräte verfügbar sind, könnte es in Europa und Deutschland noch dauern. Angeblich soll der reguläre Verkauf erst wieder Ende November starten. Der Umtausch von gefährdeten Modellen soll davon unabhängig zeitnah erfolgen.

24. September 2016: Umtausch an der Haustür

Samsung kommt zu Euch nach Hause! Zumindest scheint das Unternehmen dies zu planen. Nachdem sich Paketdienste weigern das Note 7 zurück zu transportieren, überlegt das Unternehmen angeblich das Smartphone direkt bei Euch an der Haustür umzutauschen.

26. September 2016: Neuer Akku bereitet ebenfalls Probleme

In Südkorea beschweren sich Nutzer über den Akku der Austauschgeräte. Immerhin scheint er nicht gefährlich zu sein. Aber, dass er zu schnell Energie verliert oder nicht richtig lädt, macht das Smartphone nicht besser.

27. September 2016: 90 Prozent haben Austausch gestartet

Der Austausch geht voran. Bereits 90 Prozent der Käufer eines Galaxy Note 7 sollen sich bei Samsung gemeldet ein Austauschgerät eingefordert haben.

28. September 2016: Termin für zweiten Verkaufsstart steht

Mit dem 28. Oktober 2016 hat Samsung einen Termin für den zweiten Verkaufsstart des Galaxy Note 7 genannt. Bis dahin sollen alle bisherigen Käufer ein Austauschgerät erhalten haben, so dass Samsung hofft wieder Geräte in den reguläre Verkauf bringen zu können. Unterdessen leidet unter den Akku-Problemen das Vertrauen in das Note 7. Nur 18 Prozent würden es einer Online-Umfrage wieder kaufen. 21 Prozent würden zu einem anderen Samsung-Modell wechseln und sogar 26 Prozent zum iPhone. 35 Prozent der befragten, wollen einfach nur ihr Geld zurück.

29. September 2016: Kaum Vertrauensverlust – in Europa

Zwischendurch eine gute Nachricht für Samsung: Trotz Akku-Krise ist in Europa das Vertrauen in den Hersteller nicht zurück gegangen, sondern teilweise sogar gestiegen.

03. Oktober 2016: Zweiter Verkaufsstart in Südkorea

In Korea hat Samsung den regulären Verkauf des Galaxy Note 7 bereits gestartet und bisher scheinen die Verkaufszahlen die Erwartungen des Konzerns zu übertreffen. Mit jeweils rund 15.000 Geräten an den ersten beiden Verkaufstagen sei die Schwelle zu einem "Hit" mit 10.000 Verkäufen am Tag bereits deutlich überschritten.

06. Oktober 2016: Austauschgerät in Flammen

Oh oh! In einem Flugzeug in den USA soll ein Galaxy Note 7 in Flammen aufgegangen sein – und dabei handelt es sich wohl nicht um ein Modell aus der ersten Charge, sondern um ein eigentlich als sicher eingestuftes Austauschgerät. Da verwundert es nicht, dass mehrere große Kreuzfahrtunternehmen das Note 7 auf ihren Schiffen verbieten – egal aus welcher Charge.

07. Oktober 2016: Zweiter Rückruf nicht ausgeschlossen

Jetzt kommt es ganz dicke für Samsung. Nachdem ein Austauschgerät ebenfalls überhitzte und in einem Flugzeug Feuer gefangen haben soll, halten die ersten Experten eine zweite Rückrufaktion für möglich.

10. Oktober 2016: Ersatzgeräte ebenfalls defekt – Produktion gestoppt

Über das Wochenende erreichten uns aus den USA weitere Meldungen von defekten Austauschgeräten, die eigentlich sicher sein sollten. Trotzdem wurden sie heiß, qualmten oder gingen sogar in Flammen auf. Da ist es keine Überraschung, dass Samsung angeblich die Produktion des Galaxy Note 7 eingestellt haben soll und den Verkauf in Europa stoppt.

11. Oktober 2016: Samsung zieht die Note-Bremse

Das Galaxy Note 7 ist Geschichte. Samsung hat mitgeteilt, dass die Produktion des Smartphones genau wie der Verkauf der bereits produzierten Geräte gestoppt sind. Die ganze Aktion könnte Samsung 17 Milliarden Dollar kosten. Was Ihr jetzt zum Umtausch, bzw. zur Rückgabe der bereits ausgelieferten Geräte, die Samsung alle aus Sicherheitsgründen zurückhaben will, wissen müsst, haben wir hier für Euch zusammengefasst.


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